Sechs Jahre nach ihrer Erstausstrahlung hat es die britische Kultserie „Being Human“ endlich auch ins deutsche Fernsehen geschafft. Während das gleichnamige US-Remake hierzulande bereits im Fernsehen sowie auf DVD und Blu-ray ausgewertet wurde, war die ursprüngliche BBC-Show um eine übernatürliche Wohngemeinschaft bislang nur als Import erhältlich. Ab 16. März zeigt ProSieben Fun nun immer sonntags um 20:15 Uhr das Original der Fantasy-Dramedy.

Being Human (UK) - FeaturetteEin weiteres Video

UK- versus US-Version?

Die Figurenkonstellation ist in der Vorlage und ihrem US-Pendant nahezu identisch, inhaltlich aber beschritt die Neuauflage der Serie schon nach wenigen Folgen eigene Pfade. An einer simplen Wiederholung schien Toby Whithouse, der Creator und Autor beider Versionen, augenscheinlich kein Interesse gehabt zu haben – und so können Original und Remake als jeweils Umsetzung der gleichen Idee betrachtet werden, ohne sie gegeneinander ausspielen zu müssen.

Being Human (UK) - UK- versus US-Version?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 26/301/30
Die liebenswerteste übernatürliche WG des britischen Fernsehens: George (Russell Tovey), Annie (Lenora Crichlow) und Mitchell (Aidan Turner).
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Welches der Besetzungstrios man dabei bevorzugt, bleibt genauso Geschmackssache wie die unterschiedliche fernsehästhetische Aufbereitung der Serien. Die BBC-Three-Version ist insgesamt deutlich eigenwilliger inszeniert: visuell eher schmucklos, mit einem Touch Working-Class-Romantik und ungleich weniger ausgeprägtem Interesse an Spezialeffekten und Genrehokuspokus. Gemäß TV-Tradition auch phantastischer britischer Serien überzeugt „Being Human“ eher auf Dialog- und Handlungs- statt auf Bildebene.

Originell war es natürlich auch 2008 schon nicht, eine weitere Serie um Vampire, Werwölfe und anderweitige Horrorarchetypen zu konzipieren. Anders als „Supernatural“, „True Blood“ oder „The Vampire Diaries“ liegt das Augemerk zumindest des britischen Formats aber auf einem beinahe sozialrealistischen Ansatz: Gerade die trotz aller übernatürlichen Voraussetzungen verfolgte (oder eher: von den Figuren angestrebte) Gewöhnlichkeit des beschriebenen Alltags unterscheidet „Being Human“ von seiner Fernsehkonkurrenz.

Being Human (UK) - UK- versus US-Version?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Jeden Vollmund das gleiche Ritual: George verwandelt sich wider Willen in einen Werwolf. Doch er wird lernen müssen, sein Schicksal zu akzeptieren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die zum Geisterdasein verdammte Annie (Lenora Crichlow, „Sugar Rush“), der Werwolf George (Russell Tovey, „Gavin & Stacey“) und dessen Vampir-Freund Mitchell (Aidan Turner, nunmehr bekannt als Kili aus den „Hobbit“-Filmen) versuchen so gut es eben geht, sich ins normative Gefüge einzupassen. George und Mitchell arbeiten im Krankenhaus, Annie hält die gemeinsame WG in Schach – und sollte es zu Verwandlungen oder ähnlichen Nebenerscheinungen kommen, werden dafür einfach entsprechende Vorbereitungen getroffen.

Probleme gibt es ohnehin genug. So müssen sich die drei mit psychopathischen Vermietern, dem Oberhaupt eines Vampirclans und der CenSSA (Zentrum für übernatürliche Aktivitäten) herumschlagen. Und als wahre Monster erweisen sich schließlich ganz normale Nachbarn: In einer der besten Folgen der Serie bekommt es Mitchell mit einem Lynchmob aufgebrachter Bürger zu tun, die ihre Fremdenfeindlichkeit als Kinderschutz verstanden wissen wollen. Hier greift „Being Human“ effektiv Alltagsressentiments auf, um sie in einen phantastischen Kontext einzubetten.

