Wenn J. Michael Straczynski und die Wachowksis zusammenarbeiten, um für Netflix eine Science-Fiction-Serie zu erschaffen, dann ist das natürlich sehr interessant. Das Ergebnis „Sense8“ enttäuscht auch nicht – zumindest dann, wenn man sich bewusst ist, welche Art Geschichtenerzähler JMS ist. Nämlich einer der alten Schule. Er lässt sich Zeit. Er fordert Geduld ein, aber er belohnt diese mit interessanten Story-Wendungen und Überraschungen.

Bei seiner eigenen Serie „Babylon 5“ war praktisch die gesamte erste Staffel nichts anderes als Exposition. Ähnlich ist es bei „Sense8“. Man muss die Geduld mitbringen, mehrere Folgen zu sehen, bis sich die Geschichte zu erschließen beginnt.

Der nächste Schritt

Acht einander völlig fremde Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern erleben nach dem Selbstmord einer Frau allesamt Träume und Visionen. Sie sehen die Frau, sehen aber auch Dinge und Elemente, die die anderen erleben. Von nun an sind sie mental und emotional miteinander verbunden – es ist ein evolutionärer Sprung des Menschen, ausgelöst durch eine technologische Errungenschaft.

Sense8 - Endlich wieder gute Sci-Fi von den Matrix-Schöpfern

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Die Serie startet am 05.06.2015 auf Netflix durch.
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Während jeder der acht noch zu verstehen versucht, was mit ihm geschieht, arbeitet der mysteriöse Jonas daran, sie alle zusammenzubringen, während Mr. Whispers und seine Organisation alles daran setzen, sie zu fangen und zu töten. Er benutzt dabei die Fähigkeit, die auch die Acht haben.

Die Serie lässt sich Zeit, die Figuren auszubauen. Mit jeder Episode werden die Hintergründe der Figuren genauer beleuchtet, auch und gerade in Hinblick darauf, was sie unterscheidet, aber auch, was sie verbindet.

Weltweit

Der Anfang erinnert an „Heroes“. Dort erhielten auch Figuren aus allen Teilen der Welt urplötzlich Kräfte und mussten sich zusammenraufen. Bei „Sense8“ sind es nicht Kräfte im traditionellen Sinn, sondern vielmehr handelt es sich um einen evolutionären Schritt, den die Erzähler sehr gekonnt nutzen.

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Die Serie wird ruhig, aber spannend erzählt.
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Denn sie begreifen Science Fiction als das, was es im besten Fall immer ist: Eine Möglichkeit, die Welt zu betrachten, sie zu analysieren und konsequent weiterzudenken, was passieren könnte. Science Fiction soll durch Übersteigerung den Blick auf den eigenen Ereignishorizont schärfen.

Das gelingt „Sense8“, denn hier geht es nicht um das Plakative, nicht um Action und Mysterien. Das alles gibt es, in erster Linie interessiert sich die Serie aber für ganz andere Themen: Politik, Identität, Geschlecht, Sexualität und Religion.

Dadurch, dass es sich um eine Netflix-Serie handelt und man davon ausgehen kann, dass Interessierte gleich mehrere Folgen sehen, hat „Sense8“ auch Möglichkeiten, die anderen Shows fehlen. Man hat die Zeit, langsam das Mosaik zu vervollständigen.

Interessanter Auftakt für eine Geschichte, die größer als die erste Staffel ist.Fazit lesen

Darum treffen sich die Hauptfiguren in der ersten Staffel auch nicht. Zumindest nicht physisch. Es gibt schon Szenen, in denen die Figuren zusammen agieren, aber nur, wenn eine bei einer anderen telepathisch auftaucht. Die Macher wählten diesen Ansatz, weil sie ihn sich bei Netflix erlauben konnten, und weil sie die Zeit nutzen wollen, den Background der einzelnen Figuren, die Kulturen, in denen sie leben, und wie die Welt um sie herum reagiert, genau betrachten zu können.

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Die "Auserwählten" werden gnadenlos gejagt.
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Top-Talente

Mit JMS und den Wachowksis, die auch einen guten Teil der Episoden inszeniert haben, finden sich hier namhafte Macher ein. Sie haben auch weitere Talente angezogen. So werden weitere Folgen von Tom Tykwer und James McTeigue inszeniert. Tykwer hat zudem auch an der Gestaltung der Musik mitgewirkt.

„Sense8“ ist eine internationale Serie. Sie spielt nicht nur in den USA, sondern auf verschiedenen Kontinenten. Zwar lassen die Macher alle Figuren Englisch sprechen, aber das ist eine rein logistische Entscheidung. Verständnisschwierigkeiten aufgrund unterschiedlicher Sprachen hätten hier keinen Reiz, sondern ein Hindernis dargestellt. Das erlaubt auch, Schauspieler aus aller Herren Länder zu verpflichten, so etwa Max Riemelt aus Deutschland.

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Schaut euch am besten gleich mehrere Folgen an.
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Die Grundidee geht auf die Wachowskis zurück, die sich fragten, wie Technologie die Evolution bedingt. Sie luden JMS ein, um gemeinsam eine Serie zu entwickeln. Nachdem die Grundidee ausgearbeitet war, teilten sie sich das Schreiben der Drehbücher und überarbeiteten dann jeweils das des anderen. JMS arbeitete hier vor allem mit Lana Wachowski zusammen, die ihre eigenen Erfahrungen als Transgender-Frau in die Figur Nomi einfließen konnte – ein schmerzhafter, aber lohnender Prozess.

JMS sieht die Serie als eine große Geschichte, die über fünf Staffeln erzählt werden soll.