Ein halbes Jahrhundert ist es her, seit Doctor Who sein erstes Abenteuer erlebte. Während sich die Show in Großbritannien zum immensen Hit entwickelte, ist die klassische Inkarnation hierzulande kaum bekannt. Lediglich Folgen mit dem letzten Doktor der klassischen Ära, dem aus „Der Hobbit“ bekannten Sylvester McCoy, gab es früher mal bei RTL zu sehen.

50 Jahre Doctor Who

Im Vereinten Königreich lief die Show von 1963 bis 1989 ununterbrochen und brachte es auf mehr als 700 Folgen, mehrere Specials und Spin-offs. Der Großteil der Episoden hatte eine Laufzeit von 25 Minuten, dabei wurden jedoch immer gleich größere Geschichten erzählt, die sich über mehrere Episoden hinzogen.

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Der erste Doktor war William Hartnell, der die Rolle von 1963 bis 1966 spielte. Danach stieg er aus, was eine Umbesetzung notwendig machte. Doch damit zeigte sich erst die geniale Stärke des Formats, denn hier schlüpfte nicht einfach nur ein anderer Schauspieler in eine bekannte Rolle.

Vielmehr veränderte sich der Doktor selbst, regenerierte seinen Körper und hatte plötzlich ein gänzlich anderes Aussehen. Nach diesem Muster konnte die Serie ewig leben (und tat es ja auch fast).

Der Doktor ist ein Time Lord vom Planeten Gallifrey, der mit der TARDIS durch Raum und Zeit reist. Ein besonderes Faible hat er für die Erde, wo er in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zahlreiche Abenteuer erlebt. Dabei nimmt er Begleiter mit, da er all diese Abenteuer nicht alleine erleben will.

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Im Verlauf der Fernsehserie erschien der Doktor immer wieder in verschiedener Form. Dem ersten Doktor William Hartnell folgten Patrick Troughton (1966–1969), Jon Pertwee (1970–1974), Tom Baker (1974–1981), Peter Davison (1981–1984), Colin Baker (1984–1986) und Sylvester McCoy (1987–1989). Der achte Doktor Paul McGann erschien nur in einem Fernsehfilm aus dem Jahr 1996, der zwar als Pilotfilm für eine Serie gedacht war, aber nicht genügend Quote einfuhr, um diese Wirklichkeit werden zu lassen.

In den 60er Jahren gab es übrigens auch noch zwei „Doctor Who“-Kinofilme, die von Studio Amicus produziert wurden: „Doctor Who and the Daleks“ (1965) und „Daleks‘ Invasion Earth: 2150 AD“ (1966). In ihnen spielte Peter Cushing den Doktor, aber da diese Filme im Endeffekt nur aufgemotzte Nacherzählungen altbekannter Geschichten waren, zählt man Cushing auch nicht zur Riege der Doktoren bzw. die Filme nicht zum Kanon der Serie.

Übrigens existieren nicht mehr alle Folgen der Serie, besonders viele mit den ersten drei Doktoren sind dem Zahn der Zeit und dem lausigen Archiv der BBC zum Opfer gefallen. Ein paar konnten anhand ausländischer Quellen oder durch Privatsammler wieder rekonstruiert werden, doch viele bleiben verschollen.

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Die Rückkehr

Lange Zeit wollte man einen Kinofilm zu „Doctor Who“ machen, weswegen Bemühungen, die Serie wiederzubeleben, scheiterten. Erst 2003 wurde die Entscheidung getroffen, das Kinoprojekt zugunsten einer Serie aufzugeben. Als Showrunner fungierte Russell T. Davies, der keinen Reboot wollte, sondern vorhatte, an die klassische Serie anzuschließen.

Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, wobei die Wunschliste möglicher Kandidaten für den Doktor recht kurz war. Davies wollte gerne Christopher Eccleston, dachte jedoch, dass dieser ohnehin kein Interesse an einer Fernsehrolle haben würde. Doch Eccleston hatte, auch wenn er schon im Vorfeld erklärte, dass er nur für die erste Staffel zur Verfügung stehen würde. Dank der Regenerationsfähigkeiten des Doktors war das jedoch kein Problem.

