Steven Spielberg packt die Aliens aus, J.J. Abrams ist wieder reif für die Insel und die Battlestar-Galactica-Macher werfen erneut die Toaster an. Das Serienjahr 2011 verspricht, interessant zu werden – vor allem die Rückkehr der Walking-Dead-Zombies.

Ein bunt zusammengewürfelter Haufen kämpft ums Überleben. Damit ist aber nicht der aktuelle Zustand der FDP gemeint, sondern der TV-Serien-Hit des vergangenen Jahres: "The Walking Dead". Die Produktion des US-Senders AMC ("American Movie Classics") war mit Abstand das Beste, das der letzte TV-Herbst zu bieten hatte.

Sechs Folgen lang begleitete "The Walking Dead" ein Grüppchen Menschen, das im Süden der USA die Zombie-Apokalypse (lebend) überstanden hatte. Im Mittelpunkt steht der Kleinstadt-Sheriff Rick Grimes. Dieser wird vor dem Ausbruch der Untotenseuche angeschossen und fällt ins Koma. Als er später im Krankenhaus erwacht, findet er die Welt völlig verändert vor: verwüstet und eben voller "Walker". Er macht sich auf die Suche nach Frau und Kind, überzeugt davon, dass diese dem Zombie-Horror entkommen sind. Grimes behält Recht und trifft seine Familie.

TV-Serien - Die Serien-Hits 2011: Fernsehen zum Anbeißen

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Die Zombie-Serie "The Walking Dead" war für den kleinen US-Sender AMC ein Überraschungshit.
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Unter der Federführung von Frank Darabont ("Die Verurteilten") landete der kleine Sender AMC einen Überraschungshit. Die Umsetzung des gleichnamigen Kult-Comics von Robert Kirkman begeisterte durchwegs alle Kritiker und bescherte dem kleinen US-Kabelkanal wahre Traumquoten. Dass "The Walking Dead" Genrefreunde ansprechen würde, damit war zu rechnen. Die Serie interessierte aber offenbar nicht nur diese, sondern kam auch bei der breiten Masse hervorragend an.

AMC konnte die besten Quoten seiner Geschichte einfahren.
Der einzige Wermutstropfen: Bereits nach sechs Folgen war der blutige Spaß - der auch nicht mit Splatter-Effekten geizt - zu Ende. Das ist auch wohl der größte Kritikpunkt an "The Walking Dead": Kaum angefixt, müssen die Fans schon wieder auf die zweite Staffel warten.

Ein Risiko, das sich gelohnt hat

Die knappe Länge der Premierenstaffel von "The Walking Dead" ist aber leicht zu erklären: Obwohl die Serie bereits vor ihrem Start als großer Hoffnungsträger galt, war sie für AMC ein beträchtliches Risiko. Die US-Fernsehlandschaft gliedert sich nämlich grob in drei Bereiche: Zunächst einmal gibt es die "großen Vier", also die frei empfangbaren nationalen Networks ABC, CBS, NBC und FOX.

Dahinter folgen die Kabelkanäle, die sich auf zwei Sorten aufteilen: Premium und Basic. Als Erstere bezeichnet man Pay-TV- und Abo-Sender wie HBO, als Letztere den ganzen Rest, also die kleinen (werbefinanzierten) Programmanbieter.

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AMC zählt zu den Basic-Cable-Kanälen und hat dementsprechend finanziell nicht die Möglichkeiten wie die Network- oder Bezahlkonkurrenz. Eine Serie wie "The Walking Dead", die mit all ihren digitalen wie analogen Special Effects keine billige Angelegenheit ist, stellte für den Sender ein beträchtliches finanzielles Risiko dar. Das ist in etwa so, als ob Kabel 1 eine vergleichbar teure Serie produzieren würde - allerdings ohne einen Konzern wie ProSiebenSat.1 im Rücken zu haben.

AMC ist allerdings längst kein Geheimtipp mehr. Der Sender, der in seinen Anfangstagen ausschließlich Filmklassiker gezeigt hat, produziert seit wenigen Jahren auch eigenes Serienmaterial. Und was für welches: "Mad Men" (bissiger Blick auf eine Werbeagentur im New York der 1960er-Jahre) und "Breaking Bad" (Kleinstadt-Chemielehrer wird aus der Not heraus zum Drogenproduzenten) sind bei Kritikern und Zuschauern bestens angekommen.

