Manche Ideen liegen auf der Straße und man muss sich fragen, wieso es eine Serie wie „Dead Set“ in Großbritannien gibt, aber in Deutschland niemand auf ähnliche Ideen kommt. Immerhin hat man auch bei „Dead Set“ eine Chance gewittert, mit Cross-Promotion und vorhandenen Sets Vorteile auszunutzen. Die Idee der Show ist simpel und großartig zugleich: Was passiert, wenn die Zombie-Apokalypse beginnt, man im Big-Brother-Container aber erst mal nichts davon mitbekommt?

Dieser Artikel erschien ursprünglich zur DVD-Veröffentlichung von Dead Set. Ab Sonntag, dem 22.9., läuft die Serie nun auch auf RTL Crime erstmals im deutschen Free-TV.

Im britischen Big-Brother-Haus wird mal wieder jemand herausgewählt. Diesmal erwischt es die Schottin Pippa. Von der großen Show bekommt sie aber nichts mit, denn während sie noch interviewt wird, überrennen Zombies das Studiogelände. Die Container-Menschen merken das gar nicht, die Produktionsassistentin Kelly wird jedoch beinahe umgebracht – und schafft es mit Müh und Not, sich in das hermetisch abgeschlossene Big-Brother-Haus zu retten.

Dead Set

- Im Big-Brother-Container fressen dich die Zombies
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Reality-TV: Im Big-Brother-Container sind die Zombies los.
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Während ihr Freund Riq irgendwo draußen ist und nach seiner Freundin sucht und Produzent Patrick mit Pippa in einem kleinen Raum gefangen ist, fragen sich die Insassen des Big-Brother-Hauses, was man nun denn tun soll (und ob man noch im Fernsehen zu sehen ist). Im Haus überleben oder draußen sein Glück versuchen?

Moderatorin gegen Zombies

Der Reiz einer solchen Serie ist natürlich, dass sie realistischer wirkt, als das bei Zombie-Themen gemeinhin der Fall ist. Das liegt einzig und allein daran, dass die Geschichte in der Realität verankert ist. Denn die große Big-Brother-Show mit Herauswählen eines Bewohners kennt der Zuschauer. Das funktioniert auch für das deutsche Publikum, da der Look der Kulisse weltweit ähnlich gestaltet ist. Nur Aleksandra Bechtel vermisst man – weil es eben nicht in Deutschland spielt.

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Die britische Moderatorin Davina McCall spielt sich aber selbst, was für die britischen Zuschauer natürlich ein weiterer Anreiz war, wirkt die ganze Sache dadurch doch noch authentischer.

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Die Container-Bewohner entsprechen den auch hierzulande bekannten Klischees.
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Authentizität gaukelt „Dead Set“ auch durch das bunte Potpourri der Container-Bewohner vor. Autor Charlie Brooker hat sich „Big Brother“ offenbar sehr genau angesehen, denn er setzt die Stereotypen bestens um. Da gibt es das blonde Flittchen, den transsexuellen Freak, den ewigen Griesgram, den jungen Aufreißer und das nervige Dummchen. Was man an Typen aus „Big Brother“ kennt, findet man in „Dead Set“ wieder.

Eine clevere Idee für eine Zombie-Geschichte und ein guter Beweis dafür, warum britische Serien so viel besser als deutsche sind.Fazit lesen

Das Interieur des Hauses ist übrigens mit keiner bisherigen Big-Brother-Staffel vergleichbar, da Brooker nicht Vergleiche zu einer bestehenden Staffel heraufbeschwören wollte.

Wie bei Romero, aber schnellere Zombie

Die britische Serie umfasst fünf Episoden. Im deutschen Fernsehen bekommt man sie nicht zu sehen, auf DVD und Blu-ray ist sie ab dem 27. September jedoch erhältlich. Der rührige Kleinverleger Anolis hat für die Lokalisierung gesorgt, während den Vertrieb Sony übernimmt.

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Hui - ziemlich heftig, was in Großbritannien im Fernsehen läuft.
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Das 143-Minuten-Epos hat auch einiges an Bonus zu bieten, darunter Interviews mit Cast und Crew, entfallene Szenen (mit der Todesszene einer Hauptfigur) und Featurettes, die sich mit den deftigen Splattereinlagen beschäftigen.

Denn obwohl fürs Fernsehen produziert, ist „Dead Set“ alles andere als zimperlich. Da erlebt man schon auch mit, wie ein Mensch in der Mitte in zwei Teile zerrissen wird – dagegen ist der Tod von Captain Rhodes aus George A. Romeros drittem Zombie-Film gar nichts.

Überhaupt scheint Brooker ein Fan von Romeros Filmen zu sein. Er zitiert sie mehrmals. So gibt es das berühmte „Sie kommen und holen Dich, Barbara“, aber auch die Paraphrase einer Textzeile aus Romeros zweitem Zombie-Film, als Joplin davon spricht, die Untoten kämen zum Studio, weil dieses wie eine Kirche für sie sei – in Romeros Film bezog sich das noch auf das Einkaufszentrum als Konsumtempel.

Der Voyeur schaut zu

Bei der Action mit den schnell laufenden Zombies wird auf eine Handheld-Kamera gesetzt. Das sorgt für wacklige Optik, verleiht aber auch das Gefühl, als sei man mittendrin und stünde neben den Figuren. Die Technik wird dabei nicht übertrieben; man kann durchaus noch gut sehen, was gerade vor sich geht.

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Dieser Blickwinkel macht den Zuschauer natürlich auch zum Voyeur, so wie es das Konzept von „Big Brother“ generell vorsieht. Von Vorteil ist auch, dass man kaum einen der Protagonisten kennt. Lediglich Jaime Winstone, die Tochter von Ray Winstone („London Boulevard“), konnte man auch hierzulande schon in verschiedenen Filmen, darunter der authentische „Streets of London“ und der fiese „Donkey Punch – Blutige See“, sehen.

Ein Highlight ist Andy Nyman, der den hundsgemeinen Regisseur Patrick spielt und die Art Typ ist, die man zu hassen liebt. Er sorgt auch fürs humoristische Highlight des Films, als er dringend Ballast abwerfen muss, aber keine Toilette da ist.