Der Bücherwurm und Student Ken Kaneki hat sich seit einiger Zeit in ein Mädchen aus seinem Stammlokal verguckt und kann sein Glück kaum fassen, als sich seine Traumdame beim Kennenlernen zu einem Date mit ihm überreden lässt. Er scheint jedenfalls ganz nach dem Geschmack seiner Angebeteten zu sein - im wahrsten Sinne. Eigentlich handelt es sich bei ihr nämlich um ein Ghul, der es auf Menschenfleisch abgesehen hat.

Tokyo Ghoul - Deutscher Trailer

Dass die vermeintliche Flamme ihn wortwörtlich zum Fressen gern hat, bekommt der desillusionierte Achtzehnjährige während einer vermeintlichen Umarmung am eigenen Leib zu spüren. In seiner Panik und durch den Biss der Ghuldame schwer verletzt versucht Ken die Flucht zu ergreifen. Wie es der Zufall will, haben sich die Gerüstteile eines naheliegenden Baustellenfundaments gelockert und stürzen prompt auf die nichtsahnende Menschenfresserin ein, wodurch sie an Ort und Stelle verstirbt. Doch auch Ken steht kurz davor, seinen Verletzungen zu erliegen und wird kurz darauf bewusstlos.

Tokyo Ghoul - Blutig, brutal, düster und psychisch zermürbend

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Erst im Sterben liegend, dann als Ghul wieder unter den Lebenden. So hat sich der arme Ken die Entwicklung seiner Verabredung nicht vorgestellt.
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Desorientiert kommt er in einem Krankenhaus wieder zu sich und stellt fest, dass seine tödlichen Verletzungen verheilt sind. Der junge Mann erfährt, dass er während einer Operation die Organe des Mädchens transplantiert bekam und so überleben konnte. Glück im Unglück, möchte man eigentlich meinen. Doch in Wirklichkeit entwickelt sich Kens Leben von diesen Moment an zur reinsten Hölle.

Ich rieche, rieche Menschenfleisch

Die Dinge nehmen ihren Lauf, als Ken mehr und mehr realisiert, dass er die normale Nahrung verabscheut und stattdessen einen unwiderstehlichen Heißhunger auf Menschenfleisch entwickelt. Anscheinend hat die Operation ihn selbst zu einem Ghul werden lassen. Diesen Umstand kann der Gute nicht akzeptieren und versucht vergeblich, all das gängige Essen, was er sonst mag, zu sich zu nehmen, nur um es wieder vor Ekel auszuspucken.

Der Anime schafft es dabei sehr gut in den frühen Folgen Kens wachsende Verzweiflung und quälenden Drang nach Menschenfleisch zu vermitteln. Letzteres versucht er zu unterdrücken, was dazu führt, dass er sich immer mehr von seinem normalen Umfeld distanziert. Es dauert nicht lange, bis er schließlich Bekanntschaft mit anderen Ghulen macht, die sich unlängst in der Gesellschaft als Menschen getarnt integriert haben. Manche von ihnen sind ihm dabei mehr wohlgesonnen als andere.

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Ken findet Hilfe bei anderen Ghulen, die wie er versuchen, friedlich mit den Menschen zu koexistieren, ohne in den blutrünstigen Hungerwahn zu verfallen.
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Auch das Personal von Kens Stamm-Café entpuppt sich als eine Art Ghul-Selbsthilfegruppe, die ihren friedfertigen Artgenossen hilft, in der menschlichen Welt zu überleben, ohne ihre moralischen Werte durch das Töten von Menschenleben zu verlieren (indem sie sich beispielsweise nur von Selbstmördern ernähren). Während Ken immer mehr die Welt der Ghule kennenlernt, kommt er zur Erkenntnis, dass auch die Ghule Freunde und Familien unter Ihresgleichen und den Menschen besitzen, die ihnen viel bedeuten. Das Überleben wird ihnen seit jeher aber durch die CCG ("Commission of Counter Ghoul") erschwert: einer Behörde, die sich der Ausrottung der Menschenfresser gewidmet hat.

Dieser Anime macht euch in vielerlei Hinsicht fertig und ist absolut nichts für zartbesaitete Gemüter.Fazit lesen

Gleichberechtigungskonflikt mit Kollateralschäden

Was zunächst wie eine klassische Horrorgeschichte beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit mehr zu einer ungewöhnlichen Geschichte über den hoffnungslosen Kampf um die Gleich- und Existenzberechtigung. "Keine Gefangenen" lautet nämlich die Devise der CCG-Ermittler, die mithilfe von Ghul-Einzelteilen Waffen entwickelt haben, mit denen sie die Menschenfresser jagen und töten. Dabei tun sie es im Grunde nur, um die Zivilbevölkerung vor den als hochgefährlich gebrandmarkten Wesen zu schützen.