In Deutschland wurden (und werden) sie auch schon ausgestrahlt, nur haben das die wenigsten mitbekommen. Wer "Breaking Bad" auf Arte verpasst hat und "Mad Men" gar nicht erst sehen kann, weil er kein ZDFneo hat, dem sei der DVD-Kauf wärmstens empfohlen. Die ersten zwei Staffeln beider Serien sind recht günstig bei Amazon und Co. zu bekommen.

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Nachdem der Erfolg von "The Walking Dead" abzusehen war, dauerte es nicht lange, bis AMC eine zweite Staffel bestellte. Dieses Mal sollen es 13 Folgen werden und man kann getrost erwarten, dass diese noch besser gelingen. Einer der wenigen Kritikpunkte an der Zombie-Saga war nämlich, dass sie gelegentlich etwas gehetzt wirkte und der Charakterentwicklung zu wenig Zeit einräumte. Zumal "The Walking Dead" nie als Actionserie gedacht war, sondern als klassisches Drama, das die Beziehungen unter den Überlebenden in den Vordergrund stellt.

Zu hart für Deutschland?

Die Dreharbeiten zu Staffel zwei beginnen zwar bereits im Februar (mit einem komplett ausgetauschten Autoren-Team - künftig sollen vor allem Gastschreiber zum Einsatz kommen), wann sie ausgestrahlt werden soll, ist aber noch nicht bekannt. Leider müssen die Fans aber wahrscheinlich bis Oktober 2011 warten, ein Termin um Halloween passt für die Verantwortlichen einfach zu gut ins Konzept.

In Deutschland haben es die Zombies dagegen viel schwerer. Ein Free-TV-Sender hat sich für "The Walking Dead" noch nicht gefunden, und es ist auch nicht zu erwarten, dass das passiert. Wahrscheinlich ist es auch besser so, da man die Serie aufgrund ihrer expliziten Gewalt wohl (sehr) tief ins Nachtprogramm rücken müsste. Eine (wohlgemerkt ziemlich mies) synchronisierte Fassung existiert zwar bereits, der deutsche Pay-TV-Sender Fox strahlte sie fast zeitgleich zum US-Original aus.

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Der via Sky empfangbare Kanal lieferte aber schon zur Premiere alle Argumente, warum in Deutschland Pay-TV nicht funktioniert. So wurde die Pilotfolge um rund ein Drittel(!) gekürzt - allerdings nicht nur aufgrund etwaiger Splatter-Effekte, sondern weil man die etwa einstündige Episode auf die übliche Serienlänge von rund 40 Minuten pressen wollte.

Warum, das weiß keiner, schließlich gibt es im Pay-TV keine Werbeunterbrechungen. Dementsprechend darf man sich nicht wundern, wenn die Gesamtzahl der deutschen Bezahlfernsehzuschauer bequem in einem Linienbus Platz findet.

Was sonst noch geschah...

Mit Ausnahme von "The Walking Dead" hatte die erste Hälfte der aktuellen TV-Saison aber kaum Highlights zu bieten - besonders auf dem Gebiet der Fortsetzungs- und Mystery-Geschichten. Das Loch, das die zu Ende gegangenen Serien "Lost" und "24" gerissen haben, konnte nicht ansatzweise gestopft werden. So musste sich der US-Serienfan vergangenen Herbst durch jede Menge eher (unter)durchschnittliche Ware kämpfen.

Trotz einiger guter Ansätze erlitt "The Event" das gleiche Schicksal wie ein Jahr zuvor "FlashForward": Nach guten Beginn flaute das Zuschauerinteresse schnell ab, zu konfus wirkte die Verschwörungs- und Aliens-auf-der-Erde-Story über weite Strecken. Die NBC-Serie konnte sich zwar in die zweite Staffelhälfte retten (Ende Februar geht es weiter), eine Fortsetzung in der kommenden Saison scheint aber höchst unwahrscheinlich.

"Undercovers" schaffte nicht einmal das und wurde vorzeitig abgesetzt. Zu Recht, da die Hochglanzproduktion aus dem Stall von Hollywood-Wunderkind und Lost-Schöpfer J.J. Abrams bei Zuschauern wie Kritikern durchfiel. Die Spionage-Serie wirkte lustlos und unoriginell, als ob Abrams einfach ein paar alte, übriggebliebene Alias-Drehbücher recycelt hätte.

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Apropos Abrams: Für dessen Mystery-Serie "Fringe" sieht es ebenfalls nicht besonders gut aus. Die zweite Hälfte der dritten Staffel wurde auf den Ausstrahlungstermin am Freitag verlegt, was als kein gutes Zeichen gewertet werden kann. Dieser Sendeplatz wird nämlich üblicherweise als "Friday Death Slot" bezeichnet, also als letzte Ruhestätte für sterbende Serien. Hoffen wir, dass das nicht der Fall ist, "Fringe" hat sich trotz einiger kleiner Durchhänger zum Fanliebling entwickelt.

