Alles beginnt mit einem Notruf. Ein Mann berichtet, dass er glaubt, bei seinen Nachbarn hätte es eine Home Invasion gegeben. „Sie sehen ziemlich tot aus“, sagt er – und er hat Recht. Noch in derselben Nacht wird Russ (Timothy Hutton), der Vater des ermordeten Matt, angerufen. Er muss die Leiche identifizieren.

Das ist der Auftakt zu „American Crime“, einer neuen Serie, die John Ridley („12 Years a Slave“) entwickelt hat und die nur wenige Tage nach dem US-Start auch in Deutschland ausgestrahlt wird. Es ist, wie der Titel es vorgibt, eine sehr amerikanische, zugleich aber auch eine universelle Geschichte, da hier Themen angesprochen werden, die jeder Gesellschaft inhärent sind.

American Crime - Ist es ein Verbrechen aus Hass oder nur Abbild einer Gesellschaft, die das Hassen kultiviert hat?

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John Ridleys Serie trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf.
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Matt wurde ermordet, seine Frau Gwen vergewaltigt. Die Polizei sucht nach den Tätern. Sie findet den Besitzer des Wagens, der am Tatort gesehen worden ist. Dessen Sohn hat den Wagen vermietet. An ein Gang-Mitglied, das ihn immer wieder benutzt hat. Nun wohl für einen Mord. Hector, das Gang-Member, wird verhaftet, und er verrät Carter, der gerade mit seiner drogensüchtigen Freundin Aubrey chillt. Auch er wird verhaftet.

Es scheint ein klarer Fall zu sein. Matts Mutter Barb (Felicity Huffman) rechnet schon mit der Todesstrafe, und überlegt, wie lange es dauern mag, bis die Exekution stattfindet. Russ, der von Barb getrennt lebt, ist völlig durch den Wind, so wie auch Gwens Eltern.

Aber die Ermittlungen gehen voran, das Ergebnis scheint klar zu sein – bis eine Polizistin Russ darauf anspricht, ob er wusste, dass sein Sohn mit Drogen zu tun hatte. In dessen Haus wurde eine derartige Menge gefunden, dass sie unmöglich für den Eigengebrauch gewesen sein konnte. Es ist ein „American Crime“, das hier stattfand – und es lässt niemanden unbescholten zurück.

American Crime - Ist es ein Verbrechen aus Hass oder nur Abbild einer Gesellschaft, die das Hassen kultiviert hat?

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Wie geht man mit so einer Tat um?
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Brandaktuell

John Ridley hat sich in seiner Karriere schon häufig mit Stoffen auseinandergesetzt, die sich mit dem Rassismus in der Gesellschaft befasst haben. Das ist auch der Kern von „American Crime“, denn es geht im Grunde weniger darum, wer Matt getötet hat und warum, als vielmehr, dass die Gesellschaft als Ganzes krank ist. Es ist ein Verbrechen, das sich durch alle Schichten zieht. Das Übel des Rassismus, der nicht nur von Weiß gegen Schwarz, sondern auch von Hispano gegen Hispano ausgeübt wird. Er ist latent vorhanden, er ist mal stärker, mal schwächer ausgeprägt, aber er ist die Wurzel allen Übels.

Mehr als nur eine Krimiserie, ein Diskurs über die Gesellschaft als Ganzes.Fazit lesen

John Ridley zieht seine Geschichte ganz groß auf. Er will ein Sittenporträt liefern, den Mikrokosmos einer Stadt, weniger Familien nutzen, um zu zeigen, wo die Probleme nicht nur in den USA, sondern in der Welt allgemein liegen.

Er hat dafür Figuren entwickelt, die absolut realistisch sind. Das sind Menschen aus Fleisch und Blut, keine Abziehbilder, keine Stereotypen, keine Film- und Fernsehgestalten. Die Schauspieler gehen voll darin auf. Sie zeigen den Schmerz ihrer Figuren, die Unsicherheit ob der Ereignisse, das Hoffen, Bangen und Verzweifeln – und alles dazwischen. Das ist ganz, ganz großes Schauspielformat.

Die Drehbücher werden dem gerecht. Die Menschen sprechen, wie es Menschen tun. Sie stocken mitten im Satz, verhaspeln sich, beginnen Sätze neu. Das hier ist nicht geschleckte Dialogkunst, das ist ehrliches, bodenständiges Reden.

Exzellent besetzt

Mit Felicity Huffman und Timothy Hutton sind zwei große Darsteller in den Hauptrollen zu sehen. Huffman spielt eine Rassistin. Das macht sie abstoßend, aber ihr Leid erzeugt auch Mitgefühl. Hutton ist eine verlorene Seele, ein Mann, der vieles im Leben falsch gemacht hat und gerade, als er dachte, dass er alles wieder auf die Reihe bekommt, den Sohn verliert, dem er erst wieder nahe gekommen ist.

Dazu kommen eine Reihe Newcomer, die sich wirklich die Seele aus dem Leib spielen.