Die Medien sind einem Wandel unterzogen. Davon ist auch das Fernsehen nicht ausgenommen – und dabei speziell die Fernsehserie. Der größte Unterschied zu vor etwa 20 Jahren ist die schiere Menge an Material, aus der der geneigte Zuschauer mittlerweile auswählen kann. War es Mitte der 1990er Jahre noch durchaus möglich, jede phantastisch angehauchte Serie zu sehen, auch wenn man dafür praktisch täglich zwei bis drei Folgen gucken musste, so ist das mittlerweile gar nicht mehr möglich. Selbst dann nicht, wenn man sich auf einzelne Genres spezialisiert.

Der TV-Wandel

Der Grund hierfür ist natürlich denkbar einfach: Es gibt eine solche Vielzahl an Serien, dass niemand mehr alle sehen kann, die ihn interessieren. Das ist im Filmbereich schon lange so der Fall, bei den Fernsehserien explodierte das Angebot aber erst, als die Sender immer weiter expandierten.

In erster Linie gilt das für das US-Fernsehen, sind deutsche Sender doch kaum mehr als Abspielstationen amerikanischer Serienware. In den USA gibt es jedoch einen Boom. Neue Sender gehen an den Start, die etablierten Networks bringen spezialisierte Töchter-Sender und das Streaming-Angebot steigt auch von Jahr zu Jahr.

Selbst Sender, bei denen man früher keineswegs eine Fernsehserie erwartet hätte, springen auf den Zug auf. Ein gutes Beispiel dafür ist „Vikings“ vom History Channel. Der war von jeher darauf spezialisiert, Dokumentationen zu bringen, die dem Geschichtsinteressierten geben, wonach er sucht. Mit fiktionalisierten Formaten lässt sich aber eine größere Seherschaft finden, weswegen man diesen Weg ging. Das Ergebnis ist, dass das Angebot an Fernsehserien noch mehr steigt.

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Das größte Problem des Fernsehens – oder vielmehr der Serie – ist nun also ihr immenses Überangebot. Das heißt im Umkehrschluss, dass auf jede Serie – von den unverzichtbaren Hits, die irgendwie jeder sieht wie „Game of Thrones“ oder „The Walking Dead“ – auch weniger Zuschauer kommen. Das ist vor allem ein Problem des linearen Fernsehens.

Die Free-TV-Sender in Deutschland haben den Paradigmenwechsel noch nicht begriffen. Sie agieren noch immer so, als gäbe es das Internet nicht, als hätten die Leute nicht die Möglichkeit, die Serien, die sie sehen wollen, auch so zu sehen, wie es ihnen beliebt. Die Zeit, in der man einen festen Termin hatte, an dem man eine Serie auf ihrem angestammten Sendeplatz geguckt hat, sind längst vorbei – und das nicht nur, weil die Inhalte über Mediatheken verfügbar sind.

Das lineare Fernsehen ist für ein älteres Publikum, das so sozialisiert wurde und es auch nicht anders will. Gerade dieses ist in Deutschland aber nicht unbedingt das Publikum, das auf junge Serienformate anspringen würde. Die Crux daraus: Shows, die in den USA Megahits sind, dümpeln hier ein Schattendasein, werden bei Nischensendern wie ZDFneo versteckt oder gleich gar nicht erst im Free-TV ausgestrahlt.

TV-Serien - Das war das TV-Jahr 2015 - Die Tops und Flops

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Publikumsliebling "Game of Thrones".
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Den größten Bärendienst, den sich die deutschen Sender aber selbst erweisen, ist ein ganz anderer: Sie verspielen das Vertrauen ihres Publikums. Das kommt aus dem Irrglauben, heute wäre noch immer alles so wie immer. Dementsprechend erwartet ein Sender wie Pro Sieben bei einem erfolgreichen Format einen Marktanteil von jenseits der elf Prozent, bei RTL ist man noch etwas verwöhnter und schielt auf zwölf bis 13 Prozent. Erreicht werden diese Zahlen aber nur selten – und das dann auch nur zum Serienauftakt.

Das konnte in diesem Jahr Pro Sieben ein paarmal schmerzlich erfahren. Guillermo del Toros „The Strain“ war mit viel Tamtam gestartet worden, die Quoten brachen aber schnell ein und die Lösung, die der Sender dann auserkor? Tief in der Nacht verstecken, womit ein Teufelskreis beginnt, denn je später die Show lief, desto geringer wurden die Zuschauerzahlen. Zwar erreicht man nach Mitternacht damit einen höheren Marktanteil, die Gesamtzahlen sind aber dennoch schäbig.

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