Die erste Staffel debütierte im März 2005 und entwickelte sich vom Fleck weg zum Erfolg. 16 Jahre nach dem Ende der ersten Serie war der Doktor wieder da – und das aufwendiger als je zuvor. Denn in Sachen Effekttechnik hatte sich viel getan, so dass die Serie mit internationalen Formaten mithalten kann. Das typische britische Flair wurde dafür aber nicht geopfert. Der Humor, die schrägen Ideen, die surrealen Designs – „Doctor Who“ ist einfach einzigartig.

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In der ersten Staffel wird der Zuschauer an die Serie herangeführt. Davies wollte nicht nur Altfans vor den Fernseher locken. Darum hielt er sich mit Anspielungen auf die alte Serie auch zurück, da er der Meinung war, dass „Doctor Who“ ein neues Publikum finden muss. Damit fuhr er genau richtig.

Als neue Begleiterin stellte man dem Doktor die 19-jährige Rose Tyler zur Seite (gespielt von der damals 23-jährigen Billie Piper), die durch Zufall auf ihn trifft, als lebendes Plastik Welteroberungspläne hegt. Am Ende bietet er ihr an, mit ihm durch Raum und Zeit zu reisen, wofür sie sogar ihren Freund Mickey, dargestellt von Noel Clarke, stehen lässt.

Im Verlauf der Staffel erleben der Doktor und Rose das Ende der Welt mit, müssen in London gegen Aliens kämpfen, die sich in Regierungsmitgliedern eingenistet haben, und treffen auf den letzten Dalek, der noch übrig ist. Der Doktor ist überrascht, dass dieser nicht im gigantischen Zeitkrieg, in dem auch sein Volk, die Time Lords, das Leben ließ, gestorben ist. Doch es wartet noch eine weit größere Überraschung auf ihn, denn im großen, zweiteiligen Staffelfinale begegnet er einer ganzen Armee von Daleks, die vom wahnsinnig gewordenen Imperator, der sich selbst als Gott sieht, erschaffen worden sind.

Bei diesem Abenteuer ist dann auch schon Captain Jack Harkness dabei. John Barrowman debütierte in der neunten Folge, in der der Doktor und Rose ins London des Jahres 1941 kommen. Jack ist ein ehemaliger Zeitagent, der nun freischaffend tätig ist und versucht, den Doktor übers Ohr zu hauen, dann aber seine gute Seite entdeckt. Im Staffelfinale wird aus ihm der Captain Jack, den man aus „Torchwood“ kennt: der Unsterbliche.

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Der zehnte Doktor

Frühzeitig musste nach einem neuen Doktor gesucht werden. Der richtige Kandidat fand sich schließlich in David Tennant („Fright Night“), der die Rolle über drei Staffeln hinweg spielen sollte. Von den modernen Doktoren ist er bislang zweifelsohne der Beliebteste, was vielleicht auch daran liegt, dass er den Doktor besonders skurril anlegt, aber immer mit einem Hauch von Ernsthaftigkeit versieht. Zudem strahlt er eine extreme Menschlichkeit aus und kann in ernsthaften Momenten wirklich vermitteln, dass er den Schmerz aller Welten auf seinen Schultern trägt.

Der am 18. April 1971 im schottischen Bathgate geborene Tennant war damals ein noch eher unbeschriebenes Blatt. Sein richtiger Name ist David John McDonald. Als Kind liebte er „Doctor Who“ und wollte unbedingt Schauspieler werden, um irgendwann selbst den Time Lord spielen zu können. Im Jahr 2005 wurde sein Traum schließlich wahr.

Sein Debüt gab er im Weihnachtsspecial, das zwischen der ersten und zweiten Staffel ausgestrahlt wurde. Danach folgte die aus 13 Episoden bestehende zweite Staffel, in der Billie Piper nach wie vor als Companion des Doktors dabei ist. Sogar ihren Freund Mickey nimmt man in der TARDIS mit.

