Mit World of Tanks haben die Jungs von Wargaming.net einen Überraschungshit gelandet, der ihnen Monat für Monat fette Gewinne beschert. Damit gibt man sich jedoch längst nicht zufrieden und will sich mit dem gleichen Spielprinzip fortan auch in die Lüfte erheben. Dort allerdings wartet schon ein übermächtiger Konkurrent.

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So sehr ich Massively Online Battle Arena Games liebe - ich konnte mit Wargamings Panzergeschiebe nie sonderlich viel anfangen. Zu groß und unkoordiniert sind mir die Teams dort, zu statisch präsentiert sich der Kampf und auf dem Weg zum Sieg erscheint mir das Fahrzeug zu wichtig und der eigene Skill zu unbedeutend.

Fliegerherzen schlagen höher

Und doch komme ich als bekennender MOBA-Fan nicht umhin, Wargaming.net ein dickes Kompliment für World of Tanks auszusprechen. Mit ihrem Spiel haben die russischen Entwickler das MOBA-Genre in vielerlei Hinsicht bereichert, eine unglaublich große Spielerschar angelockt und ein moderates Geschäftsmodell entwickelt, an dem sich mittlerweile die gesamte Branche zu orientieren beginnt.

Umso größer war die Freude, als ich erstmals Wind davon bekam, dass man bei Wargaming zwei weitere Titel mit ähnlichem Spielprinzip in Entwicklung hat - eins mit Kriegsschiffen und eins mit Flugzeugen. Vor allem der Gedanke an letzteres ließ mein Fliegerherz höherschlagen und als ich endlich Einlass in die Beta bekommen hatte, holte ich in einer ersten Amtshandlung den alten, eingestaubten Joystick vom Dachboden.

Der MMO-Mythos

Das hätte ich mir allerdings schenken können, denn World of Warplanes setzt voll auf eine Steuerung mit Maus und Tastatur. Das muss zwar nicht schlecht sein, nimmt jedoch von vornherein etwas Wind aus den Segeln und verschenkt jenes von der Branche oft unterschätzte Potential, das in einer Luftkampfsimulation schlummert.

World of Warplanes - Höhenflug oder freier Fall?

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Seit dem letzten Update stehen auch einige japanische Flieger zur Auswahl.
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Doch eine Luftkampfsimulation will World of Warplanes offensichtlich auch gar nicht sein. Der Publisher definiert das Spiel viel lieber als “Action-MMO-Game”, wobei sich selbst bei großzügiger Auslegung gängiger Definitionen keine Spur von einem MMO in dem kurzweiligen Spielprinzip finden lässt. “Massively” ist auch bei World of Tanks allenfalls der Chatserver, für dessen Besucherzahlen man sich immerhin schon im Guinness-Buch der Rekorde hat eintragen lassen.

Packshot zu World of WarplanesWorld of WarplanesErschienen für PC

Wo sind all die vielen Spieler hin?

Von diesem Rekord ist World of Warplanes allerdings noch weit entfernt. Rund 550 Leute zählt die Lobby an einem durchschnittlichen Abend - gerade genug, um eine Runde zu starten. Das funktioniert ähnlich wie bei World of Tanks. Mit dem Flugzeug meiner Wahl werde ich einer Gruppe von Spielern zugeordnet, die gegen eine andere Gruppe antritt.

Zu Beginn der Schlacht befinden sich die Flieger schon in der Luft - die Ziele in nicht allzu großer Entfernung am Boden - die Gegner natürlich in der Luft. Die Schlachten sind nicht direkt mit denen aus World of Tanks verknüpft und werden es aller Voraussicht nach auch nicht sein. Wer Bodenziele ausschalten möchte, fliegt Bomber. Wer Dogfights bevorzugt, klettert in einen Jäger.

Arcade statt Simulation

Die Steuerung ist ebenso kinderleicht wie das Schießen. Mit der Maus bewegt man das Fadenkreuz zum Gegner - das Flugzeug folgt dann automatisch nach. Das Gefühl, tatsächlich in einem Flugzeug zu sitzen oder zumindest eins zu steuern, entsteht dabei nicht - man fühlt sich eher wie in einem typischen Arcade-Titel.

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Entsprechend eingeschränkt sind dann auch die taktischen Möglichkeiten, die sich im Luftkampf bieten. Zwar sind die Flugzeuge unterschiedlich behäbig, einer wirklich komplexen Flugphysik scheinen sie jedoch nicht unterworfen. Als Folge kommt es zu äußerst unrealistischen Dogfights, bei denen die Piloten einen Looping nach dem anderen drehen und dabei aus allen Rohren ballern.

220 Quadratkilometer sind noch zu wenig

Der Abwurf von Bomben ist ähnlich simpel. Unterhalb des Flugzeugs wird angezeigt, wohin die Bombe fällt und selbst absolute Anfänger werden schnell ihre ersten Bodenziele ausgeschaltet haben. Die haben übrigens Trefferpunkte - genau wie die Flugzeuge auch. Ein Schadensmodell ist allenfalls rudimentär vorhanden und so trägt die Überzahl gegenüber dem Feind weit mehr zum Sieg bei als außerordentliche Flugkünste.

Zwar hat sich grafisch seit dem lezten Update eine Menge getan, doch landschaftlich kann World of Waplanes mit der Simulator-Konkurrenz kaum mithalten. Die Karten sind mit rund 220 Quadratkilometern zu klein geraten und die Atmosphäre erinnert eher an eine Modelleisenbahnlandschaft als an einen echten Kriegsschauplatz. Auch die Flugzeuge, die weitgehend historisch korrekt umgesetzt sein sollen, wirken bei näherer Betrachtung nicht immer ganz realistisch.

World of Warplanes - Höhenflug oder freier Fall?

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World of Warplanes hat die Atmosphäre einer Modelleisenbahnanlage.
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Work in progress!

Zwischen den Einsätzen, die selten länger als sieben Minuten dauern und Erfahrungspunkte sowie virtuellen Reichtum bescheren, darf der Spieler seinen Flugpark verwalten. Wie in World of Tanks lassen sich die Maschinen aufrüsten und mit der Zeit durch neue, stärkere ersetzen. Insgesamt wird die Qualität der Flugzeuge in zehn Technologie-Level unterteilt und ein Matchmaking sorgt dafür, dass die Runden halbwegs ausbalanciert sind.

Derzeit stehen Flieger aus Deutschland, den USA, der UdSSR und Japan zur Auswahl - weitere Nationen, darunter Großbritannien, sind bereits in Arbeit. Außerdem arbeitet Wargaming an neuen Spielmodi und an einer gemeinsamen strategischen Karte, die alle drei Titel miteinander verknüpfen soll. Wann genau Wargaming mit World of Warplanes an den Start gehen will, ist derzeit noch nicht bekannt.