Der Konflikt zwischen beiden Parteien zeichnet sich erst im späten Verlauf der Serie ab und wartet mit überraschend emotionalen Höhen und Tiefen auf. Sowohl bei den Inspektoren als auch bei den friedfertigen Ghulen herrscht von der jeweils anderen Seite ein klares Feindbild vor, wodurch sich der Hass nach jedem weiteren tragischen Verlust in den eigenen Reihen immer weiter zuspitzt und in einem Teufelskreis der Rache ausufert.

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Keine Folge vergeht ohne die geballte Portion Verzweiflung.
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Ausgleichend dargestellt werden die Hintergründe der Betroffenen nach dem Tod der "Mitmenschen" bei beiden Seiten zwar nicht, doch führt die Serie zumindest immer wieder jene Momente ungeschönt vor Augen und sorgt sogar für den einen oder anderen Gänsehautmoment. Ken, der im Grunde als Halbghul unter Menschen und Ghulen gleichermaßen verweilen kann, fühlt sich in solchen Auseinandersetzungen oft hin- und hergerissen und tut sich bis zum Ende aufgrund seiner Moralvorstellungen schwer, jemanden das Leben zu nehmen. Den wirklich entscheidenden Wandel macht der Protagonist allerdings erst am Ende durch, weswegen seine Entwicklung als langsam empfunden werden kann. Andererseits zeigt das auch, dass Ken sich seiner menschlichen Seite durchgehend treu bleibt.

Von Torture-Porn-Eskapaden und Pacing-Pannen

Der größte Kritikpunkt bei "Tokyo Ghoul" ist der zu wechselhaft geratene Erzählfluss, der vor allem von gelegentlich eingestreuten, verwirrenden Zeitsprüngen geprägt ist. Mehr als einmal kommt es - meist mitten in einer brenzligen Situation - zu einem Szenenwechsel, in dem Hauptfigur Ken aus seiner Ohnmacht erwacht, als sei das vorangegangene Ereignis nur ein Alptraum gewesen. Gewisse Diskontinuitäten weist die Handlung auch innerhalb unnötig vertauschter Handlungsbögen im Vergleich zum Manga auf, die eventuell nur dem Vorlagenkenner auffallen werden. Abgesehen davon erscheinen aber viele Änderungen des Anime als durchaus sinnvoll. Ein oder zwei fragwürdige Momente zu Beginn des Manga wurden beispielsweise dahingehend verändert, so dass die Charaktere bezüglich ihrer moralischen Wertvorstellungen wesentlich konsequenter wirken.

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Für Ghoul-Jäger Mado und sein Assistent Amon sind die menschenfressenden Kreaturen nichts weiter als Abschaum, die nur so tun, als hätten sie sowas wie eine Familie.
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Einstellen muss man sich außerdem noch auf ein offenes Ende, wodurch die Staffel mehr was von einem langsamen Auftakt hat. Betrachtet man die Staffel nur für sich, bleiben merkliche ungeklärte Fragen und so mancher Handlungsstrang eines Charakters offen. Die erst kürzlich in Japan fertig ausgestrahlte Staffel "Tokyo Ghoul - Root A" setzt die Handlung genau an der Stelle fort, wo der Cliffhanger der letzten Episode dieser Season aufhört und geht diesen Fragen nach.

Am meisten macht sich beim Anime aber vor allem die ziemlich explizite Gewaltdarstellung bemerkbar. Diese im höchsten Maße blutig inszenierten Szenen, in denen man sichtlich die Schmerzen und Todesqualen der Charaktere spüren kann, sollen zweifellos unangenehm wirken. Trotzdem gibt es stellenweise Momente, wo die Gewaltorgie etwas überstrapaziert wirkt. Unter denen ist auch eine Folterszene, die gefühlt zwei Episoden des Staffelfinales einnimmt. Alles in allem ist der Gewaltgrad natürlich eine reine Geschmacksfrage und wird gerade unter Gore- und Splatterfans ihre Daseinsberechtigung haben. Aufgrund dessen ist "Tokyo Ghoul" aber auch mit Vorsicht zu genießen und absolut nichts für Zartbesaitete.

Tokyo Ghoul - Der Menschenfresser in dir

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