Wie sieht wohl das Ende von Game of Thrones aus? Alle müssen sterben, niemand wird verschont! Das ist wohl die Faustregel in einer TV-Serie, die genauso gut „Tod und Verderben“ oder „Another one bites the dust“ heißen könnte, und damit näher an der Wahrheit läge als der tatsächliche Titel Game of Thrones, Spiel um den Thron. Denn mal ehrlich: um das eher unbequeme Königs-Mobiliar wurde in den vier bisher abgedrehten Staffeln von „Game of Thrones“ wenig gekämpft. Ein zusammenfassender Rückblick lässt vermuten, dass auch in Zukunft wenig dergleichen passieren wird. Was man daraus für das Ende von Game of Thrones sagen kann? Mal sehen...!

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Wie wird Game of Thrones wohl enden?

Als jemand, der noch keine einzige Zeile der Romanvorlage „Ein Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin gelesen hat, laufe ich höchste Gefahr, der Blasphemie überführt zu werden. Ich höre Fans schon jetzt poltern: Wie in alle Welt will Herr von und zu Brown alle Fäden ziehen, wenn er nur die gekürzte TV-Serie kennt? Was ist mit all den Figuren, die dort gar nicht erwähnt werden? Was ist mit den Monologen und blumig perspektivischen Beschreibungen der erzählenden Hauptdarsteller?

Game of Thrones - Rückblick und Aussichten: Wie sieht das Ende von Game of Thrones aus?

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Großmeister George R. R. Martin.
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Meine Antwort: Das ist alles irrelevant, denn nach den vier bislang fertigen Staffeln liegt essenzieller Teil des Ausgangs der Geschichte meines Erachtens auf der Hand. Ich kann über die literarischen Talente des Herrn Martin nichts sagen, vor allem wenn es um seinen Schreibstil geht. Aber eines weiß ich (ausgedehnter Recherche in diversen Foren sei dank) genau: Er ist nicht halb so ausgebufft wie viele im zuschreiben. Trotzdem gehört Game of Thrones zum Besten, was die TV-Landschaft zur Zeit zu bieten hat und ich hänge Mal um Mal gebannt vor der Flimmerkiste. Ich liebe die Serie, wenn auch aus anderen Gründen als einige Fans aus meinem Bekanntenkreis.

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Meiner persönlichen Motivation dafür auf den Grund zu gehen und gleichzeitig eine sinnvolle Zusammenfassung der Geschehnisse zu liefern, ist ohne Spoiler nur sehr schwer möglich, darum verzeiht mir, wenn ich das ein oder andere Detail ausplappere, um das ich für eine Analyse nicht umhinkomme. Eine Nacherzählung findet ihr hier sowieso nicht (die würde alleine drei Seiten füllen). Dennoch: Solltet ihr nicht einmal das Ende von Staffel drei gesehen haben, dann hebt euch diese Lektüre eventuell lieber für einen späteren Zeitpunkt auf.

Westeros, Kontinent der Weltlichkeiten

Das Wichtigste vorweg: Game of Thrones scheint Fantastisches aufzutischen, gehört aber nicht dem Fantasy-Genre an! Ganz im Gegenteil, denn der Kontinent Westeros lebt von seinen „weltlichen“ Zusammenhängen. Hier dauern Sommer und Winter mehrere Jahre an, was an den Konsequenzen nichts ändert. Ein Wall aus Eis trennt die wilden Völker des Nordens vom vermeintlich zivilisierten Süden des Kontinents, was aber nicht mehr Sinn hat, als die stärksten Parteien der Handlung möglichst lange voneinander zu trennen. Drachen, Riesen und magisch begabte Menschen füllen seine Landstriche, haben aber die meiste Zeit rein gar nichts zu melden.

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Was wissen wir schon über das Volk der Riesen?
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Das muss man gar nicht negativ sehen, aber das Ablegen der Fantasy-Fassade hilft beim Durchschauen der Geschichte. Und mal ehrlich, viel geht dabei auch nicht verloren. Abseits der menschlichen Völker erhält keine Rasse genug Aufmerksamkeit, um auch nur den Hauch eines Profils zu hinterlassen. Riesen? Sind halt groß und stark. Drachen? Gefährlich!

