Der Norden erinnert sich in dieser fünften Staffel „Game of Thrones“, die nach den einst blutroten Grüßen der Familie Lannister endlich Vergeltung in Aussicht stellt. Es wird viel gelaufen, geredet, geplant – und dafür, dass vorerst wieder einmal kaum etwas passiert, passiert dann letztlich doch so einiges. Vor allem aber beherrscht die momentan populärste Serie der Welt ihr Spiel mit Zuschauererwartungen noch immer meisterlich.

„The future is shit, just like the past“

Fünf von zehn Folgen hat HBO bislang über internationale Bildschirme, Streamingdienste und unfreiwilligerweise zahlreiche Download-Kanäle geschickt, was uns Grund genug sein soll für ein Zwischenfazit zur ersten Staffelhalbzeit. Erneut bilden kleine Kabinettstückchen die eigentlichen Highlights einer Serie, deren leiser epischer Atem selbst noch unscheinbarste Momente mit Bedeutung auflädt.

Der merklich ausgedünnte Lannister-Clan ist nunmehr um seine sardonische Restwürde bemüht, Cersei (Lena Headey) hegt im Grunde gegen jede Person ihres Umfeldes irgendeinen Zweifel. Die inzestuöse Liebe zu Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) ist zweitrangig geworden, den einhändigen Kingslayer schickt sie nach Dorne, um ihre gemeinsame Tochter aus den Händen von Doran Martell zu befreien.

Game of Thrones, Staffel 5 - Winter is coming, doch eigentlich darf er gern noch ein wenig warten

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Kein neuer Joffrey, sondern ein unbeholfener junger König: Tommen (Dean-Charles Chapman) steht unter der Fuchtel seiner hochintriganten Mutter Cersei (Lena Headey).
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Cersei bleibt auch weiterhin eine der tragischsten und zugleich faszinierendsten Figuren der Serie. Jeder gesprochene Satz scheint sie Überwindung zu kosten, jeder Blick ist von Misstrauen und unbändigem Hass durchsetzt. Ihre neuerliche Unterstützung einer Gruppe radikaler Glaubenskämpfer in King’s Landing wirkt darüber wie eine letzte Verzweiflungstat vor dem großen inneren Knall.

Das Bündnis mit dem religiös-fanatischen High Sparrow (Jonathan Pryce) zumindest ist ein so riskantes wie persönlichen Vergeltungsgelüsten dienliches – und soll vor allem Margaery (Natalie Dormer), der Angetrauten ihres Sohnes und neuen Königs Tommen (Dean-Charles Chapman), das Leben am Hof so unangenehm wie möglich gestalten. Wein und Leben schmecken Cersei eben nur dann, wenn andere leiden.

Auf ihren Bruder Tyrion (Peter Dinklage) wiederum hat die Königsmutter ein Kopfgeld ausgesetzt. Er wird von Lord Varys (Conleth Hill) außer Landes und in Richtung der ihrerseits reichlich überforderten Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) gebracht. Sie soll den Feind als einen Freund begrüßen, könnte Tyrion aber genauso gut den Kopf abschlagen – was sie derweil in Meereen tatsächlich mit Saboteuren zu tun pflegt.

Willkommen daheim, Lady Stark

Die maskierten und überaus blutrünstigen „Söhne der Harpyie“ ermorden reihenweise Unbefleckte, um das befreite Land zurück in die Sklaverei zu führen. Geduld und Handlungskraft der Drachenmutter sind daher vor eine Herausforderung gestellt, und wie immer müssen ihre Babys den einzigen nicht ganz so interessanten Handlungsstrang der Serie aufwerten: Feinde der Freiheit verfüttert Daenerys an die Drachen!

Alle bisher eindringlichsten Momente der fünften Staffel aber sind dem hohen Norden vorbehalten. Sansa (Sophie Turner) und Littlefinger (Aidan Gillen) reisen von Castle Black nach Winterfell, statt heimischer Gefühle erwarten die Stark-Tochter dort allerdings neue Hiobsbotschaften. Sie soll ausgerechnet Ramsay Bolton (ehemals Snow) ehelichen, den die Serie mehr und mehr als neuen Serienfiesling in Tradition von Joffrey aufbaut.

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Mit Sansa meinen es „Game of Thrones“ und George R.R. Martin also auch weiterhin nicht gut. Je mehr Leid diese Figur erschütternd still zu erdulden hat, desto verheißungsvoller spielt das Format unsere ganz persönlichen Racheimpulse aus. „The North remembers“ lautet das Motto der Stunde – und die noch immer an ihren Eid gebundene Brienne (Gwendoline Christie) beobachtet das Geschehen mit Argusaugen.

An der Mauer wurde zwischenzeitlich ein neuer Lord Commander gewählt, was vor allem bedeutet, dass Jon Snow (Kit Harington) künftig vielleicht doch mal etwas weiß. Sein liberaler Kurs in Bezug auf das Freie Volk erntet wenig Begeisterung, Stannis Baratheon (Stephen Dillane) aber vertraut dem jungen Erneuerer, der noch immer um seine verschiedene Wildlingsliebe trauert.

Missgunst, Vergeltungswünsche und die Ruhe vor dem Sturm – Game of Thrones ist auf dem Weg, besser denn je zu werden.Fazit lesen

Auch im fünften Jahr gelingen der Serie entscheidende Höhepunkte immer dort, wo sich das anbahnende Spektakel in kammerspielartige, aktionsbefreite Momente einschreibt. Seit jeher heißt es bei „Game of Thrones“, der Winter komme (in Season 5 beinahe ironisch zum Ausspruch „Winter is almost upon us“ variiert), und gerade diese Erwartungshaltung produziert nach wie vor eine enorme innere Spannung.