Aus gutem Grund wurde der wichtigste Satz der dritten Staffel Game of Thrones vielfach zitiert: „If you think this has a happy ending, you haven't been paying attention”, fasst Ramsay Snow nicht nur kommende Ereignisse, sondern auch das dramat(urg)ische Prinzip der HBO-Erfolgsserie zusammen. Nach der mitunter ein wenig gestreckt wirkenden Season 2 kehrt die großartige Mittelalter-Soap in ihrem dritten Jahr mit einem Paukenschlag zurück.

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Ein Drache ist kein Sklave!

Das Schlussbild der vergangenen Staffel greift die Serie vorerst (erwartungsgemäß) weitgehend symbolisch auf. Von der Bedrohung durch die Weißen Wanderer, der Armee der Toten, ist auch weiterhin erst einmal lediglich die Rede, gleichwohl ihr Schatten über nahezu allen Ereignissen lauert. Dafür geizt der Staffelauftakt nicht mit phantastischen Bildern von berüchtigten Riesen hinter der Mauer oder den Feuer speienden Drachen Daenerys Targaryens (Emilia Clarke).

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Schauwerte wie diese behielt sich Season 2 mitunter doch etwas zu entschieden vor. Der Fokus auf die Ruhe vor dem großen Sturm, den meist in gleichförmig geteilten Parallelsträngen verlaufenden Handlungen und die zentrale Neuordnung aller Figuren und kriegerischen Parteien schien zweifellos wichtig, musste sich aber mit der bloßen Ankündigung nachfolgender Höhepunkte begnügen.

Game of Thrones - Staffel 3 - Der Ränkespiele dritter Teil: Fernsehunterhaltung par excellence - Shitstorm inklusive!

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Die Schöne und das Biest: Joffrey hat sich seinen Platz unter den unbeliebtesten TV-Charakteren aller Zeiten redlich verdient.
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Das Opening der dritten Staffel legt indes ein ungleich höheres Tempo vor. Während der Reise der Drachenmutter nach Astapor verbindet Game of Thrones die strategischen Unternehmungen der (nicht nur geographisch) entferntesten Figur der Serie mit einer visuellen Opulenz, die durchaus beeindruckend ist. Die Rekrutierung ihrer Sklavenarmee durch eine geschickte Überlistung („Ein Drache ist kein Sklave!“) gehört zu den spektakulären Höhepunkten der Season.

An GOT-typischer Melodramatik und aber auch beißender Komik legt die Serie ebenfalls zu. Fast nirgends verdeutlicht sich die reizvolle Spannung zwischen den Figuren (und deren verzweifelte emotionale Beherrschung) so sehr wie bei Brienne von Tarth (Gwendoline Christie) und Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau). Während ihres gemeinsamen Weges nach King’s Landing, auf Geheiß der verzweifelten Catelyn Stark (Michelle Fairley), durchlaufen beide eine beachtliche Entwicklung.

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Der Erzählstrang um Tyrion und Cersei zählt zu den stärksten der dritten Staffel.
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Das Spiel mit Ambivalenzen

Ihre Beziehung bildet den heimlichen Höhepunkt der dritten Staffel. Sowohl feinsinnige Schlagabtäusche als auch eine zunehmend von großer respektvoller Zuneigung bestimmte Dynamik durchziehen diesen vielleicht schönsten Handlungsstrang (und der Kampf auf der Brücke – toll!). In der entsprechend betitelten achten Folge spitzen sich die zwischenmenschlichen Ereignisse der beiden schließlich dramatisch zu. George R. R. Martin schrieb das Teleplay der Episode auf Grundlage seines eigenen Romans.

Kaum eine Figur hat sich innerhalb der Serie so stark entwickelt wie Jaime. Sein „Walk of Punishment“ befriedigt weniger frühere „Rachegelüste“ des Zuschauers, als es vielmehr die neuerlichen Sympathien für den Königsmörder unterstreicht. In der herausragenden Bade-Szene mit Brienne verleihen die Autoren (bzw. George R. R. Martin) dem Charakter ein vollkommen neues Profil. Dieses Spiel mit Ambivalenzen gehört zu den großen Stärken der Serie, die ihre Höhepunkte immer auch im Kleinen findet.

Überhaupt läuft Game of Thrones mit klug geschriebenen Dialogen zu absoluter Hochform auf. In den gemeinsamen Momenten etwa zwischen Tywin (Charles Dance) und Olenna Tyrell (Diana „Emma Peel“ Rigg!), dem Hound (Rory McCann) und Arya Stark (Maisie Williams) oder auch zwischen Tyrion (Peter Dinklage) und Cersei (Lena Headey), die ironisch und verbittert zugleich ihr Heiratsschicksal teilen, findet die Serie mit komplex entwickelten Figuren und berstender innerer Spannung ganz zu sich.

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Drachenmama Daenerys Targaryen lässt ihre "Kinder" langsam aber sicher von der Leine.
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Die fatale Red Wedding

Und dann kam sie natürlich, die nunmehr traditionell besonders entscheidende neunte Episode einer jeden GOT-Staffel. Die unter dem Label der „Red Wedding“ durchs gesamte Internet geisternde Schockfolge, auf die Leser der Romane natürlich längst vorbereitet waren (und es sich folglich nicht nehmen ließen, entsprechende Reaktionsvideos von unwissenden Mitschauern zu erstellen). „The Rains of Castamere”, die in blutroter Dramatik gebadete Episode zum gleichnamigen Lied, entfachte einen selbst für Serienverhältnisse fast beispiellosen Shitstorm.

Große Gefühle, große Schauwerte und sogar ein großer Shitstorm – an Staffel 3 der Erfolgsserie führt kein Weg vorbei.Fazit lesen

Die Reaktionen in sozialen Netzwerken, auf der GOT-Facebook-Seite, auf Twitter, YouTube und in unzähligen Blogs, variierten von Jubelstürmen über blankes Entsetzen bis hin zu Boykottaufrufen der gesamten Show. George R. R. Martin selbst erhielt schon zur Zeit der Veröffentlichung des Buches Morddrohungen, so er doch einige der liebgewonnensten Figuren fast mitleidslos in einen hundsgemeinen Hinterhalt lockt und radikal aus Westeros verbannt.

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Macht eine große Wandlung durch: Königsmörder Jaime Lannister.
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Selbstredend bildet der (in seiner Kompromisslosigkeit gegenüber der Vorlage sogar noch intensivierte) Schlussakt der neunten Episode eines der bittersten, nahezu verstörenden Kapitel von Game of Thrones. Dennoch wirft das große Bohei um die „Red Wedding“ die Frage auf, ob GOT-Fans sich bei so viel Zuschaueridentifikation der Fiktivität der Charaktere und einer solchen TV-Serie überhaupt noch bewusst sind. Oder, um es mit Ramsay Snow zu sagen, deren dramaturgische Strategien vielleicht nicht aufmerksam genug verfolgt haben.

Im überragenden Gesamteindruck der dritten Staffel gilt es sonst nur einige leichte Abstriche zu machen. Der Handlungsstrang um Stannis (Stephen Dillane) und Melisandre (Carice van Houten) stagniert mehrfach und wird auch dadurch nicht interessanter, dass die „rote Priesterin“ (anders als im Buch) König Roberts Bastardsohn Gendry (Joe Dempsie) aus der Bruderschaft holt. Fast überflüssig und weitgehend redundant fällt auch der Nebenplot um Theon (Alfie Allen) aus, der wohl lediglich durch eingeschobene Folter- und Sexszenen derart viel Raum einnimmt.