Es gibt auch ein Leben vor „Game of Thrones“. Sogar für George R.R. Martin. Sicher, seine Romane zum „Lied von Eis und Feuer“ gibt es schon viele Jahre, aber erst mit der Verfilmung durch HBO hat das Ganze sich zu einem weltweiten Phänomen entwickelt.

Der 1948 geborene Autor war schon ein erfolgreicher Schriftsteller, der in den 70er Jahren zahlreiche Romanen und Novellen veröffentlicht hatte, bevor er zum Fernsehen kam. Die Arbeit beim Fernsehen empfand er nicht als befriedigend, da seine Ideen immer groß waren, weswegen er seine Drehbücher mehrmals umschreiben musste, damit sie finanzierbar blieben.

So wandte er sich wieder den Romanen zu und begann in den frühen 90er Jahren mit der Arbeit an den „Game of Thrones“-Büchern. Sieben Bände sollen es werden, fünf sind bislang erschienen. Dabei gab es teils sehr lange Wartepausen, da Martin auch an anderen Geschichten arbeitet und Herausgeber der Superhelden/Alternativwelt-Reihe “Wild Cards” ist, in der verschiedene Autoren ihre Romane veröffentlichen.

George R.R. Martin - Die Film- und Fernsehwelten des George R.R. Martin

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George R.R. Martin - Ein viel beschäftigter Mann.
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Martin hat über die Jahre hinweg fürs Fernsehen gearbeitet. Manchmal schrieb er originäre Drehbücher, manchmal basierten Serien-Episoden auf seinen Vorlagen, und hin und wieder machte man sich sogar an eine filmische Adaption.

Das erste Drehbuch

Seinen Einstand im Fernsehgeschäft gab Martin 1984 mit der Episode „Melody – Zur Erinnerung“ („Remembering Melody“) aus der Horror-Anthologie „Hitchhiker“. Diese lief von 1983 bis 1991, war eine Art moderne „Twilight Zone“, aber deutlich günstiger, und brachte es auf sechs Staffeln.

Zumeist waren es Thriller-Geschichten, die hier erzählt wurden, mit einem mysteriösen Anhalter als Erzähler. Martin schrieb nicht das Drehbuch, dafür war Alvin Sapinsley zuständig, der eine Kurzgeschichte des Romanciers als Vorlage nahm.

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Im Mittelpunkt steht der egoistische Yuppie Ted Miller, der nach all den Jahren auf seine alte Flamme Melody trifft, die noch immer den Hippie-Idealen der 1960er anhängt. Ted lässt die arbeitslose und verzweifelte Melody bei sich übernachten, aber als sie erkennt, dass er seine jugendlichen Ideale für Gier, Erfolg und Materialismus aufgegeben hat, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Es ist eine gute Geschichte, die auf den Punkt bringt, wie eine ganze Generation ihre Ideale verraten hat, den Nonkonformismus hinter sich ließ und stattdessen zum Teil des Systems wurde.

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Unbekannte Dimensionen

Von 1985 bis 1989 wurde eine Neuauflage von Rod Serlings „Twilight Zone“ produziert. Daran beteiligt war auch George R.R. Martin, der gleich fünf Geschichten für die Serie verfasste. Den Anfang machte “Der letzte Ritter der Tafelrunde” („The Last Defender of Camelot“) aus der ersten Staffel.

Lancelot wird hier von Morgan LeFay zu einem Treffen mit Merlin gerufen, der plant, Camelot wiederherzustellen.

Kurioserweise ersann Martin die Geschichte nicht selbst, sie basiert auch nicht auf einer eigenen Vorlage, sondern auf einer Geschichte von Roger Zelazny. Als Morgan LeFay agiert Jenny Agutter („American Werewolf“)

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Dem Titel zum Trotz, der sich eigentlich auf Artus bezieht, hat “Ein falscher Gott” (“The Once and Future King”) nichts mit Camelot zu tun. Stattdessen ist der King hier Elvis Presley. Elvis-Imitator Gary Pitkin wird hier auf mysteriöse Weise zurück in Elvis‘ Zeit transportiert. Er trifft auf den 19-jährigen Elvis, der kurz davor steht, den Durchbruch zu haben, aber es kommt, wie es kommen muss – zum Kampf und der Stunde des Elvis-Imitators.

Es ist eine clevere Geschichte, die Martin hier erzählt, mit Jeff Yagher in der Doppelrolle von Elvis und seinem Doppelgänger.

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Unbekannte Dimensionen II

“Im Strom der Zeit” (“Lost and Found”) ist eine weitere Geschichte aus der zweiten Staffel. Sie basiert auf einer Kurzgeschichte von Phyllis Eisenstein, die Martin adaptiert hat. Es ist eine kurze, nur 20 Minuten lange Geschichte, in der die Studentin Jennifer Templeton herausfindet, warum all ihr Besitz nach und nach verschwindet. Wer dafür verantwortlich ist? Zwei Zeitreisende, die sie in ihrem Schrank findet.

