„Was haben folgende Dinge gemeinsam: Bluthochdruck, Hepatitis, Anämie und ein vergrößertes Herz“, fragt der Arzt den seit fünf Jahren zum Streifendienst zwangsversetzten Backstrom, der nun in der Special Crimes Unit eine neue Chance erhält. Die Antwort des Polizisten: „Ich hab das alles.“

Backstrom - Season Trailer

So beginnt „Backstrom“, die neue, leider sehr kurzlebige Serie von Hart Hanson („Bones“), die auf den Romanen des schwedischen Autors Leif G.W. Persson beruht. Für die Fernsehserie wurde die Handlung in die USA verlegt, nach Portland im US-Bundesstaat Oregon. Gedreht wurde aber sehr viel weiter nördlich: im kanadischen Vancouver.

Im Mittelpunkt der Serie steht der Polizist Everett Backstrom (Rainn Wilson), ein übergewichtiger, jähzorniger, zynischer Arsch. Man kann es nicht anders sagen. Der Typ ist unangenehm. Er haut rassistische Sprüche raus, er ist respektlos, er ist im klassischen Sinne des Wortes asozial, aber er ist auch ein verdammtes Genie, wenn es darum geht, Verbrechen zu lösen. Er sieht Zusammenhänge, die im Grunde nicht erkennbar sind, so als hätte er eine Eingebung.

Zur Streifenpolizei wurde er versetzt, nachdem er den Killer mehrerer Indianer kaltgestellt hatte. Eigentlich also ein Held, aber dann ließ er eine rassistische Bemerkung raus, die ihn sofort zur Degradierung führte.

Backstrom - Ein brillanter Polizist, ein echtes Arschloch!

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Einen besseren Hauptdarsteller als Rainn Wilson hätte man kaum finden können.
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Nun muss er sich mit einem indischen Arzt herumschlagen, der ihn gesundheitsbedingt nur zum Teil für einsatzfähig hält, hat ein paar Kollegen, für die er auch nur selten ein nettes Wort parat hat und hängt sich in die Arbeit rein. Denn mehr als das hat er im Grunde auch nicht.

Perfekt besetzt

Für solch ein illustres Mitglied der menschlichen Spezies braucht es natürlich auch den richtigen Schauspieler. Rainn Wilson ist ideal. Er hat schon häufig gezeigt, dass er sozial unangepasste, total merkwürdige Eigenbrötler spielen kann. Man erinnere sich nur an seinen Real-Life-Superheld in „Super“.

Hier läuft er nun als ungepflegter Polizist herum, säuft im Dienst, fälscht Beweise und droht Verdächtigen auch, ihnen den Mord anzuhängen, wenn sie nicht mit Informationen herausrücken. Klar, im echten Leben möchte man so einem Subjekt bestimmt nicht begegnen, ihm bei seinem Treiben zuzuschauen, ist aber eine diebische Freude. Besonders gilt das für die Szenen, wenn er sich in andere Figuren hineinversetzt, um intuitiv zu spüren, warum sie getan haben, was sie taten.

Backstrom - Ein brillanter Polizist, ein echtes Arschloch!

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Bislang sieht es so aus, als würde es bei einer Staffel bleiben. Wäre durchaus schade.
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Neben Wilson gibt es mit Dennis Haysbert („24“, „The Unit“) als Polizist und Wochenendprediger und Thomas Dekker („The Secret Circle“) als Backstroms schwuler Unterwelt-Kontakt noch zwei bekannte Namen. Wiederkehrend sind zudem Sarah Chalke („Scrubs“) und Robert Forster („Jackie Brown“) als sein Vater dabei.

Gute Krimikost

Klar, sozial unangepasste, fast schon feindselige asoziale Ermittler hat man gerade in den letzten Jahren häufig gesehen. Das ist heutzutage nichts Neues mehr, so dass „Backstrom“ auch nicht unbedingt Punkte für Originalität bekommt. Aber die Umsetzung kann sich sehen lassen.

Die Kriminalfälle sind hübsch gemacht, hin und wieder mit einem Twist und schön anzusehen. Aber der eigentliche Reiz der Show liegt natürlich in den Figuren, und hier vor allem in der Interaktion, denn mit einem Typen wie Backstrom (nach dessen Vater ein besonders ungesundes Frühstück benannt wurde) kann man natürlich nur schwer zusammenarbeiten. Im echten Leben würde sich jeder von ihm fernhalten, aber das ist Fernsehen: Da macht es Spaß, zu sehen, wie die Umwelt mit einem solchen Typen zurechtkommt.