Was Sie sehen ist Fakt. Und es ist Fiktion.“ – Das ist der zweiteiligen Miniserie vorangestellt. Zusammen mit der selbstsicheren Herausforderung, dass der Zuschauer kaum den Unterschied erkennen wird. Damit mag man durchaus Recht haben, müsste man sich doch mit Harry Houdini beschäftigt haben, um auch wirklich zwischen beidem unterscheiden zu können. Mehr noch, kennt man nur die zahlreichen Verfilmungen von Harry Houdinis Leben, hat man ohnehin kaum eine Vorstellung des wahren Mannes – denn Hollywood hat dessen Lebensgeschichte von jeher verändert und ausgeschmückt.

Houdini - Exklusiver Clip: "Houdini springt ins Eis"Ein weiteres Video

Nicht anders verhält es sich bei dem von Uli Edel inszenierten „Houdini“. Das Skript stammt von Nicholas Meyer („Star Trek II“), der auf Basis eines Sachbuchs seines Vaters aus dem Jahr 1976, das versuchte Houdini psychoanalytisch näherzukommen, gearbeitet hat.

Sieht man sich „Houdini“ also an, sollte man eines im Hinterkopf behalten: Dies ist mehrheitlich Fiktion und kaum Fakt.

Houdini - Nur wer an Magie glaubt, kann sie auch erleben

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Die Serie startet ab dem 16.04.2015 durch.
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Der große Houdini

Adrien Brody spielt den großen Houdini. Er ist zwar weit größer als der echte Entfesslungskünstler, aber trotzdem eine ideale Besetzung. Die Stärke der Miniserie ist tatsächlich Brody, der Houdini als einen Mann spielt, der nach dem Extrem sucht, der immer wieder versucht, den Tod auszutricksen, der das Unmögliche schaffen will.

Alles beginnt mit einer seiner größten Darbietungen. Houdini springt gefesselt in den Hudson River und überlebt das kaum. Er erinnert sich zurück daran, wie alles begann. Wie er als kleiner Junge einen Magier gesehen und erkannt hat, dass es diese Profession ist, mit der er seinen Lebensunterhalt verdienen wird.

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Houdini lernt seine Frau kennen und macht sie zum Teil seiner Show. Seine Tricks werden größer, sein Einsatz waghalsiger. Er wird zum bekanntesten Magier und Entfesslungskünstler der Welt. Und nicht nur das: Er geht auf Welttournee, er arbeitet für den amerikanischen Geheimdienst und trifft auf historische Persönlichkeiten wie Rasputin.

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Wenig von dem Gezeigten entspricht auch der Wahrheit.
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Aber die große Zeit der Magie scheint vorbei, die bewegten Bilder erobern die Welt – und Houdini wird in seinen Darbietungen immer extremer.

Ein Mann mit Komplexen

Houdini ist in dieser Miniserie ein Mann mit zahlreichen Komplexen. Hier weicht die Miniserie nicht nur von anderen Verfilmungen ab, sondern begibt sich in eine Richtung über die man durchaus streiten kann. So wird Houdini mit einem ödipalen Komplex dargestellt, der völlig außer Acht lässt, wie eine Mutter-Sohn-Beziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Regel ausgesehen hat.

Aber das ist nicht Houdinis einziges Problem. Die zahlreichen Traumata, denen er dadurch begegnet, dass er sich in den Bauch boxen lässt, wirkt ebenfalls überzogen. Die Geschichte geht hier in eine sehr eigene Richtung, die zusätzlich dazu beiträgt, aus einem Biopic eine fast vollkommene Fiktion zu machen.

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Exzellente Darstellung: Adrien Brody als Houdini.
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Wahr oder unwahr

Immerhin wird Houdinis Tod so gezeigt, wie er auch tatsächlich war. Andere Verfilmungen beschreiten da sehr viel mehr das Reich der Phantasie – oder vielmehr der Legendenbildung. Die ist zwar gut – dass Houdini bei einem seiner Tricks ertrunken sein soll -, aber eben nicht wahr. „Houdini“ bleibt hier am Fakt, ein Umstand, den man sich gemeinhin stärker bei diesem Projekt gewünscht hätte.

Sehr freie Verfilmung von Houdinis Leben. Das wird nicht jedem gefallen.Fazit lesen

So muss man „Houdini“ auf zweierlei Art sehen: Als wahrhaftiges Biopic versagt das Ganze, als fiktionalisierte Version des Lebens eines großen Künstlers hat er durchaus Unterhaltungswert.

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Zu beachten gilt hier jedoch: Die Alterung der Figuren – immerhin werden mehr als 20 Jahre abgedeckt – wird gar nicht gezeigt. Der völlige Verzicht auf Make-up lässt den zeitlichen Verlauf niemals spüren. Man hat eher das Gefühl, eine kürzere Zeitspanne zu sehen. Erst zum Ende der Miniserie hin wird Adrien Brodys Haar ein wenig grauer, aber das ist zu wenig und zu spät.