Kennt ihr diese austauschbaren Versager-Protagonisten in vielen Anime, die so unerträglich schüchtern sind, dass sie gegenüber dem anderen Geschlecht kaum ein Wort rausbringen und ansonsten auch nur von einem Fettnäpfchen ins andere treten?

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Alles andere als ein Loser

Meist sollen ja diese Art von Loser-Protagonisten als Identifikationsfigur dienen, wobei die Schwächen und der behelfsmäßige Umgang mit den Mitmenschen so derart befremdlich wirken, dass diese Assoziation zu keinem Moment wirklich aufkommt. Kehrt man diesen Stereotyp in das extreme Gegenteil um, ist das Ergebnis auch nicht unbedingt besser, wie man an dem Protagonisten Tatsuya aus der Anime-Adaption von "The Irregular at Magic Highschool" sieht.

The Irregular at Magic High School - Die Schule für Hightech-Magier und Übermenschen

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In der Magie-lehrenden First High School werden die Leistungsbesten inoffiziell als Blooms und die zweitklassigen Schüler als Weeds bezeichnet. Das führt zu jeder Menge Spannungen.
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Tatsuya ist ein frischgebackener Student der angesehensten Magie-Akademie Japans, genau wie seine Schwester Miyuki. In der alternativen Welt von "The Irregular at Magic High School" wurde die Magie nach ihrer Entdeckung soweit erforscht, dass sie mit der Technologie verknüpft werden konnte und der Menschheit zum wissenschaftlichen Fortschritt verhalf. So entstanden mit der Zeit staatliche Magie-Schulen, in der die Lehrlinge unter anderem zu kampferfahrenen Elite-Magiern ausgebildet werden.

Auf Tatsuyas Schule werden die Schüler entsprechend ihrer Leistung bei der Aufnahmeprüfung in zwei Kurse geteilt. Diejenigen mit guter Praxisleistung kommen in Kurs 1, während die schlechteren Kurs 2 zugeordnet werden. Zwischen den beiden Gruppen bestehen seit jeher Spannungen, die besonders von der Diskriminierung Letzerer geprägt sind.

Während Tatsuyas Schwester Miyuki mit ihren Top-Noten brilliert und dadurch in Kurs 1 kommt, landet er aufgrund mangelnder Praxis-Leistung in Kurs 2. Sehr bald stellt sich aber heraus, dass der Gute alles andere als ein Versager ist. Er ist ein schneller Analytiker, weist umfangreiche Kampferfahrung und schnelle Reflexe auf und bewahrt in kritischen Momenten stets einen kühlen Kopf.

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Tatsuyas Schwester Miyuki verehrt nicht nur ihren Bruder abgöttisch, sondern zeigt sich auch eifersüchtig gegenüber anderen Verehrerinnen ihres Bruders.
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Kurz gesagt, eigentlich ist er nahezu perfekt. Wären da eben nicht die Wertungskriterien, denen er nicht entsprach. Nach und nach gewinnt er den Respekt vieler Mitschüler und wird sogar im Schülerrat aufgenommen, was einigen anderen Hochrangigen der Klasse 1 eher ein Dorn im Auge ist.

Ein etwas anderer Schulanime, der einen interessanten Fantasy-Science-Fiction-Genremix aufweist, dem es jedoch aufgrund eines zu perfekten, alles könnenden Protagonisten an Spannung mangelt.Fazit lesen

Chuck Norris wäre ein Witz dagegen

Die angespannten Verhältnisse und die daraus resultierenden Konflikte zwischen den beiden Kursen sind in den frühen Episoden der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Tatsuya, der durch seine Position im Rat ein Bindeglied der beiden Klassen bilden soll, bekommt es dabei mehrfach mit gewaltbereiten Regelwidrigen zu tun.

Trotz mancher Gefahrensituationen kommt nie der Eindruck auf, dass Tatsuya ernsthafte Probleme im Kampf hat. Im Gegenteil sogar: Sein Können überschreitet selbst die Fähigkeiten der besten Schüler und Ausbilder, wodurch er im späteren Verlauf nicht mal Schwierigkeiten hat, sogar Terroristen und Attentäter aus dem Weg zu räumen.

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Tatsuya der Mädchenschwarm. Eins von vielen Szenen, in denen Tatsuya mit Lobeshymnen überhäuft und von Bewunderern belagert wird.
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Die Überlegenheit, die Tatsuya gegenüber seinen Gegnern besitzt, kommt teilweise einer Gottgleichheit nahe. Stellenweise wirkt es zudem fast schon zu aufdringlich, wie die Serie versucht, Tatsuyas Coolness zu unterstreichen, etwa durch jeden dritten oder vierten Charakter, der abermals feststellt, wie toll Tatsuya doch ist.