Being Human (UK) - UK- versus US-Version?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 26/301/30
Poltergeist Annie enträtselt das Geheimnis ihres Todes und möchte die Tür ins Jenseits dennoch nicht durchqueren. Ihre Freunde brauchen sie schließlich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein Leben wie im Hotel California

Zum besonderen Reiz der Serie zählen dann auch die Hindernisse der drei Protagonisten, das eigene unmenschliche Dasein mit den Gegebenheiten ihrer Umwelt zu vereinbaren. Wenn George etwa in der Pilotfolge verzweifelt durch den Wald irrt, um ein gefahrenloses Plätzchen zur Mutation bei Vollmond zu suchen, er aber an jeder Ecke auf Störenfriede stößt, ist das genauso amüsant wie die passenden Lyrics der dazu eingespielten Arctic Monkeys: „They said it changes when the sun goes down“.

Überhaupt die Songs: „Smack my Bitch up“ von The Prodigy, wenn George das Biest in sich bekämpft. Annies Einsamkeit zu „Friendly Ghost“ von den Eels. Mitchells nicht immer problemlos zu unterdrückender Blutdurst, während Muse „controlling my feelings for too long“ aus ihrem Klassiker „Showbiz“ einstimmen. Zum Unmut vieler Fans wurde die Musik jedoch für die englische DVD-Ausgabe aus lizenzrechtlichen Gründen ausgetauscht – bleibt demnach zu hoffen, dass ProSieben Fun auf die originalen TV-Master zurückgreifen kann.

Being Human (UK) - UK- versus US-Version?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Der schöne Vampir Mitchell, die interessanteste und bestbesetzte Figur der Serie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die berechtigte Frage, warum die mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Protagonisten ihr Schicksal nicht einfach mal auskosten, statt es fortlaufend zu bedauern, beantwortet die Serie eher im weiteren Verlauf. Und leitet daraus ihr Drama ab: Wie jede TV-Show braucht auch diese ihre Konflikte, sei es die Trauer um menschliche Hinterbliebene, zu denen nun kein wirklicher Kontakt mehr hergestellt werden kann. Oder die Sehnsucht nach einer Partnerschaft, bei der die neuerlichen Monstrositäten kein Liebeshindernis darstellen mögen.

Die ganz normalen Alltagsnöte einer charmanten Grusel-WG. Wem die US-Version zu gelackt erschien, der sollte einen Blick auf das britische Original wagen.Fazit lesen

Entsprechend ist „Being Human“ versucht, jedem der drei Hauptfiguren in eigenen Subplots gerecht zu werden. Während der ersten Staffel etwa sehnt sich Annie nach ihrem Ex-Freund Owen (Gregg Chillin), bevor sie mithilfe eines anderen Geistes hinter das Geheimnis ihres Todes kommt. Werwolf George ist um eine Beziehung zu seiner Kollegin und späteren Leidensgenossin Nina (Sinead Keenan) bemüht. Und Mitchell setzt alles daran, die von ihm gebissene Lauren (Annabel Scholey) und deren Mordlust in Schach zu halten.

Immer wieder konfrontieren die Nebenfiguren dabei die Helden mit den Verlockungen ihres Andersseins und stellen deren selbst verordnete Normalität in Frage. Warum George sich so vehement sträubt, den „großen, bösen Wolf“ in sich zu entdecken, oder wieso Mitchell nicht akzeptieren mag, dass sein Vampirdasein wie das Hotel California sei: Er könne zwar auschecken, aber es doch nie verlassen. Auch wenn das noch lange kein Grund ist, sich deshalb gleich dem gefährlichen Vampirführer Herrick (Jason Watkins) anzuschließen.