Aber bisweilen nicht halb so furchteinflößend wie ein Justin-Bieber-Verschnitt mit sadistischer Ader und Narrenfreiheit. Magie und seherische Fähigkeiten kommen nur dann zum Zuge, wenn Herrn Martin keine andere Lösung mehr einfällt und werden nie erforscht. Quasi als ob jeder, der damit zu tun hat, der erste seiner Laufbahn wäre. Selbst Erzählungen und sterbliche Überreste von früheren Drachen, sowie ihr Einfluss auf den geschichtlichen Hintergrund von Westeros, streut der Autor so dünn und beliebig, dass man keinerlei Historie oder logischen Zusammenhang stricken kann.

Das Fantasy-Genre lebt davon, Fabelwesen und Unerklärliches in einen Kontext zu setzen, ja deren Erscheinung natürlich wirken zu lassen, und genau das schafft Game of Thrones nicht eine Sekunde lang, weil die Handlung darauf baut, mehrere fremde Kulturen unvorbereitet aufeinandertreffen zu lassen. Wie viel davon in den Büchern aufgedröselt wird, spielt überhaupt keine Rolle, denn was ohne Konsequenz für die Handlung bleibt, dient höchstens der Stimmung...

Ganz im Gegensatz zum Genre-Primus „Herr der Ringe“, in dem selbst beiläufig erwähnte Anekdoten einen tieferen Sinn haben oder eigenständige Geschichten darstellen, welche die Wurzeln einer Kultur verständlicher machen. Es gibt Ausnahmen wie die Riesenspinne Kankra, die lediglich ein Hindernis auf dem Weg zum Schicksalsberg sein soll, oder die Steinriesen am Nebelgebirge.

Dennoch bergen die meisten Fabelwesen in Tolkiens Erzählung einen tieferen Sinn – und sei es nur auf Metaebene. Kurzum: Game of Thrones gehört eher in das Genre der fiktionalen Historien-Erzählung als zur Fantasy-Gattung. Gewissermaßen vergleichbar mit der aufgeblähten Arthus-Sage. Hier wird eindeutig von Menschen erzählt, und nicht von Orks und Elben. Warge, dreiäugige Raben, Riesen und Drachen sind Werkzeuge, mehr nicht.

Der Troll unter den Autoren

Nun, da wir das Fantasy-Setting außen vor lassen, kann ich endlich das hervorheben, was George Martin wirklich ausgezeichnet kann. Er ist ein Meister des roten Herings. Genau wie sein Fantasy-Setting dient das Konstrukt der Familienfehden der Augenwischerei. Es gibt nur eine einzige Figur, die seine Geschichte trägt, und das tut sie sogar so hervorragend, dass sie nicht unter den Lebenden wandeln muss. Gemeint ist Eddard Stark aus Winterfell, gespielt von Sean Bean.

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Der Held der Geschichte?
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Während der ganzen ersten Staffel wird er uns als Sympathieträger mit kleinen Macken aufgetischt. Der harte, aber gerechte, vermeintlich rechtschaffend besonnene Familienvater, der widerwillig das Amt als Hand des Königs annimmt, um seinem Freund zu helfen. Es ist die Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt, die den Zuschauer viele weitere Staffeln am Ball hält. Die Hoffnung, dass zumindest ein Vertreter aus der Familie der Starks überlebt und am Ende über alle intriganten Fädenzieher triumphiert. Wobei lobend zu erwähnen wäre dass auch Eddard Stark kein Saubermann ist, betrügt er doch seine Frau im Krieg und seinen Freund auf dem Sterbebett, in der Annahme, er täte ihm einen Gefallen.

