Wenn sich die Herren moderner Panzergefechte persönlich vornehmen, das beliebte Spielprinzip auf den Luftraum auszudehnen, erfüllt das natürlich jeden Fan von militarisiertem Fluggerät mit großer Hoffnung. Wargaming hat auf jeden Fall eine Engine, einen Haufen Geld und jede Menge Entwickler, um die Panzer in die Luft zu bringen. Und genau das hat man dann auch getan.

Seit Mitte der Achtzigerjahre mit Falcon meine Leidenschaft fürs Fliegen geweckt wurde, bewege ich mich nicht nur real, sondern auch virtuell unglaublich gern über den Wolken. Es ist dieses Gefühl von Schwerelosigkeit, das mich fasziniert - die Möglichkeit, alle für uns Menschen erfassbaren physikalischen Gesetze zu übertreten und zu erleben, was auf unserem Planeten sonst nur der flugfähigen Fauna vergönnt ist.

Erfolg vorprogrammiert?

Umso euphorischer war ich, als Wargaming damals ankündigte, das Konzept der Panzerschlachten zu erweitern und mit Fluggeräten rund um den Zweiten Weltkrieg den Luftraum zu erobern. Endlich, eine herausfordernde Flugsimulation mit krassen Dogfights und atemberaubenden Manövern in den vielleicht interessantesten Fluggeräten der Geschichte.

Dass Wargaming bei der Umsetzung scheitern könnte, daran habe ich damals weder gedacht, noch hätte ich es geglaubt, wenn es mir jemand prognostiziert hätte. Angesichts der finanziellen Mittel, über die man dank World of Tanks verfügt, schien tatsächlich alles möglich - auch ein riesiger Kampf der Elemente, in dem sich Luft- und Bodeneinheiten gegenseitig vom Himmel holen würden.

Panzer bleiben in der Garage

Letzeres, da muss ich Spieler mit ähnlichen Träumen gleich wachrütteln, wird es in World of Warplanes nicht geben. Der Kampf am Himmel ist und bleibt losgelöst von World of Tanks - eine Verbindung besteht lediglich im Hinblick auf den Account bei Wargaming und diverse daran gebundene Funktionen. Nun gut, dann lassen wir die Panzer eben aus dem Spiel.

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Generell erkennt man bei World of Warplanes auf Anhieb die Verwandtschaft zum großen Bruder. Im Hangar parkt eine Reihe von kleinen Maschinen aus den Dreißigerjahren des letzten Jahrtausends - vorwiegend Doppeldecker, wie sie bis in die ersten Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurden.

Alle Panzer fliegen hoooooch. Wargaming hat absolut nichts dazugelernt und verliert infolge die Lufthoheit an Gaijin.Fazit lesen

Realismus zweitrangig

Unterteilt sind die Flieger in fünf Nationen und zehn Stufen. Die Entscheidung darüber, ob man nun Flugzeuge aus Deutschland, Großbritannien, Japan, den USA oder der UdSSR fliegen möchte, obliegt einem selbst. Wie auch bei World of Tanks muss man sich als Spieler nicht für eine Nation entscheiden. Wer Flugzeuge höherer Stufen fliegen möchte, muss diese wie gewohnt erforschen und dann kaufen.

Das alles funktioniert ganz prima mit den Belohnungen, die man sich im Spiel selbst verdienen kann. Die Investition realer, harter Währung, ist vorerst nicht nötig und hat lediglich zur Folge, dass man sich schneller in die großen Maschinen schwingen darf. Die sind übrigens, da bleibt sich Wargaming trotz harter Kritik vieler Fans treu, nicht immer auch tatsächlich durch die Lüfte gesegelt.

World of Warplanes - Alle Panzer fliegen hooooch!

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Dauerfeuer statt Zielwasser - in World of Warplanes trifft auch ein Blinder noch sein Ziel.
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Jeder Versuch einer Landung endet im Crash

Bei vielen Flugzeugen handelt es sich um teilweise recht exotische Prototypen - bisweilen existieren nur Blaupausen oder Skizzen von den fliegenden Kisten. Kein Wunder, dass einige Liebhaber alter Fluggeräte auf die Idee gekommen sind, World of Warplanes zu nutzen, um die Flugeigenschaften solcher Konzeptflieger zu testen. Doch leider macht das Spielgefühl an sich solche Pläne zunichte.

