In ihrer einzigartigen Mischung aus komplexer Fantasy, operettenhaftem Familiendrama und nicht zuletzt purem Sleaze begeisterte die HBO-Serie „Game of Thrones“ von Beginn an ein weltweites Publikum. Den hohen Erwartungen wird die zweite Staffel zwar nicht ganz gerecht, aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Mitreißende und aufwändige TV-Unterhaltung bietet der Kampf um die Throne auch weiterhin.

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Missgunst und Zwietracht

In den USA startete Season 2 im April des vergangenen Jahres, Kunden des Pay-TV-Senders TNT Serie konnten sie hierzulande wenige Monate später ab November sehen. Für die deutsche Free-TV-Premiere der auf dem zweiten Band der Romanserie „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin basierenden Staffel setzt RTL II nach dem Quotenerfolg des Vorgängers nun erneut auf eine kompakte Ausstrahlung.

An einem einzigen Wochenende wird der Sender die komplette Staffel vom 8. bis zum 10. März zur Primetime zeigen, die ungekürzten Folgen jedoch wie zuvor erst in den nächtlichen Wiederholungen. Mit Blut, Sex und verbalen Obszönitäten, drei der wesentlichen HBO-Säulen, geizt freilich auch die Fortsetzung von „Game of Thrones“ nicht – so ja der Hang zu derben Details, schmierigen Figuren und einer völlig unverkrampften Darstellung illustrer Sexeinlagen zu den Stärken der Serie zählt.

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„A Clash of Kings“ lautet der Titel der Buchvorlage und der ist im zweiten Jahr der Thron-Rivalitäten auch Programm. Der unrechtmäßige König Joffrey Baratheon (Jack Gleeson) dreht in King’s Landing weiter am Rad des Wahnsinns und lässt sich auch von seiner Mutter, Cersei Lannister (Lena Headey), kaum mehr zügeln. Stannis (Stephen Dillane) und Renly Baratheon (Gethin Anthony) beharren jeweils auf ihr eigentliches Recht an der Krone, scheinen jedoch chancenlos.

Game of Thrones - Staffel 2

- Die Ruhe vor dem Sturm
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Samwell, der älteste Sohn von Lord Randyll Tarly, kämpft sich mit seinen Männern durch die unwirkliche Schneelandschaft.
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Währenddessen führt Robb Stark (Richard Madden) im Western die Kampftruppen an, nachdem der Norden sich für unabhängig erklärt hat. Seine beiden Schwestern befinden sich jeweils auf Messers Schneide der unberechenbaren Lannister-Familie, die nur vom kleinwüchsigen Tyrion (Peter Dinklage) zur Vernunft gebracht werden kann. Die Drachenkönigin Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) wiederum setzt derweil ihren Weg zum rechtmäßigen Thronerbe in Essos fort.

Auch die zweite Staffel „Game of Thrones“ wird bestimmt von moralischen Konflikten, von Intrigen und Korruption, von Missgunst und Zwietracht. Manche Figuren kämpfen um Macht, andere ums Überleben, allen gleich jedoch ist die Bedrängung durch familiäre Verästelungen, die sie in ständige Zwangslagen manövrieren. Die emotionalen Gefechte sind das Herz der Serie, ihnen gilt das große Melodrama, das die Show oft auch als eine Art Seifenoper im Mittelalter darstellt.

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Offenkundige Schwächen

Die ersten Folgen der zweiten Staffel knüpfen dabei qualitativ nahtlos an die großartige vorherige an. „Was tot ist, kann niemals sterben“ (3) und „Der Garten der Knochen“ (4) sind Episoden-Highlights auf dem Niveau des ersten Jahres, „Schwarzwasser“ (9) immerhin die bis dato spektakulärste Folge der Serie. Neil Marshall („The Descent“, „Doomsday“) inszeniert die Schlacht von Königsmund als nachtschwarze Wende der Ereignisse mit einem fiebrigen Subplot im Schutzraum der Festung.

Schwächer als die herausragende erste Staffel, aber zweifellos noch immer packend. Dem Ringen um die Throne kann man sich eben auch nur schwer entziehen.Fazit lesen

Die Rolle der Prostituierten Shae (Sibel Kekilli) wurde nun deutlich ausgebaut und mit Tom Wlaschiha hat es sogar ein weiterer deutscher Schauspieler zu einer Hauptrolle in der Serie gebracht. Im englischen Original, das nach Möglichkeit zu bevorzugen ist, lebt „Game of Thrones“ eben auch von der Unterschiedlichkeit der Akzente und Dialekte, die den komplexen Weltenentwurf mit all seinen Gegensätzen und Abgrenzungen entscheidend unterstützen.

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Nur ein winziges Zahnrad einer schier unüberschaubaren Darstellermaschinerie: Sophie Turner als Sansa Stark.
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Die Schwächen der zweiten Staffel sind jedoch leider recht offenkundig. Als Verbindungsstück zwischen der dramatischen Etablierung aller Konflikte und erst noch kommenden kriegerischen Auseinandersetzungen (die im letzten Bild endlich auch entsprechend angekündigt werden) nimmt sie zwangsläufig eine Art Warteposition ein. Kaum verwunderlich daher, dass diese Season unterm Strich auf besondere Höhepunkte verzichten muss.

Die ständige Parallelstruktur der Erzählung verläuft hier dennoch mitunter allzu stromlinienförmig, deutlich konventioneller als noch im Vorjahr wird zwischen den minutengenau getakteten Schauplätzen hin- und hergewechselt. Dem Handlungsfluss ist das teils abträglich, zumal sich die zweite Staffel erstaunlich redselig gibt. Im Anfangsstadium des Krieges finden die Figuren zumindest ausreichend Zeit für allerlei Geschwätzigkeiten.

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Inhaltlich reicht die zweite Staffel zwar nicht ganz an die vorherige heran, optisch steht sie der ersten Season jedoch in nichts nach.
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Langweilig erscheint einem all das dauerhafte Laufen und Reden dennoch keine Minute, zu aufgeladen ist die Atmosphäre, zu erwartungsvoll der Blick auf bevorstehende Ereignisse. Es mag dieser Staffel an Gänsehautmomenten wie der ersten fehlen (die ihrem Publikum immerhin einen der dramatischsten Serientode aller Zeiten bescherte), an deren Biss und Bosheit, der Freude am Unfassbaren vielleicht – aber weit überdurchschnittliche Fernsehunterhaltung ist „Game of Thrones“ nach wie vor. Team Targaryen!