Es gibt genau einen Grund, sich auf das Ende des Sommers zu freuen: die kommende US-Serien-Saison. Mystery- und Sci-Fi-Fans werden wieder bestens bedient. Wir stellen die Hit-Kandidaten vor.

Die Flops

Was bleibt? Was geht? Was kommt neu? Das sind traditionell die drei wichtigsten Fragen, wenn die großen US-Sender kurz vor dem Sommer ihr Herbst- und Winterprogramm präsentieren. Die sogenannten Upfronts betreffen vor allem TV-Serien, Sitcoms und Reality-Shows. Wir wollen uns vor allem auf erstere konzentrieren. Doch bevor wir die interessantesten Neustarts vorstellen, ein kurzer Blick zurück.

Die TV-Saison 2010/2011, die derzeit in den Schlussspurt geht, war vor allem von Mittelmäßigkeit geprägt. Das Loch, das das Auslaufen von Mega-Hits wie "Lost" oder "24" gerissen hat, konnten die Networks nicht stopfen. Entsprechend ist diese TV-Season nicht arm an Flops.

TV-Serien - Märchen, Monster, Mystery: Die kommenden US-Serienhits

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Für NBC nicht der große Erfolg: Undercovers.
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Besonders schwer tat sich NBC: Misserfolge am Fließband waren die Folge, allen voran "Undercovers". Die Produktion aus der Feder von "Lost"-Mastermind JJ Abrams fiel völlig durch, zu Recht, da sie nur ein mäßiger "Alias"-Abklatsch war. Logische Folge: Vorzeitige Absetzung. Das gleiche Schicksal ereilte die Superheldenserie "The Cape", auch sie wird kaum jemand vermissen. "The Event" schaffte zwar eine volle Staffel, wurde aber nicht verlängert.

Auch ABC hat kräftig ausgemistet, darunter "No Ordinary Family" und die Alien-Serie "V". Weniger spektakulär sind die Absetzungen bei CBS (u. a. "Medium"), das mit gefühlten 275 Versionen von CSI und NCIS eine stabile Zielgruppe bedient. Fox setzte zwar auch etliche Serien nach nur einer Staffel ab, darunter "Human Target" und " The Chicago Code", ist aber mit Hits wie "The Simpsons", "Glee", "American Idol" oder "House" nach wie vor die stärkste Kraft im US-Fernsehen. Etwas überraschend kam die Verlängerung von "Fringe", das in eine vierte Staffel gehen darf, aber das wollen wir an dieser Stelle nicht kritisieren, sondern uns darüber freuen.

Die Hits

...waren in diesem Jahr rar gesät. Erfreuliche Ausnahmen gab es aber dennoch. Allen voran "The Walking Dead". Die Zombie-Apokalypse von AMC begeisterte Kritiker, Zuschauer und auch uns, weshalb wir ihr zum Deutschlandstart bereits ein ausführliches Special gewidmet haben. Eine zweite Staffel ist fix, viel mehr ist aber nicht bekannt – weder der Start die Dreharbeiten noch ein Ausstrahlungstermin. Serienschöpfer Frank Darabont versprach aber vor kurzem „challenging, dark shit“. Gut so.

Und zum Glück gibt es auch noch den Pay-TV-Sender HBO: Der Qualitätsgarant bescherte Mafia-Fans die Prohibitionssaga "Boardwalk Empire", die in Deutschland aktuell von Digitalkanal TNT Serie ausgestrahlt wird.

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Der Shooting-Star des Jahres 2011 ist aber ganz klar "Game of Thrones", das HBO seit Mitte April zeigt. Die Serienumsetzung des Fantasy-Epos' "Das Lied von Eis und Feuer" von George R. R. Martin wurde den hohen Erwartungen gerecht, sie wurde sowohl von Fans als auch Kritikern gefeiert.

Im Mittelpunkt von Serie und Roman steht die Adelsfamilie Stark und deren Oberhaupt Eddard. Gespielt wird er von Sean Bean, der als Boromir in "Herr der Ringe" bekannt geworden ist. Mit Tolkiens Fantasy-Benchmark hat das alles aber nichts zu tun. "Das Lied von Eis und Feuer" ist vielmehr der genaue Gegenentwurf zur Ring-Saga. "Game of Thrones", der erste Teil der bald fünfteiligen Reihe, erzählt von Macht, Intrige und Verrat in einem mittelalterlichen Fantasy-Reich. Idyllisch geht es in Westeros aber definitiv nicht zu. Die Hauptzutaten sind Dreck, Blut und Sperma, Letzteres in mehrfacher Hinsicht (Sex und Heiratspolitik).

