Bei RTL 2 ist man auf den Geschmack der Event-Programmierung gekommen. Was mit „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ funktionierte, soll nun auch der vierten Staffel von „Torchwood“ zum Erfolg helfen. Gut möglich, dass es klappt, denn „Miracle Day“ ist im Grunde eine Miniserie, in die man als Zuschauer ohne jedwede Vorkenntnis einsteigen kann.

Vom 17. bis zum 19. August strahlt RTL 2 die aus zehn Episoden bestehende Staffel auf. Am Freitag werden vier, an den beiden darauffolgenden Tagen jeweils drei Folgen zu sehen sein.

Zwei Jahre sind vergangen, seit Torchwood aufgelöst wurde. Gwen lebt mit ihrem Mann Rhys im Verborgenen, Captain Jack Harkness hat sie lange nicht mehr gesehen und alles scheint normal zu sein. Bis zu dem Tag, an dem die Menschen aufhören zu sterben. Populärster Vertreter dieser neuen Überlebenden ist Oswald Danes, ein verurteilter Pädophiler und Kindermörder, der durch die Giftspritze sterben sollte. Aber sie hat nicht gewirkt, und so kommt Danes nach Verbüßen der Strafe frei.

Bei der CIA hat man derweil von Torchwood gehört - woher und wieso weiß man nicht. Aber Esther Drummond kümmert sich darum, als ihr Kollege Rex Matheson tödlich verletzt wird. Doch der Wundertag rettet auch ihm das Leben.

Im Großen und Ganzen eine gute und sehr interessante Geschichte, die aber von einer Straffung auf weniger Episoden profitiert hätte.Fazit lesen

Jack Harkness befindet sich wieder auf der Erde. Er beginnt, die Vorkommnisse des Miracle Days zu untersuchen, wobei sich Gwen und er sehr schnell von der CIA rekrutieren lassen. Oder besser: Von Rex, der mittlerweile auf der Flucht ist, da man ihm etwas anhängen will. Während ein multinationaler Konzern Oswald Danes als Aushängeschild für eine veränderte Welt benutzt und die Regierungen dieser Welt entscheiden müssen, was mit „überflüssigen“ Menschen geschehen soll, liegt es nun an Torchwood herauszufinden, wer den Miracle Day wie initiiert hat - und wie man ihn rückgängig machen kann.

Torchwood - Miracle Day - Staffel 4: Wenn beim Sterben jeder der letzte ist...

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Das Torchwood-Team ist ratlos: Warum ist plötzlich jeder zum weiterleben verdammt?
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Auf nach Amerika

Die vierte Staffel von TORCHWOOD ist so etwas wie ein Neuanfang. Eine Ko-Produktion zwischen der BBC und dem amerikanischen Pay-TV-Sender Starz. Am Ruder saß wieder Russel T. Davies, der auch den Neustart von „Doctor Who“ vor ein paar Jahren verantwortete, aber sowohl vor als auch hinter der Kamera standen diesmal hauptsächlich Amerikaner.

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Wieder mit dabei sind John Barrowman als Captain Jack Harkness und Eve Myles als Gwen Cooper. Ein (kürzeres) Wiedersehen gibt es auch mit Kai Owen, der Gwens Ehemann spielt. Das sind die britischen Überbleibsel, wenn man so will. Die übrige Besetzung ist großteils amerikanisch. Mekhi Phifer („Dawn of the Dead“) spielt Rex Matheson, Alexa Havins (“When in Rome”) ist Esther Drummond, Lauren Ambrose (“Six Feet Under”) agiert als Reporterin Jilly Kitzinger und Bill Pullman (“Independence Day”) ist der verabscheuungswürdige und zugleich charismatische Oswald Danes.

Drei Wundertage

„Miracle Day“ fühlt sich zwar nicht so britisch an, wie es die Vorgänger-Staffel "Kinder der Erde" tat, weiß aber dennoch zu gefallen. Man kann nicht unbedingt sagen, dass die Geschichte mit zehn Folgen rasant erzählt wäre. Durchaus wäre es möglich und vielleicht auch besser gewesen, das Ganze etwas stärker zu komprimieren, aber innerhalb kurzer Zeit goutiert, kann die Show durchaus punkten – so gesehen ist die RTL-2-Programmierung ein echter Vorteil. Ihr größtes Problem ist wohl, dass sie "Kinder der Erde" nachfolgen muss. Und im direkten Vergleich ist sie schwächer.

Dabei nutzt Davies als Showrunner ein sehr ähnliches Story-Element, mit dem hier hantiert wird. Es gibt viele phantastische Elemente, aber Außerirdische haben hier nichts verloren. Stattdessen ist "Miracle Day" in seinen besten Momenten eine bittere Abrechnung mit den Regierungen dieser Welt. Einerseits untersucht die Show sehr schön, wie diktatorische Zustände innerhalb kurzer Zeit Fuß fassen können, andererseits lässt sie kein besonders gutes Haar an der Menschheit. Die Quintessenz ist: Die meisten Menschen sind bereit, viel(e) zu opfern, um die eigene Haut zu retten. Dem gegenüber stehen die Heldenfiguren.

Simpler Schwarzweißzeichnung bedient sich „Torchwood“ nicht. Jeder hat seine Fehler, aber niemand ist nur ein Monster. Noch nicht einmal Oswald Danes. Bill Pullman spielt den Kindermörder, der vor Gericht aussagte, "sie hätte einfach schneller weglaufen sollen", ungemein intensiv. Er ist ein abstoßender Mensch, aber er ist eben nicht nur das Monster. Gerade seine Figur bietet sich auch für Satire auf das Fernsehen und seine Prominenten an, denn Davies und seine Autoren bauen Danes zu einer Art Star auf, der von den Massen bewundert wird.

Torchwood - Miracle Day - Staffel 4: Wenn beim Sterben jeder der letzte ist...

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"Sie hätte einfach schneller laufen sollen": Bill Pullman als verurteilter Kindermörder.
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Ungereimtheiten

Nicht alles ist immer gänzlich klar nachzuvollziehen. Beispielsweise gibt es keinerlei Erklärung, warum das Element unter Angelos Bett angebracht wurde (das mag nun für alle, die die Serie nicht gesehen haben, wenig Sinn ergeben, aber zu sehr ins Spoiler-Territorium wollen wir auch nicht vordringen).

Mit einigen Fragezeichen versehen ist die Verschwörung hinter dem "Miracle Day". Es gibt ein paar vage Erklärungsversuche, was erreicht und erschaffen werden soll, aber unterm Strich fragt man sich, was es den Verursachern wirklich bringen würde, wenn niemand mehr stirbt - auf natürliche Art und Weise. Denn eines wird auch etabliert: Man altert weiter, die Körperfunktionen versagen irgendwann, mit Painkillern kann man zwar den Schmerz ausschalten, aber Unsterblichkeit im Sinne von ewiger Jugend bringt der "Miracle Day" nicht mit sich.