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“Tobeys schlimme Wünsche” (“The Toys of Caliban”) erinnert im Originaltitel an das einsame Monster in Shakespeares “Der Sturm”. Es ist eine wirklich gruselige Geschichte, in der die Eltern Ernie und Mary Angst vor ihrem Sohn Tobey haben. Dieser hat die Fähigkeit, alles Wirklichkeit werden zu lassen, was er sich nur vorstellen kann, weswegen die Eltern versuchen, ihn vor allen Sinneseindrücken zu bewahren – mit zweifelhaftem Ergebnis.

Die Folge ist eine Variation – man könnte auch sagen: ein freies Remake – einer Episode aus der klassischen „Twilight Zone“: „Die lächelnde Stadt“ („It’s a Good Life“).

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Martins letzter Beitrag zur “Twilight Zone” war 1986 “Merkwürdiger Besuch” (“The Road Less Travelled”), in der Jeff McDowell, der sich der Vietnamkriegseinberufung entzogen hat, einen an den Rollstuhl gefesselten Mann sieht, der in seinem Haus unerwartet auftaucht, und ihm irgendwie bekannt vorkommt. Die Auflösung der Geschichte ist phantastisch und alles andere als bitter. Ein Besuch aus einer anderen Realität, der zeigt, dass man manchmal eben doch die richtige Entscheidung getroffen hat.

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Die Schöne und das Biest

Als Produzent und Autor war George R.R. Martin von 1987 bis 1990 an „Die Schöne und das Biest“ beteiligt. In der Zeit schrieb er 14 Folgen der Serie - keine schlechte Ausbeute bei insgesamt nur 56 Episoden.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der sanftmütige Löwenmensch Vincent und die Staatsanwältin Catherine Chandler. Beide lernen sich kennen und lieben, auch wenn ihnen bewusst ist, dass sie körperlich nie zusammen sein können. Aber das Band zwischen ihnen ist stärker als jede Äußerlichkeit. In den schönsten Momenten der Serie lasen sie sich gegenseitig Gedichte vor. Eine grandiose Rolle für Ron Perlman, der mit weicher Stimme brillierte. Noch schöner ist jedoch die deutsche Stimme des Löwenmenschen.

Tilo Schmitz lieh seine Stimme dem Schauspieler und sorgte dafür, dass „Die Schöne und das Biest“ eines der wenigen Beispiele ist, wo eine Synchronisation dem Original ebenbürtig ist, es zum Teil sogar übertrifft.

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Na, kennt ihr diese Serie noch?
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Anders als im Märchen und den zahlreichen Filmen verwandelt sich Vincent nicht in einen schönen Schwan, nachdem er Catherines Liebe gewinnt. Vielmehr ist es seine innere Schönheit, die in der Serie immer wieder zum Tragen kommt.

Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Ron Perlman und Linda Hamilton ist großartig. Sie sind das Zentrum einer der schönsten Liebesgeschichten der 80er Jahre.

Die Serie startete 1987 mit ordentlichen, aber nicht überragenden Quoten. Darum wollte der Sender die Show auch nach der zweiten Staffel absetzen, aber Fans machten sich mit einer Petition stark, um CBS umzustimmen. So wurde noch eine dritte Staffel produziert, die aber gewaltige Veränderungen mit brachte. Denn Linda Hamilton wollte aussteigen und so starb Catherine. Eine neue Schöne musste für Vincent gefunden werden - in der Polizei-Profilerin Jo Anderson, die von Dianna Bennett dargestellt wird. Nach dieser kürzeren dritten Staffel war jedoch Schluss.

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Ein Fernsehfilm

Im Jahr 1993 wurde „Die 4. Dimension“ („Doorways“) im US-Fernsehen ausgestrahlt. Eigentlich war das Ganze als Fernsehserie gedacht, aber über den Pilotfilm kam man nicht hinaus. George R.R. Martin verfasste selbst das Drehbuch.

Cat ist ein Flüchtling von einer parallelen Erde, die von Außerirdischen beherrscht wird. Sie landet auf unserer Erde, wird bei einem Unfall verletzt und wacht im Krankenhaus auf, wo sich der Arzt Thomas um sie kümmert. Am nächsten Tag ist sie verschwunden, ebenso wie alle Akten. Wie sich herausstellt, ist Cat der Mittelpunkt einer FBI-Untersuchung, da sie seltsame Artefakte bei sich trug.