Und weil wir gerade beim Thema Fanliebling sind: "Dexter", der wohl ungewöhnlichste Forensiker der TV-Geschichte, hält sich tapfer im Programm und wurde vor kurzem um eine weitere (die sechste) Staffel verlängert. Das Beste dabei: Von einer "Final Season" war keine Rede, das Kunstblut wird also noch länger fließen.

"No Ordinary Family" mit The-Shield-Glatzkopf Michael Chiklis konnte sich zumindest ganz gut über Wasser halten. Die Story über eine Familie, die plötzlich Superkräfte entwickelt, hat zwar durchaus Charme und Witz, nutzt sich allerdings auch recht schnell ab - viele der bisherigen Folgen waren Variationen ein und desselben Drehbuchs. Auch Originalitätspreise sind kaum drin, oft wirkt die ABC-Serie wie ein familienkompatibler Heroes-Abklatsch. Zukunftsaussichten: verhalten positiv.

Als einer der wenigen Neustarts konnte die HBO-Produktion "Boardwalk Empire", die von der Mafia in Atlantic City zur Zeit der Prohibition handelt, überzeugen. Allerdings ist sie aufgrund einer eher gemächlichen Erzählweise vor allem für Genrefreunde, also Sopranos- und Martin-Scorsese-Fans, interessant.

Was 2011 bringt

Nach der traditionellen Weihnachtspause geht es dieser Tage im US-TV mit der sogenannten "Midseason" wieder los: Einige Serien kehren zurück, auch einige Neustarts sind dabei. Allen voran die Alien-Invasions-Saga "V", die in ihre zweite Staffel geht. Das Remake der (etwas trashigen) gleichnamigen 1980er-Serie erwies sich im ersten Durchlauf nicht als der Riesenhit, war aber eine durchwegs unterhaltsame Angelegenheit. Vor allem aufgrund zweier sehr guter Hauptdarstellerinnen, Elisabeth Mitchell ("Lost") und Morena Baccarin ("Firefly").

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"V"-Sender NBC benötigt auch dringend einen neuen Hit, immerhin agierte man in letzter Zeit äußerst glücklos. Mit entsprechend großem Aufwand wird derzeit "The Cape" (Start: 9. Januar) beworben: Es ist wieder mal eine Superheldengeschichte. Der Protagonist Vince Faraday (David Lyons) ist einer der letzten nicht korrupten Cops seiner Stadt.

Doch ihm wird ein Mord in die Schuhe geschoben, woraufhin er fliehen muss. Er wird in Folge für tot gehalten, lernt bei einer mysteriösen Zirkustruppe das Heldenhandwerk und geht fortan als "The Cape" auf Verbrecherjagd. Die Serie sollte zunächst bereits letzten Herbst starten, die Begeisterung hielt sich aber in Grenzen, weshalb NBC (hoffentlich) nachgebessert haben dürfte. Ob's reicht, werden wir schon demnächst erfahren.

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Ein ganz anderes Kaliber - schon alleine aufgrund der Erwartungshaltung - sollte die HBO-Produktion "Game of Thrones" sein: Die Serie, die auf dem bekannten Fantasy-Epos "A Song of Ice and Fire" (deutsch: "Das Lied von Eis und Feuer") von George R.R. Martin basiert, wurde im Vorfeld mit Lob regelrecht überschüttet.

Tatsächlich machen die Vorab-Trailer für die im April startende Serie einen ausgezeichneten Eindruck: Sehr düstere Atmosphäre, die HBO-Grundzutaten Sex und Gewalt sowie eine hervorragende Darstellerriege - allen voran Sean Bean (Boromir in "Herr der Ringe") - müssten einen Hit garantieren. Die Liste mit Must-see-TV-Serien für die nächsten paar Monate ist ansonsten recht überschaubar.

TV? Find ich gut...

Zwei aktuelle TV-Trends halten aber nach wie vor an: mythische und historische Stoffe sowie Hollywood-Größen, die nach Vorbild von Kiefer Sutherland ins Fernsehfach wechseln. In der ersten Kategorie hält sich unsere Begeisterung in Grenzen, beispielsweise kommt mit "Camelot" (Sender: Starz) die gefühlt 2823te Verfilmung der Artus-Sage ins TV.

