#GamerGate. Kein anderer Begriff geistert derzeit mehr durch die Spielepresse, und kein Begriff wird dabei so missverstanden und verdreht wie dieser Begriff. #GamerGate. Geht es hierbei nun um den Kampf gegen korrupten Spielejournalismus oder um eine Anti-Bewegung gegen Frauen in der Spieleindustrie? Worum es auch immer gehen mag, der US-Komiker und Moderator Stephen Colbert hat in seiner Sendung The Colbert Report die einzig richtige Herangehensweise an das Thema gewählt - die satirische.

Aktuelles - Feministin Anita Sarkeesian zu Besuch bei Stephen Colberts The Colbert Report

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Feministin Anita Sarkeesian zu Gast bei Stephen Colbert
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Das Thema #GamerGate jetzt ausführlich zu erklären würde den Rahmen einer einfachen News sprengen. Zu tief, zu verzweigt, zu unübersichtlich, ja geradezu kaninchenbauartig sind die Wege, die Befürworter und Gegner der GamerGate-Bewegung mittlerweile eingeschlagen haben. Und schlimmer noch: Im Grunde glaubt jedes Lager zu wissen, worum es bei dieser Bewegung geht, während man als Außenstehender nicht umhin kommt, zu glauben, dass hier eigentlich unterschiedliche Lager gepflegt aneinander vorbeireden.

Um es kurz und knapp zusammenzufassen: Alles begann mit dem Vorwurf von Eron Gjoni, der in seinem Blog seiner Ex-Freundin, Spiele-Entwicklerin Zoe Quinn (Depression Game) vorwarf, ihn mehrmals betrogen zu haben. Darunter auch mit Nathan Grayson, seines Zeichens Redakteur bei Kotaku. Schnell begann die Internetgemeinde Quinns Status als Spiele-Entwicklerin mit Graysons Status als Spielejournalist zu verknüpfen, obwohl Grayson Quinn nur stellenweise in seinem Bericht über eine Reality-Show über Indie-Spiele zitierte, und das, noch bevor er fest bei Kotaku einstieg. Es folgte der Vorwurf der Korruption - positive Berichte über Quinns Projekte im Austausch für Sex? Tatsächlich war es der Schauspieler Adam Baldwin, der den Hashtag #GamerGate in einem Tweet in die Welt setzte.

GamerGate war also in diesem Kontext eine Bewegung gegen missbräuchliche Berichterstattung, die auf Korruption innerhalb des Geflechts aus Spielejournalismus und Spiele-Entwicklern bestand. Doch die enge Verknüpfung des Falls Zoe Quinn, der zunächst in der sogenannten Quinnspiracy behandelt wurde, führte auch zur unglücklichen Annahme, bei #GamerGate handle es sich um eine konservative, frauenfeindliche Bewegung gegen Spiele-Entwicklerinnen und generell Frauen in der Spieleindustrie, was so auch von Feministinnen wie Anita Sarkeesian oder Spiele-Entwicklerin Brianna Wu so kommuniziert wurde.

Dass nun Störenfriede das Chaos nutzen würden, um Öl ins Feuer zu gießen, indem sie Sarkeesian und weitere weibliche Spieleindustrie-Schaffende über das Internet attackieren, war genauso abzusehen wie die Antwort der Feministinnen, die in GamerGate eine allgemeine Verschwörung der männlichen Spielegemeinde sehen, Frauen zu unterdrücken. Einige bezeichnen #GamerGate sogar als Waffe der konservativen Weißen, was einige Netizens dazu brachte, die Bewegung #NotYourShield ins Leben zu rufen. Eine Bewegung, die für das Gleiche kämpft, und die ursprüngliche Intension von #GamerGate verfolgt, nur eben aus der Sicht der angeblichen Minderheit, sprich Nicht-Weiße und auch Frauen.

GamerGate wurde so laut und so groß, dass es auch die Aufmerksamkeit und das Interesse der Medien abseits des Spielejournalismus erregte. Von der Times bis zur Frankfurter Allgemeine versuchten sich alle der Sache zu nähern.

Ihr seht, selbst kurz und knapp zusammengefasst, fällt das Ganze alles andere als kurz aus. Wer versucht, sich in diesem Dschungel an Berichten, Blogs, Aussagen, Vorwürfen und Anfeindungen zurechtzufinden, verliert sich schnell in weitere Verstrickungen und kommt unter Umständen vom Weg ab.

Da kommt dann auch der US-Satiriker und Moderator Stephen Colbert ins Spiel. Colbert, der durch die satirische Nachrichtensendung The Daily Show zu Berühmtheit gelang, erhielt er ab 2005 seine eigene Sendung auf Comedy Central, die als Spin-off zur Daily Show gedacht war. In The Colbert Report geht es zumeist um politische Themen. Aber auch brisante aktuelle Geschehnisse werden durchaus mal behandelt. So auch GamerGate. Dazu lud er die lauteste weibliche Gegenstimme Anita Sarkeesian ein.

Natürlich war es klar, dass Sarkeesian weiterhin stur an ihrer Meinung festhalten würde, GamerGate sei eine Bewegung gegen Frauen in der Spieleindustrie, doch Colbert wusste mit gewitzten Aussagen und Argumenten dagegenzuhalten, und entlarvte die gesamte Kontroverse der letzten Monate als das, was sie wirklich ist - eine einzige Farce.

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