Vampirserien und -filme sind derzeit schwer angesagt. "True Blood", das nun seine Free-TV-Premiere feiert, ist aber nichts für pubertierende Teenager: Die HBO-Serie ist nämlich kein Kindergeburtstag, ihre Hauptzutaten sind Blut, Sex und Gewalt.

„Ach, nee, lass lieber mal. Mir geht der Vampir-Hype ziemlich auf den Nerv.“ - das ist die Standardreaktion, wenn man jemandem die US-Serie „True Blood“ empfiehlt. Doch als Serienfan gibt man sich nicht so leicht geschlagen und versichert dann stets, dass die HBO-Produktion wirklich gar nichts mit romantischen Schmuse-Vampiren und Zahnspangenträger-Romantik zu tun hat. "Twilight" verhält sich zu "True Blood" in etwa so wie Justin Bieber zu Sex, Drugs and Rock'n'Roll.

True Blood - TV-Serien-Highlight: Endlich darf auch Deutschland kraftvoll zubeißen

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Die zentrale Figur von "True Blood": Sookie Stackhouse (Anna Paquin)
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Am Anfang von "True Blood", das ab 16. März auf RTL 2 zu sehen ist, steht eine Erfindung: Wissenschaftlern gelingt die künstliche Synthese von Blut. Dieser medizinische Durchbruch ermöglicht den Vampiren ein "Coming-out". Die seit Jahrtausenden im Verborgenen "lebenden" Wesen machen ihre Existenz öffentlich.

Dank "True Blood" (erhältlich in Flaschen und in allen verschiedenen Blutgruppen) ist das Beißen von Menschen nun nicht mehr nötig. Die Vampirgemeinde schwört dem Menschenblut ab – offiziell zumindest. Fortan leben die Vampire gleichberechtigt neben den Menschen, die ihnen mit einer Mischung aus Angst, aber auch Faszination und Begierde begegnen.

Alan Ball ("American Beauty", "Six Feet Under") hat - basierend auf den Sookie-Stackhouse-Romanen von Charlaine Harris - eine einzigartige Serie erschaffen, die trashig und edel zugleich ist, romantisch und verrucht.

Rednecks und Fangbanger

Protagonistin von "True Blood" ist die Kellnerin Sookie (Anna Paquin, "X-Men"). In einem Kaff namens Bon Temps im tiefsten Süden der USA nimmt das Leben seinen gewohnten Gang (Arbeit, Kneipe, Schlägerei). Zumindest bis der Vampir Bill Compton (Stephen Moyer) in "Merlotte's Bar" auftaucht. Sookie, die selbst übernatürliche Fähigkeiten hat und Gedanken lesen kann (aus ihrer Sicht: muss), ist fasziniert vom blassen Bill.

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Als Bill gehen will, wird er vor der Bar von einem Paar überrascht, das ihn mit Silber fesselt. Das ist neben Holzpflöcken das Einzige, auf das Vampire allergisch reagieren, über Knoblauch und Kreuze lachen sie dagegen nur. Das Paar überwältigt Bill, um ihm das Blut abzuzapfen. Vampirblut ist für Menschen nämlich eine Droge ("V") und entsprechend heiß begehrt.

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Liebe geht durch den Magen: Bill (Stephen Moyer) und Sookie
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Sookie kommt Bill zur Hilfe, der das Pärchen dann verprügelt. Das Duo rächt sich später aber an Sookie und schlägt sie halbtot. Um Sookie zu retten, gibt ihr Bill eine große Portion von seinem Blut zu trinken. Das hat nämlich auch übernatürlich Heilkräfte und schärft in Folge zudem Sookies Sinne.

Gleichzeitig mit Bills Auftauchen kommt es zu mehreren Morden. In Verdacht gerät zunächst der trottelige Frauenheld Jason, Sookies Bruder. Als aber ein Video auftaucht, das ein Opfer beim Sex mit einem Vampir zeigt ("Fangbanger"), und an den toten Frauen Bissspuren entdeckt werden, sind sich viele sicher: Als Täter kommt nur ein Vampir in Frage. Hass und Vergeltung gegenüber den Blutsaugern sind die Folge.

Sookie indes verliebt sich in Bill, der auch aus Bon Temps stammt und sich im Ort wieder niederlässt. Durch ihn lernt sie die Welt und Gesellschaft der Vampire näher kennen. Dazu gehört auch Eric Northman, der als Sheriff von Louisiana der oberste Vampir dieses Bundesstaates ist und einen wilden Club namens Fangtasia betreibt.