Betrug bleibt Betrug und Dummheit bleibt Dummheit. Königin Sersei über seinen „Dienst“ am König aufzuklären, ist an Naivität nicht zu übertreffen. Selbst wenn man von freundschaftlichen Absichten und einem guten Herzen ausgeht, so ist doch die Gier nach Macht kein neues Phänomen. Hier tut George Martin so, als wären seine Motive nie dagewesen, als gäbe es Westeros erst wenige Jahrzehnte oder als seien sämtliche Bewohner des Landes von einer magischen Amnesie befallen. Was hilft dem Oberhaupt der Starks bitteschön so ein lausiges Stück Papier wie das im letzten Augenblick verfasste Testament des Königs?

Darum ist es nicht nur gerecht, sondern gewissermaßen auch hervorragend eingeleitet, wie und warum Eddard Stark zu Tode kommt. Denn Herr Martin ist nicht dumm. Allein, dass viele Zuschauer den verhassten Kindskönig Joffrey dafür verantwortlich machen, ja sogar all ihre Missgunst auf den blonden Satansbraten projizieren, ist eigentlich lächerlich. Sie und auch ich, wir sind allesamt in George Martins wunderbar platzierte Trittfalle der emotionalen Verbundenheit hinein getappt und schleppen sie seit nunmehr vier Staffeln mit Inbrunst am Bein, weil wir tatsächlich meinen, es wäre humaner, Ned als Verdammten zur Wache an den Wall zu schicken. Als ob damit irgendwem gedient wäre.

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Eindeutig nicht der beliebteste Charakter im GoT-Universum.
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Martin spielt mit den modernen moralischen Hoffnungen des Zuschauers und nutzt sie gnadenlos aus. Ich schließe mich ausdrücklich mit ein. Natürlich hasse ich Joffrey. Nur darf man nicht vergessen, dass er für keinen anderen Zweck in seiner Position als ekliger Kindskönig positioniert wurde. Er ist eine ganze Weile in der Geschichte der „J.R. Ewing“ der Saga.

Trotzdem: George Martin ist ein Troll aber kein Sadist. Ihm wird selbst in Fankreisen gern angedichtet, er ergötze sich daran, Figuren liebenswert zu machen und sie dann genüsslich abzuschlachten. Ist aber nur die halbe Wahrheit, wenn ihr mich fragt. Erstens gibt es ohne Leid kein Drama und zweitens muss er sein verschachteltes Mikrouniversum Schicht für Schicht abbauen um das große Finale vorzubereiten. Ein Prozess, der viel Feingefühl benötigt, wenn er nicht auffallen soll, darum geht Herr Martin sozusagen in die Nahaufnahme und gewährt seinem Publikum nur selten einen klärenden Blick auf die Gesamtlage.

Stichwort Red Wedding. Eine dramatische, grausame Episode, die in der TV-Adaption noch derber dargestellt wird als in der literarischen Vorlage, weil dem Publikum suggeriert wird, Talisa Stark sei schwanger. Wie die Zuschauer vor lauter Schock ausflippen, kann man prima auf Youtube verfolgen. Spoiler Spoiler! Aber mal im Ernst: Dass Walder Frey kein Heiliger ist, sollte doch schon lange zuvor klargestellt worden sein.

Figuren auf dem Schachbrett

Nehmen wir die Grausamkeit des Ereignisses aus dem Spektrum, so passiert nur das, was schon eine ganze Staffel vorher angedeutet wurde, nämlich dass Walder Frey sich nicht gerne an der Nase herumführen lässt und Vergeltung sucht. Eigentlich wäre es für die Handlung unnötig gewesen, Tywin Lannister als Strippenzieher einzubinden, was ein klares Indiz für George Martins Erzählschema darstellt. Unterm Strich geht es um die Eliminierung unnötiger Figuren und die Klärung der Fronten, von denen es trotz Zersplitterung nur zwei gibt, nämlich der Norden gegen den Süden und Westeros gegen den zweiten Kontinent Essos. Die Ablenkung von diesem relativ einfachen Konstrukt geschieht anhand des Stark-Stammbaums, der am genauesten beleuchtet wird.