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Ein kleiner, seltener Schatz, den nicht viele ihr Eigen nennen können.
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Thomas hilft der Frau, die von Häschern der Dark Lords verfolgt wird. Es gibt Torwege zu parallelen Welten. Zu diesen fliehen die zwei, immer verfolgt von den Lakaien der Dark Lords. Noch dazu landen sie in Welten, ganz anders als die eigene sein können.

Wem das Konzept bekannt vorkommt: Zwei Jahre später war „Sliders“ recht erfolgreich (und führte später auch eine Erde ein, auf der die Kromaggs über die Menschen herrschen und andere parallele Erden erobern wollen).

Die Besetzung des Films ist ganz gut, auch wenn die Beteiligten damals noch weitgehend unbekannt waren: Robert Knepper („Prison Break“), Carrie-Anne Moss („Matrix“), Kurtwood Smith („Die wilden 70er“) und Max Grodenchik (Rom in „Star Trek: Deep Space Nine“).

Später wurde aus dem Stoff übrigens eine Graphic Novel gemacht, die bislang nicht in deutscher Sprache vorliegt.

Von der Twilight Zone zu den Outer Limits

1995 wurde die klassische Serie „Outer Limits“ wiederbelebt, die schon in den 1960er Jahren als Konkurrenz zur „Twilight Zone“ lief. Die Show brachte es auf sieben Staffeln, den Auftakt machte „Die Sandkönige“ („Sandkings“), ein 90-minütiger Pilotfilm, der auf einer Vorlage von George R.R. Martin basiert. Das Drehbuch wurde von Melinda Snodgrass geschrieben, die an Martins „Wild Cards“-Romanreihe mitgearbeitet hat.

Erzählt wird, wie der Wissenschaftler Simon Kress, dargestellt von Beau Bridges, einige Kreaturen aus dem Labor mitnimmt, nachdem die finanziellen Mittel für seine Forschung gestrichen wurden. Er erschafft in seiner Scheune die natürliche Umgebung der Kreaturen, der Sandkönige, neu: Sie ist wie auf dem Planeten Mars. Aber er ahnt nicht, dass die Kreaturen wachsen und lernen und schon bald eine immense Gefahr darstellen.

Ein paar Jahre später gab es dann noch „Die letzte Instanz“ („Final Appeal“), allerdings ist hier nichts Neues zu sehen. In der Episode sind Auszüge aus älteren Folgen, darunter auch „Die Sandkönige“, geboten.

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Martin im Kino

George R.R. Martin war nicht nur im Fernsehen aktiv, bis praktisch jetzt ließ ihn das Kino aber weitestgehend links liegen. Nur 1987 wurde einer seiner Romane verfilmt: „Nightflyer“. Es geht um einen Professor, der mit einer Crew und einem Raumschiff aufbricht, um seltsamen Signalen tief im Weltenraum nachzugehen. Der Trip gerät jedoch kürzer als gedacht, als der Schiffscomputer auf den Captain eifersüchtig wird, weil dieser sich in eine der Passagierinnen verliebt hat. Was macht ein durchgeknallter Computer? Er mordet.

Der Film ist mit Catherine Mary Stewart („Der Komet“), Michael Praed („Robin Hood“), Lisa Blount („Die Fürsten der Dunkelheit“) und Michael des Barres („MacGyver“) besetzt, aber nichts Besonderes. Verrückte Computer und Spukhausatmosphäre im Weltraum – das ist alles nicht neu.

In Vorproduktion befindet sich „The Skin Trade“ nach einer Romanvorlage von Martin. Die Werwolf-Geschichte wurde schon Ende der 1980er Jahre publiziert, das Interesse an einer filmischen Umsetzung ist aber natürlich durch „Game of Thrones“ gegeben.

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Menschen werden angegriffen und ermordet. Die Leichen haben keine Haut mehr. Zwischen den Tatorten und Randi Wades Vater, der vor knapp 20 Jahren ermordet wurde, besteht eine Verbindung. Aber der Polizeichef, einst der beste Freund ihres Vaters, drängt sie, den Fall ruhen zu lassen. Aber sie kann es nicht und findet heraus, dass es Werwölfe wirklich gibt. Und dass diese bereit sind, alles zu tun, um ihr Geheimnis zu schützen.

Gearbeitet wird zudem auch an „Wild Cards“, ein Science-Fiction- und Superhelden-Universum, an dem mehrere Autoren beteiligt sind, aber Martin und Melinda Snodgrass fungierten als Herausgeber. Es ist eine Anthologie mit verschiedenen Geschichten. Daraus soll nun ein Film entstehen, der von Universal produziert wird. Mehr als das ist allerdings noch nicht bekannt.

Dafür gibt es ja noch reihenweise andere Romane von George R.R. Martin, die ihrer filmischen Umsetzung harren. Dass sie peu a peu kommen werden, ist wohl so sicher wie das Amen in der Kirche.