Bevor sich das Jahr dem Ende neigt, wollen wir euch für die Weihnachtstage noch einen der unterhaltsamsten Anime des Jahres ans Herz legen. Genau wie sein Hauptcharakter wirken der Stil und der Titel etwas unscheinbar, doch ist die Animationsqualität über jede Zweifel erhaben, wie man schon an den ersten Kampfszenen des Fighting-Animes sehen kann. Hm? Ihr habt dieses Fighting-Genre aus diversen Gründen längst abgeschrieben? Dann schaut euch die Serie erst recht an!

Man kann ein Fan von actionlastigen Fighting-Anime sein oder auch nicht - und kennt in beiden Fällen viele Macken, die die Geschichten der Genre-Vertreter mit sich bringen. Ein typisches Beispiel wäre die allseits bekannte Serie "Dragon Ball", in der es im Grunde nur darauf hinauslief, dass der Hauptcharakter der Stärkste werden wollte und einen noch stärkeren Gegner bekämpfen muss. Um eine gewisse Spannung zu erzeugen, müssen immer stärkere Feinde her. Nach einem hart erkämpften Sieg über einen superstarken Kontrahenten folgt dann der nächste ultrastarke Gegner und so weiter.

Was „One-Punch Man“ in der Hinsicht anders macht? Nun ja, nichts. Auch hier geht es in jeder Folge darum, dass der Held, den wir unter den Namen Saitama kennenlernen, stärkere Gegner sucht, um seine Stärke zu testen. Was den unscheinbaren Glatzkopf in gelben Kampfanzug aber grundlegend von vielen anderen Helden unterscheidet, ist, dass er bereits von Anfang an richtig stark ist - wenn nicht sogar der Stärkste auf der ganzen Welt. Das ist der Grund, warum er nach einem stärkeren Kontrahenten sucht, der seiner Kräfte ebenbürtig ist.

One-Punch Man - Der stärkste Kämpfer auf Erden - Son-Goku, Ruffy und Co können einpacken

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Glaubt uns, die Serie IST gut animiert und gezeichnet. Nein, wirklich!
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Sein Hauptproblem ist nämlich, dass er jeden Kampf immer nur mit einem einzigen Faustschlag - daher auch der Serientitel - gewinnt. Ungewollt, wohlgemerkt. Nichts sehnlicher wünscht er sich, als endlich einen spannenden, langen Kampf genießen zu dürfen. Daher nimmt er auch jede Gelegenheit wahr, wenn seine Stadt mal von irgendwelchen Superschurken und zerstörungswütigen Monstern heimgesucht wird - nur um dann enttäuscht feststellen zu müssen, dass abermals der Kampf nicht ansatzweise über einen Treffer mit seiner Faust hinausgeht.

Eine Pointe wie die Faust aufs Auge

Spannung in der Hinsicht also gleich null? Jain. Da schon im Voraus klar ist, dass Saitama wirklich jeden Kampf gewinnt, wird man sicherlich nicht unbedingt zum Mitfiebern angeregt - weil innerhalb der Folgen auch auf diesen einen ersten und letzten Schlag von Saitama hingearbeitet wird. Es ist ein clevere Pointe, auf die sich nahezu jede Folge reduzieren lässt und auf die man sich als Zuschauer tatsächlich freut.

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Generell lebt die Serie von einem sehr eigenwilligen Humor, der umso mehr zündet, wenn man mit der ganzen Superhelden-Popkultur vertraut ist. Superschurken werden zunächst bedrohlich mit einer brachialen Szene eingeführt, in der sie alles um sich herum in Schutt und Asche legen und geben anschließend ihre „So wurde ich der Böse, wie ich heute bin“-Hintergrundgeschichte zum Besten - nur um dann von dem gelangweilten Helden unterbrochen zu werden. Innerhalb der Bösewichtsriege ist auch alles dabei, was man sonst so aus den gängigen Superhelden-Comicgenre kennt: Verrückte Wissenschaftler, genmanipulierte Mutanten, Aliens und, und, und...

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Cyborg-Kämpfer Genos ist Saitamas größter Bewunderer und sein erster Schüler.
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Auch gibt es neben Saitama noch viele andere Superhelden beziehungsweise eine ganze Superhelden-Organisation, die sich dem Schutz der Menschheit verschrieben hat. Innerhalb der Organisation bekommen Superhelden spezielle Ränge entsprechend ihrer Heldentaten zugewiesen. Die Allerbesten und Allerstärksten erhalten Rang-S: Ein kleines Ziel, was sich Saitama neben seiner Suche nach starken Kontrahenten gesetzt hat. Denn trotz seiner absoluten Stärke, nimmt ihn sein Umfeld seit jeher eher als unauffälligen Typen in Strampelanzug wahr. Um endlich Anerkennung zu finden, bewirbt sich Saitama also für die Mitgliedschaft und unterzieht sich einem Test - nur, um dann aufgrund von Missverständnissen einen niedrigen Rang zu erwischen. Ein Umstand, der ihm später noch wie ein Fluch anhängen wird.

Die Faust des Urknalls

Im Laufe der Zeit entfaltet die Serie eine sehr eigenwillige Tragikomik, die daraus resultiert, dass Saitama es nicht schafft, als stärkster Superheld aller Zeiten aufgrund diverser Missverständnisse akzeptiert zu werden. Sein schlechter Ruf kommt daher, dass Saitama für einen Abstauber gehalten wird, der sich den Sieg durch den letzten Schlag einheimst - nachdem die Gegner durch andere Superhelden vermeintlich vorgeschwächt sind. Nur wenige Charaktere sind sich seiner schier endlosen Kraft bewusst, wie etwa Cyborg-Kämpfer Genos, der Saitama für seine Stärke bewundert und ihn darum bittet, ihn als Schüler zu unterweisen. Und dann wäre da noch Mumen Rider, der Fahrrad fahrende Superheld. Großartiger Typ, den ihr mal in Aktion erlebt haben müsst...

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Im Laufe der Geschichte werden weitere Superhelden aktiv, wie die zickige „Tornado“-Tatsumaki. Viele von ihnen nehmen Saitama nicht ernst - noch nicht.
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Die Serie lebt primär von ihrem Humor, kann aber obendrein auch durch sehr dynamische, Rasanz verspürende Animationen bestechen. Dass trotz eines relativ geerdeten Budgets nahezu alle Action-Szenen erstklassig und überzeugend wuchtig ausschauen, ist nicht zuletzt der Crème de la Crème der Animatoren zu verdanken, die für dieses Projekt zusammengekommen ist. Viele der erfahrenen Key Animatoren zeichneten sich bei verschiedenen, namhaften Serienprojekten wie Digimon, Dragon Ball Z, Tengen Toppa: Gurren Lagann sowie One Piece für die Kampfszenen verantwortlich.

Ein frischer, spritziger Unterhaltungs-Cocktail mit erstklassig animierter Superhelden-Action und eigenwilligem, nie langweilendem Humor.Fazit lesen

Wer also Fighting-Anime gewissermaßen als Guilty Pleasure empfindet, dem wird hier ordentliche, vor allem kurzweilige Action-Kost geboten. Das ist der eine Aspekt, durch den die Serie Spaß macht. Der andere ist die Self-Awareness des Superhelden-Genres, mit der durchgängig gespielt wird. Die Kombination aus gut inszenierter Tragikomik, Comic-Parodie und brachialer Action ist zusammengefasst ein schmackhafter Unterhaltungs-Cocktail, der sich so spritzig und frisch anfühlt wie schon lange keine Animeserie mehr.