„Bates Motel“ gab es schon einmal. 1987 wurde ein Fernsehfilm als Pilot zu einer nie verwirklichten Serie gedreht. Norman Bates kam darin nicht vor, stattdessen hatte er sein Hotel einem Freund hinterlassen, den er aus der Psychiatrie kannte. Das damalige „Bates Motel“ war – man muss es so hart sagen – wirklich schlecht, das neue „Bates Motel“ ist dahingegen ein gänzlich anderes Biest. Die neue Serie führt „Psycho“ nicht im Titel, ist Alfred Hitchcocks Meisterwerk aber durchaus würdig.

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Einen Free-TV-Termin hat „Bates Motel“ noch nicht, aber im Pay-TV-Sender Universal Channel läuft die zehnteilige Staffel ab dem 11. September jeden Mittwoch um 21 Uhr.

„Bates Motel“ ist, wenn man so will, die Vorgeschichte von „Psycho“, das aber auch nur theoretisch. Denn die Serie ist nicht wirklich ein Prequel, sie spielt zeitlich nicht vor dem Film von 1960, sondern in der Gegenwart. Es ist eine alternative Version der Geschichte, die zeigt, wie Norman Bates wurde, wer er ist, und wie die Beziehung zu seiner Mutter aussah.

So hat man als Zuschauer die Kenntnis von „Psycho“ im Hinterkopf, die Serie selbst muss aber nicht zwangsläufig auf die Ereignisse dieses Films zusteuern. Aber: Es wäre verdammt überraschend, wenn zum Ende der Serie, wann auch immer das sein wird, nicht „Psycho“ stehen würde, wie man ihn kennt.

Ein Junge und seine Mutter

Nachdem sein Vater bei einem Unfall verstorben ist, zieht Norman mit seiner Mutter Norma in eine andere Stadt. Norma hat ein Motel gekauft, mit dem sie künftig ihren Lebensunterhalt verdienen will. Doch das Motel kommt mit einem herben Problem daher: Der Vorbesitzer verlor es, weil die Bank den Besitz zwangsversteigert hat. Er attackiert Norma, vergewaltigt sie, wird dann aber von ihr getötet, was eine Kettenreaktion in Gang setzt.

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Norman hat seiner Mutter geholfen. Er hilft ihr auch, die Leiche zu beseitigen. Der 17-jährige ist ein sonderbarer junger Mann, der sich in die Mitschülerin Bradley verliebt. Sehr zum Verdruss der chronisch kranken Emma, die ein Auge auf Norman geworfen hat.

Bates Motel - Mörderisch spannend: die Vorgeschichte zu Psycho

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Ödipus-Komplex: Bates und seine Mutter.
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Und da ist da auch noch Normans älterer Bruder Dylan, der mit seiner Mutter im Clinch liegt, aber bei ihr einzieht, da er sonst nirgendwo hin kann. Er findet einen Job in der Stadt, aber ganz koscher ist dieser nicht. Das mag allerdings für die meisten Bewohner und ihre Machenschaften gelten.

Die Idee, die Geschichte des jungen Norman Bates zu erzählen, ist nicht neu. Schon in „Psycho IV“ beschritt man diesen Weg und brachte ausufernde Rückblicke in die Kindheit und Jugend von Norman Bates. Man zeigte, wie er zu dem Mörder wurde, als den man ihn kennt. Es gibt aber einen starken Unterschied: Seine Mutter war in dem Film jemand, der ihn körperlich und seelisch misshandelt hat. In „Bates Motel“ liebt Norma ihren Sohn abgöttisch. Genau das ist das Problem, aber auch nur eines von vielen.

Bekannt und neu

Auch wenn man glaubt zu wissen, was passiert, hält „Bates Motel“ doch einige Überraschungen bereit, nicht zuletzt die, dass Norman einen Bruder hat. Der faszinierendste Aspekt der Serie ist die Beziehung zwischen Norma und Norman, die oftmals von einer sehr unnatürlichen Atmosphäre getragen wird. Vera Farmiga und Freddy Highmore spielen exzellent. Sie sind in der Lage, ihre Figuren so facettenreich zu gestalten, dass man nie ganz weiß, wie man nun zu ihnen steht. Sie haben sympathische Seiten, lieben einander, kränken sich dann aber auch wieder und kurz darauf ist es so, als sei nie etwas gewesen.

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Es geht jedoch nicht nur darum, dass Norman langsam zu dem Mann wird, den man aus „Psycho“ kennt. Die Macher haben der Stadt einen Hintergrund verpasst, der sie wie ein Twin-Peaks-Zwilling erscheinen lässt. Die ökonomisch heruntergekommene Stadt lebt im Grunde vom Marijuana-Handel und kaum jemand hat eine weiße Weste – oder zumindest hat es angesichts dessen, was man in den zehn Folgen der Staffel sieht, diesen Eindruck.

Kinoreifes Ensemble

Entwickelt wurde „Bates Motel“ von Anthony Cipriano, Kerry Ehrin („Friday Night Lights“) und Carlton Cuse („Lost“). Die Hauptrollen wurden exzellent besetzt. Normans Mutter wird von Vera Farmiga („The Departed“) dargestellt, während Freddy Highmore („Von der Kunst, sich durchzumogeln“) in die Haut des gestörten Jugendlichen schlüpft. Als Sheriff der Stadt agiert Nestor Carbonell („Lost“), während sein Deputy von Mike Vogel („Under the Dome“) dargestellt wird. Normans Bruder Dylan wird von Max Thierot gespielt, der zuvor u.a. in „House at the End of the Street“, einer Art Teenie-Version von „Psycho“, zu sehen gewesen war.

Bates Motel - Mörderisch spannend: die Vorgeschichte zu Psycho

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"Bates Motel" erzählt gewissermaßen die Vorgeschichte zu Alfred Hitchcocks "Psycho".
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Nicht nur die Besetzung trägt dazu bei, der Serie Kino-Feeling zu bescheren. Anders als bei einem Film hat die Show aber weit mehr Raum, sich bei der Figurenzeichnung entfalten zu können. Das Ergebnis ist der intensivste Einblick in die Psyche von Norman Bates, die es jemals gegeben hat.