Selbst als Serienmuffel dürfte es schwer sein, sich dem Phänomen „Game of Thrones“ noch irgendwie zu entziehen. Mit durchschnittlich 18,4 Millionen Zuschauern pro Folge ist es die offiziell erfolgreichste HBO-Show seit Bestehen des US-Programmanbieters, die am meisten heruntergeladene sowieso. Weltweit diskutieren Fans die Ereignisse einer jeweiligen Episode, nach deren Ausstrahlung das Internet regelmäßig Kopf steht.

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Spoiler-Alarm!

Für den nachfolgenden Text sprechen wir eine ernstgemeinte Spoilerwarnung aus ... Es werden Handlungen und Ereignisse der vierten Staffel besprochen, ihr könntet erfahren wer diesmal überlebt und wer nicht und es gibt tausend kleine Anspielungen, die euch vielleicht die Freude am Anschauen rauben. Wer also absolut nichts über die Handlung der vierten Staffel wissen will, sollte nun schleunigst das kleine "x" oben rechts suchen und diese Seite verlassen. Allen anderen wünschen wir viel Spaß (Anm. d. Red.).

Game of Thrones - Staffel 4 - Fuck the King!

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Endlich geht es mit "Game of Thrones" weiter.
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„Fuck the King!“

Zu diskutieren gab - beziehungsweise gibt - es bei dieser vierten Staffel „Game of Thrones“ tatsächlich einiges. Sie bricht zunächst einmal mit der Tradition ihrer im Handlungsverlauf stets ganz besonders dramatisch positionierten neunten Episode und beschert dem Publikum in diesem Jahr gleich zu Beginn einen saftigen Schock. Mit dem unvorbereiteten Abtritt der wohl hassenswertesten Figur der jüngeren Seriengeschichte ist dieser Season ein so kathartischer wie emotionaler Überraschungseffekt geglückt.

Gleichwohl das für Buchleser freilich nicht gilt, dürften auch sie das als „Purple Wedding“ zwischen Margaery Tyrell (Natalie Dormer) und Joffrey Baratheon (Jack Gleeson) firmierende Großereignis sehnlich erwartet haben. Und inszenatorisch läuft die Serie hier bereits in Folge 2 zur Hochform auf, wenn sie die (An)Spannung mit unheilvollen Schnitten auf vielsagende Blicke sowie der vielleicht perfidesten Darbietung von Joffreys Sadismus ins Unermessliche zu steigern versteht.

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Joffrey dürfte wohl der unbeliebteste Charakter seit Äonen sein.
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GoT-Papa George R. R. Martin adaptierte die Hochzeit der nicht ganz so friedvollen Art einmal mehr selbst und bestimmt damit auch die Geschicke zahlreicher anderer Figuren. Tyrion Lannister (Peter Dinklage) muss als unrechtmäßiger Sündenbock von King’s Landing um sein Leben bangen. Dessen herzallerliebstes Schwesterlein Cersei (verbitterter denn je: die grandiose Lena Headey) bezichtigt ihn eines mörderischen Komplotts, für das Tyrion die Hinrichtung droht.

Erneut fordert er nach einer ergreifenden, für viele das Highlight der Staffel bildenden, Ansprache eine Verhandlung durch Kampf. Sie wird, auch das ein großer Moment der Serie, schließlich vom rachsüchtigen Oberyn Martell (Pedro Pascal) und dem als „Berg“ verschrienen Brutalkoloss Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson) geführt. Am dramatischen Ende dieser achten Folge scheiden sich die Geister.

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Oberyn Martell (Pedro Pascal) kämpft für Tyrion gegen den "Berg".
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Jaime (Nikolaj Coster-Waldau), der leider ohne rechte Hand zur höfischen Inzestsippe zurückkehren musste, sieht sich wiederum zwischen die Fronten gestellt. Der Familienname Lannister scheint dem Untergang geweiht, so Jaime weder in der Lage ist, seinem Bruder Tyrion zu helfen, noch den Erwartungen von Vater Tywin (Charles Dance) gerecht werden zu können. Dieser allerdings steuert die Geschehnisse heimtückischer denn je, es ist und bleibt die strategischste Figur der Serie.