Winter is coming. In Deutschland wird das Serienmotto (zugleich der Leitspruch des Hauses Stark) im kommenden Winter erklingen. "Game of Thrones" wird wie "Boardwalk Empire" auf TNT Serie laufen. Bis es so weit ist, seien jedem die Bücher empfohlen. Aktuell sind vier Bände erhältlich, der fünfte erscheint demnächst auf Englisch.

Alcatraz

Sender: Fox
Genre: Mystery/Krimi
Darsteller: Sarah Jones, Jorge Garcia, Sam Neill

JJ Abrams is back. Oder zumindest hoffentlich. Denn wie bereits erwähnt, floppte die letzte Serie von Mr. "Lost" gewaltig. Richtig schlecht war "Undercovers" zwar nicht, ging aber in einem See an Mittelmäßigkeit unter.

Deutlich vielversprechender hört sich dagegen nun sein aktuellstes Projekt "Alcatraz" an. Dreh- und Angelpunkt ist die weltberühmte Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco. Sie wurde 1963 geschlossen, die wahren Gründe wurden aber geheim gehalten. 302 Insassen verschwanden nämlich auf mysteriöse Weise aus ihren Zellen, sie waren über Nacht wie vom Boden verschluckt.

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48 Jahre später, also heute, taucht einer von ihnen wieder auf – scheinbar um keinen Tag gealtert. Dessen an einem Tatort gefundene Fingerabdrücke führen die Polizistin Rebecca Madsen (Sarah Jones, „Sons of Anarchy“) zum Alcatraz-Experten Dr. Diego Soto (Jorge Garcia). Als sich der Regierungsagent Emerson Hauser (Sam Neill) in die Untersuchung einmischt, wird Detective Madsen die Tragweite des Falles bewusst. Denn das Erscheinen des ersten Alcatraz-Insassen ist nur der Anfang.

Bei "Alcatraz" treffen Mystery und Zeitreise auf Krimi und Verschwörung. Für einen "Lost"-Einschlag sorgt die Besetzung von Jorge Garcia. Der war als Hurley einer der beliebtesten Charaktere der geheimnisvollen Robinsonade. Auch Sam Neill ist alles andere als ein Unbekannter, er wurde als Dinoforscher Dr. Alan Grant in "Jurassic Park" berühmt.

Einschätzung:
"Alcatraz" ist hochkarätig besetzt und ein typischer JJ. Die Serie hat sicherlich viel Potenzial, allerdings muss man abwarten, ob die Gesamtgeschichte funktioniert und nicht bloß der Fall/Verbrecher der Woche abgearbeitet wird.

Terra Nova

Sender: Fox
Genre: Sci-Fi, Abenteuer
Darsteller: Jason O'Mara, Stephen Lang, Shelley Conn

Es ist nicht das erste Mal, dass wir über die Steven-Spielberg-Produktion "Terra Nova" berichten. Die Serie wurde ursprünglich für vergangenen Herbst/Winter angekündigt, dann aber mehrfach verschoben. Das ist an sich kein gutes Zeichen und deutet meist darauf hin, dass die Verantwortlichen mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Auch im Fall von "Terra Nova" befürchteten viele, dass die Serie wieder in der Versenkung verschwindet. Mittlerweile steht aber fest: "Terra Nova" kommt definitiv im Herbst.

Worum es geht? Dazu muss man nur einen Namen nennen: Steven Spielberg. Und was assoziiert man als erstes mit dem Hollywood-Giganten? Genau. Dinos. Und davon gibt es auch in "Terra Nova" genug.

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Im Jahr 2149 steht die Erde vor ihrer kompletten Zerstörung, mit ihr droht auch die Menschheit unterzugehen. Wissenschaftler entwickeln jedoch eine Technologie, die es erlaubt, 85 Millionen Jahre in der Zeit zurückzureisen. In der Vergangenheit soll eine neue Heimat für die menschliche Spezies aufgebaut werden. Zu den ersten Kolonisten zählt die fünfköpfige Familie Shannon. In der Urzeit angekommen merken sie jedoch schnell: Die Herrscher sind hier nicht die Menschen, sondern die Dinosaurier.