Während die Serie konstant Tatsuyas Stärken hervorhebt, versäumt sie es, diese mit Momenten zu relativieren, in der auch seine Schwächen zum Vorschein kommen. Diese sind nämlich zumindest in der Light-Novel-Vorlage präsenter und machen ihn ein wenig sympathischer.

Magie und Technik

Zugute halten kann man ihm, dass er trotz seines Könnens und seines guten Urteilvermögens weder zur Überheblichkeit noch zur Arroganz neigt. Eigentlich neigt er zu so gut wie gar nichts, da er die meiste Zeit eh keine Emotionen offenbart. Das hat aber auch tatsächlich seinen Grund, den man aber erst wesentlich später in der Serie erfährt.

Für die ohnehin kaum vorhandene Charakterentwicklung spielt es jedoch keine Rolle. Ähnlich wie schon bei der Hauptfigur von "Sword Art Online", ist Tatsuya im Anime in gewisser Weise vollkommen und unantastbar. Einige kleine kritische Momente kommen durchaus vor, unterm Strich kann es aber keiner mit seinem Intellekt und seinen Kampffertigkeiten aufnehmen. Das ist auch der Grund, wieso es der Handlung nahezu durchgängig an Spannungspunkten mangelt.

Das gilt leider auch für den Großteil der Kampfszenen, in denen er nicht involviert ist. In den meisten Fällen ist der Ausgang eines Kampfes anhand offensichtlicher, einseitiger Charakterdarstellungen vorhersehbar. Diese Einseitigkeit ist schade, da die Kämpfe an sich optisch sehr ansprechend inszeniert wurden. Im Bezug auf die Magieanwendungen werden viele gute Ideen geliefert, die im späteren Verlauf besonders während eines Schulsportturniers zur Geltung kommen.

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Die ersten 7 Folgen von The Irregular at Magic High School sind ab 18. Mai auf DVD und Blu-ray mit deutscher und japanischer Sprachausgabe erhältlich.
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Viel Technobrabbel und wenig Spannung

Mit der Kampfinszenierung geht ein weiteres großes Problem der Serie einher: Sie erklärt zu viel. Zu Beginn mag die Funktions- und Anwendungsweise der auf Technologie basierenden Magie interessant sein, mit der Zeit wirken die endlosen Ausführungen jedoch ermüdend und wie Füllmaterial für die Dialoge. Zwar sind Erläuterungen manchmal durchaus sinnvoll und tragen zum Verständnis des Kampfgeschehens bei; allerdings verlieren sich die Charaktere ansonsten zu sehr in nichtssagenden Technobrabbel und fiktiven Termini, so dass man wenig später komplett auf Durchzug schaltet.

Wesentlich interessanter sind eigentlich die anderen Gegebenheiten, die mit der Magie-Welt zusammenhängen, wie beispielsweise der Krieg, der das Resultat angespannter Machtverhältnisse ist und sich im Hintergrund der Geschichte abspielt. Nur am Rande erfährt der Zuschauer etwas über solche Fakten, die ein weitaus komplexeres Szenario jenseits des Schulschauplatzes andeuten.

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Tatsuya wirkt teils kühl und zeigt sich oft unbeeindruckt von seinem Umfeld. Aber das hat auch seine Gründe.
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Gegen Ende gewinnt die Serie noch mal richtig an Fahrt und liefert ein actiongeladenes Finale ab, das selbst Michael Bay nicht brachialer hätte inszenieren können. Auch die langatmigen Erklärungen und Ausschweifungen lassen nach. Die einseitige Darstellung von Tatsuyas Überlegenheit besteht aber auch weiterhin und wird sogar noch richtig auf die Spitze getrieben.

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Nüchtern betrachtet ist "The Irregular at Magic Highschool" alles andere als eine langweilige Serie, da sie nette Action, ein interessantes Fantasy-Science-Fiction-Setting und ein dezent angedeutetes Machtspielszenario bietet. Sieht man zusätzlich von den sich schlecht einfügenden CGI-Effekten ab, können auch die Magie-Kämpfe optisch überzeugen, wenngleich der Spannungsfaktor wegbleibt. Die Handlung lässt noch genug Spielraum für eine weitere Staffel übrig, da gerade mal die Hälfte der bisher herausgebrachten Romanbände adaptiert wurden. So fühlt sich entsprechend auch das Ende an, das mehr den Anschein eines großen Auftakts hat.