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Der Strippenzieher im Hintergrund.
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Aus keinem anderen Grund wurde uns der frivole Theon Graufreud als Quasi-Familienmitglied der Starks vorgestellt und John Schnee als uneheliches Kind etabliert. Letzterer hat im „Spiel der Throne“ kaum eine Chance ihn rechtlich wirksam zu besteigen, und bleibt dennoch als möglicher Familienrächer im engeren Kreis der wichtigsten Figuren. Zumindest bis er entbehrlich wird.

Entbehrlich sind eine ganze Menge Figuren im Lied aus Eis und Feuer. Eigentlich sogar die komplette Familie Lannister inklusive des beliebten Kleinwüchsigen Tyrion. Ich möchte nicht unverschämt klingen, aber auf der Seite der „Bösen“befinden sich so viele Wendehälse, dass es im Grunde egal ist, wer gerade die Krone trägt.

Margaery Tyrell samt Großmutter zum Beispiel. Hinter dem lieblichen Gesicht mit dem süßen Überbiss steckt eine sehr berechnende und anpassungsfähige Frau. Sie nimmt immer wieder die Rolle der passiven Lückenfüllerin ein und erreicht doch genau das, was sie will.

Meine Güte, sie hat Joffrey freiwillig geheiratet und ihn beim Volk beliebter gemacht! Sagt das nicht schon alles?

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Die Tyrells sollte man nicht unterschätzen.
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Und wie steht es mit dem Eunuchen Varys, der angeblich nur das Wohle des Reiches im Sinne hat, aber immer genau zu wissen scheint, in wessen Hälfte der Ball gerade liegt? Petyr Baelish, seines Zeichens schleimigste Schlange in ganz Westeros, schlägt sie alle. Ich wäre ja verführt, hier noch mehr zu spoilern, aber das würde am Sinn dieser Zusammenfassung vorbeigehen.

Das Spiel um den Thron soll Zeit schinden. Wer gerade auf ihm sitzt, ist unerheblich, weil vor lauter Zankerei niemand in Königsmund die beiden einzig wahren Bedrohungen ernst nimmt. Nämlich die zombiehaften Weißen Wanderer aus dem eisigen Norden jenseits des Walls, und die drei Drachen von Daeneris Targaryen im entfernten Essos.

Der Versuch einer Prognose

Zählen wir doch einfach mal zwei und zwei zusammen und spielen ein wenig „Stein, Papier, Schere, Echse, Spock“. Der Süden von Westeros reibt den Norden im Krieg der fünf Könige komplett auf, schwächt dabei aber auch die eigenen Reserven. Nun kommen die wilden Völker aus dem Norden nach Süden geströmt und wischen den Rest auf.

Inzwischen wandern die Weißen Wanderer gemütlich hinterher. Merke: Weiße Wanderer können nur durch Feuer dauerhaft vernichtet werden, und die Flucht der Wilden suggeriert, dass es für normale Menschen, ja selbst für starke Riesen kein flächendeckendes Gegenmittel gibt. Die Schneezombies sind zu zäh, und man kann nicht mit ihnen verhandeln. Somit hat der Süden gar keine Chance, gegen die Weißen Wanderer zu bestehen.

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Mit Leichen kann man wohl kaum verhandeln.
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Nun bringt Daeneris Targaryen von Essos aus drei hochgewachsene Drachen mit, deren Spezialität das Feuerspeien ist. Na sowas! Drachen schlagen Eiszombies. Schon früh wurde angedeutet, dass mindestens ein Drache aus der Reihe tanzt, wobei die gigantischen Feuerechsen generell als schwer kontrollierbar gelten. Hier kommt Bran Stark ins Spiel, der nicht nur das Dritte Auge hat, sondern als Warg zusätzlich die Gabe der geistigen Kontrolle besitzt. Er wird derjenige sein, der die Drachen unter Kontrolle bringt. Als angehöriger der Stark-Familie hat er dabei große Chancen, als letzter auf dem Thron zu sitzen, weil es die meiste Genugtuung im Rahmen des Handlungsbogens offeriert.

