Ein Kunstexperiment soll es sein. Ab Samstag, den 14. März, wird bis zum Dienstag, den 24. März, auf der Webseite 11tage.florianmehnert.de ein Countdown laufen, der laut Künstler Florian Mehnert mit einem Massaker enden dürfte.

Denn zu sehen sein wird in diesen Tagen eine Ratte in einem Käfig, die darin ihrem täglichen Leben nachgeht. Sobald der Countdown jedoch abgelaufen ist, wird eine im Bild zu sehende Waffe scharfgestellt, die die Zuschauer mittels Mausklick abfeuern können.

Mit dem Experiment will er Aufmerksamkeit erregen und schockieren: ihm geht es dabei um weltweite Überwachung und zielgerichtete Tötung durch Kampfdrohnen. Denn nur wenige Leute würden wissen, wie massiv diese Methoden eingesetzt werden und dass sie auch persönlich davon betroffen seien.

Denn wenn in Afghanistan ein mutmaßlicher Terrorist durch eine Kampfdrohne erschossen werde, dann würde das niemanden in Deutschland interessieren. Es sei nämlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die Drohnen auch andersherum eingesetzt würden: "Was ist das denn für eine Hybris der Amerikaner und auch der Bundesregierung? Wer sagt denn, dass der IS nicht auch Drohnen über Berlin fliegen lässt?"

Drohnen werden laut Mehnert in Deutschland etwa zur Überwachung von Demonstrationen oder anderen Großereignissen verwendet. Er möchte mit diesem Livestream darauf aufmerksam machen, dass jeder zielgerichteten Tötung durch eine Kampfdrohne auch eine Überwachung Rund um die Uhr vorausgehe.

Auf der anderen Seite erhofft er sich, dass die Tierschützer dieses Experiment zum Anlass nehmen, um auf ihre eigenen Anliegen aufmerksam zu machen und beispielsweise Versuche an Labortieren zu thematisieren: "Eine Ratte stirbt im Dienste der Kunst. Mir wäre es auch lieber, wenn das nicht nötig wäre. Aber die Menschen sind heutzutage so dermaßen abgestumpft, da muss die Kunst eine Grenzüberschreitung begehen."

Auf der Webseite, die momentan aufgrund der vielen Zugriffe überlastet ist, ist auch eine Umfrage vorhanden. Dieser zufolge wollen zahlreiche Leute die Ratte tot sehen. Ihn überrasche dieses Ergebnis nicht, da das Unterbewusstsein auf einer abstrakten kognitiven Ebene zwischen Fiktion und Realität nicht unterscheiden könne. Daher werde alles zum Spiel und es werde sicherlich auch einige Leute geben, die das Schießen auf eine Ratte witzig finden.