Eric der Wikinger

Protagonistin von Serie sowie Romanvorlage ist zweifellos Sookie Stackhouse. Doch bevor wir zu ihr und ihrer Darstellerin Anna Paquin kommen, wollen wir uns dem eigentlichen Star der Serie widmen: Alexander Skarsgård. Der Fast-Zweimeter-Riegel spielt mit Eric Northman den wohl einzigen Charakter der Vampirgeschichte, der es in Sachen Coolness locker mit Blade aufnehmen könnte.

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Tunte, Drogendealer und gute Seele: Koch Lafayette Reynolds (Nelsan Ellis)
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"True Blood" machte den 35-jährigen Schweden international zum Star, ein Newcomer ist er aber keineswegs. Skarsgård ist einer der bekanntesten Schauspieler Skandinaviens und auch ein erfahrener Regisseur. Für die Rolle des Eric Northman war er ein Glücksgriff: Mit seiner unterkühlt-ironischen Art spielt er in jeder seiner Szenen seine Kollegen an die Wand.

Sookie wird von Anna Paquin gespielt. Die ist vor allem für ihre Rolle in den "X-Men"-Filmen bekannt, sie war dort an der Seite von "Wolverine" Hugh Jackman als "Rogue" zu sehen. Die Besetzung von Paquin war nicht unumstritten, angeblich war auch Charlaine Harris, die Autorin der Romanvorlage, zunächst nicht gerade begeistert von dieser Wahl.

Die gebürtige Kanadierin, die bereits mit elf Jahren mit einem Oscar ausgezeichnet worden ist ("Das Piano"), macht ihre Sache letztlich solide, inzwischen haben sich Autorin wie Fans mit ihr angefreundet. Gleiches gilt für Bill-Darsteller Stephen Moyer: Der ist wohl nicht der begnadetste Schauspieler der Welt, in der Rolle des guten, aber etwas langweiligen Vampirschönlings "funktioniert" er trotzdem.

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Bissiges Liebesdreieck: Sookie mit Bill und Eric
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Die meisten Nebenrollen sind hervorragend besetzt, allen voran Ryan Kwanten (als Jason Stackhouse) und Nelsan Ellis (Lafayette Reynolds). Besonders die Bösewichte der zweiten und dritten Staffel begeistern (Achtung, Spoiler): In Staffel zwei etwa spielt Michelle Forbes die mysteriöse Verführerin Maryanne, manchen Lesern wird sie als die fieseste weibliche Raumschiffkapitän der Sci-Fi-Geschichte ("Battlestar Galactica: Razor") bekannt sein. In der dritten Staffel gibt es gleich zwei großartige Bösewichte: Denis O'Hare und James Frain.

Sender und Schöpfer

Dass "True Blood" es überhaupt (in dieser Form) ins Fernsehen geschafft hat, ist wohl einem einzigen Mann zu verdanken: Alan Ball. Der 53-jährige Autor, Produzent und Gelegenheitsregisseur holte sich mit viel persönlichem Engagement die (begehrten) Rechte von Buchautorin Harris. Kein Wunder, immerhin kommt Ball mit besten Empfehlungen: Für sein American-Beauty-Skript holte er sich (völlig verdient) einen Oscar ab, seine TV-Serie "Six Feet Under" zählt zu den intelligentesten Fernsehproduktionen aller Zeiten.

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Blutspende: Der Saft rettet Sookie und schafft eine Verbindung mit Bill.
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Dazu brauchte es allerdings auch den richtigen Sender: HBO. Der US-Bezahlkanal ist quasi der Gegenentwurf zu den frei empfangbaren, aber prüden amerikanischen Networks. Sex, Nacktheit, Schimpfwörter und Gewalt sind hier gern gesehene Zutaten und "True Blood" hat davon reichlich zu bieten.

HBO ist so etwas wie die Mutter aller Bezahlsender: Der 1972 gegründete Kanal war der weltweit erste Sender, der per Satellit ausgestrahlt wurde, bei HBO feierten auch Verschlüsselung und Bezahlmodell ihre Premiere. Das alles wäre aber nicht ohne die hohe Qualität, für die HBO bekannt ist, möglich gewesen.

Der Sender hat es sich zur Gewohnheit gemacht, schier unglaubliche Beträge in Produktionen zu investieren, das Geld sieht man den Ergebnissen auch fast immer an. Das betrifft nicht nur Actionkracher wie "Band of Brothers" oder Historienepen wie "Rome", sondern auch die ganz "normalen" Produktionen. Vor allem aber traut sich HBO etwas: Homosexualität, Polygamie, Drogen oder politisch brisante Statements - Tabus gibt es kaum.