Kultur eines Paralleluniversums

Klingt zu einfach? Nun, vielleicht lässt sich George Martin ja etwas besonderes einfallen, um den Weg zum Finale noch weiter zu verschnörkeln. Viel wichtiger als das Ziel des Handlungsstrangs ist sowieso die Art und Weise, in der die Ereignisse stattfinden. Was übrigens einer der Hauptgründe ist, warum ich Game of Thrones schaue. Ich lasse mich von Martin gerne trollen.

Diese Serie hat den gleichen Reiz wie das alte „Dallas“ aus den Achtzigerjahren. Eine explosive Mischung aus Schicksalsschlägen, Macht und Sex erinnert uns wöchentlich an die menschliche Natur. An das, was viele von uns gerne auskosten und erleben würden.

Etwa an den Umgang mit Körperlichkeit. In unserer realen Welt hat die Bigotterie der Religionen jeglichen offenen Umgang mit Sexualität tabuisiert. Den Rest erledigt die „Mode-Scham“, der ach so freien westlichen Welt, basierend auf ungesundem Perfektionismus, Werbe-Empfänglichkeit und Spießertum aus Selbstschutz. Alles Dinge, die es in Westeros nicht gibt. Dementsprechend locker sieht man den Umgang miteinander.

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Welche Überraschungen hat der gute George noch auf Lager?
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Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Etwa, dass Sexualität in der mittelalterlich anmutenden Gesellschaft oft als Dienstleistung wahrgenommen wird. Figuren schlafen nur selten aus Liebe und Leidenschaft miteinander, und selbst wenn, dann schwebt oft ein ungesundes Verhältnis mit, etwa Inzest oder Zwang aufgrund familiärer Erwartungen. Die Kultur dieses Paralleluniversums ist keineswegs frei von Problemen, aber im Vergleich mit der unseren so weit verschoben, dass wir die Kontraste besonders gut wahrnehmen.

Darum schreckt auch so mancher verklemmte Zuschauer bei den Sexszenen auf. Die Figuren in Game of Thrones schlafen eben nicht einfach nur miteinander, nein sie vögeln und ficken, fallen übereinander her. Und sie haben keine Scheu, das Kind beim Namen zu nennen. Es ist also nicht der Sex an sich, der so „aufregend“ ist, sondern die Vorstellung, dass Wollust als gesellschaftliches Phänomen abseits von erloschenen Lichtern und verschlossenen Türen existiert. George Martin hilft uns bei der Selbsterkenntnis.

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Also an Sex mangelt es der Serie sicherlich nicht.
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Es kommt nicht von ungefähr, dass der Kleinwüchsige Tyrion die allermeisten gesellschaftlichen Bezüge aufdeckt. In dieser Ansammlung aus stereotypen Charakterbildern ist er der einzige halbwegs Normale. Einer, der sich schon immer mit seinen Schwächen auseinandersetzen musste und lernte, Rückschläge zu akzeptieren. Der Einzige, der sich traute, Joffrey die Meinung zu geigen. Feige auf dem Schlachtfeld und doch mutig genug, um Verantwortung zu übernehmen. Zynisch, eloquent bissig und doch romantisch und verletzlich. Tyrion ist menschlicher ja gewissermaßen vernünftiger als jede andere Figur im Game of Thrones. Und genau deswegen kann man sich so gut mit ihm identifizieren.

Er ist der „Han Solo“ der Saga. Zwielichtig, kritisch, zwischen den Fronten gefangen. Und er wird für das Publikum als Anlaufpunkt im „bösen“ Haus der Lannisters und Baratheons benötigt. Gäbe es ihn nicht, wären wir wahrscheinlich nur halb so sehr an den Abläufen in Königsmund interessiert. Wenn wir dort um das Schicksal fürchten, dann am allermeisten um seins.

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Für die Aufmerksamkeit belohnt werden wir durch die Aufschlüsselung gesellschaftlicher Normen anhand seines Blickwinkels. Recht und Rechtsprechung (sogar gleich zweimal im Verlauf der Handlung) , Sexualität und Liebe, Familienwerte, Ehre, Umgang mit Behinderung und so weiter. Tyrion ist der Schlüssel zum Mikrokosmos der Handlung. Darum sind seine Chancen für's Überleben bis zum Schluss der Saga hoch, auch wenn er für das große Finale kaum Potenzial mitbringt. Womöglich wird er ein paar Folgen davor einfach an irgend etwas Belanglosem abkratzen.

