Nur drei Tage nach dem US-Start gibt es die von David Fincher produzierte Serie „House of Cards“ auch schon in Deutschland. Sky Atlantic HD zeigt die Serie ab dem 4. Februar immer montags um 21 Uhr. In den USA muss man sich nicht Woche für Woche gedulden, um dem politischen Ränkeschmieden zu folgen. Denn dort sind seit dem 1. Februar alle 13 Folgen der ersten Staffel erhältlich.

House of Cards - Erster Teaser zur 4. Staffel13 weitere Videos

Das funktioniert, weil „House of Cards“ nicht für einen Fernsehsender produziert wurde. Der Produzent der Show ist Netflix, eine Firma, die sich auf den Online-Verleih von Filmen spezialisiert hat und nun auch beginnt, originäre Programme zu entwickeln (bzw. eingestellte Serien wiederzubeleben). Mit „House of Cards“ hat man ein extrem hochwertiges Programm erschaffen.

Im Mittelpunkt steht Francis „Frank“ Underwood, ein demokratischer Kongressabgeordneter, der essenziell dafür war, dass Garrett Walker die Präsidentenwahl gewinnen konnte. Eigentlich hatte man Underwood einen Ministerposten versprochen, doch dem ist nun nicht mehr so. Underwood ist im Kongress zu wichtig. Für Underwood ist dies ein Affront – aber er lässt es sich nicht anmerken. Denn er hat über Jahrzehnte hinweg gelernt, wie man das politische Spiel spielt.

House of Cards - David Fincher baut ein Kartenhaus

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Kevin Spacey legt all seine Erfahrung in die Darstellung von Frank Underwood und liefert damit einen tollen Job ab.
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Er zieht in den Krieg, auch wenn er diesen nicht ankündigt. In der Politik schlägt man am besten aus dem Hinterhalt zu. So bringt er seine Figuren in Position, rekrutiert eine ehrgeizige junge Journalistin des „Washington Herald“, um Schlagzeilen zu lancieren, sichert sich die Loyalitäten von Kollegen und arbeitet daran, dass seine Wunschkandidatin für den Ministerposten zum Zug kommt, was ein Dorn in Walkers Seite sein wird. Doch Underwood ist nicht der einzige, der weiß, wie die dreckigen Seiten der Politik funktionieren.

Ein Kartenhaus

Die neue Serie basiert auf dem Roman von Michael Dobbs, der 1990 in Großbritannien verfilmt wurde. Die Miniserie trug damals den Namen „Ein Kartenhaus“ und erzählt – in weniger ausführlicher Form – dieselbe Geschichte, die man nun auch in „House of Cards“ sieht. Nur dass es damals um die britische Politik ging.

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House of Cards begeht nicht den Fehler, sich nur auf das Politikgeschäft in Washington zu beschränken, sondern bietet auch einiges an Abwechslung.
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Die Rechte an dem Stoff sicherte sich Media Rights Capital. David Fincher wurde über seinen Agenten auf das Projekt aufmerksam gemacht. Er zeigte dem Regisseur die britische Serie, was Finchers Interesse weckte. Denn ihm war klar, dass eine Serie, die sich mit 13 Folgen dieser Geschichte widmen konnte, sehr viel mehr in die Tiefe gehen kann, als das einem Film überhaupt möglich ist. Das war es, was Fincher besonders reizte.

Die Zukunft der TV-Serie?

Man suchte nach einem interessierten Sender, wobei Netflix das beste Angebot unterbreitete. Dort erklärte man sich bereit, sich sofort für die Produktion von zwei Staffeln zu verpflichten, was den Machern die Möglichkeit gab, langfristig zu planen.

Für die Entwicklung der Serie heuerte man den Autor Beau Willimon an, der das Bühnenstück „Farragut North“ geschrieben hatte, aus dem später der Film „The Ides of March“ wurde. Damit empfahl sich der Autor, der 2004 an einer präsidialen Wahlkampagne beteiligt war. Denn er wusste, wie man das politische Geschäft als Erzählung packend umsetzt.

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Kaum etwas ist wichtiger für einen Politiker als sein öffentliches Ansehen. Das hat auch Frank verinnerlicht, weshalb er seine Vorzeige-Frau Claire zu etlichen Veranstaltungen mitschleift.
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Kevin Spacey spricht zu uns

Ein Kniff der Serie ist, dass Kevin Spacey als Underwood immer wieder die fourth wall durchbricht und direkt zum Publikum spricht. Er lässt es an seinen Gedanken teilhaben. Eingeführt wird er in einer packenden Sequenz: Ein Hund wurde überfahren. Während sein Leibwächter dessen Herrchen holt, kümmert sich Underwood um den Hund. Er blickt in die Kamera und erklärt, dass es zwei Formen von Schmerz gibt. An dem einen wächst man, am anderen leidet man nur. Der Hund leidet – und Frank beendet dieses Leiden. Mit eben dieser Effizienz geht Underwood dann auch daran, seinen politischen Rachefeldzug zu führen.

„Politik ist ein dreckiges Geschäft, aber mordsmäßig spannend.“Fazit lesen

Spacey ist der größte Star, der in „House of Cards“ mitspielt, andere bekannte Gesichter gibt es aber auch. Seine Frau Claire wird von Robin Wright („Die Braut des Prinzen“) gespielt, während Reporterin Zoe Barnes von Kate Mara („American Horror Story“) dargestellt wird. Mit Kates jüngerer Schwester Rooney Mara hat Fincher bereits zweimal zusammengearbeitet: in „The Social Network“ und „Verblendung“.

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Auch ein gut situierter Politiker muss mal mit der U-Bahn fahren.
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Interessantes Experiment

Alle Folgen sofort auf einmal dem Publikum zugänglich zu machen, ist ein interessantes Experiment von Netflix, das tatsächlich auch aufgehen könnte. Der moderne Zuschauer begreift Serie weniger als eine Abfolge von Stand-Alone-Geschichten als vielmehr als einen gigantischen Film. Genau das bietet „House of Cards“, in das man sich ein Wochenende lang richtig verbeißen kann. Schade nur, dass dieses Geschäftsmodell in Deutschland nicht dupliziert wird. Hier muss man ganz traditionell immer eine Woche auf Nachschub warten.