Mit der Ausstrahlung der Miniserie „Die Säulen der Erde“ nach dem Erfolgsroman von Ken Follett hatte Sat 1 im letzten Jahr immensen Erfolg. Der „kress report“ erklärte die Miniserie gar zum „erfolgreichsten Fiction-Programm der Saison 2011/2012“. Da überrascht es nicht, dass der Sender an einer weiteren Follett-Adaption interessiert war.

Mit einem Budget von 46 Millionen Dollar wurde der Roman „Die Tore der Welt“, der 200 Jahre nach „Die Säulen der Erde“ spielt, produziert. Der erste von vier Teilen wird am 3. Dezember um 20.15 Uhr gezeigt. Der zweite Teil folgt direkt am nächsten Tag. Die abschließenden beiden Teile werden dann in der darauffolgenden Woche ausgestrahlt.

England im Jahr 1327: Kingsbridge ist eine blühende Handelsmetropole geworden. Kurz vor Ausbruch des Hundertjährigen Krieges stehen jedoch dramatische Veränderungen an. Die Bürgerliche Petranilla (Cynthia Nixon) will mit ihren Ränkeschmieden die Mächtigen gegeneinander ausspielen, um ihrem Sohn Godwyn (Rupert Evans) den Weg zu ebnen, damit er neuer Prior werden kann.

Dabei schreckt sie vor keiner Schandtat zurück, was auch ihre Nichte Caris (Charlotte Riley) zu spüren bekommt. Caris ist in den jungen Baumeister Merthin (Tom Weston-Jones) verliebt, soll jedoch dessen älteren Lehrmeister Elfric heiraten. Die Ehe ist für Caris ein Martyrium, da ihr Gemahl sie vergewaltigt und schlägt. Ihre einzige Freundin soll zudem als Hexe verbrannt werden, doch dann kommt es zur Katastrophe: Die Brücke, über die die Warenströme der Stadt fließen, kollabiert. Die perfekte Gelegenheit für Petranilla, ihrem Sohn endgültig den Weg zu ebnen…

Die Tore der Welt - Mord und Totschlag im Dunklen Zeitalter

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Viel Budget wurde für die Kulissen und die Bauten verwendet.
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Weniger bekannte Gesichter

Die kanadisch-deutsch-britische Ko-Produktion wird zwar als Sequel zu „Die Säulen der Erde“ promotet, hat aber praktisch keinerlei Berührungspunkte mit dieser Miniserie, wenn man vom Handlungsort absieht. Man muss „Die Säulen der Erde“ darum nicht gesehen haben, um bei „Die Tore der Welt“ einsteigen zu können.

Obwohl ein doch recht stattliches Budget zur Verfügung stand (und für Bauten genutzt wurde, u.a. mit einem 20.000 Quadratmeter großen Außen-Set des Kingsbridger Marktes), ist die Besetzung deutlich unattraktiver als bei „Die Säulen der Erde“. Hatte man dort namhafte Mimen und ansprechende Charakterdarsteller, so ist die Besetzung von „Die Tore der Welt“ recht unspektakulär.

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Abgesehen von Cynthia Nixon („Sex and the City“) und Miranda Richardson („Merlin”) sind es hauptsächlich junge und relative unbekannte Mimen, die hier agieren. In wiederkehrenden Rollen sind außerdem Carlo Rota („24“) und der Deutsche André Hennicke („Sophie Scholl“) zu sehen. Dennoch: Der Besetzung wegen wirkt „Die Tore der Welt“ deutlich günstiger als „Die Säulen der Erde.“

Die Krux mit dem Ende

Die Regie führte Michael Caton-Jones, der nach dem „Basic Instinct 2“-Flop lange verschwunden war. Mit „Die Tore der Welt“ rehabilitiert er sich nur halbwegs, denn die neue Miniserie kann an den Erfolg ihres Vorgängers nicht anschließen. Die Herausforderung, dem gut 1.000-seitigen Roman Genüge zu tun, wird nicht ganz gemeistert.

Die Tore der Welt - Mord und Totschlag im Dunklen Zeitalter

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Für eine Miniserie versucht Die Tore der Welt, etwas zu viel Stoff unterzubringen.
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Zu oft erscheint die Miniserie gehetzt und versucht, zu viel Material in zu kurzer Zeit abzuhandeln. Damit nicht genug, entfernt man sich am Ende besonders stark von der Vorlage. An sich wäre das nicht dramatisch, wenn man denn gute Ideen gehabt hätte.

Die Ereignisse des Finales sind jedoch hanebüchen und unglaubwürdig. Sie schädigen die an sich gute Miniserie, da kein befriedigender Abschluss gefunden wird. Einige der Änderungen waren zwar auch notwendig, da die Adaption die Geschichte verdichtet und Figuren entfernt hat, die im Roman viel zu tun hatten, aber dennoch ändert das am Ergebnis nichts. Nach starkem Auftakt und guter Entwicklung zerfällt „Die Tore der Welt“ letzten Endes in sich.

Quasi-Sequel zu Die Säulen der Erde, das aber in sich weniger stimmig ist. Als historisches Ränkeschmiedespiel noch passabel, aber nie großartig.Fazit lesen

Nicht-Kenner des Romans dürften hier sicherlich nachsichtiger sein, da die Geschichte im Großen und Ganzen funktioniert, aber wenn man weiß, wie sie wirklich hätte sein können, dann ist „Die Tore der Welt“ enttäuschend.