Veregeltungsdurst

Game of Thrones hat eine Basismotivation, die sich im Laufe der Zeit wandelt. Es geht in aller erster Linie um Befriedigung. Wer aufmerksam zuschaut, wird feststellen, dass Ereignisse auf Seiten der Sympathieträger und deren Widersacher unterschiedlich hohe Befriedigung beim Publikum mitbringt.

Es geht um ein einseitiges Gefälle. Tod und Verderben auf Seiten der Starks ist erheblich befriedigender als ein Ableben bei den Lannisters und Baratheons, obwohl man mit ihnen leidet und sich keineswegs freut. Nicht, weil das in der Natur der Sache läge, sondern weil Martin das so einfädelt. Immerhin sterben Starks meist durch den direkten Einfluss aus dem Königshaus, während Lannisters sich die eigene Familie auf den Hals hetzen. Ein Stark darf sich also niemals an einem Lannister rächen. Andernfalls wäre womöglich schon genug Befriedigung erlangt, sodass manche Zuschauer reuelos von der Serie ablassen könnten. Selbst Arya Starks Todesliste ist nur ein Placebo, gefüllt mit Figuren der dritten Reihe und Unerreichbaren.

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Wird dieser Unschuldsengel wirklich noch so viele Leute töten?
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Das künstliche Gefälle wird wahrscheinlich bis kurz vor dem Finale aufrecht erhalten, um den Vergeltungsdurst des Zuschauers anwachsen zu lassen. Allerdings läuft der Autor inzwischen Gefahr, frühe Motive aus den Augen zu verlieren. Schon jetzt scheint die Angst vor dem ach so üblen Winter beinahe vergessen. Wie oft wurde er inzwischen als anstehendes Desaster angekündigt? Drei, viermal? Wie viele Monate hätten die Verantwortlichen inzwischen Zeit gehabt, ihre Vorräte aufzustocken, um dem Elend der Kälte Paroli zu bieten? Unzählige!

Wie viel Groll wird noch in der roten Hochzeit liegen, wenn die Weißen-Wanderer-Eiszombies in den sonnigen Süden von Westeros wandern? Welche Rolle kann die Verstümmelung von Theon „Stinker“ Graufreud im Gesamtkontext haben? Das Lied aus Eis und Feuer besteht aus so vielen verschiedenen Strophen, dass die Details zu verschwimmen drohen. Das sind Momentaufnahmen, die schon jetzt langsam verblassen, obwohl sie nur eine Staffel zurückliegen.

Martins Zerstreuungs- Strategie zieht manchmal zu weite Kreise und beschäftigt sich mit Figuren, die wenig Erzählwert besitzen. Darunter Samwell Tarly, der Weichkeks unter den Verteidigern der Nachtwache, der sich offenbar nicht bewusst ist, in welcher besch... eidenen Lage er sich befindet, sonst hätte er wohl kaum Interesse an einer leicht dämlichen Inzucht-Tochter samt eigenem Balg. Hoffentlich verrennt sich Martin nicht im Labyrinth seiner eigenen Figuren.

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Schafft er es, seine Konstruktion in anhaltendem Niveau fortzusetzen, stehen uns noch einige spannende Staffeln mit außergewöhnlich hohem Produktionswert ins Haus. Wenn nämlich eines besonders viel Spaß macht, dann ist es das Anhalten der Blu-Ray zum Begaffen der irre detailreichen Kulissen. Für die absolute Glaubhaftigkeit fehlt mir eigentlich nur noch Dental Make-Up für verrottete Zähne. Für die angedeuteten Hygieneverhältnisse blitzen die Beißerchen der Hauptfiguren viel zu blank. Ansonsten war wohl keine TV-Produktion jemals dermaßen verschwenderisch und detailversessen. Da schaut man gerne hin, nicht nur wegen der vielen stilvoll gefilmten nackten Haut.