Leicht hatte man es als Fan von „True Blood” zuletzt nicht, das heillose Durcheinander der Vampirserie noch gegen etwaige Sympathien für sie zu verteidigen. Selbst Alan Ball verabschiedete sich 2012 von seinem zweiten HBO-Projekt und überließ schließlich Mark Hudis den Posten des Showrunners. Nach sechs Jahren bringt die Serie ihr Finale nun entsprechend pflichtschuldig über die Runden.

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Vorsicht! Diese Kritik enthält leichte Spoiler aus der finalen Staffel. Wer absolut nichts über die 7. Staffel erfahren möchte und wem selbst kleine Anspielungen schon zu viel sind, der hört jetzt lieber auf zu lesen... Wir haben euch gewarnt.

Been there, done that

Die Luft war schon etwas länger raus. Mit der fünften Staffel, in der es zunächst um die Macht der Vampirautorität ging, verlor „True Blood“ jeglichen Boden unter den Füßen. Viele ihrer sorgfältigen Konstellationen gab die Serie für willkürliche Eskalationsszenarien auf, um den Konflikt zwischen Menschen und Monstern immer weiter zu überdehnen. Längst jedoch tappte sie da bereits in eine unschöne „Been there, done that“-Falle.

True Blood - Staffel 7 - Bis(s) zum großen Serienfinale

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Angriff der Hep-V-infizierten Vampire: Auch Mensch-Elfe-Hybrid Sookie Stackhouse (Anna Paquin) muss sich vor ihnen in Acht nehmen.
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Vertraute Figuren, die den Zuschauer im Verlauf der Serie durch jeden noch so phantastisch-abstrusen Schauplatz führten, ohne dabei Charme und Bodenständigkeit einbüßen zu müssen, fielen diesem Selbstzweck zum Opfer. Bill (Stephen Moyer) mutierte zum göttlichen Supervampir, Lafayette (Nelsan Ellis) zum unfreiwilligen Wirtskörper umhergeisternder Seelen. Und wer sich den überkandidelten Storyentwicklungen nicht zu fügen wusste, verschwand einfach ganz.

Insofern überrascht es vielleicht nicht, dass die siebte und letzte Staffel „True Blood“ wieder vergleichsweise gemäßigte Töne anstimmt, und zuletzt gar versucht ist, einen harmonischen Bogen zum einst friedvollen Beginn der Show zu schlagen. Augenscheinlich ist den Autoren bewusst geworden, dass sie das hysterische Niveau der vorherigen Staffeln herunterfahren müssen, wenn sie die Figuren nicht ausschließlich als Comic Relief begreifen wollen.

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Darum bemüht, nach ihrer Heißhungerattacke zumindest die letzte Feen-Tochter von Andy zu beschützen: Jessica Hamby (Deborah Ann Woll).
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Wie das letzte Serienkapitel jetzt allerdings zeigt, tun sich die Verantwortlichen schwer mit solcherlei Schadensbegrenzung. Vor dem Hintergrund des vergangenen Staffelfinales, das eine regelrechte Schlacht zwischen (infizierten) Vampiren und Menschen andeutete, wirken die zaghaften dramaturgischen Tipping-Points dieser Season beinahe verzweifelt. Als könne Bon Temps nach allem, was geschehen ist, ganz plötzlich zur Ruhe finden?

Auch zum großen Finale findet True Blood nicht aus der eigenen Bedeutungslosigkeit heraus, in die sich die Serie zuletzt so unglücklich manövriert hat.Fazit lesen

Der (globale) Konflikt mit den sogenannten Hep-V-Vamps scheint jedenfalls ziemlich rasch beendet. Und obwohl das „New Blood“ genannte Gegenmittel unter Mitwirkung von Eric (Alexander Skarsgård) und – lustigerweise auch – Sarah Newlin (Anna Camp) noch in der geheimen Entwicklungsphase steckt, fehlt von landesweit wütenden Hep-V-Horden hier nach wenigen Folgen jede Spur.

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Dreht im Verlauf der Staffel noch mächtig frei: Jasons Freundin Violet (Karolina Wydra).
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Grüße aus dem Jenseits

Die jüngsten Desaster scheinen in dieser Staffel überhaupt insoweit der Vergangenheit anzugehören, dass sie beinahe folgenlos anmuten. Konzentrierte sich „True Blood“ während der starken ersten Serienhalbzeit noch auf Antagonisten, die ebenso zügig eingeführt wie auch wieder beseitigt oder zumindest eingedämmt wurden (mythische Mänaden, hungrige Werwolfe, spanische Hexenzirkel), ließen sich die Auswirkungen nachfolgender Ereignisse nicht ohne weiteres ignorieren.

Ein wenig stehlen sich die Autoren nun also schon davon, wenn sie weder den vorangegangenen Konflikt der Feenwelt noch die zwingende Neuausrichtung der Vampirhierarchie berücksichtigen. Bill Compton tritt urplötzlich als „neuer alter Bill“ auf, Lafayette scheint von der Last seiner übersinnlichen Fähigkeiten befreit – und Wolfsrudelführer Alcid (Joe Manganiello) muss gleich zu Beginn einen unwürdigen Tod sterben.

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Mit der Vampirerznemesis Sarah Newlin (Anna Camp) ist nicht zu spaßen. Mit Eric Northman (Alexander Skarsgård) allerdings noch viel weniger.
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Leider ist diese siebte Staffel „True Blood“ nicht nur recht durchschaubar in der Art, wie sie alle Geschehnisse in einen Status Quo zurückverwandeln möchte (um sich auf neue und alte Liebespaarungen berufen zu können), sondern auch weitgehend langweilig. Es fehlt ihr an Gegnern und Gefahren, Witz und Esprit, Blut und Leidenschaft. Alles fühlt sich auf seltsame Weise überholt, abgeschmackt, freudlos an.

Mit liebgewonnenen Figuren verfährt die Serie auf ihren letzten Metern zwar wieder betont respektvoll, kann aber gleichzeitig nicht verhehlen, dass sie mit vielen von ihnen kaum mehr etwas anzufangen weiß. Sam Merlotte (Sam Trammell) glänzt weitgehend durch Abwesenheit und Taras (Rutina Wesley) Auftritte beschränken sich auf einige vollständig überflüssige Kontaktversuche aus dem Jenseits.

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Schließlich holen die Produzenten sogar den glücklich bezirzten Hoyt (Jim Parrack) zurück ins Boot, damit die dramaturgisch losen Fäden vorheriger Handlungsabschnitte noch einmal mühsam neu verbunden werden können. Wer da tatsächlich auf eine gefühlige Abschlussfolge in Alan-Ball-Tradition („Six Feet Under“) zu hoffen wagt, ist wahrscheinlich selbst schuld. So lieblos fand eine vormals originelle Serie nämlich selten zu ihrem Ende. Sehr schade.