In der neuen Serien-Saison hat sich in den USA wieder einiges getan, so manches ist sogar schon recht zügig nach Deutschland gekommen (weswegen wir auch eigene Artikel zu „Agents of S.H.I.E.L.D.“ und „Masters of Sex“ haben). Manches läuft bislang aber nur im Pay-TV, während die Free-TV-Premiere wohl irgendwann 2014 sein wird. In der Regel ist es so, mitunter dauert es aber auch mal länger. Und richtige Flops bleiben schon auch mal gänzlich außen vor. Das Programm ist auf jeden Fall bunt gemischt. Krimi und Horror, Science-Fiction und Fantasy, da ist für jeden etwas dabei.

The Blacklist, Reign & Sleepy Hollow

The Blacklist

Genre: Krimi

Worum geht’s? Raymond „Red“ Reddington ist ein Verräter und einer der meistgesuchten Männer der USA. Er liefert sich dem FBI aus, erklärt aber, dass er nur mit der noch jungen Agentin Elizabeth Keen sprechen wird. Er hat ein Angebot für das FBI: Er wird helfen, Hunderte brandgefährlicher Menschen zu überführen, von denen das FBI großteils gar nichts weiß.

Wer steckt dahinter? Die Serie wurde von Jan Bokenkamp entwickelt. Er hat als Autor und Produzent so viel gar nicht vorzuweisen. Am ehesten kennt man seine Kinofilme „Taking Lives“ und „The Call“, bei Letzterem hat er aber nur die Story geliefert, nicht das Drehbuch geschrieben.

Wer spielt mit? Die Serie ist sehr gut besetzt. In der Hauptrolle agiert James Spader, der nach „Boston Legal“ hier eine neue, richtig schmackhafte Rolle gefunden hat. Red ist im Grunde eine Art Alan Shore, nur deutlich skrupelloser. Megan Boone ist weitestgehend unbekannt, dafür hat man Diego Klattenhoff schon bei „Homeland“ gesehen und kennt Harry Lennix aus den „Matrix“-Filmen.

Wie ist’s? Die erste Staffel hat noch nicht mal die Halbzeit in den USA erreicht, aber schon nach den bisherigen Folgen lässt sich sagen, dass dies einer der besten, wenn nicht gar der beste Neustart des Jahres ist. Aufregend, spannend, dramatisch, mit allerhand Twists versehen. So macht Fernsehen Spaß!

Reign

Genre: History/Teenie

Worum geht’s? Erzählt wird die Geschichte von Mary, Königin von Schottland, die in Frankreich aufwuchs und im Alter von 15 Jahren an den französischen Hof kommt. Dort herrschen Intrigen vor, aber die junge Königin verliebt sich auch.

Wer steckt dahinter? Laurie McCarthy und Stephanie Sengupta haben die Serie entwickelt. Beide haben reichlich Erfahrung. McCarthy diente schon vor langer Zeit als Produzentin für „Beverly Hills 90210“ und war für „Felicity“, „CSI: Miami“ und „Ghost Whisperer“ tätig. Sengupta war als Produzentin an „Criminal Intent“ und „Ghost Whisperer“ beteiligt.

Wer spielt mit? Reichlich Newcomer sind zu sehen, darunter auch Adelaide Kane, die man am ehesten als Cora aus „Teen Wolf“ kennt. Als Nostradamus (weit schöner als im wahren Leben) agiert Donald Sutherlands Sohn Rossif. Außerdem ist die aus den „Narnia“-Filmen bekannte Anna Popplewell als Freundin Marys mit dabei.

Wie ist’s? Naja, wenn man ein Mädchen und 15 Jahre alt ist, dann könnte „Reign“ zur neuesten Lieblingsserie werden. Ist man das nicht, sieht es schon anders aus. Die unglaublich kitschige Serie könnte man als „Die Tudors für Teenies“ beschreiben, was noch schrecklicher ist, als es klingt. Das Geschehen wird immer mal wieder mit Pop-Songs unterlegt. Dazu kommt, dass das Ganze nicht wie ein realistischer Hof, sondern mehr wie die Märchenvorstellung davon anmutet.

Sleepy Hollow

Genre: Mystery

Worum geht’s? Ichabod Crane, der im Unabhängigkeitskrieg gekämpft hat, erwacht in der Gegenwart, allerdings nicht allein. Auch der kopflose Hesse ist unterwegs. Crane findet Helfer bei der Polizei, die ihm glauben. Schon bald wird klar, dass der Hesse einer der apokalyptischen Reiter ist und aufgehalten werden muss.

