Fehlerhaft gezeichnete Figuren, Animationsarmut, bedürftige CGI-Effekte und nacherzählende Zusammenfassungsepisoden. Wer bei schlecht produzierten Anime immer dachte, dass das fehlende Budget des Studios allein der Grund für solche Mängel ist, wird mit Shirobako eines Besseren belehrt - und das auf eine sehr unterhaltsame Weise.

Shirobako - Opening

In Shirobako geht es nämlich um die besagten Probleme, die bei einer Anime-Produktion vorkommen können und was sonst alles dazu gehört; ein Anime über Anime sozusagen. Dreh- und Angelpunkt ist das Studio Musashino Animations, dessen Mitarbeiter sich tagtäglich mit diversen Arbeitshürden rumschlagen müssen.

Zu den allgegenwärtigen Herausforderungen zählt besonders der Wettlauf mit der Zeit, da die Produktion der einzelnen Folgen rechtzeitig vor dem Ausstrahlungstermin fertig sein muss. Nach und nach bekommt der Zuschauer immer mehr Einblicke in die verschiedenen Abteilungen des Studios und verfolgt dadurch die einzelnen Arbeitsschritte, die ein Anime bei seiner Entstehung durchläuft. Gerade für Anime-Laien kann es insofern informativ sein, da unter anderem auch bestimmte Fachtermini und gängige Vorgehensweisen erklärt werden.

Shirobako - Die Irrungen und Wirrungen der Anime-Industrie

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Mit einem Versprechen unter 5 Schülerinnen fängt alles an. Aoi Miyamori (Mitte) und ihre Freundinnen wollen später in der Anime-Industrie arbeiten.
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Des einen Leid ist des anderen Freud

Der Aufklärungsaspekt ist einer von vielen Faktoren, die Shirobako so interessant machen, aber nicht unbedingt der Hauptgrund, warum der Anime Spaß macht. Der Großteil des Unterhaltungsgrads zeichnet nämlich die Interaktion der Charaktere aus, die immer wieder aufs Neue extremen Stresssituationen ausgesetzt werden. Jedes Studiomitglied hat seine eigenen Macken und muss seine ganz persönlichen Arbeitsprobleme bewältigen.

Da die Schaffensprozesse außerdem eng miteinander zusammenhängen, führt meist das eine Problem eines Mitarbeiters zu weiteren Schwierigkeiten. So hat beispielsweise zu Beginn das Team mit der Trägheit und dem Motivationslosigkeit des Animationsdirektors zu kämpfen, der für das Storyboard verantwortlich ist; doch ohne Storyboard kann zwangsläufig auch die Planung der essentiellen Animationen nicht vonstattengehen.

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Oftmals wird man sich über die obskuren Konfliktsituationen der Projektbeteiligten amüsieren, doch zugleich fiebert und freut man sich mit ihnen mit, während sie gemeinsam eine Lösung für diverse Krisen zu finden versuchen. Neben den Eigenheiten haben die Mitglieder von Musashino Animations schließlich auch ihre speziellen Stärken, die in bestimmten Episoden hervorgehoben werden. Teilweise mag die Darstellung ebendieser etwas überzeichnet erscheinen, doch gerade das macht die Charaktere so sympathisch und verleiht den Interaktionen eine schöne Gruppendynamik.

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Das Team von Musashino Animations versammelt sich anlässlich des Serienstarts ihres eigenen Anime zur gemeinsamen Feierrunde.
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Auch wenn die Serie mit jeder weiteren Folge Spaß machen kann, so gestaltet sich der Einstieg zunächst etwas mühsam. Das mag vor allem an den zahlreichen Charakternamen und den zugewiesenen Aufgabenbereichen liegen, mit denen man besonders in den ersten Episoden etwas überfordert wird. Erst nach und nach bekommt man den Überblick durch die wiederauftauchenden Figuren, die glücklicherweise mehr als einmal mit kurzen Profilinformationen vorgestellt werden.

Animeception - Die kreative Metaebene

Durch die zahlreichen Mitarbeiter und die unterschiedlichen Arbeitsbereiche liefert der Anime eine gute Vorstellung von all den Faktoren, die mit einem Anime-Entstehungsprozess zusammenhängen. Dabei gibt "Shirobako" nicht nur Anime-Neulingen einen wissenswerten Einblick, sondern macht auch für eingefleischte Experten der japanischen Popkultur Spaß.

Ein sehenswerter Anime mit viel Kreativität, Witz und Herz. Solch einen sympathischen Charakter-Cast hat man selten erlebt.Fazit lesen

Regelmäßig bringt die Serie interessante Easter-Eggs mit ein oder spielt mit gängigen Anime-Klischees. In einer Episode wird zum Beispiel die unter Anime-Fans bekannte Diskussion bezüglich der Computereffekte thematisiert. Dabei kommt es im Studio zu einem Streit zwischen zwei Fraktionen. Die einen bevorzugen traditionell handgezeichnete Animationen, während sie die Integrierung von CGI als ein billiges Hilfsmittel sehen, durch die lediglich Geld und Zeit gespart werden soll; die andere Seite sieht wiederum die Computeranimationen als eine technische Bereicherung, die den Animatoren weitaus mehr kreativen Spielraum gibt. Nebenher erfährt der Zuschauer auch, was abgesehen vom geringen Budget eigentlich noch so für Gründe hinter den eingangs erwähnten qualitativen Mängeln stecken.

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In Shirobako bekommt man neben dem Animationsstudio auch facettenreiche Einblicke im Bereich des Game Design und der Tonarbeiten.
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Neben den Animationsabteilungen gibt darüber hinaus einen Abstecher in ein Tonstudio, in der die Synchronsprecher den animierten Figuren mit ihren Stimmen Leben einhauchen. Auch innerhalb solcher Szenen wird mit einer gewissen Metaebene gespielt, da die Sprecher in der Serie an bekannte japanische Sprachperformer angelehnt sind. Auch andere namhafte Persönlichkeiten der Anime-Industrie erkennt der Fachkundige in den einzelnen Charakteren wieder, die die Verhaltensweisen und Spezialgebiete ihrer realen Pendants teilen.

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"Shirobako" mag in Hinsicht seiner Idee, eine Geschichte über die Anime- und Manga-Industrie zu präsentieren, kein Vorreiter sein, wurde doch im Anime/Manga "Bakuman" eine ähnliche Thematik aufgegriffen. Trotz der überzeichneten Darstellung bestimmter Charaktere und der durchaus skurillen Comedy-Elemente bleiben die gezeigten Problematiken im Grunde jedoch sehr bodenständig und stets im Kontext der Studioarbeiten.

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Direktor Kinoshita lässt sich manchmal von der dramatisch anmutenden Musik während der Tonarbeiten zu abgedrehten Vorstellungen mitreißen.
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Darüber hinaus bietet Shirobako eine Menge an sehr sympathischen Charakteren, die mit jeder weiteren Episode einem immer mehr ans Herz wachsen und deren rührende Hintergrundgeschichten sich passend in die Haupthandlung einfügen. Die Wechselwirkung zwischen Konflikten, Humor und Erfolgsmomenten machen Shirobako zu einem unvergesslichen Sehgenuss, der einen nach Beendigung der Serie regelrecht wehmütig werden lässt.