Im Verlauf der Staffel trifft der Doktor auf alte Bekannte: Auf einer parallelen Erde erheben sich die Cybermen, die im großen Staffelfinale sogar ins Heimatuniversum des Doktors kommen. Als wäre das nicht genug, tauchen dann auch noch die Daleks auf und man kann miterleben, wie sich die Cyborg-Wesen gegenseitig bekriegen.

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Ein weiteres Highlight der Staffel ist ein Zweiteiler, in dem der Doktor und Rose auf den Teufel treffen – oder zumindest auf ein Wesen, das behauptet, schon vor Beginn dieses Universums existiert zu haben und die Verkörperung des Bösen zu sein.

Zum Ende dieser Staffel heißt es dann auch Abschiednehmen von Rose Tyler. Das wird in einem fantastischen Zweiteiler erzählt, in dem Elemente der Staffel – die Parallelwelt – wieder aufgegriffen werden und den man beginnt, indem Rose aus dem Off erklärt, dass dies die Geschichte ihres Todes ist. Aber keine Sorge: Rose überlebt und taucht in der vierten Staffel wieder auf.

Schon frühzeitig wird in der Staffel das Torchwood Institute erwähnt. In einer Folge, die im 19. Jahrhundert spielt und einen außerirdischen Werwolf präsentiert, wird es dann von Königin Victoria gegründet, um das Empire vor außerirdischen Gefahren – und auch dem Doktor – zu schützen. Im Finale der Staffel bekommt man Torchwood dann bei der Arbeit zu sehen. Es wird der Grundstein für die eigene Serie „Torchwood“ gelegt, wobei man hier noch Torchwood 1 in London hat, während sich die Serie mit Torchwood 3 in Wales befasst. Drei der „Torchwood“-Darsteller waren in „Doctor Who“ schon zu sehen, nur einer jedoch auch in seiner späteren Rolle.

In der ersten Staffel spielt John Barrowman Captain Jack Harkness, ebenfalls in Folgen der ersten Season sind Eve Myles und Naoko Mori in einer Folge zu sehen.

„Torchwood“ ist jedoch nicht der einzige Ableger von „Doctor Who“. In der zweiten Staffel absolviert Elisabeth Sladen einen Gastauftritt. Sie ist Sara Jane Smith und war von 1973 bis 1976 die Begleiterin des Doktors. In der Episode „Klassentreffen“ begegnet sie erneut dem Doktor und hilft bei der Bekämpfung besonders garstiger Invasoren, die übrigens von Anthony Stewart Head (Giles in „Buffy“) angeführt werden. 2007 erhielt sie mit „The Sara Jane Adventures“ ihre eigene Serie, die fünf Staffeln lief und nur eingestellt wurde, weil Sladen verstarb.

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Ein neuer Companion

War die dritte Staffel in Großbritannien so erfolgreich wie eh und je, so musste man in Deutschland bis 2012 warten, als der Pay-TV-Sender Fox Channel sie ins Programm nahm – zuerst hatte man die fünfte Staffel mit dem neuen Doktor ausgestrahlt, um das Interesse zu testen.

Einiges hat sich geändert. Im Weihnachtsspecial trifft er auf die von Catherine Tate gespielte Donna Noble, die sich jedoch dagegen entscheidet, ihn als Kompagnon zu begleiten – das sollte erst später kommen. Mit Martha Jones findet der Doktor zu Beginn der Staffel eine neue Begleiterin.

Freema Agyeman hatte schon im Finale der zweiten Staffel eine Torchwood-Angestellte gespielt, wobei zu Beginn der dritten Season enthüllt wird, dass Adeola ihre Cousine war. Darum auch die Ähnlichkeit.

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Im Verlauf der Staffel trifft man auf William Shakespeare. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit den letzten vier überlebenden Daleks im New York des Jahres 1930. Was als scheinbar vorhersehbare Episode beginnt, nimmt dann aber eine überraschende Wende, denn die Evolution der Daleks würde diese für alle Zeiten verändern. Aber für Veränderung bedarf es Mut – und den haben nicht alle Daleks.

