Bei Anime-Titeln wie "Terror in Tokio" werden Fans der destruktiven Inszenierung hellhörig. Schon allein das Promo-Bild, auf dem drei Figuren vor den Trümmern einer Stadt stehen, und der Trailer, in dem endlose Rauchwolken sich über die Gebäude nach einer Explosion erstrecken, schürt große Erwartungen an intensive Schreckensszenarien. Aber ist der Name wirklich Programm?

Terror in Tokio - Deutscher Trailer

Jain, sagen wir es mal so: Wer bei dieser Serie eine Auseinandersetzung mit dem Thema Terrorismus erwartet, wird eher enttäuscht sein. Zwar wird die Handlung mit einer Reihe von Bombenanschlägen ins Rollen gebracht, doch ist die Absicht hinter diesen eine andere, als man es von den ideologisch motivierten Terroranschlägen kennt. Aber alles der Reihe nach.

Terror in Tokio - Die ideale Vergangenheitsbewältigungskur per Bombenanschlag

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Der degradierte, ehrgeizige Polizeibeamte Shibazaki wirkt auf dem ersten Blick nicht wie ein Sympathieträger.
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Terror ist nicht gleich Terrorismus

Jene Bombenanschläge werden von einem mysteriösen Duo durchgeführt, das sich auf Webvideoportalen unter dem Pseudonym "Sphinx" der Öffentlichkeit vorstellt. Die zwei unbekannten, maskierten Täter geben über ihre Agenda und zu den Standorten ihrer positionierten Bomben nur vage Hinweise preis, was der Tokyoter Polizei regelrechtes Kopfzerbrechen bereitet. Einzig der abgebrühte, degradierte Polizeibeamte Shibazaki schafft es, die kryptischen Videobotschaften der beiden zu entschlüsseln und den augenscheinlichen Terroristen bei ihrem Katz-und-Maus-Spiel auf die Fährte zu kommen.

Tatsächlich ist es so, dass bei sämtlichen Anschlägen kein Mensch getötet wurde, weil die Bomben immer dann detonierten, wenn sich niemand vor Ort befand. Aus diesem Grund glaubt Shibazaki, dass mehr hinter den Zielen des Sphinx-Paares zu stecken scheint, als lediglich Angst und Schrecken zu verbreiten. Natürlich ist der Terror dennoch in der Serie präsent, da die Explosionen nichtsdestotrotz für Unruhe sorgen, doch sind diese nur das Nebenprodukt des Plans.

Was die Drahtzieher nämlich wirklich wollen ist Aufmerksamkeit - Aufmerksamkeit, an die sie aus bestimmten Gründen unter normalen Umständen nicht kommen würden. Entgegen dem Willen seiner Vorgesetzten stellt der ehrgeizige Ermittler selbst Nachforschungen an und kommt so hinter die dunkle Vergangenheit der beiden Bombenleger.

Terror in Tokio - Die ideale Vergangenheitsbewältigungskur per Bombenanschlag

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Trotz Kalkül ist Bombenexperte Nine wie sein Partner Twelve kein skrupelloser Massenmörder, da die Detonationen niemanden umbringen sollen.
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Eindrucksvolle Visualisierung, ruhige Geschichte

Trotzt diverser Voreindrücke sollte man bei "Terror in Tokio" keinen temporeich erzählten Thriller mit brachialer Adrenalin-Action erwarten. Stattdessen lebt der Anime von eher ruhigen Szenen mit atmosphärischen, realistisch angehauchten Bildern. Die Visualisierung der verschiedenen Schauplätze Tokyos und die Explosionen, sowie die authentischen Charakter-Animationen, gehören zu den großen Pluspunkten der Serie. Die bildstarke Inszenierung profitiert zusätzlich vom stimmungsvollen Soundtrack von Yoko Kanno, den man in spannenden Momenten einfach auf sich einwirken lassen muss.

Eine unerwartet ruhig erzählte Katz-und-Maus-Verfolgungsjagd, die von atmosphärischer Optik und stimmiger Musik lebt.Fazit lesen

Inhaltlich kann die Serie jedoch enttäuschen, sofern man eine Geschichte erwartet hat, in der Charaktere aufgrund ihrer Taten vor einem moralischen Dilemma stehen. Schließlich lässt der Anime zu keinem Moment Zweifel aufkommen, dass durch die Bombenangriffe irgendeine Menschenseele ernsthaft zu Schaden kommt. So bleibt auch der Zuschauer stetig ein Bystander, der nie selbst zum Nachdenken bezüglich der fragwürdigen Motivation der Protagonisten angeregt wird, geschweige denn die Anspannung hinter dem ganzen Chaos nachvollziehen kann.

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Das Blatt wendet sich, als plötzlich ein weiterer Bombenleger neben Nine und Twelve mitmischt, der allerdings keine Rücksicht auf die Menschen nimmt.
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Das bedeutet nicht, dass man nicht um die Charaktere mitfiebern kann. Polizist Shibazaki ist mit seinem Aussehen und seiner Art nicht gerade der typische Anime-Hauptcharakter, kann aber mit seiner bodenständigen, sehr rationalen und vor allem sehr menschlichen Art Sympathien wecken. Auch aufgrund seiner Interaktion mit den beiden Jugendlichen Twelve und Nine, die als das Sphinx-Duo operieren, präsentiert der Anime eine eher ungewöhnliche und doch sehr interessante Figurenkonstellation.

Polizei gegen Bombenleger

Später stößt auch die Schülerin Lisa zum Duo, die aufgrund ihrer sozialen Isolation und Mobbing-Situation den Drang verspürt, aus ihrem Status Quo durch die Mithilfe der Bombenanschläge auszubrechen. Nicht immer sind die Handlungen der Charaktere zu durchschauen. Auch zwischen Nine und Twelve besteht eine nicht gänzlich ersichtliche Bindung, die keiner gewöhnlichen Freundschaft entspricht und mit wenig Dialogszenen zum Tragen kommt.

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Lisa endet öfters mal in "Damsel in Distress"-Situationen, aus denen Twelve sie befreien muss. Aus diesem Grund hält sie sich für einen Klotz am Bein.
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So wirklich Partei für die Gesetzeshüter oder die vermeintlichen Terroristen ergreifen kann man bei der recht neutralen Darstellung der Charaktere nicht. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Serie trotz der abwechselnd gezeigten Parteien nicht darauf aus ist, diese Gegenspielerschaft aufzuzeigen und zuzuspitzen; stattdessen läuft alles auf die Offenbarung der geheimnisvollen Vergangenheit der beiden jungen Bombentäter hinaus.

Obwohl "Terror in Tokio" mit gewissen Erwartungen spielt und diese nicht immer erfüllt, weiß der Anime in mancher Hinsicht trotzdem durchaus positiv zu überraschen: unter anderem auch durch ein konsequentes, rund wirkendes Ende. Zugleich präsentiert die Serie eine Rache- und Enthüllungsgeschichte, die das Rad nicht sonderlich neu erfindet. In der Hinsicht passt aber auch der japanische Serientitel "Zankyou no Terror": "Zankyou" bedeutet Echo - also ein Wiederhall der Vergangenheit, mit der sich die Protagonisten auf unorthodoxe Weise auseinandersetzen.

Terror in Tokio - Düstere Bilder und bombige Stimmung

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