In Bon Temps ist die Hölle los. Das gemütliche kleine Städtchen hat sich im Verlauf von fünf Staffeln „True Blood“ zu einem Kriegsschauplatz entwickelt, auf dessen Boden sich Vampire und Feen, Gestaltenwandler und Werwölfe, Hexen und Dämonen behaupten. Der in der vergangenen Season zugespitzte Konflikt zwischen Menschen und Blutsaugern erreicht nun einen Höhepunkt, an dem die sechste Staffel der HBO-Serie den Status Quo friedlicher Koexistenz endgültig bricht. Ab dem 7. November ist sie auf SyFy auch in Deutschland zu sehen.

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Silberkugeln und UV-Licht

Die Vampirautorität ist zerschlagen und ihr Hauptsitz zerstört, jene Ereignisse aus Season 5 haben nun also unmittelbare Konsequenzen. Bill Compton (Stephen Moyer), der innerhalb der Show sicherlich die undankbarste Entwicklung durchmachen muss, feiert im Blut von Lilith (Jessica Clark) seine Wiederauferstehung als eine Art göttlicher Supervampir. Er scheint nicht nur unverwundbar, sondern ist sogar zum hellseherischen Daywalker mutiert, von dessen Handeln das Schicksal aller Blutsauger abzuhängen scheint.

Weil er jedoch selbst nicht so genau weiß, was er nun eigentlich ist (und dadurch entsprechend unberechenbar wird), bleiben bis auf Jessica (Deborah Ann Woll) alle ehemaligen Gefährten von ihm auf Distanz. Sookie (Anna Paquin), hin und her gerissen wie üblich, kapselt sich gleich vollkommen ab und wird unterdessen durch die Ankunft von Warlow bedroht. Der bekam Sookie einst von ihrem Vater versprochen und möchte mit seiner Braut in spe jetzt endlich auch persönlich auf Tuchfühlung gehen.

True Blood - Staffel 6 - Anlauf für die finale Schlacht zwischen Vampiren, Werwölfen, Gestaltwandlern, Feen, Dämonen, Hexen und so Zeug

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Auf der Flucht: Tara (Rutina Wesley), Sookie (Anna Paquin) und Nora (Lucy Griffiths).
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Daran versuchen ihn sowohl Bruder Jason (Ryan Kwanten) als auch Onkel Niall (Rutger Hauer!) zu hindern. Letzterer unterrichtet Sookie über das große Familiengeheimnis: Die Stackhouse-Blutlinie ist adelig, zumindest die der Feen. Was der hilfsbereite Ben (Robert Kazinsky), den Sookie am Straßenrand aufliest, mit alldem zu tun hat, wird sich im Laufe der Staffel herausstellen und ist, so viel sei gesagt, keine sonderliche Überraschung. Von einer exquisiten Sexszene zwischen Paquin und Kazinsky abgesehen, gehört dieser Handlungsstrang auch zu den uninteressantesten der sechsten Season.

Die Anschläge auf die Tru-Blood-Fabriken, bei denen insgesamt 250 Menschen ums Leben kamen, führten derweil zu einer Verschärfung der Vampirpolitik. Louisianas Gouverneur Truman Burrell (Arliss Howard) lässt eine Ausgangssperre für Vampire verhängen und alle von ihnen betriebenen Lokalitäten schließen (das Fangtasia eingeschlossen). In einem Geheimlabor bzw. Straflager werden zudem bestialische Vampirexperimente durchgeführt und Blutsauger festgehalten, zu deren uns bekannten Insassen bald nicht mehr nur Steve Newlin (Michael McMillian) zählen wird.

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Rutger Hauer mit Einsteinfrisur und Jason Stackhouse (Ryan Kwanten).
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Neue Errungenschaften der Regierung ermöglichen es den Menschen, sich fortan effektiver, aber auch gewalttätiger gegen Vampire zur Wehr zu setzen. Die Polizei ist mit schwerem Geschütz (Silberkugeln und UV-Licht) gerüstet, und ihre Mitglieder tragen Kontaktlinsen, durch die sie immun sind gegen vampirische Becircungsversuche. Im „Vamp-Camp“ entwickelten Burrell und seine Gefolgschaft, zu der auch Steves Ex-Frau Sarah (erneut herrlich widerlich: Anna Camp) gehört, ein Hepatitis V getauftes Virus, das ins Tru Blood gemischt werden und sukzessive alle Vampire vernichten soll.