Prominente Schauspielernamen sucht man auf der Besetzungsliste vergeblich. Der bekannteste ist noch Stephen Lang, der Bösewicht aus "Avatar". Los geht es mit einem rund zweistündigen Pilotfilm, der etwa 16 Millionen Dollar kostete – für TV-Verhältnisse eine Menge Geld. Auch bei den späteren Folgen lässt sich Fox nicht lumpen, vier Millionen Dollar werden in die Produktion einer Episode fließen.

Einschätzung:
"Terra Nova" hat sicherlich Potenzial für einen spannenden Abenteuertrip. Die Frage ist aber, ob Dinos auch 18 Jahre nach "Jurassic Park" noch immer die Massen vor die Schirme locken können. Ein Flop könnte den Sender allerdings angesichts der hohen Produktionskosten teuer zu stehen kommen. Wir bleiben aber dennoch optimistisch und freuen uns auf hochwertiges Event-Fernsehen.

Awake

Sender: NBC
Genre: Psycho-Thriller
Darsteller: Jason Isaacs, Dylan Minnette, Laura Allen, Cherry Jones

Mit "Awake" schickt der krisengeplagte US-Sender NBC eine höchst ambitionierte Produktion ins Herbstrennen. Anspruch statt Action steht hier im Vordergrund, "Awake" klingt ein wenig nach "Inception: Die Serie".

Der Polizei-Detective Michael Britten (Jason Isaacs) gerät mit seiner Familie in einen schweren Autounfall. Als er das Bewusstsein wiedererlangt, findet er sich in zwei "Realitäten" wieder. In einer davon hat seine Frau Hannah (Laura Allen) überlebt, während sein Sohn Rex (Dylan Minnette) gestorben ist. In der anderen ist es umgekehrt, Rex hat überlebt, Hannah nicht. Welche die "echte" Wirklichkeit ist, kann Michael aber nicht sagen, er lebt fortan in beiden Welten.

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Viele werden Hauptdarsteller Jason Isaacs vom Namen her nicht kennen, seine bekannteste Rolle dagegen schon. Mit langen weißen Haaren ist er Stammgast in den Harry-Potter-Filmen, wo er den Fiesling Lucius Malfoy spielt.

Einschätzung:
Mutig, mutig, NBC. "Awake" wird wahrscheinlich ein Kritikerliebling sein, aber beim US-Publikum gnadenlos durchfallen. Wer seine Gehirnzellen auch beim Fernsehen gerne einsetzt, dürfte mit "Awake" intelligente Unterhaltung bekommen – zumindest bis es abgesetzt wird.

Once Upon A Time (ABC) & Grimm (NBC)

Sender: ABC bzw. NBC
Genre: Märchen-Mystery
Darsteller: Once Upon A Time: Jennifer Morrison, Robert Carlyle
Grimm: Russell Hornsby, David Giuntoli, Sasha Roiz

Langsam, so scheint es, gehen den Drehbuchautoren neue Mystery-Szenarien aus. Die Lösung: Man greift einfach uralte auf. Entsprechend stehen Märchen in der kommenden TV-Saison hoch im Kurs. Sowohl ABC als auch NBC versuchen sich an Neuinterpretationen dieser Stoffe. In beiden Fällen die Ausgangslage: Märchen sind mehr als bloße Fiktion.

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"Once Upon A Time" (also das englische Äquivalent zu "Es war einmal...") erzählt von Kopfgeldjägerin Emma Stone (Jennifer Morrison, "House"), die eines Tages nach Storybrooke kommt. Das kleine Städtchen ist aber alles andere als gewöhnlich. Es ist vielmehr eine Parallelwelt zu einem Märchenreich, in dem eine böse Königin herrscht. Diese verbannt all jene nach Storybrooke, die eine Bedrohung für sie darstellen, darunter Rumpelstilzchen (Robert Carlyle, "Trainspotting", "28 Weeks Later").

Hinter "Once Upon A Time" stecken Adam Horowitz und Edward Kitsis, die (stets gemeinsam) zu den Hauptautoren von "Lost" zählten. Die beiden waren auch für das Drehbuch von "Tron: Legacy" verantwortlich.

"Grimm" geht das Thema Märchen ein wenig anders an: Die Serie erzählt nicht von unserem Chefredakteur, sondern vom Cop Nick Burckhardt. Dieser ist einem Serienmörder auf der Spur, der Mädchen in roten Kapuzenpullis entführt und tötet. Im Zuge der Ermittlungen erfährt Nick, dass er der letzte "Grimm" ist. Die "Grimms" sind ein uraltes Geschlecht von Jägern, die die reale Welt vor Märchenbösewichten beschützen.

