Mittlerweile ist es nicht mehr so ungewöhnlich, dass ehemals erfolgreiche Serien ganz offiziell in Comic-Form fortgesetzt werden. „Buffy“ hat es vorgemacht, wo unter Federführung von Joss Whedon die Seasons 8 und 9 produziert wurden und die zehnte Staffel schon in den Startlöchern steht. Um die zehnte Staffel handelt es sich auch bei einer Erfolgsserie, die ihr 20-jähriges Bestehen auch schon hinter sich hat: „Akte X“.

Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI - Teaser Trailer #2Ein weiteres Video

Comics gab es dazu auch schon früher, als die Fernsehserie noch lief, nach dem zweiten Kinofilm scheint das Franchise relativ tot, was bewegtes Bild betrifft. Vielleicht auch deswegen ist der amerikanische Verlag IDW in die Presche gesprungen und konnte Chris Carter bewegen, als ausführender Produzent für die neue Comic-Serie tätig zu werden, die zeitlich nach dem zweiten Kinofilm spielt. Und nach dem verhängnisvollen Tag im Dezember des Jahres 2012, in dem die Alien-Invasion eigentlich hätte stattfinden sollen. Aber sie ist nicht gekommen.

Akte X - Staffel 10 - Endlich: Mulder und Scully sind wieder da!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 16/191/19
Diese Zeiten sind schon lange vorbei.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die brandneue Serie wird recht zeitnah zur US-Veröffentlichung von dem noch jungen Verlag dani books für die hiesigen Fans aufbereitet. An den Start ging die neue Serie im Dezember 2013 mit dem ersten Band „Believers“, der auf 136 Seiten die erste große Geschichte der zehnten Staffel präsentiert.

Als Autor fungiert Joe Harris, für die zeichnerische Umsetzung ist Michael Walsh verantwortlich. Er ist auch der Schwachpunkt des Bandes. Seine Zeichnungen wirken etwas unbeholfen. Sie erinnern an Charlie Adlards Arbeiten in den frühen „Akte X“-Comics der 90er Jahre, lassen aber deren Eleganz vermissen.

Zurück an die Front

Mulder und Scully leben zurückgezogen und unter falschem Namen. Aber dann sucht Deputy Director Walter Skinner sie auf, da er sie warnen will. Jemand ist in die Datenbanken des FBI eingedrungen und hat dabei besonderes Interesse für die X-Akten und die seinerzeit damit betrauten Agenten gezeigt. Was die unbekannten Eindringlinge aber wirklich wollen, ist Scullys Sohn William, der bei einer Pflegefamilie lebt.

Akte X - Staffel 10 - Endlich: Mulder und Scully sind wieder da!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 16/191/19
Und so sieht Akte X heute aus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Scully wird entführt und Mulder trifft auf den Zigarettenraucher, der ihm erklärt, mit wem er es zu tun hat: den so genannten Akolyten, die Hybridwesen sind und über Stärken, aber auch Schwächen der außerirdischen Soldaten verfügen. Sie attackieren Agent Reyes und Doggett – letzterer verschwindet sogar. Mulder jagt ihnen hinterher, um Scully zu retten und braucht dafür auch die Hilfe von drei Verschwörungstheoretikern, die gemeinhin für tot gehalten werden: die einsamen Schützen.

Zurück zum alten Status Quo

Die erste fünfteilige Geschichte „Believers“ ist vor allem dazu da, den Status Quo der Fernsehserie neu zu etablieren. Im zweiten Kinofilm waren Mulder und Scully schon keine Agenten des FBI mehr, wenn es aber um die X-Akten geht, ist das unumgänglich. So nutzt Harris die Geschichte, um Mulder und Scully wieder in den aktiven Dienst treten zu lassen. Das funktioniert recht gut und wirkt auch organisch.

Ganz anders als etwa das überraschende Überleben der einsamen Schützen, die ihren Tod nur getürkt haben, wie man hier nun erfährt. Das erscheint aber des Guten ein bisschen zu viel. Manche Opfer sollten einfach nicht revidiert werden, zumal sie nicht die einzigen Totgeglaubten sind, die hier agieren. Als man den Zigarettenraucher in der finalen Episode „Die Wahrheit“ gesehen hat, war ziemlich klar, dass er nicht überlebt. Und doch ist es ihm gelungen, was letzten Endes nur deswegen der Fall ist, weil möglichst viele bekannte „Akte X“-Elemente hier vorhanden sein sollen.

Akte X - Staffel 10 - Endlich: Mulder und Scully sind wieder da!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 16/191/19
"Akte X - Jenseits der Wahrheit": der Comic setzt direkt nach diesem Film an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Immerhin nutzt Harris den geheimnisvollen Zigarettenraucher, um ein neues Mysterium auf den Weg zu bringen. Immer wieder verfällt er in eine Art Trance und redet wirres Zeug, das zu einem späteren Zeitpunkt der Serie sicherlich noch von Bedeutung sein wird.

Die Geschichte selbst fühlt sich schon wie klassische „Akte X“-Unterhaltung an, da mit den Akolyten auch die Verschwörung, die die Fernsehserie ausmachte, wieder aufgegriffen, aber zugleich auch neu definiert wird. Nach dem Invasionstag, der nicht kam, ist alles anders: Neue Bündnisse, neue Feindschaften, neue Loyalitäten, neue Ziele. Davon wird hier natürlich nur wenig gezeigt, aber ein fruchtbarer Boden wird bereitet, um eine langlebige Serie zu etablieren.

Chris Carter ist der Schirmherr dieser Comic-Serie, die direkt an den zweiten Film anschließt, aber zum Status Quo der Fernsehserie zurückfindet.Fazit lesen

Was als nächstes kommt

Harris kennt sich mit der Serie aus. Er hat auch vor, immer wieder direkte Bezüge einzustreuen. Und so manches Sequel zu alten Episoden wird es auch geben. Im zweiten Band der Reihe, der im Lauf des Jahres auf den Markt kommt, gibt es darum auch ein Wiedersehen mit dem Kiemenmenschen aus „Der Parasit“, einer frühen Folge der zweiten Staffel. In dem Comic-Mehrteiler wird auch enthüllt, wie dieses Wesen entstanden ist. Hier wechselt übrigens auch der Zeichner. Elena Casagrande überzeugt dabei mit einem sehr viel gefälligerem Artwork.

Aber das ist noch Zukunftsmusik, unterm Strich weiß auch „Believers“ zu gefallen, wenn auch mehr durch die inhaltliche Ausrichtung als durch die visuelle Umsetzung.