Als ich die Jungs und Mädels von Wargaming.net zum ersten Mal traf, hatte noch niemand ahnen können, welch wundersamen Kometenaufstieg das kleine russische Spielestudio eines Tages hinlegen würde. Zur Präsentation von einem Spiel namens Order of War war das damals. Hardcore-Strategie, schwieriges Thema.

Das Interesse bei den wenigen angereisten Journalisten hielt sich in Grenzen und, den Klickzahlen auf den Artikel nach zu urteilen, auch bei euch, geschätzte Leser. Und auch ich war eher zufällig denn wirklich aus Neugier dort. Zu gewöhnlich, zu sperrig waren die Spiele, die Wargaming seinerzeit entwickelte. Doch jener Tag war der Beginn einer wundersamen Freundschaft…

Ein Jahr später bekam ich einen Anruf. Man wolle mir ein neues Spiel vorstellen. World of Tanks, so der Name aus der Retorte. Eine Art Counter-Strike mit Panzern, ohne Avatar, ohne identifikationsstiftendes Element, das in meinen Augen entscheidend für den Erfolg eines MMOs war. Ich war, gelinde gesagt, skeptisch. Dennoch sah ich ein gewisses Nischenpotenzial für eine Zielgruppe in meiner Generation, die das geruhsame Taktieren eines WoT der koffein- und Club-Mate-geputschten Hektik auf den Teenie-Schlachtfeldern eines Counter-Strike vorzieht.

World of Warplanes - World of Tanks hebt ab

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Feuer und Flamme für Panzer: Die Jungs und Mädels von Wargaming.net bei ihrem Besuch in den gamona-Büros.
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Bald darauf sahen wir uns auf der gamescom wieder. Stil-, bzw. eher: klischeeecht bei einem Glas Wodka während des Interviews. Der Wargaming-Stand war seinerzeit nicht größer als die Besenkammer in den gamona-Büros, die Stimmung aber herzlich wie immer. Ein Jahr später hatte World of Tanks knapp 20 Millionen Spieler, einen Rekord nach dem anderen geknackt, der gamescom-Stand die Ausmaße einer ganzen Panzerbrigade.

Als ich nur mal eben googlen wollte, wo genau die World-of-Tanks-Party am Abend stattfinden sollte, schlug mir die Autovervollständigung nach Eingabe von „World of…“ an erster Stelle „World of Tanks“ vor. Erst auf dem zweiten Platz folgte „World of Warcraft“. Spätestens da war klar: Der amerikanische Traum war für dieses Mal in Russland wahr geworden.

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Phänomen World of Tanks: Die Panzer erobern Google.
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Dabei war World of Tanks zu Anfang kaum mehr als ein beherzter Schuss ins Blaue. Nach der stattlichen Anzahl von 13 (!) klassischen Retail-Spielen mit bescheidenem Erfolg beim Hardcore-Publikum fasste man sich bei Wargaming.net ein Herz, auf den entfernt dahinbrausenden Online-Zug aufzuspringen. Ein typisches Fantasy-MMORPG mit Orks und Elfen sollte es werden, ein „WoW-Klon“ würden böse Zungen behaupten, „Asia-Grinder aus Russland“ hätten noch bösere es vermutlich genannt.

World of Tanks - Krassomat! Orks vs. Panzer21 weitere Videos

Doch dann stellte man fest: „Wir können nur Panzer…“ Das Fantasy-Konzept landete im Papierkorb, die Idee von World of Tanks nahm langsam Gestalt an. Diesen Schritt dokumentierten die Entwickler seinerzeit im ersten, witzigen Trailer – ebenfalls ein Puzzleteil, das zum heutigen Erfolg des Spiels beigetragen haben mag: die ironischen Viral-Werbeclips mit Anspielungen auf WoW, EvE Online & Co. verbreiteten sich im Internet wie ein Lauffeuer. Das durchgeknallte Video von der Weihnachtsfeier samt Stripperinnen verstehen wir allerdings bis heute nicht – aber gerade deshalb ist es irgendwie lustig.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Mit World of Warplanes und dem bereits angekündigten World of Battleships soll diese Erfolgsgeschichte nun weitergeschrieben werden. Warplanes befindet sich derzeit in der Alpha-Phase, aus der wir noch nicht berichten dürfen. Doch auf der GDC in San Francisco gewährten uns die Entwickler einen exklusiven Einblick hinter verschlossenen Türen.