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Nur Nick kann ihr wahres Antlitz erkennen, denn Märchen und deren Figuren sind real und weilen unter uns. Der Schöpfer von "Grimm", David Greenwalt, war zuvor einer der wichtigsten Macher von "Buffy" und "Angel". Einen ähnlichen Stil darf man nun von seinem neuesten Projekt erwarten.

Einschätzung:
In beiden Fällen sind Voraussagen schwierig. Die Trailer sehen ganz ordentlich aus, ob das Konzept "Märchen trifft Wirklichkeit" aber tatsächlich aufgeht, wird erst der reguläre Serienbetrieb zeigen. Wir rechnen aber eher nicht mit großen Hits.

Person of Interest

Sender: CBS
Genre: Thriller
Darsteller: Jim Caviezel, Michael Emerson

Von den Namen her ist "Person of Interest" das vielleicht interessanteste Projekt der nächsten TV-Season. Produziert wird die Serie von JJ Abrams, der mit Jonathan Nolan auch den Piloten geschrieben hat. Letzterer ist der kleine Bruder von Regisseur Christopher Nolan und hat auch das Drehbuch zu "The Dark Knight" verfasst.

Die beiden Hauptdarsteller von "Person of Interest" sind ebenfalls bestens bekannt: Jim Caviezel spielte in "The Passion of the Christ" Jesus, Michael Emerson gehörte als Ben Linus zur Stammbesetzung von "Lost". In der neuen Serie stellt Letzterer den Milliardär Mr. Finch dar. Dieser hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem zukünftige Verbrechen vorausgesagt werden können. Um diese zu verhindern, heuert er den totgeglaubten CIA-Killer Reese (Caviezel) an.

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CBS setzt sehr große Hoffnungen in "Person of Interest". Laut CBS-Mitarbeitern wurden die Testvorführungen von den Zuschauern mit den höchsten Noten seit 15 Jahren bedacht. Der Sender ist dermaßen überzeugt vom Potenzial der Serie, dass man sie am Sendeplatz des Langzeit-Hits "CSI" platzierte.

Einschätzung:
Ja, das könnte tatsächlich was werden. "The Dark Knight" ohne Superheldenkostüm und mit zwei Protagonisten statt einem (Batman). Und mit dem großartigen Michael Emerson kann ohnehin fast nichts schiefgehen.

Außerdem noch so

Von der Qualität des Trailers her müssten wir "The River" (ABC) eigentlich eine Langvorschau widmen. Allerdings sind sich hier fast alle Fachleute sicher: Das ist nichts für das breite Publikum und wird wohl schnell abgesetzt werden. "The River" erinnert stark an Pseudo-Reality wie "Blair Witch Project" und "Paranormal Activity". Die Serie handelt von einem Forscher, der tief im Amazonas verschwindet, worauf sich seine Familie (begleitet von einem TV-Team) auf die Suche macht.

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Das traditionelle Remake eines Serienklassikers geht diesmal ABC an: "Charlie's Angels" soll eine zeitgemäße Version der Kultserie aus dem Jahr 1976 werden. Wir schätzen: Nett und was zum Hingucken, aber nicht mehr.

Apropos Hingucken: Besonders viel nackte Haut sollte man sich bei NBCs "The Playboy Club" nicht erwarten. Zum einen sind große US-Networks nie wirklich freizügig. Zum anderen hat die Serie eine andere Ausrichtung und erzählt (ähnlich wie "Med Men") von der Arbeit vor und hinter den Kulissen eines "Playboy-Clubs" in den 1960ern.

Auf The CW feiert "Buffy"-Star Sarah Michelle Gellar ein Comeback. In "Ringer" spielt sie eine Frau namens Bridget, die wegen Mordes gesucht wird. Nach dem Verschwinden ihrer Schwester schlüpft sie in deren Identität und erkennt, dass deren Leben auch so seine Geheimnisse hat.

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Gedulden werden sich Fans von Kiefer Sutherland müssen: Die Rückkehr des "24"-Stars ist erst für 2012 zu erwarten, sie dürfte aber beschlossene Sache sein. In "Touch" spielt Sutherland den Vater eines autistischen Sohnes. Letzterer kann in die Zukunft blicken. Das Projekt stammt aus der Feder von Tim Kring, der für (eine gute Staffel) "Heroes" verantwortlich zeichnet.