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Barbesitzer Sam Merlotte (Sam Trammell) und Nervensäge Tara (Rutina Wesley)
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Bei RTL 2 muss man allerdings das Schlimmste befürchten. "True Blood" ist schließlich kein Kindergeburtstag, mit dem Übermaß an Sex und Gewalt wird wohl so mancher Sittenwächter seine Probleme haben. RTL 2 wird wohl intensiv die Schere ansetzen (müssen). Alternativ empfiehlt es sich deshalb, zu den DVD-Boxen zu greifen - die ersten beiden Staffeln sind bereits erhältlich.

Wer über fundierte Englischkenntnisse verfügt, sollte unbedingt die Originalsprache wählen (Untertitel sind dennoch empfohlen). Auch wenn das Südstaaten-Englisch nicht immer einfach zu verstehen ist: In der Synchronfassung geht ein Großteil der essentiellen Südstaaten-Atmosphäre verloren.

Die Vorlage

"True Blood" ist eine durchaus freie Interpretation der Buchvorlage(n), insbesondere ab der zweiten Staffel. Im Großen und Ganzen halten sich die Macher zwar an die Handlungseckpunkte der jeweiligen Bücher, erlauben sich aber insbesondere bei den Charakteren durchaus ihre Freiheiten. Der Koch Lafayette beispielsweise stirbt am Anfang des zweiten Buches, in der Serie ist er dagegen auch nach drei Staffeln wohlauf.

TV-Serien - True Blood Trailer24 weitere Videos

Unumstritten sind diese Veränderungen unter Fans natürlich nicht, die meisten haben sich aber damit inzwischen angefreundet oder zumindest abgefunden. Viele Anpassungen waren einfach deshalb notwendig, weil die Buchvorlage aus der Ich-Perspektive von Sookie Stackhouse erzählt wird. Dadurch liegt der Fokus in den Romanen naturgemäß sehr bzw. zu stark auf der Hauptheldin.

Der erste Band der inzwischen zehnteiligen Buchreihe (Nummer elf soll im Mai dieses Jahres auf Englisch erscheinen) kam 2001 in den Handel. Im Gegensatz zur deutschen Fassung beinhaltet dabei jeder einzelne Originaltitel das Wort "Dead". Ursprünglich sollte die Geschichte nach zehn Büchern zu Ende gehen, wohl auch nach dem großen Erfolg von "True Blood" kündigte Charlaine Harris weitere drei Romane an. Nach Nummer 13 soll aber endgültig Schluss sein, wie die Autorin vor kurzem erklärte. Sie sehne sich danach, wieder etwas anderes zu schreiben.

Die vierte Staffel

(Achtung Spoiler!) Kommenden Sommer startet in den USA die vierte True-Blood-Staffel. Eines dürfte klar sein: Die zentrale Rolle spielen Hexen. Damit wird die Gruppe mythischer Wesen komplettiert, die anderen wurden bereits in den ersten drei Seasons eingeführt: Vampire, Gestaltwandler, Telepathen, Werwölfe, Mänaden und Feen.

Wie es das Wort Hexen vermuten lässt, kommen in Staffel vier vor allem weibliche Charaktere neu in die Serie: Allen voran die erfahrene irische Schauspielerin Fiona Shaw, die am besten für ihre Harry-Potter-Rolle als Tante Petunia bekannt ist. In "True Blood" spielt Shaw die wenig selbstsichere Handleserin Marnie, die vom Geist einer mächtigen Hexe übernommen wird.

HBO hat außerdem jede Menge Schauspielerinnen engagiert, die durchaus angenehm fürs Auge sind, darunter Janina Gavankar ("The L-Word"), Vedette Lim, Courtney Ford ("Dexter") und Alexandra Breckenridge ("Life Unexpected"). Und weil das eine HBO-Tradition ist, wird es die eine oder andere adrette Dame auch sicher in Nacktszenen zu sehen geben.

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Mist, wer könnte diesen, äh, Augen widerstehen?
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Inhaltlich wird voraussichtlich Eric Northman eine zentrale Position einnehmen. Der taumelt nämlich eines Tages halbnackt auf der Straße herum und leidet an einem Gedächtnisverlust. Sookie nimmt ihn mit zu sich und erfährt, dass seine Bar Fangtasia von Hexen überfallen worden ist. Das dürften die Eckpunkte der Story sein, zumindest wenn man vom vierten Buch ausgeht.

Ein unerwartetes Comeback dürfte viele Fans freuen: Godric, in der Serie der Erschaffer von Eric, wird eine Rückkehr feiern. In welcher Form, das ist allerdings völlig unklar: Godric nimmt in der zweiten Staffel ein (finales) Sonnenbad, das ein erneutes Auftauchen wohl nur in Form von Rückblenden vorstellbar macht.