Grundsätzlich sind die Episoden dieser Staffel sehr stark. Man erlebt in einem emotional mitreißendem Zweiteiler, wie der Doktor im Jahr 1913 als normaler Mensch lebt und die Liebe kennenlernt und trifft auf Mark Gatiss (Co-Schöpfer von „Sherlock“ und zugleich Mycroft Holmes in der Serie), der das Alter besiegt hat. Zudem werden mit den Weeping Angels ausgesprochen gruselige Aliens eingeführt. Sie sind steinerne Statuen, die sich nur bewegen, wenn niemand sie ansieht. Darum sollte man nicht blinzeln - oder der Tod könnte sich einem schneller nähern als man ahnt. In dieser Folge, in der der Doktor nur wenig zu tun hat, steht mit Sally Sparrow eine ganz und gar neue Figur im Mittelpunkt, die von Carey Mulligan („Drive“) gespielt wird.

Die letzten drei Folgen bilden dann den großen Abschluss, denn das große Geheimnis, das das uralte Face of Boe dem Doktor verraten hat, erweist sich als wahr. Er ist nicht der Letzte der Time Lords. Dumm nur, dass der andere überlebende Time Lord sein uralter Feind, der Master, ist; grandios von John Simm („Life on Mars“) gespielt. Darüber hinaus gibt es am Ende dieses Mehrteilers auch noch einen (möglichen) Hinweis darauf, wer das Face of Boe eigentlich ist – und es hat mit einem gewissen Unsterblichen zu tun.

Am Ende entscheidet sich Martha Jones, den Doktor nicht länger auf seinen Reisen zu begleiten. Ihren letzten Auftritt hat man damit aber noch lange nicht gesehen. Sie ist auch in der vierten Staffel dabei und macht einen Abstecher zu „Torchwood“, wo sie in der zweiten Staffel zu sehen ist.

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Mit Donna unterwegs

Mit Beginn der vierten Staffel erhält der Doktor eine neue Begleiterin, die er aber schon kennt: Donna Noble, die im Jahr zuvor im Weihnachtsspecial zu sehen war. Nun nutzt sie die Gelegenheit und geht mit dem Doktor auf Reisen. Zuvor gab es aber noch ein weiteres Weihnachtsspecial, das der Doktor ohne Begleiterin verbringen musste. Allerdings lernte er auf dem Raumschiff Titanic, das droht, auf der Erde zu havarieren, Astrid kennen, die er gerne mitgenommen hätte. Sie wurde übrigens von Kylie Minogue gespielt.

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Mit Donna als Begleiterin geht es ins alte Pompeji. Man erlebt mit, wie Fett die Beine in die Hand nimmt und trifft erneut auf die Ood. Waren sie im Jahr zuvor als Sklaven der Menschen eingeführt worden, so sind sie es auch hier noch, allerdings stehen Änderungen an – und subtile Hinweise, die schon das Staffelfinale vorbereiten.

Feinde aus der klassischen Serie gibt es auch: Die Sontaraner, eine geklonte Kriegerrasse, schickt sich an, die Erde zu attackieren - allerdings auf recht hinterhältige Art und Weise. In dem Zweiteiler gibt es auch ein Wiedersehen mit Martha Jones, die mittlerweile für U.N.I.T. arbeitet und den Doktor zu Hilfe ruft.

Weiterhin beschäftigt sich die vierte Staffel mit der Tochter des Doktors, bietet ein Treffen mit Agatha Christie und zeigt den Doktor einmal völlig hilflos. Grandios ist dann der abschließende Dreiteiler, der zeigt, wie verheerend sich das Universum entwickelt hätte, wenn Donna nicht auf den Doktor getroffen wäre. Im Finale sind dann alle dabei, die bei „Doctor Who“ Rang und Namen haben: Rose, Martha Jones, Donna Noble, Sarah Jane Smith, Harriet Jones und das gesamte Torchwood-Team. Zudem gibt es mit Davros auch einen Gegner, der dem Doktor und Sarah Jane schon in den 70er Jahren zugesetzt hat. Eine Szene spielt übrigens nahe Nürnberg und man bekommt Daleks zu sehen, die deutsch sprechen, auch wenn das „Exterminieren“ ein bisschen arg englisch betont ist.