Schneller, schöner, actiongeladener: Mit World of Warplanes hebt Wargaming.net endgültig ab.Ausblick lesen

„Bislang haben wir immer gesagt: World of Tanks ist wie Counter-Strike, nur mit Panzern“, erklärt mir Wargaming-Chef Victor Kislyi selbstironisch sein neues Spiel. „Nun können wir selbstbewusst sagen: World of Warplanes ist wie World of Tanks, nur mit Flugzeugen…“ Was man zwischen den Zeilen als ein „Das Gleiche in Grün“ lesen könnte, verschleiert jedoch die durchaus unterschiedlichen Ansätze der Spiele.

Wo World of Tanks das gemütliche Taktieren in den Vordergrund stellt, ist World of Warplanes schneller, actionreicher, mitreißender. Also eigentlich viel eher „wie Counter-Strike, nur mit Flugzeugen“. World of Battleships wiederum wird noch eine Spur taktischer; das Kommandieren behäbiger Schlachtschiffe ist dann im selben Bild wohl wie ein „World of Tanks in Bullet Time“.

World of Tanks - Heiße Stripperinnen - Die Entwickler feiern Party21 weitere Videos

Ein genialer Schachzug der Entwickler ist die enge Verzahnung der drei Spiele: Zwar wird es nicht möglich sein, mit Panzern und Flugzeugen auf denselben Schlachtfeldern gegeneinander anzutreten – das wäre wie mit den sprichwörtlichen Kanonen auf Spatzen zu schießen. Doch auf der Weltkarte müssen Tanks-, Warplanes- und Battleships-Clans zusammenarbeiten, um einzelne Gebiete einzunehmen.

In der Praxis funktioniert das so, dass Warplanes-Piloten erst die Lufthoheit über eine Region erringen müssen, bevor Panzerfahrer dort die Flagge hissen können. Seewege wiederum, wie z.B. der Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich, werden von Schlachtschiffkommandanten kontrolliert und müssen erst eingenommen werden, um Bodentruppen übersetzen zu lassen.

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Der Wargaming-Stand auf der GDC in San Francisco.
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Auch die für neue Vehikel und Zubehör nötigen Punkte werden spieleübergreifend gesammelt und eingesetzt. Wer sein World-of-Tanks-Sparschwein derzeit schon vorausplanend füllt, kann seinen Hangar zum Start von Warplanes sofort mit hochwertigerem Fluggerät bestücken – darunter neben der gesamten Weltkrieg-2-Bandbreite auch nie realisierte Prototypen, wie die deutsche „Wunderwaffe“ eines frühen Stealth Fighters.

Wie bei World of Tanks favorisiert man bei Wargaming.net auch in World of Warplanes die unkomplizierte Action gegenüber Realismus-Korsett. So die Teams beispielsweise bunt aus allen verfügbaren Nationen gemischt – Deutsche kämpfen dann Seite an Seite mit Franzosen, Russen und Amerikanern. Beim Schadensmodell beschränkt man sich aufs Wesentliche: Getroffene Flugzeuge mit beschädigtem Motor kommen beispielsweise nur noch langsamer voran.

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Die Grafik hat seit World of Tanks einen großen Schritt nach vorne gemacht.
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Auch das Design der Maps stellt Spielbarkeit über Authentizität: In der momentan stattfindenden Alpha-Version gibt es derer zwei, zum Start der Beta sollen es fünf werden, danach kommen wie gewohnt sukzessive weitere hinzu. Dabei will man verschiedenste Geschmäcker bzw. Spielstile bedienen: Von hitzigen Gefechten zwischen den Wolken, über Angriffe auf Bodenziele wie Luftabwehrgeschütze bis hin zu Dogfights in engen Canyons ist alles möglich. Sogar über Verfolgungsjagden in den Straßenschluchten New Yorker Wolkenkratzer denkt man bei Wargaming.net nach.