Nachdem herausgekommen war, dass Kevin Spacey 1986 einen damals 14-jährigen Schauspieler sexuell bedrängt haben soll, zieht Streaming-Gigant nun die Bremse und beendet die Erfolgs-Serie House of Cards nach der sechsten Staffel.

House of Cards - Netflix beendet Erfolgs-Serie nach sechster Staffel nach Missbrauchsvorwurf

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Die Unterhaltungsbranche Film und Fernsehen wird aktuell von einem Missbrauchsvorwurf nach dem anderen erschüttert. Erst Harvey Weinstein, dann James Toback und nun jemand, von dem man es sicherlich am wenigstens erwartet hätte.

Anthony Rapp, bekannt aus Star Trek Discovery, ließ die Bombe in einem Interview platzen: 1986 soll ihn der damals 26-jährige Kevin Spacey in einem Hotelzimmer sexuell bedrängt haben - Rapp war damals 14 Jahre alt. Die beiden spielten gemeinsam am Broadway. Spacey lud den Jungschauspieler daraufhin zu einer Party in sein Appartment in New York ein. Als sich Rapp ins Hotelzimmer zurückzog, soll Spacey ihm betrunkenauf das Zimmer gefolgt sein, wo er ihn auf das Bett und sich selbst auf ihn geschmissen haben soll. Als Rapp sich wehrte, ließ Spacey von ihm ab. Daraufhin hatten sie keinen Kontakt mehr.

Diesen Vorfall hat der heute 46-jährige Rapp schon einmal zur Öffentlichkeit getragen, allerdings wurde der Name von Spacey verschwiegen. "Wir können endlich etwas dagegen tun", ließ er über Twitter wissen.

Netflix veröffentlicht Statement

Für den Streaming-Anbieter Netflix ist die Serie House of Cards einer der Stützpfeiler, auf der das eigene Imperium an eigens produzierten Inhalten aufgebaut wurde. Umso schockierter zeigt sich das Unternehmen in einem Statement über die Vorwürfe:

"Media Rights Capital und Netflix sind zutiefst beunruhigt über die Neuigkeiten bezüglich Kevin Spacey. Als Antwort auf die Enthüllungen haben sich Verantwortliche beider Unternehmen in Baltimore mit dem Cast und der Crew der Serie getroffen, um ihnen Sicherheit und Unterstützung zu bieten. Gemäß dem Zeitplan arbeitet Kevin Spacey momentan nicht am Set."

Laut Netflix wird die derzeit im Dreh befindliche sechste Staffel der Politserie die letzte sein. Jedoch bekräftigte der Streaming-Gigant, dass die Entscheidung, House of Cards enden zu lassen, nichts mit dem Missbrauchsvorwürfen zu tun haben soll. Der Entschluss, die Serie nach der sechsten Staffel enden zu lassen, sei bereits vor Monaten gefallen - das Timing, dies mitzuteilen, sei lediglich ein schlechter gewesen.

Das Aus für Spacey?

Kevin Spacey indes hat sich nur wenige Stunden nach der Enthüllung der Missbrauchsvorwürfe gegen seine Person direkt per Twitter zu Wort gemeldet.

"Ich habe viel Respekt für Anthony Rapp als Schauspieler und bewundere ihn. Es schockiert mich zutiefst, diese Geschichte zu hören. Ich kann mich beim besten Willen nicht an diese Begegnung erinnern, es wären ohnehin bereits 30 Jahre her. Aber sollte ich mich wirklich so verhalten haben, wie er es beschrieben hat, dann schulde ich ihm eine ehrliche Entschuldigung für das, was das unangemessene Verhalten eines Betrunkenen gewesen sein muss. Und mir tut es leid, dass er all das Leid in all den Jahren mit sich schleppen musste."

Spacey, der sehr viel Wert auf Privatsphäre legt, nutzte diese Gelegenheit, um sich selbst zu outen. Er habe Verhältnisse zu Männern und Frauen in seinem Leben gehabt und lebe nun offen als homosexueller Mann. "Ich will offen und ehrlich damit umgehen", so der Schauspieler.

Ob Spacey dieses Outing als eine Art Poller genutzt hat, um die Welle der Empörung abzufangen, die mit einem solchen Vorwurf einhergeht, wird wohl nur er (und eventuell sein Management) wissen. Für House of Cards bedeutet es jedenfalls das Ende - so oder so.

Weitere Konsequenzen werden offenbar ebenfalls auf den Oscar-Gewinner zukommen. Wenn nicht juristische, dann zumindest berufliche, denn es heißt, auch die geplante Netflix-Verfilmung von Gore Vidals Leben mit Spacey in der Hauptrolle soll abrupt beendet worden sein. Hier fiel der Entschluss also definitiv nach dem Vorwurf von Rapp.