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Der Staffelabschluss wäre auch ein furioses Finale für die Serie gewesen, aber ein Ende war noch nicht angedacht. Allerdings sollte es im Jahr darauf keine neue Staffel mit David Tennant geben, denn der hatte sich 2009 verpflichtet, im Londoner Theaterviertel West End Hamlet zu spielen. Darum hatte er auch nicht die Zeit für eine volle Staffel, wohl aber für ein paar Specials.

Bemerkenswert am Finale ist auch, dass es für fast alle Figuren ein Happy End gibt, sogar für die auf der Parallelerde lebende Rose. Nur einer von den Kompagnons muss einen hohen Preis für den Sieg bezahlen, was die Bürde, die der Doktor zu tragen hat, noch erhöht.

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Vale Decem

2009 gab es keine neue Staffel, dafür aber fünf Specials, die in zweierlei Hinsicht den Abschied vorbereiteten – von David Tennant als zehntem Doktor und von Russell T. Davies als Showrunner von „Doctor Who“.

Der Doktor reist hier ohne Begleiter, trifft jedoch im Jahr 1851 auf den nächsten Doktor - oder jemanden, der sich zumindest für ihn hält. Der nächste Doktor wird übrigens von David Morrissey gespielt, der in „The Walking Dead“ den Governor darstellt. Nach „Der andere Doktor“ kam „Planet der Toten“, in dem es den Doktor mit einer Diebin auf einen fremden Planeten verschlägt. In „Der rote Planet“ ist der Doktor dann auf der ersten menschlichen Marsstation – am Tag, als diese untergeht. Diese Folge illustriert sehr schön, dass der Doktor manchmal jemanden braucht, der ihn aufhält. Hier hat er diesen jemand nicht und verändert die Zeitlinie, nur um zu merken, dass er einen Fehler gemacht hat.

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„Das Ende der Zeit“ ist ein zweiteiliges Special, das auch den Abschied von David Tennant bringt. Timothy Dalton spielt den Herrn der Time Lords, der einen Weg gefunden hat, Gallifrey vor der Vernichtung zu retten, allerdings zu einem hohen Preis. So muss sich der Doktor zuerst gegen den Master und dann gegen sein Volk stellen.

Diese letzten Minuten sind von wehmütigem Abschied gezeichnet. Und diesen Schmerz, dieses Nicht-Loslassen-Wollen, spürt man. Es sind große und kleine Momente des Abschieds. Der Doktor sucht eine Autorin auf, die aus dem Tagebuch ihrer Urgroßmutter eine Geschichte gemacht hat. Eine Geschichte, die davon erzählt, wie sie sich in einen Mann von den Sternen verliebte, in den Doktor. Der Doktor fragt sie, ob ihre Ahnin am Ende glücklich war. Und die Frau bejaht, nur um dann nachzusetzen, ob er es denn auch ist. Was hier über Tennants Gesicht huscht, ist ein Lächeln, aber eines, das von Schmerz gezeichnet ist. Ein Moment, der den Zuschauer tief trifft.

Die letzten Minuten sind ein Spiel auf der Klaviatur der Gefühlswelt des Zuschauers. Jede Einstellung, jeder Moment ist perfekt. Schauspiel, Drehbuch, Musik - alles kommt zusammen. Die letzten Minuten werden von Murray Golds unglaublich schönem, sehr erhebendem, aber auch wehmütigem „Vale Decem“ getragen und kulminieren in einem schwermütigen Augenblick, der von vier Worten definiert wird: "I don't wanna go."

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Der elfte Doktor

Steven Moffat, der später auch „Sherlock“ entwickelte und einige der besten „Doctor Who“-Folgen geschrieben hat, wurde der neue Showrunner. 2010 debütierte die fünfte Staffel von „Doctor Who“, die sich ganz und gar neu anfühlt, denn altbekannte Figuren gibt es nicht. Matt Smith ist der neue Doktor, die Schottin Karen Gillan mit ihrem süßen Akzent seine Begleiterin Amy Pond.

