Just, da in Großbritannien angekündigt wurde, dass die im Oktober startende fünfte Staffel von „Misfits“ auch zugleich die letzte sein wird, findet die Serie ihr Heim im deutschen Free-TV. Zuvor lief sie bereits auf Pro Sieben Fun, nun hofft ZDFneo, ein größeres Publikum für die Show zu finden. Dafür nutzt man die populär gewordene Event-Programmierung, denn die ersten beiden Staffeln werden jeweils an zwei Abenden gezeigt.

Die erste Staffel läuft am 28. und 29. Juni mit je drei Folgen ab 22.20 Uhr, die zweite Staffel am 5. und 6. Juli ab 22.10 Uhr. Wann die dritte Staffel läuft, ist noch unklar, seit dem 31. Mai gibt es sie hierzulande jedoch auf DVD und Blu-ray.

Die britische Serie zeigt wieder einmal, dass man auf der Insel großartige phantastische Stoffe verwirklichen kann. So etwas würde man sich auch von deutschen Produzenten wünschen, aber der notwendige Mut fehlt in hiesigen Gefilden leider. „Misfits“ wiederum ist eine Superheldengeschichte, wenn man sie denn so nennen will, die auch deutlich kühner als amerikanische Pendants daherkommt.

Nathan, Kelly, Alisha, Curtis und Simon wurden zu mehreren hundert Stunden Sozialdienst verdonnert. Ihr Bewährungshelfer lässt sie verschiedene Arbeiten erledigen, als ein Gewitter aufzieht, riesige Eisbrocken vom Himmel fallen und sie alle vom Blitz getroffen werden. Erst denken sie sich, dass nichts passiert ist, doch schon bald stellt sich heraus, dass der Blitz in ihnen allen Kräfte geweckt hat – mit Ausnahme von Nathan, bei dem sich nichts tut.

Kelly kann Gedanken lesen, Alisha verführt jeden Mann durch eine simple Berührung , Simon kann unsichtbar werden und Curtis hat die Gabe, die Zeit zurückzudrehen – allerdings gelingt ihm das willentlich nie.

Misfits - Aus großer Kraft folgt große Verantwortung – oder auch nicht!

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Alisha hat die Superkraft, jeden Mann bei Berührung, nun ja, rollig werden zu lassen. Völlig unrealistisch!
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Ihr erstes Problem ist der Bewährungshelfer, der vom Blitz auch verändert wurde und nun versucht, sie umzubringen. In Notwehr töten sie ihn, beschließen dann jedoch, die Leiche verschwinden zu lassen. Allerdings kommen damit auch neue Probleme einher, denn seine Verlobte übernimmt nun für ihn und vermutet, dass die Jugendlichen etwas mit dem Verschwinden des Mannes zu tun haben könnten.

Charakterisierung über Effekt

„Misfits“ setzt nicht auf eine Vielzahl von Effekten. Die Kräfte der jungen Leute sind so gestaltet, dass sie recht kostengünstig umgesetzt werden können. Weit wichtiger sind aber die Handlungsträger und die Geschichten, denn in den ersten sechs Folgen wird ein großer Bogen gespannt, der sowohl alle Figuren bedient, als auch die Haupthandlung rasant vorantreibt.

Die Figuren sind dabei recht glaubwürdig gestaltet. Sie sind unangepasst, rotzfrech, authentisch – und sexuell aktiv. Gerade letzteres würde man so in einer amerikanischen Serie nur zu sehen bekommen, wenn es Pay-TV wäre. Dabei sind es weniger nackte Tatsachen als eine klare Sprache, die hier dominiert und die Serie in der Realität verankert.

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Die Entwicklung der Protagonisten wird gekonnt vorangetrieben. Sie alle haben Ängste und Schwächen, charakterliche Fehler, aber auch Stärken, die in den nur sechs Folgen der ersten Staffel klar definiert werden. Die Dynamik der Gruppe ist gut. Robert Sheehan ist als Nathan für die Sprüche zuständig, hat aber auch Gelegenheit, eine verletzliche Seite seiner Figur zu zeigen, während Iwan Rheon als Simon ein Mysterium darstellt. Er ist ein einsamer Typ, der eine latente Gefahr ausstrahlt – und auch das Zeug zum Schurken hätte, wenn er denn zu sehr gedrängt werden würde.

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Die Misfits graben nichts aus, sondern ein - und zwar ihren Bewährungshelfer, den sie aus dem Leben befördert haben.
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Die Kräfte der Misfits sind übrigens ihren Persönlichkeiten angepasst, sozusagen Übersteigerungen dominierender Charaktermerkmale. Simon ist gegenüber seinen Mitmenschen unsichtbar und Alisha wirft sich jedem Mann an den Hals, wobei ihre Kräfte dies reflektieren.

Wie das echte Leben

„Misfits“ mag eine alberne Prämisse haben, aber die Show ist in ihrer Wirkung unglaublich vielfältig. Sie ist düster, smart, emotional, phantastisch, witzig und mitunter auch sehr tiefsinnig. Die Show profitiert von fein geschliffenen Dialogen und unverbrauchten Darstellern, die in ihren Rollen richtiggehend aufgehen.

Die Prämisse mag albern sein, die Serie selbst ist es nicht: düster, authentisch, witzig, smart und spannend.Fazit lesen

Großartig ist Lauren Socha als Kelly, deren Ghetto-Slang im Original kaum zu verstehen ist. Im Deutschen hat man sich entschieden, nicht den einfachen Weg einer radikalen Hochdeutsch-Lokalisation zu gehen. Stattdessen setzt an auf Kiezsprache, derer sich Kelly bedient. Das funktioniert im Rahmen der Geschichte und mit dem Hintergrund der Figur erstaunlich gut, auch wenn man im ersten Moment denkt, man hätte sich verhört.

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Obszön, authentisch, dreckig, sexy, zynisch: Die Briten nehmen kein Blatt vor den Mund.
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Das ist eine Form der Eindeutschung, vor der Sender häufig zurückschrecken (und Synchronstudios dann an die Leine nehmen, wo man gern mal etwas mehr wagen würde). Das Ergebnis zeigt, wie gut es funktionieren kann, Eigenheiten auch beizubehalten bzw. adäquat zu übertragen.

Großes Drama

„Misfits“ ist auch eine höchst dramatische Serie, denn – wie so oft bei britischen Produktionen – ist einfach niemand sicher. Von Staffel zu Staffel kann sich alles ändern, Figuren kommen und gehen. Da ist man weniger rigide als bei US-Formaten, was mehr Überraschungen bedeutet und damit natürlich auch weit größeres dramatisches Potenzial. So müssen sich Fans und Neueinsteiger gleich mal darauf einstellen, dass die fünfte Staffel sich von der ersten ganz deutlich unterscheiden wird – auch im Personal.