Nun ist er in Staffel 5 doch noch konkret geworden, der von den allermeisten Figuren in „Game of Thrones“ damoklesschwertartig gefürchtete Winter. Ziehen also dicke Nebelschwaden über den hohen Norden, erheben sich aus ihnen finstre Gestalten mit toten Augen. Die Schlacht um Hardhome hat die „Weißen Wanderer“ in Stellung gebracht – mit einem delikaten Vorgeschmack aufs anstehende Endspiel.

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Anm. d. Red.: Dies ist die Besprechung der zweiten Hälfte der fünften Staffel und ihrem großen Finale. Wer die Serie noch nicht so weit geguckt hat, wird hier auf den einen oder auch anderen Spoiler treffen. Ihr seid gewarnt worden. Und nun viel Spaß mit unserer Kritik.

Game of Kontroversen

Gewiss aber dürfte es noch ein wenig dauern, ehe das weiterhin muntere Ringen um den Thron, die brutal verhandelte Frage nach rechtmäßigen Machtansprüchen in Westeros von Eiszeit und Zombiearmee überlagert werden. Schließlich bewegt sich „Game of Thrones“, und das ist eine der besonderen Stärken der Serie, nur in kleinen strategischen Schritten voran: Der von Intrigen, Missgunst und zerbersten Körpern gesäumte Weg ist das Ziel, nach wie vor und jetzt erst recht.

Game of Thrones - Staffel 5.2 - Unsere Kritik zum großen Finale: Drachenzähmen nicht ganz leicht gemacht

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Sorgte für eine Kontroverse unter Fans: Die gewaltsame Verheiratung von Sansa Stark und Ramsay Bolton.
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Und was gab es da wieder zu diskutieren. Wurden die Autoren der Frauenfeindlichkeit bezichtigt, weil sie der ohnehin schon reichlich unliebsamen Handhabung weiblicher Figuren immer noch weitere Vergewaltigungen hinzudichten. Wurde seinen Showrunnern David Benioff und D. B. Weiss ein spekulatives Interesse an noch mehr Erniedrigung unterstellt, weil sie nicht nur alles anders, sondern auch alles viel gemeiner machten als George R. R. Martin.

So wird etwa Sansa Stark (Sophie Turner) vom gewaltlustigen Ramsay Bolton (Iwan Rheon) in einem serienexklusiven Handlungsstrang übel mitgespielt. Und entpuppt sich der geschickt zum Sympathieträger (und damit konsensfähigen Thronerben) aufgebaute Stannis Baratheon (Stephen Dillane) in der traditionell besonders finstren Staffelfolge 9 eben doch als Arschloch, das entgegen der Vorlage auch bereit ist, über sehr persönliche Leichen zu gehen.

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Tanz der Drachen: Ihren größten Moneyshot hieb sich die fünfte Staffel der Serie beinahe bis zum Schluss auf.
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Wenn uns die Serie bislang aber eines gelehrt hat, dann wohl ihre selbst schon längst zu einem bösen absehbaren Faktor geronnene Unberechenbarkeit. Immer wieder weist uns „Game of Thrones“ in die Schranken, regelmäßig wird deutlich, dass alles Mitfiebern nur unter Vorbehalt gestattet ist. Mag sie ihren Figuren auch überraschende Wendungen zugestehen, warnt sie uns zugleich davor, Hoffnungen an diese Figuren zu knüpfen.

Die bislang sicherlich radikalste und verlustreichste Staffel der Serie – und ein hintersinniges Spiel mit unseren Erwartungen an sie.Fazit lesen

Das ist ein angemessener Umgang mit der Welt, wie sie „Game of Thrones“ entwirft: Sich hier guten Gewissens auf eine Seite zu stellen, wird zuverlässig bestraft, und auch das sich nach Identifikation strebende Schöngucken des kleineres Übels Stannis Baratheon konsequent vor eine Herausforderung gestellt. Anders kann es in einem pervertierten Machtspiel, wie es diese Erzählung so genüsslich ausbreitet, gar nicht sein. Und das ist gut so.

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Weder ausgerottet noch für alle Zeit verbannt: Die Weißen Wanderer erobern Westeros und lassen ihre Opfer als Totenkrieger auferstehen.
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Selbst eingebrockte Suppen

Nicht zuletzt sind es die Figuren selbst, denen manch hinterlistige Kursänderung zum Verhängnis wird. Cersei Lannister (Lena Headey), die immer noch interessanteste, weil widersprüchlichste Figur der ganzen Serie, hat ihre Rechnung, den High Sparrow (Jonathan Pryce) zum göttlichen Rechtssprecher von King’s Landing zu erklären, jedenfalls ohne dessen religiösen Fundamentalismus gemacht. Ihr „walk of atonement“ ist mit Sicherheit der bisher brutalste Moment der ganzen Serie.

Der vielleicht irgendwann mal edelmütige, längst aber von Selbsterniedrigung und diffusen Erlösungsfantasien angetriebene Ser Jorah (Iain Glen) wiederum bemüht sich in dieser fünften Staffel ein ums andere Mal, das Vertrauen der von ihm betrogenen Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) zurück zu gewinnen. Und die Königin hat mit den blutigen Folgen ihrer eher eigennützigen statt humanistisch motivierten Sklavenbefreiung zu kämpfen (siehe dazu auch unsere Besprechung der ersten Staffelhälfte).

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Eine selbst eingebrockte Suppe – sozusagen das Leitmotiv von „Game of Thrones“ – muss auch Ellaria Sand (Indira Varma) auslöffeln. Ihr in Dorne erprobter Aufstand scheitert zunächst, nimmt aber im Staffelfinale eine zuverlässig-zynische Wende. Ellarias Gespräch mit Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) ist dennoch eines der heimlichen Highlights der Staffel, die bei geständnisreichen Dialogen abermals zur Hochform aufläuft.

Weniger heimlich, aber umso epischer gestaltet die fünfte Staffel ihre vordergründigen Highlights: Der seine Drachenmutter beschützende und majestätisch von dannen fliegende Drogon stillt aufwändig gepixelt den Durst von Fantasy-Fans, während die im Fischerdorf Hardhome und damit jenseits der sich von übernatürlichen Gefahren abschottenden Mauer verortete Schlacht gegen die „Weißen Wanderer“ gekonnt kinoästhetische Überwältigungsspektakel imitiert.

Game of Thrones - Staffel 5.2 - Spoilerfreie Eindrücke zur fünften Staffel

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