In der ersten Folge trifft der Doktor auf das siebenjährige Mädchen Amy Pond, das vor einem Riss in der Wand Angst hat. Der Doktor erkennt, dass hier ein Riss im Universum vorliegt. Er muss gehen, verspricht aber fünf Minuten später wiederzukommen. Es vergehen jedoch zwölf Jahre, bis der Doktor zurückkehrt. Amy ist nun erwachsen und sie wird sein neuer Companion. Doch zuvor bekommen es beide mit einem außerirdischen Gefangenen zu tun, der durch den Riss geflohen ist. Die Vorstellung, mehr als ein Jahrzehnt mit einem außerirdischen Monster im gleichen Haus zu leben, ist gruselig - die Umsetzung trägt dem Rechnung. Sehen kann man das Monster nur aus dem Augenwinkel. Eine effektive Szene, die für wohligen Schauer sorgt.

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Diese Folge ist wegweisend für die Staffel, die starke Science-Fiction-Elemente besitzt, aber die Geschichten mehrheitlich gruselig gestaltet. Und das gilt nicht nur für den Zweiteiler mit den Weeping Angels. So gibt es auch Vampire und eine im Erdinneren lebende Spezies.

Neben einem Wiedersehen mit den Daleks taucht auch River Song auf, die gewohnt mysteriös ist. Ein strahlendes Highlight der Staffel ist die Folge „Vincent und der Doktor“, in der Tony Curran den Maler Vincent van Gogh spielt. Der Doktor und Amy kommen in die Vergangenheit, weil Vincent auf einem seiner Gemälde ein Monster gemalt hat. Sie freunden sich mit dem von seiner persönlichen Pein getriebenen Künstler an und gemeinsam können sie das Monster besiegen. Zu dem Zeitpunkt sind erst drei Viertel der Episode vergangen.

Was danach kommt, ist der Versuch des Doktors, etwas zu bewirken, etwas zu verändern. Er bringt van Gogh in die Gegenwart, zeigt ihm eine Ausstellung seiner Werke und bittet einen Museumsangestellten - übrigens Bill Nighy -, ihm zu sagen, was an van Gogh so großartig ist. Der Beweggrund ist klar: Van Gogh nahm sich mit Ende 30 das Leben - ihm zu zeigen, dass er dereinst als einer der größten Künstler aller Zeiten gehandelt wird, könnte das ändern. Aber das tut es nicht. Manchmal verläuft die Geschichte, wie sie verlaufen muss. Und man wird das Gefühl nicht los, dass van Gogh einen anderen Grund fand, aus dem Leben zu scheiden: seine unglückliche Liebe zu Amy Pond.

Hier geht es nicht um den Abenteueraspekt, es geht um die menschliche Komponente. Es geht um Freundschaft, um Respekt, um ein Gefühl der Verbundenheit, selbst wenn man von Raum und Zeit getrennt ist.

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Im Finale „Die Pandorica“ und „Der große Knall“ geht es um die Frage, was der Schrecken sein könnte, der vor Jahrtausenden in der Pandorica gefangen wurde. Was könnte so furchtbar und angsteinflößend sein, dass sich praktisch jeder - von Daleks über Cybermen zu Homo Reptilicus - auf den Weg macht, um das Öffnen der Box zu verhindern oder zu nutzen? Die letzten Minuten drehen sich darum, was man bislang für wahr und richtig hielt. Und sie offenbaren, mit welchem Sinn für Details Steven Moffat schon von der ersten Folge an dieser Staffel auf den Abschluss hingearbeitet hat.

„Der große Knall“ ist die Nachklappe. Buchstäblich. Das Universum ist ausgelöscht, die Geschichte selbst wird verzehrt. Letztes Überbleibsel ist die Erde, deren Verschwinden aus der Existenz auch unmittelbar bevorsteht. Doch ein Opfer, das größte Opfer, das man nur bringen kann, könnte das Universum und die Historie kickstarten. Dieses Finale ist emotional mitreißend und schlauchend. Ein Gefühl des Endes ist vorhanden, ein Happy End mit bitterer Note folgt, aber dann ändert sich alles noch einmal - und aus einem leichten Hoffnungsschimmer, der fast verloschen ist, wird eine grandiose Rückkehr.

