Der Titel macht neugierig. Bei den „Masters of Sex“ kann man schon mal raufklicken, um herauszufinden, was es ist. Aber man sollte wahrlich nichts Schlüpfrig-Schmieriges erwarten. Was man erwarten sollte, ist eine erstklassige neue Serie, die qualitativ den großen Shows der letzten Jahre in nichts nachsteht. Da sie für den amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime entwickelt wurde, fehlt aber auch nicht, was im Titel genannt wird: der Sex.

Auch in Deutschland geht die Serie zuerst im Pay-TV an den Start. Ab dem 5. Dezember kann man „Masters of Sex“ auf Sky Atlantic sehen. Damit startet die Serie hierzulande, noch bevor die erste Staffel in den USA vollständig gelaufen ist. Dort endet die erste Staffel am 15. Dezember; doch die zweite Staffel ist bereits bewilligt.

Masters of Sex - Klingt wie Porno? Ist es aber nicht

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"Masters of Sex" startet bei uns am 05.12.2013 durch.
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Im Mittelpunkt der Geschichten stehen die zwei Wissenschaftler Dr. William Masters (Michael Sheen) und Virginia Johnson (Lizzy Caplan). Es waren ihre Forschungen, die die sexuelle Revolution der 1960er Jahre befeuerten. Sie begannen ihre Forschungen zur Mitte der 1950er Jahre in einem Lehrkrankenhaus in St. Louis. Beide interessieren sich für die menschliche Sexualität und wollen mit ihren Forschungen mehr darüber, aber auch über die psychologische Komponente herausfinden.

Damit haben sie sich ein Forschungsthema ausgesucht, das bei den Kollegen mit Missfallen betrachtet wird. Mehr noch, viele stellen diese Forschungen mit Pornographie oder dem Verfolgen von Perversionen gleich, aber davon lassen sich weder Masters noch Johnson abhalten.

Anfangs ist ihre Arbeit alles andere als glamourös, im Lauf der Jahre wird sie jedoch anerkannt. Nicht nur landeten sie auf dem Cover des „Time Magazine“, auch Johnny Carson lud sie immer wieder in seine populäre „Tonight Show“ ein.

Die Schwierigkeiten, die sexuellen 50er auferstehen zu lassen

Die Serie wurde im August 2011 von Showtime angegangen, zuerst orderte man nur eine Pilotfolge, im Juni 2012 dann auch eine komplette erste Staffel. Die Produzentin Michelle Ashford („The Pacific“) dient als Showrunner der Serie und versammelte einen Autorenstab, der fast nur aus weiblichen Autoren besteht, allerdings war dies wohl nur ein Zufall. Ein glücklicher jedoch, denn die Damen bringen eine Sensibilität mit sich, die für die Serie perfekt ist.

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Eine andere Zeit, ein anderes Verständnis von Sex.
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Bei der Entwicklung der Serie verließ sich Ashford natürlich stark auf die Arbeiten der beiden Hauptfiguren und gestaltete diese auch so authentisch wie möglich. Sie entwickelte aber auch eigene Figuren, die auf echten Menschen basieren, aber eine Kombination mehrerer Vorbilder sind, so zum Beispiel Barton Scully.

Als echte Schwierigkeit erwies sich, die Serie in Hinblick auf die sexuellen Vorrichtungen so akkurat wie möglich zu gestalten. Der für die Props zuständige Jeffrey Johnson fand kaum Aufzeichnungen, was verschiedene Dinge wie Dildos oder Kondome betraf.

Niemand sprach seinerzeit darüber – und geschrieben wurde darüber auch nicht. Deswegen musste Johnson versuchen, alte Vibratoren und Kondome zu erwerben, um mit diesen als Ausgangslage neue Props zu gestalten. Eine Überraschung hielten die Kondome der 50er Jahre parat: Damals hatten sie noch nicht das Reservoir an der Spitze.

In Deutschland wäre es Oswalt Kolle, in den USA sind es Masters und Johnson. Hochwertige Serie über ein Tabuthema seiner Zeit.Fazit lesen

Trockener Sex?

Sieht man sich nur die erste Folge an, könnte man auf den Gedanken kommen, dass „Masters of Sex“ schon eine eher trockene Angelegenheit ist, auch wenn es durchaus ein paar freizügigere Szenen gibt. Das liegt aber vor allem an den Figuren, die noch nicht voll entwickelt sind. Oder besser gesagt: Sie werden deutlich komplexer, praktisch mit jeder einzelnen Episode.

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Eine Serie, die nach und nach aufblüht. Fantastisch.
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Hinzu kommt, dass die Geschichten aufregender werden, weil zahlreiche unterschiedliche Plots sehr filigran miteinander verbunden sind. Das eine Ereignis begünstigt das andere, herauskommt ein extrem reichhaltiges Story-Garn, das die Aufmerksamkeit des Zuschauers ganz und gar fesselt.

Bekannte Gesichter

Michael Sheen („Underworld“) spielt Dr. Masters mit Zurückhaltung, aber auch einer unglaublichen Neugier. Seine Augen funkeln richtig, wobei er als Mensch immer kühner wird. Denn zuerst ist er erstaunlich ruhig, fast so, als wäre Sex für ihn nur ein wissenschaftliches Thema. Aber das ändert sich.

Lizzy Caplan hat sich schon in „True Blood“ von ihrer freizügigen Seite gezeigt und ist auch hier kein Kind von Traurigkeit, ihre Figur ist aber sehr komplex gestaltet, und das nicht nur, was das Zusammenspiel mit Masters betrifft, der sie als eine Sekretärin einstellt, aber schnell merkt, dass sie weit mehr beizutragen hat.

Weiterhin mit dabei sind: Beau Bridges („Stargate: SG-1“) als Barton Scully, der sich anfangs sträubt, Masters‘ Forschung zu unterstützen, Nicholas D’Agosta, den man noch aus „Heroes“ kennt, Teddy Sears („Torchwood“) und eine Reihe von jungen Schauspielern und Schauspielerinnen, für die „Masters of Sex“ die erste große Chance ist.