Mit der Suche nach etwas Bestimmten nehmen viele Abenteuer ihren Lauf. Mal ist es ein legendärer Schatz, der die Protagonisten antreibt, mal sind es irgendwelche Zauberobjekte, die jeden Wunsch erfüllen können. Und manchmal sucht man nach irgendwelchen sterblichen Überresten eines Verwandten, beziehungsweise nach den zerhackten Einzelteilen desjenigen...

Chaika - Die Sargprinzessin - Opening

"Chaika - Die Sargprinzessin" ist eine dieser Animeserien, die nicht nur von den Charakteren her so wirken, als wären sie aus einem Fantasy-JRPG-Szenario entnommen worden; die ganze Geschichte hat einen recht JRPG-typischen Aufbau: Person A bittet Person B wegen irgendeiner augenscheinlicher Kleinigkeit um Hilfe, beide begeben sich dafür auf eine lange Reise, dabei lernen sie manch eine schillernde Persönlichkeit kennen und plötzlich geht es um große Schlachten, Tod und Verderben.

Chaika - Die Sargprinzessin - Eine Königstochter auf Leichenteilsuche

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Chaika Trabant mit den beiden Saboteur-Geschwistern Toru und Akari. © 2014 Ichiro Sakaki, Namaniku ATK (Nitroplus)
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Es ist auch einer dieser Anime, denen man ein paar Episoden Zeit geben muss, damit die Dramaturgie ihre Wirkung entfaltet. Ein klares Ziel existiert zwar gleich zu Beginn, sonderlich spannend klingt es zugegebenermaßen aber nicht. Letzten Endes weiß die Geschichte trotzdem zu gefallen; warum aber genau, lässt sich nicht so leicht erklären.

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Nur über meine Leiche

Auf der einen Seite wirkt die Fantasywelt in "Chaika - Die Sargprinzessin" ziemlich standardisiert, die Charakter-Konstellation erscheint dazu regelrecht stereotypisch. Und doch präsentiert die Serie gelegentlich auch gute Ideen, nett anzusehende Charakterinteraktionen mit einer Prise lockerer Situationskomik und oft sogar anschauliche, unerwartet blutige Kämpfe.

Genauso blutig endet der Anfangskampf zwischen einem wilden Einhorn und dem Protagonisten Toru. Letzterer verdient normalerweise sein Geld als Saboteur, doch seit der Krieg zu Ende gegangen ist, hat er es ohne Aufträge schwer, über die Runden zu kommen. Da kommt ihm natürlich die zufällige Begegnung mit dem Sarg herumschleppenden Mädchen Chaika, die von jenem Einhorn im Wald angegriffen wurde, gerade Recht: Nachdem er die Bestie in die ewigen Jagdgründe geschickt hat, heuert sie ihn nämlich prompt für einen Beschaffungsauftrag an.

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Trotz ihrer Naivität verkommt Chaika glücklicherweise nie zu einer hilflosen Jungfrau in Not und steht ihren beiden Auftragnehmern mit magischen Waffen im Kampf zur Seite.
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Zu Torus Überraschung entpuppt sie sich später als die Prinzessin des gefallenen Gaz-Imperiums, die nach den Überresten ihres Vaters sucht. Imperator Arthur Gaz wurde einst im Lande als wahnsinniger Herrscher gefürchtet und letzten Endes von einer Heldengruppe Jahre zuvor hingerichtet. Da es sich zudem bei ihm um den mächtigsten Zauberer aller Zeiten handelt und seine Leiche nach wie vor eine reichhaltige Magiequelle darstellt, beschlossen die acht Mitglieder jener Heldentrupp die einzelnen Körperteile unter sich aufzuteilen. Zum einen sollen die Körperteile als ein Symbol ihrer Heldentat dienen, zum anderen geben sie perfekte Magie-Katalysatoren und Forschungsobjekte ab.

