Nachdem Marvel das Kino erobert hat, war es nur folgerichtig, dass man auch mit einer Fernsehserie um Zuschauer buhlen würde. Immerhin hat der Disney-Konzern, zu dem auch Marvel gehört, mit ABC ein eigenes Network. Es bot sich also an, dort eine Serie zu lancieren. An den Start gehen sollte „Agents of S.H.I.E.L.D.“, eine sichere Bank, da die Zuschauer dank der „Iron Man“- und „Avengers“-Filme schon mit dem Konzept vertraut waren. Zudem glaubte man, ein Ass im Ärmel zu haben: den allseits beliebten Agent Phil Coulson, dargestellt von Clark Gregg.

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„Aber der ist doch von Loki umgebracht worden“, werden manche jetzt sagen. „Ist aber nicht so“, erwidert Marvel, denn Coulson ist die Hauptfigur der neuen Serie. Er hat den Angriff durch Loki überlebt, die letzten Monate in Tahiti verbracht (glaubt er zumindest) und stellt nun ein Team zusammen, mit dem man den gestiegenen Herausforderungen dieser Welt begegnen kann.

Zu seinem Team gehören der Vorzeige-Agent Grant Ward, die Aktivistin Skye, die Wissenschaftler Fitz und Simmons und die ausgesprochen schlagfertige Melinda May. Das Team muss im Verlauf der ersten Folgen erst zueinander finden, sich gegenseitig beschnüffeln, Gemeinsames entdecken, aber das wird schon werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Serie selbst sich auch irgendwann berappelt, denn sie ist bodenlos schlecht!

Verstaubt

Sieht man sich „Agents of S.H.I.E.L.D.“ an, dann weckt das ganz unangenehme Assoziationen. Mit Fernsehserien, die in den 90er Jahren liefen. Trotz hohen Budgets, das ganz offensichtlich nicht in die weitgehend unbekannten Darsteller geflossen ist, hat man es nicht geschafft, die Serie wertig aussehen zu lassen. Eine x-beliebige Episode von „Team Knight Rider“ sieht auch nicht mieser aus, ist aber zum Teil deutlich elaborierter, was die Actionsequenzen betrifft.

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Knapp bei Kasse? Schon während der ersten Folgen wird mit wenig Effekten und biederen Schauplätzen auffällig stark auf das Budget geachtet.
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In der Kategorie kann die Marvel-Serie nämlich auch nicht punkten. Lustlose Choreographien lassen jeden Faustkampf zum Schlafmittel werden. Besonders peinlich für eine Action-Serie: Schon in der zweiten Folge hängen die Agenten fast nur in ihrem Flugzeug rum. Eine Sparepisode am Anfang einer Staffel, das muss man sich auch erst mal trauen!

Das ewige Grinsen

Zugegeben, Clark Gregg hat sich als Agent Coulson eine gewisse Beliebtheit erarbeitet. Das muss man nicht verstehen, aber akzeptieren. Von diesem Standpunkt aus ergibt es Sinn, ihn zur Hauptfigur einer Serie zu machen. Das Problem ist jedoch, dass er sie nicht trägt. Das Geheimnis um seine Rückkehr soll für Spannung sorgen, ist aber auch nur ein ausgelutschter Plot, der nicht in die Gänge kommt.

Ob nun magische Wiederbelebung oder Klonen oder ein Life-Decoy-Model, wie es sie in den Comics gibt, ist völlig egal. Es interessiert nicht, und das umso mehr, weil in der Welt der Comics – und nun offenbar auch der Comic-Verfilmungen – sowieso nie jemand tot bleibt.

Gregg hat noch nicht verstanden, dass er nun als Hauptdarsteller eine Serie tragen soll. Andernfalls würde er mal spielen, anstatt immer nur ein nerviges Lächeln aufzusetzen, das niemals variiert wird.

Dazu kommen dann noch ein paar unglaublich dümmliche Sprüche, die für Lacher sorgen sollen, aber eigentlich nur einen Offenbarungseid der Autoren darstellen.

Packshot zu Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. kaufen: Jetzt kaufen:

Zu den Entwicklern der Serie gehört auch Joss Whedon, der momentan der Größte ist, wenn es um die Marvel-Filmgeschicke ist. Er poliert die Drehbücher aber nur mit ein, zwei Gags auf (welche, darüber darf man mal nachdenken), hat das Tagesgeschäft ansonsten jedoch seinem Bruder Jed und dessen Kollegen überlassen.

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Hoch das Bein!
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Bezug nehmen

Wie wenig eigenständig die Serie ist, zeigt sich auch dadurch, dass gefühlt alle fünf Minuten auf einen der bisherigen Marvel-Filme Bezug genommen wird. Das soll die Serie inmitten des gemeinsamen Universums verorten, wird aber sehr schnell ziemlich peinlich, weil man das Gefühl nicht los wird, dass diese Serie sich nicht traut, ihren eigenen Bereich des Marvel-Universums abzustecken.

In formaler und inhaltlicher Sicht altbacken, erscheint die Serie wie 08/15-Action-Fernsehen aus den 90er Jahren.Fazit lesen

Dass man – zumindest in den ersten Folgen – auch komplett darauf verzichtet, irgendwelche Kostüme zu zeigen, ist auch ein gigantischer Fehler. Immerhin gibt es Kräfte, die werden aber auch so erbärmlich eingesetzt, dass man sich erneut an Serien der 90er Jahre erinnert fühlt. Einen Extremis-Rekruten in der ersten Folge, einen Schurken wie Graviton in der dritten Folge – mehr ist momentan nicht drin?

Und dann ist der ohnehin in den Comics schon lahme Graviton hier noch mehr verwässert worden. Die Befreiung des Wissenschaftlers ist zudem peinlich, weil sie an die Befreiung von Magneto in „X-Men – Der letzte Widerstand“ angelegt ist. Ergäbe Sinn, wenn man Graviton so gestaltet hätte, wie er in den Comics ist. So wirkt es anbiedernd.

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Der arme Kerl wünscht sich gerade an einen anderen Ort. Geht uns ganz ähnlich.
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Die Quoten bröckeln

Nach einem sehr starken Ergebnis der ersten Folge verlor die Serie innerhalb der nächsten zwei Folgen 40 Prozent ihres Publikums. Es scheint, dass sie sich auf dem jetzigen Wert einpendelt. Das sind immer noch ansprechend gute Quoten, so dass das Weiterleben gesichert ist, wenn aber noch nicht mal so etwas wie der Gastauftritt von Samuel L. Jackson als Nick Fury irgendeinen Ausschlag nach oben bringt, dann hat man ein Problem.

Zu sehen ist Fury in einer Sequenz nach dem Abspann. Man handhabt es hier so wie bei den Filmen. Wie zu erwarten, ist es jedoch eine Szene, der jedwede Relevanz fehlt. Sie ist einfach nur ein Gimmick.