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Der Tod des Doktors und das Jubiläum

Das Weihnachtsspecial bot eine Variation von Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte, weit interessanter ist jedoch die sechste Staffel, die 2011 ausgestrahlt wurde und die mit der Begegnung mit einem unmöglichen Astronauten an einem See in Utah beginnt. Dort wird der Doktor getötet – endgültig. Dieses Ereignis ist ein Fixpunkt in der Zeitlinie und kann nicht verändert werden.

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Herausgekommen ist eine erstaunlich komplexe Staffel, die mit den verschiedenen Zeitebenen durchaus Konzentration des Zuschauers erwartet. Darüber hinaus hat diese Staffel wieder einige Highlights zu bieten. So nimmt die TARDIS menschliche Form an, Fleisch wird lebendig und der Doktor muss sich seiner größten Angst stellen.

Außerdem haben Steven Moffat und seine Autoren noch einige andere Dinge zu bieten, denn sowohl Amy als auch ihr Baby Melody werden entführt, weshalb man den Doktor in seiner strahlendsten Stunde erlebt: Als einen guten Mann, der in den Krieg zieht und dabei die Hilfe von vielen in Anspruch nimmt, denen er über die Jahrzehnte geholfen hat.

Die Staffel verfolgt mit einer gegnerischen Gruppe, die den Doktor tot sehen will – nicht wegen dem, was er getan hat, sondern was er noch tun wird – ein großes Thema. Moffat ergeht sich hier im foreshadowing, ohne allzu konkret zu werden, deutet aber auch schon an, was bald erkundet wird. Die alles entscheidende Frage, die für jeden offensichtlich und doch verborgen ist: Doctor Who?

In der sechsten Staffel lösen die Autoren zudem auf, wer River Song wirklich ist. Als man sie erstmals einführte, dachte man vielleicht nicht daran, im Rückblick ergibt alles aber tatsächlich Sinn.

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Das Jubiläum

In diesem Jahr feiert der Doktor seinen 50. Geburtstag. Die BBC hat sich dafür einiges ausgedacht. Natürlich gibt es auch eine aktuelle Staffel, die siebte, deren erste Folgen bereits im letzten Jahr liefen und die im März in Großbritannien fortgesetzt wird (und wohl auch wenig später bei Fox Channel zu sehen sein wird). Erneut ist der Doktor mit Amy und Rory unterwegs, man trifft auf Rorys Vater und Weeping Angels, die in New York auftauchen. Aber damit nicht genug: Auch River Song ist wieder mit dabei.

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Das „50th Anniversary Special“ wird in 3-D produziert und in Großbritannien auch in einigen Kinos gezeigt. Geschrieben wird es von Steven Moffat. Worum es geht, weiß man noch nicht, aber der Doktor muss sich einer Gefahr stellen, die so groß ist, dass er die Hilfe seiner zehn früheren Inkarnationen benötigt. Dabei sollen nicht nur die noch lebenden Darsteller, sondern auch die schon Verstorbenen dabei sein – dank moderner Spezialeffekte. Ausgestrahlt wird dieses Special im Herbst 2013.

Außerdem wird das Jubiläum noch mit dem Film „An Adventure in Space and Time“ gefeiert. Dabei handelt es sich um eine Fernsehproduktion nach einem Drehbuch von Mark Gatiss, das in dramatischer Weise davon erzählt, wie die Serie 1963 zustande kam und wie sie sich entwickelte.

Ein halbes Jahrhundert ist eine lange Zeit. Die Serie hat sich dabei stets aufs Neue selbst erfunden, mit Showrunnern, die neue Wege einschlugen, mit neuen Hauptdarstellern, die sich stark von ihren Vorgängern unterschieden. Gleich geblieben ist der hohe Level an Originalität, mit der „Doctor Who“ erzählt wird. Laut Steven Moffat wird Matt Smith auch weiterhin den Doktor spielen, aber eines ist natürlich auch klar: Irgendwann wird es die nächste Regeneration geben. Nicht nur für den Doktor, sondern auch für die Serie. Nur enden, das werden beide wohl nie …

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