Der Reiz eines großen Universums ist auch die Interkonnektivität. Für den Fan ist es einfach schön, wenn alles seinen Platz und seine Bedeutung hat, wenn Ereignisse der einen Geschichte mit denen einer anderen korrelieren und am Ende ein Gesamtbild herauskommt, das in sich stimmig und schlüssig ist.

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Marvel und Star Wars

Bei „Star Wars“ gab es das bislang in nahezu nie bekannter Form. Allenfalls mit den Comic-Universen von Marvel und DC lässt sich vergleichen, was in den letzten 24 Jahren im so genannten „Expanded Universe“ erschaffen worden ist. Der Kern der „Star Wars“-Mythologie sind natürlich die Episoden I bis VI, erweitert von Serien wie „Star Wars: The Clone Wars“. Aber es gibt auch ein Universum weit jenseits dieser gefilmten Abenteuer. Das ist das Reich der Phantasie, das von Comic- und Buchverlagen seit fast einem Vierteljahrhundert beackert wird.

Star Wars Inside #1 - Zum Teufel mit dem Expanded Universe!

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In wie weit wird Disney die alten Filme im Kanon berücksichtigen?
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Zum Ende des Jahres 2014 gibt es dann eine Zäsur, denn dann stehen auch Veränderungen für das Expanded Universe an. Der Comic-Verlag Dark Horse, der seit 1991 „Star Wars“-Comics publiziert hat, wird dann die Lizenz verlieren. An seine Stelle tritt Marvel, das wie Lucasfilm zum gigantischen Disney-Imperium gehört. Lucasfilm als Entität ist immer noch zugegen und wird sicherlich auch bei den kommenden Comics und Romanen sehr stark darauf bedacht sein, ein in sich stimmiges Universum zu erschaffen, doch Änderungen sind vorprogrammiert.

Zuerst muss man sich vor Augen führen, was in den letzten Jahrzehnten erschaffen wurde. Wir sprechen hier von knapp 300 Romanen und 900 Comics. Diese befassen sich nicht nur mit den etablierten Figuren, die man aus den Filmen kennt, sondern erzählen Geschichten, die teilweise 25.000 Jahre vor „Episode IV“ stattfanden – oder 100 Jahre danach. Sie greifen also Zeitebenen und Figuren auf, die in den bisherigen Filmen und Serien vollkommen unangetastet waren. Das machte es leicht, das Universum zu erweitern, weil man dem Etablierten nicht auf die Füße trat, zumal das gefilmte „Star Wars“-Universum sehr, sehr überschaubar war.

Neue Filme braucht das Universum

Nun steht Lucasfilm jedoch vor einer Herausforderung, denn kurzfristig soll es jedes Jahr einen neuen „Star Wars“-Film geben, mittelfristig wahrscheinlich sogar zwei. Und dazu kommen dann noch neue Serien wie „Star Wars: Rebels“ und andere Formate, über die man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren könnte.

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Star Wars: Rebels ist nur eines von vielen Formaten, die Disney für die Zukunft geplant hat.
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Als das Expanded Universe im Jahr 1991 seinen Anfang nahm, da war die Regel einfach. Alles, was in diesem Expanded Universe passiert, ist offizieller Kanon, sofern es nicht von einem künftigen Film oder Serie widerlegt wird. Nun ist davon auszugehen, dass das filmische „Star Wars“-Universum, das im nächsten Jahrzehnt immens in die Breite gehen wird, eine ganze Reihe von Ereignissen des Expanded Universes widerlegen wird. Das wird schon mit „Episode VII“ so sein, wenn die Kinder von Han Solo und Leia Organa vielleicht nicht genau dem entsprechen, was die Leser der Romanreihe „Young Jedi Knights“ von 1995 bis 1998 kennen gelernt haben.

Der einfachste Weg wäre, das Expanded Universe über Bord zu werfen. Klare Kante, sauberer Schnitt. Man sagt, mit dem Jahr 2015 beginnt ein neues Expanded Universe. Eben Version 2.0. Version 1.0 verliert dabei nichts von seinem Unterhaltungswert, nur von seiner Relevanz. Aber seien wir doch ehrlich: Diese Relevanz war immer nur behauptet, nie wirklich verbrieft.

Genau diesen Weg scheint man bei Lucasfilm aber nicht gehen zu wollen. Stattdessen hat man eine so genannte Story Group eingesetzt. Diese besteht aus mehreren Mitgliedern, deren genaue Aufgabe nach außen noch nicht kommuniziert wurde. Aber der Name der Gruppe legt nahe, dass sie sich durch etwa 1.200 Romane und Comics wühlen und von Einzelfall zu Einzelfall entscheiden wird, was noch offizieller Kanon ist und was nicht.

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Wird es ein Expanded Universe 2.0 geben? Und was werden die Fans davon halten?
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Murks statt Kanon?

Das Ergebnis wird ein grauenhaftes Kuddelmuddel sein, nicht unähnlich dem, was der Comic-Verlag DC angestellt hat, als man mit den „New 52“ das eigene Superhelden-Universum neu startete, aber die Vergangenheit nicht über Bord werfen wollte. Einiges aus mehreren Jahrzehnten DC-Historie ist darum passiert, anderes nicht. Was genau, weiß allerdings niemand.

Nun könnte man sich vorstellen, dass die Star Wars Story Group da zumindest etwas transparenter umgeht. Wenn sich diese Leute schon durch ein Vierteljahrhundert an Erzählungen wühlen, dann wird man wohl am Ende auch eine Liste publizieren, aus der ersichtlich ist, was als offiziell angesehen wird und was nicht.

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Der siebte Teil der Saga erscheint am 17.12.2015. Und wenn das Poster nur halb so cool wird wie dieses Fan-Art, dann sind wir begeistert.
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Aber alleine aufgrund der schieren Menge an Material steht zu erwarten, dass es zu Diskrepanzen, Ungereimtheiten und logischen Brüchen kommen wird. Etwa, wenn ein Ereignis den offiziellen Status bekommt, gerade diese Geschichte oder Figur aber in einer anderen Story Bedeutung hat, die dann unter Umständen nicht offizieller Kanon ist, weil irgendein Element nicht mit dem übrigen Universum oder den Filmen in Einklang zu bringen ist.

Dabei wäre es so einfach: Man kippt das gesamte Expanded Universe über Bord. Elemente oder Figuren, die gefallen, lassen sich später immer noch neu einführen, wenn man das Gefühl hat, sie bereichern einen Film oder eine Serie. Ein Beispiel: Mara Jade, eine machtbegabte Agentin des Imperators, die später Luke Skywalker töten sollte, sich aber in ihn verliebte, seine Frau wurde und später von dem der Dunklen Seite der Macht verfallenen Jacen Solo getötet wurde.

Wenn es Jacen in der Form wie in den Romanen in den Filmen nicht geben sollte, kann man dennoch Mara Jade einführen, wenn man das wünscht. Man kann auch ihre Backstory verändern, wie es beliebt. Ein Amalgam aus Neuem und Alten könnte am Ende stehen. Das bisherige Expanded Universe könnte überdies ein Füllhorn an Ideen, Geschichten und Figuren sein, aus denen man sich noch über Jahrzehnte hinweg bedienen kann.

Was es nicht sein sollte, ist der Klumpfuß des „Star Wars“-Universums. Es in Teilen zu legitimieren, ist der falsche Weg, der nur zu Chaos führen würde. Ein sauberer Neuanfang ist vonnöten. Weg mit dem alten Ballast, freie Bahn für ein neues „Star Wars“-Zeitalter.