Die neue Serie „Hannibal“ ist Anfang des Jahres in den USA gestartet, auf maxdome war sie bereits ab Mitte August zu sehen. Heute findet die Free-TV-Premiere auf SAT 1 statt.

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Die Serie basiert auf Thomas Harris‘ Roman „Roter Drache“. Oder besser gesagt: auf dessen Figuren. Denn die Serie spielt zeitlich lange vor dem Roman und erzählt, wie Will Graham (Hugh Dancy) und Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) zusammenarbeiten. Graham wird von Jack Crawford (Laurence Fishburne) rekrutiert. Er soll bei der Aufklärung eines Falles helfen, bei dem mehrere junge Frauen verschwunden sind. Grahams Gabe ist, dass er sich in Killer einfühlen kann, dass er nachvollziehen kann, wie sie denken. Aber das ist eine Gabe, die wie ein Fluch ist. Denn jedes Mal droht er, sich mehr und mehr in Mordphantasien zu verlieren.

Darum rekrutiert Crawford auf Anraten der FBI-Psychologin Dr. Alanna Bloom (Caroline Dhavernas) Dr. Lecter, der Will helfen soll. Doch keiner ahnt, was Dr. Lecter wirklich ist. Er ist ein Killer, ein Kannibale, der mit den Menschen um ihn herum spielt. Nun interessiert er sich für Will Graham, den er zu manipulieren versucht. Immer mehr Fälle müssen gelöst werden, immer mehr zerbricht Graham an seiner Aufgabe und läuft Gefahr, zu dem zu werden, was er jagt.

Ein neuer Hannibal

Nach Brian Cox in „Manhunter“ und Anthony Hopkins in „Das Schweigen der Lämmer“ und den Sequels wird Hannibal Lecter nun von Mads Mikkelsen gespielt, eine begnadete Besetzung. Der Däne spielt den guten Doktor zurückhaltend, kalt, charmant, aber auch bedrohlich. Er könnte die Serie an sich reißen, mit Hugh Dancy hat man jedoch einen Schauspieler gefunden, der sich gegen Mikkelsen behaupten kann.

Hannibal - Noch schweigen die Lämmer, aber was macht Hannibal?

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Mads Mikkelsen (Casino Royale) ist die ideale Besetzung für den doppelgesichtigen Hannibal Lecter.
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Der Brite Dancy überzeugt als Amerikaner Will Graham. Großartig ist seine Darstellung des Zweifels, den Will immer mehr gegenüber sich selbst hegt. Dancy zeichnet das Porträt eines Mannes, der über 13 Folgen hinweg langsam zerbricht.

„Hannibal“ wurde von Bryan Fuller („Pushing Daisies“) entwickelt. Er nahm die Figuren aus Thomas Harris‘ erstem Hannibal-Roman, setzt sie aber in neuem Kontext. Es ist bekannt, dass Graham ein von seiner Gabe Getriebener ist, aber in der Serie wird dies noch weit stärker herausgearbeitet. Die Gefahr, der er sich durch diese Arbeit aussetzt, ist nicht körperlich, sondern mental.

Die Serie spielte lange Zeit vor „Roter Drache“. Fullers Plan ist es, mit der vierten oder fünften Staffel die Adaption von „Roter Drache“ zu beginnen und dann mit den folgenden Staffeln die weiteren Romane „Das Schweigen der Lämmer“ und „Hannibal“ aufzuarbeiten.

Ob es dazu kommt, muss sich zeigen. Die Serie startete mit ordentlichen, aber nicht überragenden Quoten. Allerdings entwickelte sie sich im Verlauf der Staffel ganz gut, so dass der US-Sender NBC schon vor dem Staffelfinale bekanntgab, dass es noch eine zweite Season geben wird.

Zweifelsohne sehr erfreulich, denn „Hannibal“ stellt sich als spannendes Stück Psycho-Thrillerkost heraus, das eine Tugend kultiviert, die es heutzutage nicht mehr allzu häufig zu sehen gibt: Die Serie lässt sich Zeit und baut die Spannung Stück für Stück, aber nicht überhastet auf. Dabei erreicht die Show Kinoqualität und steckt sogar so manche der Kinoversionen von Harris‘ Romanen locker in die Tasche.

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Änderungen

Nicht nur in Bezug auf die große Vorgeschichte von Will Graham und Hannibal Lecter, die zum Staffelfinale richtiggehend kulminiert, gibt es Änderungen. Auch anderweitig hat Fuller sich Freiheiten genommen. So gibt es zwar Freddie Lounds, aus dem Journalisten wurden jedoch eine Frau, die ansonsten aber die Charakteristiken der Figur, die man aus „Manhunter“ und „Roter Drache“ kennt, ihr eigen nennt.

Hannibal - Noch schweigen die Lämmer, aber was macht Hannibal?

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Die Gewalt ist nie Selbstzweck, sondern Ausdruck einer verkommenen Welt.
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Gespielt wird sie von Lara Jean Chorostecki, die in „The Listener“ und „Camelot“ wiederkehrend dabei war. Mit ihrem rotgelockten Haar sorgt sie hier für eine weibliche Komponente, die der Serie ganz gut tut.

Im Verlauf gibt es auch Reminiszenzen an „Roter Drache“. So gerät Freddie in die Hände eines Psychopathen, der der Zahnfeh nicht unähnlich ist, aber etwas zurückhaltender daherkommt. Darüber hinaus taucht in der Serie auch schon Dr. Chilton auf, der so unangenehm wie in den späteren Filmen gezeichnet wird. Und dennoch: Obwohl all diese Figuren dabei sind und man natürlich weiß, dass sie in „Roter Drache“ immer noch dabei sein müssen, wartet „Hannibal“ mit der einen oder anderen Überraschung auf.

Ein Blick in die Abgründe der Seele: Exzellenter Psycho-Thriller auf ganz hohem Niveau!Fazit lesen

So auch der, dass Hannibal Lecter selbst die Dienste einer Psychologin in Anspruch nimmt. Diese wird von Gillian Anderson („Akte X“) dargestellt und ist in mehreren Folgen dabei. Das Pikante: Beide verbindet ein Geheimnis, das im Verlauf der Staffel noch nicht enthüllt wird.