Wer steckt dahinter? Die Serie wurde von namhaften Film- und Serienmachern erschaffen. Roberto Orci und Alex Kurtzman kennt man nicht nur als Autoren der „Transformers“-Filme. Sie haben auch „Star Trek“ wiederbelebt und im Fernsehen für „Fringe“ gearbeitet. Len Wiseman ist der Regisseur, der die „Underworld“-Saga ins Kino gebracht und Bruce Willis in „Stirb Langsam 4“ zurückkehren ließ.

Wer spielt mit? Hauptdarsteller Tom Mison ist Brite und weitestgehend unbekannt. Kaum bekannter ist Nicole Beharie, die die Polizistin spielt, mit der Ichabod zusammenarbeitet. Orlando Jones ist der Captain des Reviers. Ihn hat man schon lange nicht mehr gesehen, kennt ihn aber u.a. aus „Evolution“.

Wie ist’s? Die erste Folge kann es mit den meisten Kinofilmen aufnehmen. Len Wiseman hat sie selbst inszeniert und dabei einen kleinen Film abgeliefert. Kinetik, Dynamik, Rasanz, das alles ist hier vorhanden. In den nachfolgenden Episoden schwächt sich das etwas ab, allerdings bleibt man auf gutem Niveau stehen. Dennoch wäre es gut, wenn die Serie inhaltlich bald wieder etwas anziehen würde. Aber das kann sie ja noch, in den USA sind noch nicht mal die Hälfte aller Folgen gelaufen. Da ist genug Spielraum vorhanden, wieder an die große Qualität des Piloten anzuschließen.

Tomorrow People, Dracula & Witches of East End

Tomorrow People

Genre: Science Fiction

Worum geht’s? Stephen Jameson ist ein junger Mann, der über Teleportationskräfte verfügt. Er trifft andere Menschen, die wie er sind. Sie nennen sich die Tomorrow People und sehen sich als nächsten Schritt der menschlichen Evolution. Aber sie werden gejagt: von Menschen, die die Reinheit der Spezies bewahren wollen.

Wer steckt dahinter? Die Serie wurde von Phil Klemmer und Greg Berlanti entwickelt. Klemmer war an der Serie „Chuck“ beteiligt, Berlanti war weit umtriebiger. Er produzierte „Dawson’s Creek“, „Everwood“, „Eli Stone“, „My Superhero Family“, „Brothers & Sisters“ und “Arrow”.

Wer spielt mit? Hauptsächlich Newcomer. Hauptdarsteller Robbie Amell kennt man auch nicht weiter, aber: Er ist der Cousin von Stephen Amell, Star aus „Arrow“. In der Schurkenrolle agiert Mark Pellegrino, den man als Jacob aus „Lost“ und Luzifer aus „Supernatural“ kennt.

Wie ist’s? In Großbritannien gab es bereits zwei Serien mit den Tomorrow People, von 1973 bis 1979 und von 1992 bis 1995. Die amerikanische Version ist aufwendiger gestaltet, unterscheidet sich aber ansonsten nicht weit vom Vorbild. Wüsste man nicht, dass es bereits die alten Serien gab, könnte man die neue auch als „Jumper – Die Serie“ ansehen. Perfekt geschrieben ist die Show nicht, aber es gibt viel Action, nette Effekte und sympathische Figuren. Eine Show, die man als Sci-Fi- und Superhelden-Fan durchaus genießen kann.

Dracula

Genre: Horror

Worum geht’s? Dracula wird wieder zum Leben erweckt. In London tritt er als amerikanischer Geschäftsmann Alexander Grayson auf, in Wahrheit sucht er jedoch die Mitglieder des Ordens des Drachen, an dem er sich rächen will. Hilfe erhält er dabei von Abraham van Helsing.

Wer steckt dahinter? Cole Haddon hat die Serie entwickelt. Durchaus eine Leistung, denn andere Credits hat er nicht. Allerdings hat er schon eine Reihe von Drehbüchern verkauft, darunter „The Strange Case of Hyde“.

Wer spielt mit? Die Rolle des Blutsaugers übernahm Jonathan Rhys Meyers, der mit „Die Tudors“ bekannt geworden ist. Als Dracula weist er enormes Charisma auf. Mehr als Thomas Kretschmann, der den Blutfürsten in Dario Argentos „Dracula“ spielte und hier als Abraham van Helsing agiert.

Wie ist’s? Mehr als eine Staffel wird es wohl nicht geben, dafür sind die Quoten zu unterirdisch. Aber das Schöne ist, dass die aus zehn Folgen bestehende Staffel auch ein Ende haben soll, sodass man sie als Miniserie genießen kann. Das kann man in der Tat, denn diese Serie ist eines der Highlights der neuen Saison.