Der unausgesprochenen Romantik zwischen Jaime und Brienne (Gwendoline Christie, deren Screentime einfach nie ausreichen mag!) ist ebenfalls ein Ende gesetzt. Von Cersei als „Kuh“ verunglimpft und ohnehin wenig willkommen am Königshof, zieht die edelmütige Ritterin mit dem tapsigen Knappen Podrick (Daniel Portman) von dannen. Sie ist bemüht, ihren Eid zu wahren und die Töchter von Ned Stark zu suchen, deren Schicksale nach wie vor ungewiss sind.

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Jaime wird nicht gerade herzlich empfangen.
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Etappensiege und Gekröse

Sansa Stark (Sophie Turner) muss als Mordverdächtigte die Flucht antreten und reist mit Lord Baelish (Aidan Gillen) ins Tal von Arryn, wo auf Tante Lysa (Kate Dickie) und ihren ewig brustnuckelnden Sohn eine entzückende Überraschung wartet. Auch Arya (Maisie Williams) marschiert in Richtung Familienzusammenführung, noch immer ist ihre sonderbare Beziehung zum Zweimeterschoßhündchen (Rory McCann) von amüsanten Details bestimmt.

Das Lied von Eis und Feuer, es ertönte selten schöner. Game of Thrones ist und bleibt ein Serienereignis, wie es derzeit kein zweites gibt.Fazit lesen

Spätestens seit der zweiten Staffel gilt „Game of Thrones“ als Ensembledrama, in dem ebenso viel geredet wie gelaufen wird. Zu den besonderen Stärken der Serie zählt jedoch, dass sie ihren Road-Movie-Charakter zu Fuß und Pferd immer für ergreifende Momente nutzt. So mühsam die Figuren letztlich auch auf ihren Wegen voranschreiten mögen, so sehr kommen sie dabei einander näher. Ihre lediglich kleinen Etappensiege zwingen sie immer wieder zu neuen Auseinandersetzungen – und halten die Serie dabei ganz wunderbar in Bewegung.

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Arya und "Der Hund" setzen ihre Reise ebenfalls fort.
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Vielleicht ist genau das der Grund, warum etwa die Handlungsstränge um Arya oder Brienne zu den lebendigsten der Staffel zählen. In ihnen drückt sich Vergeltungssehnsucht, um die es hier letztlich allen Figuren geht, auch deshalb emotionaler aus, weil sie einer Veränderung buchstäblich entgegenlaufen. Für Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), Drachenmutter, „Sklavenbefreierin“ und rechtmäßige Thronerbin, gilt das im Besonderen: Ihre Reise nach Westeros ist auch weiterhin der eigentliche Motor der Serie.

Jene leicht stagnierenden Subplots um Thronkämpfer Stannis Baratheon (Stephen Dillane), den unsicheren Sam Tarly (John Bradley) oder nunmehr vollständig traumatisierten Theon Greyjoy (Alfie Allen) sind dem Erzählfluss der Serie hingegen zuweilen hinderlich. Auch ihnen gönnt diese Staffel wichtige Momente, doch wirklich etwas zu tun bekommen sie erst auf den letzten Metern. Mit Ramsay Snow kristallisiert sich allerdings eine Figur heraus, die zu hassen man noch lieben lernen wird.

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Sam Tarly bekommt deutlich mehr Screenzeit als früher.
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In der neunten und auf eine entscheidende Schlacht beschränkten Folge darf Sam sich gegenüber Gilly (Hannah Murray) als tapferer Held erweisen, während Bastardsohn Jon Snow (Kit Harington) das Kommando der Nachtwache an sich reißt. Nach „Blackwater“ beehrt Regisseur Neill Marshall („Doomsday“) die Serie ein weiteres Mal und inszeniert die Verteidigung der Mauer gegen Wildlinge mit epischem Gekröse, garstigen Riesen und einem drolligen Mammut.

Obgleich die meisten der in Black Castle verorteten Ereignisse seit jeher nicht zu den interessantesten der Serie zählen, ist der ausgedehnte Kampf in Folge 9 doch ein wesentlicher Kontrapunkt, an dem Worte – und darum geht es in „Game of Thrones“ schließlich sehr oft – alle Bedeutung verlieren. „Du weißt gar nichts“, flüstert Ygritte (Rose Leslie) ihrem Jon zu, dem es einmal mehr die Sprache verschlagen hat. Für „verdammte Poeten“ ist die Mauer wohl einfach der falsche Ort.