Solide Fantasy-Kost mit einem stetig neugierig machenden Plot und ansehnlich choreographierten Kämpfen.Fazit lesen

Eine Prinzessin kommt selten allein

Um ihrem Vater ein anständiges Begräbnis zu widmen, setzt sich Chaika zum Ziel, die einzelnen Helden ausfindig zu machen und die Leichenteile des Imperators an sich zu nehmen. Begleitet wird die Sargprinzessin dabei nicht nur von Toru, sondern auch von seiner Schwester Akari, die ebenfalls eine Saboteurin ist und gemeinsam mit ihrem Bruder seit Anbeginn umher reist, um neue Aufträge zu finden. Später gesellt sich zum Trio noch das Mädchen Frederica hinzu, dessen wahre Gestalt die eines riesigen Drachen ist.

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Eine weitere Chaika wird im Laufe der Handlung aktiv und ist felsenfest überzeugt, dass die Chaika, mit der Toru und Akari unterwegs sind, eine Betrügerin ist.
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Die Leiche des eigenen Erzeugers für ein ordentliches Begräbnis wiederzubeschaffen ist an und für sich ein nobles Ziel. Da es sich in dem Fall aber um das Vermächtnis des besagten Schreckensherrschers handelt, zieht die charakterlich konträre, gutherzige Chaika die Aufmerksamkeit diverser Häscher auf sich. So macht die Gruppe um Chaika unter anderem Bekanntschaft mit dem jungen Ritter Gilette, für den die Wiederbeschaffung der Leichenteile ein Akt gegen den derzeitigen Frieden darstellt - weswegen die Begegnungen mit ihm immer in einem Kampf mit darauffolgender Flucht enden.

Als wäre die Suche als Gesetzeswidrige nicht ohnehin schon beschwerlich genug, kommt für Toru und seine Freunde noch die Erkenntnis hinzu, dass ihre Gruppe nicht die Einzige ist, die es auf die Einzelteile des Imperators abgesehen hat. Kurioserweise ist unter den konkurrierenden Suchenden auch ein Mädchen, die ebenfalls auf den Namen Chaika hört und von sich behauptet, die Tochter des Imperators zu sein.

Die Suche nach den magischen Leichenteilen und der damit verbundene Wettlauf gegen die anderen Rivalen ist zwar recht interessant erzählt, jedoch liegen die eigentlichen Spannungspunkte des Anime woanders. Dazu gehört auch das Mysterium um Imperator Gaz, um den sich viele grausame Gerüchte ranken. Tatsächlich scheint ihn in so wirklich niemand persönlich erlebt zu haben, ferner noch sind sonstige Hintergründe über den ehemaligen Monarchen bekannt.

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Die Form wandelnde Frederica ist die Vierte im Bunde und freut sich auf jede Gelegenheit, bei der sie als Drache ordentlich Rambazamba machen kann.
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Der Nagel zum Sarg

So geheimnisvoll die Existenz des Königs ist auch das Rätsel um die verschiedenen Chaikas, die nach und nach in Erscheinung treten. Sonstige Spannungsmomente ergeben sich darüber hinaus auch aus den besagten Kampfszenen, die durch nachvollziehbare, dynamisch animierte Choreographien bestechen.

Neben den optischen Aufmachung überzeugt ansonsten auch weitgehend die deutsche Sprachvertonung. Besonders Gabrielle Pietermann sticht als Chaika Trabant positiv mit ihren durchaus niedlich, trotzdem authentisch wirkenden Sprachschwächen positiv hervor. Maximillian Belle wirkt aufgrund seiner etwas tieferen Stimme in der Rolle von Toru im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, kann aber letzten Endes doch in den entscheidenden Momenten mit einer guten Performance auftrumpfen.

Trotz solider Rahmenhandlung, guter Lokalisierung und ansehnlichen Animationen schafft es die Serie leider nicht, den roten Faden und ihre erzählerische Qualität konstant über zwei Staffeln aufrecht zu halten. Während die erste Staffel aufgrund ihrer Auftakt-Stimmung Lust auf mehr macht, kommt hingegen in der zweiten Staffel das Finale sehr hastig daher. Das ist unterm Strich sehr schade, da bis zur Mitte der Anime grundsolide und unterhaltsam wirkt. Ein, zwei Folgen mehr und die Geschichte wäre wesentlich runder ausgefallen.