Sie erinnert an die klassischen Horrorfilme britischen Zuschlags, ist für moderne Sehgewohnheiten vielleicht einen Tick zu langsam erzählt, versteht es dafür aber, Atmosphäre aufzubauen. Zudem ist die Variation der altbekannten Geschichte interessant, da man zwar viele bekannte Namen aus Bram Stokers Roman wiedertrifft, die Figuren aber deutlich anders gestaltet sind.

Witches of East End

Genre: Mystery

Worum geht’s? Die Beauchamp-Schwestern erfahren von ihrer Mutter, dass sie einer langen Linie von Hexen entstammen. Das stellt das Leben der Schwestern auf den Kopf, denn mit dem Leben als Hexe sind auch Gefahren verbunden.

Wer steckt dahinter? Maggie Friedman hat die Serie entwickelt. Man könnte fast meinen, sie sei ein One-Trick-Pony, denn zuvor hat sie „Eastwick“ entwickelt, in dem es auch um Hexen ging. Ihre neue Serie ist aber immerhin erfolgreicher.

Wer spielt mit? In den Hauptrollen gibt es mit Jenna Dewan-Tatum und Rachel Boston zwei Newcomerinnen, die ältere Generation der Beauchamp-Frauen wird jedoch von Julia Ormond („Sabrina“ und Mädchen Amick („Twin Peaks“) gespielt.

Wie ist’s? Wer „Charmed“ mochte und glaubt, mit „Witches of East End“ hätte er Ersatz gefunden, muss leider enttäuscht werden. Diese Show wurde für den Lifetime-Sender entwickelt und richtet sich darum traditionsgemäß an ein weibliches Publikum. Das heißt, die sehr seichte Show befasst sich auch sehr stark mit dem Gefühlsleben der Hauptfiguren. In den USA mögen es aber zumindest genügend Zuschauer(innen), dass die zweite Staffel auch schon bewilligt wurde.

Almost Human, Ripper Street, Once Upon A Time In Wonderland & The Originals

Almost Human

Genre: Science-Fiction

Worum geht’s? Die nahe Zukunft: Der Polizist John Kennex ist auf Androiden nicht gut zu sprechen. Da stellt ihm sein Captain den Androiden Dorian als Partner zur Seite.

Wer steckt dahinter? Entwickelt wurde die Serie von J.H. Wyman, der als Autor und Produzent an „Fringe“ beteiligt war und jüngst das Skript zum Thriller „Dead Man Down“ geschrieben hat.

Wer spielt mit? Die Hauptrolle des griesgrämigen Polizisten ging an Karl Urban („Star Trek“, „Der Herr der Ringe“), während der sanftmütige Android Dorian von Michael Ealy („Sleeper Cell“) gespielt wird. Außerdem sind Lili Taylor („The Haunting“) und Minka Kelly („Charlie’s Angels“) mit dabei.

Wie ist’s? Eine spannende Science-Fiction-Serie, die Ideen von „I, Robot“, „Blade Runner“ und anderen Sci-Fi-Stoffen aufgreift, es aber versteht, daraus etwas Eigenes zu machen. Die Serie lebt vor allem von den Figuren und dem Zusammenspiel der ungleichen Partner, die exzellent besetzt wurden und eine richtig gute Chemie untereinander pflegen.

Darüber hinaus gefällt die Zeichnung dieser zukünftigen Welt, die sich von der unseren so sehr nicht unterscheidet. Wie auch hier ist es dort nur übersteigert: Die technologische Entwicklung geht rasanter vonstatten, als es gut ist, denn die Ethik des Menschen kann nicht Schritt halten.

Ripper Street

Genre: Krimi

Worum geht’s? Im London des Jahres 1889 haben es die Ermittler der H Division mit allerhand Verbrechern zu tun. Edmund Reid leidet aber vor allem darunter, dass er den Ripper nie überführen konnte.

Wer steckt dahinter? Richard Warlow hat die Serie entwickelt. Mit Krimis kennt er sich aus, war er doch auch für „Waking the Dead“ verantwortlich.

Wer spielt mit? Matthew Macfadyen spielt die Hauptrolle. Krimierfahrung sammelte er bei der Serie „Spooks“, hierzulande kennt man ihn aber vor allem aus „Die Säulen der Erde“. MyAnna Buring ist „Twilight“-Fans nicht unbekannt, war aber auch in „Downton Abbey“ dabei.

