Zu Lande, in der Luft und jetzt auch im Wasser versucht Wargaming, leichte Kost für die Fans schwerer Kriegsgeräte zu präsentieren. Bei World of Tanks ging die Rechnung auf, bei World of Warplanes nicht. Mit World of Warships muss Wargaming jetzt beweisen, dass die Panzer kein reiner Glückstreffer waren.

Im Laufe seiner fast fünfjährigen Geschichte hat World of Tanks so manchen mehr oder weniger zweifelhaften Rekord aufgestellt. Unzweifelhaft jedoch ist, dass dieses Spiel eine gewaltige Schar von Anhängern begeistert. Registriert haben sich mittlerweile über 60 Millionen Menschen. Erstaunlich ist das vor allem, weil das Unternehmen im Laufe der Entwicklungsphase mehrfach versucht hatte, einen großen Publisher und Investor für das Projekt zu gewinnen.

Alle guten Dinge sind drei!

Ohne Erfolg - die Giganten der Brachen räumten dem Panzergeschiebe keine Bedeutung ein und dürften sich heute, da Wargaming selbst zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Branche geworden ist, gehörig dafür in den Allerwertesten beißen. Doch so wundervoll der Erfolg von World of Tanks auch ist - auf einem Bein kann man nicht dauerhaft stehen - schon gar nicht in der rasanten Welt der Unterhaltungselektronik.

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Und so werkelt man bei Wargaming, mittlerweile auf Zypern ansässig, an weiteren Titeln, die für Wachstum sorgen und den Unternehmenserfolg auch langfristig sichern sollen. Das allerdings ist nicht ganz einfach, wie der Ausflug in die Lüfte gezeigt hat. Mit World of Warplanes hat Wargaming Ende 2013 nämlich einen mittelschweren Crash hingelegt.

Lufthoheit verloren

Die extrem vereinfachte Steuerung, die bei Panzerschlachten betörend unterhaltsam ist und dem Spiel ein strategisches Element verpasst, wollte sich einfach nicht auf Flugzeuge übertragen lassen. Wer mit Flugzeugen fliegen möchte, so die Lektion, die Wargaming gelernt haben sollte, will nicht komplett auf alles verzichten, was eine gute Simulation ausmacht.

Wargaming braucht dringend ein paar neue Ideen, sonst geht man auch mit World of Warships baden.Ausblick lesen

Der Misserfolg von World of Warplanes hat dafür einem anderen Studio einen ordentlichen Schub verpasst und Gaijin mit dem simulationslastigeren War Thunder zum unangefochtenen König der Lüfte gemacht. Gleichzeitig gewinnt letzterer seit dem Start der Ground Forces auch in der Panzerschlacht spürbar an Boden.

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Alle Mann an Bord!

Umso dringlicher für Wargaming, endlich die Seestreitkräfte in Stellung zu bringen, bevor es der unliebsame Konkurrent tun kann. Der zügige Start von World of Warships in die Closed Beta ist daher ein kluger Schachzug, auch wenn man dem Spiel hier und da ansieht, dass die erhoffte Wunderwaffe etwas übereilt in die Testphase geschoben wurde.

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Grundsätzlich hält Wargaming auch bei der Flotte an bekanntem Muster fest. In der Garage werden Upgrades erforscht und erworben und die Crew trainiert. Stück für Stück schaltet man dort weitere Schiffe frei, eingestuft in zehn Level und die Klassen Zerstörer, Kreuzer, Schlachtschiff und Flugzeugträger.

Bot im Boot

Die Schiffe steuern sich allesamt recht ähnlich, wenngleich natürlich Unterschiede in Sachen Wendigkeit, Geschwindigkeit und Bewaffnung bestehen. Anleitungen und dergleichen kann sich ein halbwegs erfahrener Spieler komplett sparen. Ob man nun das Ruder übernimmt, Kanonen und Torpedorohre bedient oder Flugzeuge in den Einsatz schickt - das Spiel setzt einmal mehr auf Einsteigerfreundlichkeit, nimmt einen an die Hand, dabei jedoch auch an die kurze Leine.

So bestimmt man beim Schusswechsel zwar noch die horizontale Flugrichtung - die Entfernung des Einschlags bestimmt die Zielhilfe der KI. Und selbst das reicht vielen Spielern offenbar noch nicht hin und so kursieren bereits in der Beta Aimbot-Add-ons, die auch noch das letzte Schlückchen Zielwasser unnötig machen. Hier muss Wargaming schnell und deutlich Stellung beziehen und die Piraten aus den Weltmeeren verbannen.

Spaß für zwischendurch - aber für wie lange?

Die sind derzeit leider noch nicht ganz so abwechslungsreich, wie sich das mancher Spieler wohl erhofft hatte. Wie bei World of Tanks stehen sich auch bei World of Warships die Einheiten auf einer wie immer ziemlich gestauchten Karte gegenüber und müssen entweder Flaggenpunkte einnehmen oder einfach alle Gegner versenken.

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Doch während auf dem Festland noch allerlei hübsche Umgebungsdetails zu bewundern sind, ist das Meer naturgemäß ziemlich leer. Lediglich kleine Inselgrüppchen bremsen allzu schnelle Vorstöße aus und dienen den Schiffen als Versteck. Sonderlich viel strategische Tiefe kommt so momentan noch nicht ins Spiel - zudem keine von der KI gesteuerten Einheiten in der Schlacht mitmischen.

Wie aus dem Katalog

Wie auch bei den anderen Wargaming-Titeln haben die Einheiten auch in World of Warships Lebenspunkte - ein tiefgreifendes Schadensmodell wie bei War Thunder gibt es hier nicht. Entsprechend sind die Schäden, die bei etwaigen Kollisionen entstehen, komplett außer Kontrolle und fern jedweder Logik. Das allerdings weiß man auch bei Wargaming und verspricht, daran noch zu arbeiten.

Ebenfalls überarbeitungsbedürftig sind die Umgebung sowie die Schiffe. Letztere sind recht spartanisch umgesetzt, weisen weder Rost noch Kratzer auf und schon gar keine Crew. Dadurch wirken sie ein wenig wie Modellbauten in der zu Gunsten der Spielgeschwindigkeit komprimierten Welt.