Interessanter sind schon Projekte, die (auch) in die zweite Kategorie fallen: So spielt Jeremy Irons die Hauptrolle des Rodrigo Borgia im kommenden Geschichtsdrama "The Borgias" (Showtime). Die Herrscherdynastie der Renaissance dürfte besonders Assassin's-Creed-Spielern geläufig sein - wir erinnern uns: Die Borgias sind die Gegenspieler von Held Ezio im zweiten Teil und in "Brotherhood". Der Schöpfer der TV-Serie ist mit Neil Jordan übrigens auch alles andere als ein Unbekannter.

TV-Serien - The Borgias - Trailer7 weitere Videos

Nicht historisch, aber prominent besetzt ist die Anwaltsserie "Harry's Law": Oscarpreisträgerin und Misery-Orthopädin Kathy Bates spielt darin eine erfolgreiche Patentanwältin, die gefeuert wird und sich mit einer bunten Truppe (in einem ehemaligen) Schuhgeschäft selbstständig macht. "Harry's Law" ist zwar eine klassische Anwaltserie/Comedy und passt somit nicht ganz ins gamona-Beuteschema, der Trailer macht aber zumindest großen Spaß.

Dinos, Aliens und Steven

Es mag schon höherwertige TV-Saisonen als jene 2010/2011 gegeben haben, die Zukunft sieht aber durchaus vielversprechend aus: Für kommenden Sommer und Herbst sind schon einige interessante Projekte angekündigt worden und teils sogar in Vorbereitung.

Allen voran aus dem Hause Steven Spielberg, der dieses Jahr gleich zwei Sci-Fi-Produktionen ins Rennen schickt: Im Sommer startet auf TNT die zehnteilige Serie "Falling Skies" mit dem ehemaligen "ER"-Jungdoktor Noah Wyle in der Hauptrolle. Vor kurzem wurde der erste Trailer veröffentlicht, und der verspricht, vorsichtig formuliert, solide Genrekost: Eine Alien-Flotte überfällt die Erde und eine Truppe wackerer Menschen kämpft gegen die extraterrestrischen Invasoren.

Das klingt verdächtig nach "Krieg der Welten: Die Serie" und ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. So zeigt der Trailer beispielsweise, dass die Aliens die irdische Technik per EMP außer Gefecht setzen. Hoffentlich haben die Außerirdischen zumindest nicht auf die Grippeimpfung vergessen...

Über das andere Projekt, an dem Spielberg beteiligt ist, haben wir bereits früher berichtet, viel mehr ist seither aber auch nicht bekannt geworden. Zumindest die Ausstrahlungsdaten der Fox-Serie sind nun offiziell: Im Mai soll ein zweistündiger TV-Film Lust auf mehr machen, im Herbst folgt dann der reguläre Serienbetrieb.

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J.J. Abrams hat sich am zuvor erwähnten "Undercovers" kreativ alles andere als verausgabt und entwickelt derzeit ein Projekt namens "Alcatraz". Über die Handlung ist bisher kaum etwas bekannt: Die Serie (bzw. zunächst die Pilotfolge), die sich Fox gesichert hat, soll aber wieder jede Menge Mystery-Elemente beinhalten. Den ersten Berichten zufolge geht es in "Alcatraz" um die Suche des FBI nach einer Gruppe von Häftlingen und Wärtern. Diese sind vor 30 Jahren von der Gefängnisinsel verschwunden und in der Jetztzeit wieder auftaucht.

Und offenbar hat sich das Potenzial von "Alcatraz" in Hollywood herumgesprochen, bisher wurden viele prominente Namen verpflichtet. Jorge Garcia (Hurley) und Abrams kennen einander bereits von der Lost-Insel, hinzu kommen Sam Neill ("Jurassic Park"), Robert Forster ("Jackie Brown") und Parminder Nagra ("Kick it like Beckham"). In Sachen Hauptrolle behält Abrams eine Tradition bei: Wie schon bei Jennifer Garner ("Alias") und Anna Torv ("Fringe") besetzte er die zentrale Figur mit einer weniger bekannten Schauspielerin, nämlich Sarah Jones ("Sons of Anarchy").

Schließlich haben wir eine gute Nachricht für die vielen Battlestar-Galactica-Fans da draußen. Nach dem eher mäßigen "Caprica" hat Sender Syfy vor kurzem ein weiteres Prequel zum erfolgreichen Remake von 2004 angekündigt: "Battlestar Galactica: Blood & Chrome" wird die Geschichte von Bill Adama während des ersten Zylonen-Krieges erzählen. Da kann man nur hoffen, dass der bereits bestellte Pilotfilm überzeugen kann und "Blut & Chrom" in Serie geht. "Caprica" darf einfach nicht das Schlusswort in Sachen BSG sein...