Das Ende von True Blood ist besiegelt. Leider aber gibt die sechste und damit vorletzte Staffel keinen Anlass, dies sonderlich zu bedauern.Fazit lesen

Um der neuen Regierungsgewalt Herr werden zu können, entführt Eric Northman (Alexander Skarsgård) die Tochter des Gouverneurs. Gegen die Einwände von Pam (immer noch toll: Kristin Bauer van Straten) verwandelt er Willa Burrell (Amelia Rose Blaire) in einen Vampir, um damit eine Einsicht bei ihrem Vater zu erwirken. Währenddessen lässt Bill von einem japanischen Professor, der an der Herstellung von Tru Blood beteiligt war, das Blut eines Feenvampirs synthetisieren, um damit die Gefangenen des Straflagers vor dem Tod durchs Sonnenlicht zu bewahren. So zumindest verspricht es seine Zukunftsvision.

Dramaturgische Stagnation

Wie schon in der fünften Staffel strapazieren die Handlungsabschnitte um Bill, der auch hier wieder regelmäßig von Lilith heimgesucht wird, Geduld und Nerven. Der ganze Vampirgottkomplex wirkt wie ein trivialer Fremdkörper, der um mystische Wichtigkeit bemüht ist, den zuvor so unbeschwerten Spaß an der Serie aber merklich beeinträchtigt. Noch weniger weiß „True Blood“ hingegen mit Lafayette (Nelsan Ellis) anzufangen, der seit einigen Staffeln ausschließlich damit beschäftigt scheint, den Wirtskörper für umhergeisternde Seelen zu spielen – immer so, wie es gerade ins Drehbuch passt.

Sam Merlotte (Sam Trammell), der das eigentliche Herz der Serie bildet (und dessen Restaurant nicht ohne Grund der einzige konstant friedliche und harmonische Ort innerhalb der Handlung bleibt), wird über die gesamte sechste Staffel hinweg mit einer neuen Liebschaft abgespeist. Das tut wenig zur Sache und hat mit der Haupterzählung kaum etwas zu tun, gibt den Autoren aber wenigstens die Möglichkeit, auch Alcide (Joe Manganiello) weiter an das Ensemble zu binden. Der ist als Rudelführer der Werwölfe nun aber auch zu einer demonstrativ unsympathischen Figur verkommen.

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Auch Eric Northman (Alexander Skarsgård) wird zum Gefangenen des Gouverneurs.
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Mehr denn je avanciert hingegen Sheriff Andy Bellefleur (Chris Bauer) zum Sympathieträger, so er sich gleichermaßen unbeholfen wie liebevoll um seine vier rasant wachsenden Feen-Töchter kümmern muss. Weil deren Blut natürlich heiß begehrt ist, versucht er sie besonders fürsorglich vor den Auseinandersetzungen in Bon Temps zu schützen. Vom eigentlichen Geschehen ist seine Figur dieses Mal aber fast vollständig abgekanzelt, was ebenso für Terry (Todd Lowe) und Arlene (Carrie Preston) gilt, deren Handlungsstränge nur notdürftig mit den zentralen Ereignissen verknüpft werden.

Aufgrund der dramatischen Konflikte und des im Wesentlichen nur noch aus kriegerischen Handlungen zwischen Mensch und Vampir zusammengesetzten Plots entledigt sich „True Blood“ in dieser Season zahlreicher liebgewonnener Figuren. Folge 9 dreht sich fast gänzlich um die Beerdigung einer Hauptfigur, was aber durch die parallelen (und extrem heftigen) Splatterszenen im Vampirlager an Emotionalität einbüßt.

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Es ist genauso albern wie es aussieht: Bill (Stephen Moyer) als Reinkarnation von Lilith.
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Hier bereitet die Serie bereits ihr Ende vor, das mit der siebten und letzten Season im kommenden Jahr erreicht sein wird. Trotz gewohnter Stärken muss man leider sagen: Kein schlechter Zeitpunkt.

Alan Balls auf Grundlage der „Sookie Stackhouse“-Bücher von Charlaine Harris konzipierter HBO-Show gelang es bis zur vierten Staffel konstant, neue phantastische Wesen und damit Schwer- wie Höhepunkte in das krisengebeutelte Südstaatennest Bon Temps einzuführen. Eine gewisse dramaturgische Stagnation ist seit Season 5 jedoch nicht von der Hand zu weisen, und auch die sozialpolitischen Metaphern scheinen nur noch Vorwand für ein auf Autopilot geschaltetes Fantasy-Gebräu, das mit seinen Figuren einfach nicht mehr viel anzufangen weiß.