Wie ist’s? Die Idee ist wirklich gut: Eine Krimiserie, die im Jahr 1889 spielt, ist was Neues. So was sieht man wirklich nicht alle Tage, wodurch sich „Ripper Street“ auch von all den anderen Krimiserien wohltuend abhebt. Interessant ist dabei nicht nur das Setting der Serie, auch die Polizeiarbeit selbst ist anders und bei weitem nicht so, wie man das heutzutage aus „CSI“ und Konsorten kennt. In Großbritannien lief auch schon eine zweite Staffel. Leider die letzte, da die BBC die Serie danach beendete. In Deutschland startet „Ripper Street“ im Februar bei ZDFneo.

Once Upon A Time In Wonderland

Genre: Fantasy

Worum geht’s? Im Mittelpunkt steht Alice, die durch das Kaninchenloch ins Wunderland gerät. Als sie wieder zurück in unsere Welt kommt, will ihr ihr Vater nicht glauben, weswegen sie Jahre damit verbringt, nach Beweisen zu suchen. In der realen Welt findet sich Alice in der Psychiatrie wieder, doch dann gelingt die Rückkehr ins Wunderland.

Wer steckt dahinter? Adam Horowitz und Edward Kitsis haben „Once Upon a Time“ entwickelt, zusammen mit Jane Espenson („Warehouse13“) und Zack Estrin („The River“) haben sie auch am Spin-off gearbeitet.

Wer spielt mit? Die Hauptrolle der Alice wird von Sophie Lowe gespielt, die man aus der australischen Serie „The Slap“ kennt. Weiterhin sind John Lithgow als das Weiße Kaninchen, Keith David als Grinsekatze und Naveen Andrews als Jafar dabei. Die Schurkin ist die Red Queen, die von Emma Rigby gespielt wird, die in Kürze in „Der Medicus“ zu sehen ist. Das Problem: Sie ist unglaublich hölzern!

Wie ist’s? In den USA wurde die Serie sehr geteilt aufgenommen. Es gibt einige harte „Once Upon A Time“-Fans, die die neue Show ablehnen, andere lieben sie jedoch. Fans von „Alice im Wunderland“ wissen darüber hinaus zu schätzen, dass es eine interessante, originelle Adaption von Lewis Carrolls Roman ist. Die Einschaltquoten sind in den USA jedoch im höchsten Maße enttäuschend.

Wo „Once Upon A Time“ im Jahr 2011 mit 13,7 Millionen Zuschauern startete, schalteten bei „Once Upon A Time in Wonderland“ nur 5,7 Millionen Zuschauer ein. Und schon mit der zweiten Episode verlor man mehr als ein Drittel dieser Zuschauer. Gut möglich, dass sehr schnell wieder Schluss ist mit diesem Ausflug ins Wunderland.

The Originals

Genre: Mystery

Worum geht’s? Klaus will New Orleans wieder unter seine Kontrolle kriegen, muss diese aber seinem Protegé Marcel entreißen. Vor langer Zeit war Klaus es, der New Orleans gegründet hat, musste die Stadt aber verlassen, als ihn sein Vater Mikael verfolgte.

Mit Klaus‘ Rückkehr ändert sich einiges. Er sieht sich als König der Stadt und benötigt einen Erben - das ungeborene Kind, das von einem Hybriden (halb Werwolf, halb Vampir) und einem Werwolf abstammt.

Wer steckt dahinter? Autorin Julie Plec, die als Produzentin bei „The Vampire Diaries“ dabei ist, hat diesen Spin-off entwickelt. Sie arbeitet seit 1997 mit Kevin Williamson zusammen und war als Produzentin bei „Scream 2“ dabei.

Wer spielt mit? So wie Joseph Morgan und Daniel Gillies kennt man auch Claire Holt aus „The Vampire Diaries“. Neu dabei sind Charles Michael Davis als Marcel, Daniella Pineda als Sophie Devereaux, Leah Pipes als Camille, Danielle Campbell als Davina und Phoebe Tonkin als Hayley.

Hayley ist ein Werwolf - mal was Neues für Tonkin, die in Kevin Williamsons „The Secret Circle“ eine Hexe gespielt hat. Der Produzent mochte ihre Arbeit dort so sehr, dass er sie für die Rolle von Hayley holte.

Wie ist’s? Tonal unterscheidet sich „The Originals“ sehr deutlich von der Muttterserie. Man hat hier den seltenen Fall eines Spin-offs, der voll und ganz auf eigenen Beinen steht. Das geht sogar so weit, dass man die Serie anschauen kann, selbst wenn man sich für die Muttershow nicht interessiert.

Beim amerikanischen Network CW ist man sehr zufrieden. Die Serie hat einen guten Einstand geliefert und kann gute Quoten vorweisen - für die Ansprüche, die mit dem kleinsten Network einhergehen. Etwas mehr als zwei Millionen Menschen schalten in der Regel ein.