Packshot zu World of WarplanesWorld of WarplanesErschienen für PC

Gespielt wird ausnahmslos gegen andere Spieler. Die stehen sich zu Beginn der Runde in zwei Teams zu je 15 Fliegern gegenüber - und das nicht nur im sprichwörtlichen Sinne. Die Flugzeuge hängen nämlich tatsächlich von Anfang an in der Luft. Das Aufsteigen von einer Startbahn ist im Spiel ebenso wenig vorgesehen wie Landungen. Und das ist ebenso schade wie unverständlich, sind doch gerade die Starts und Landungen eine besondere Herausforderung in der Fliegerei.

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Prototypen inklusive: Zahlreiche Flieger in World of Warplanes kamen im Krieg nie zum Einsatz und existierten nur als Blaupause oder Gedankenspiel.
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Panzergeschiebe über den Wolken

Doch Herausforderungen, das merkt man schon nach wenigen Sekunden, sucht man in World of Warplanes vergebens, ebenso wie eine Portion motivierenden Realismus. Gesteuert wird das Flugzeug im Normalfall mit der Maus - ein Joystick kann zwar optional verwendet werden, die optimale Konfiguration bereitet allerdings hier und da einige Schwierigkeiten.

Wobei der Steuerknüppel auch kaum nötig ist, denn die Steuerung der Fluggeräte in World of Warplanes wurde derart vereinfacht, dass man sich kaum noch wie an Bord eines Flugzeugs fühlt, sondern eher, als hätte Wargaming tatsächlich die Panzer aus dem beliebten Schwesterspiel in die Lüfte versetzt.

Zielwasser unnötig

Als Pilot fliegt man mit dem eigenen Flugzeug eigentlich nur hinter dem kleinen Fadenkreuz hinterher. Eine Steuerung, die zwar einsteigerfreundlich ist, jedoch einen schweren Nachteil mit sich bringt: Sie zerstört auch nur das kleinste Gefühl vom Fliegen schon im Ansatz. In keiner Sekunde fühlt man sich wie der Pilot eines Flugzeugs - dafür mangelt es dem Spiel einfach zu sehr an einer nennenswerten Flugphysik.

Das wird auch nicht besser, wenn man den Gegner vor sich hat und aus vollen Rohren ballert. Die Geschütze sprühen derart weit und umfassend, dass auch ein Blinder mit Krückstock noch Abschüsse erzielen kann. Munition ist unbegrenzt verfügbar - lediglich die sporadische Überhitzung der Geschütze hindert einen daran, die Maustaste einfach permanent durchzudrücken.

SOS - mein Flugzeug hat fast keine Lebenspunkte mehr!

Das ist weder sonderlich spannend, noch ist es auch nur ansatzweise realistisch. Die Kanonen und Maschinengewehre verhalten sich beim Schießen nicht wie ihre historischen Vorlagen und klingen nicht so. Auch die Folgen eines Beschusses entsprechen nicht denen der Realität, denn die Flugzeuge in World of Warplanes verfügen doch tatsächlich über Lebenspunkte.

Ein Schadensmodell, bei dem es beispielsweise zu Bränden kommen kann, ist allenfalls im Ansatz vorhanden und scheint vor allem deswegen im Spiel zu sein, um die Ausbildung der Crew zwischen den Einsätzen als Feature zu rechtfertigen. Wirklich gravierende Auswirkung hat ein Beschuss durch den Gegner also erst, wenn der HP-Balken aufgebraucht ist.

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Wargamings Bruchlandung

Dann fällt man wie ein Stein vom Himmel, schaut wahlweise dem Rest des Teams beim Fliegen zu oder kehrt einfach zum Hangar zurück, um mit einem anderen Flieger schon mal die nächste Runde zu absolvieren, für die man im Durchschnitt übrigens selten länger als fünf Minuten braucht. Und dafür gibt es auch einen Grund.

Anders als eine echte Flugsimulation simulieren die Karten von World of Warplanes nämlich keine realistische Umgebung. Der virtuelle Raum ist vielmehr extrem komprimiert - Entfernungen und Größenverhältnisse stimmen nicht mit dem der realen Welt überein. Man kommt sich vor, als flöge man mit einem Spielzeugflieger über eine Modelleisenbahn-Landschaft - die eigene Maschine immer von hinten im Blick, denn eine Cockpit-Ansicht hat sich Wargaming komplett gespart.

Moorhuhnjagd im Zweiten Weltkrieg

So kommt es dann auch, dass es in der Luft weniger auf das Talent des Piloten ankommt als auf die älteste und einfachste aller RTS-Strategien: Alle Einheiten setzen den Fokus auf ein Ziel und wenden sich dann gemeinschaftlich dem nächsten Gegner zu. Flugmanöver sind dabei ebenso wenig nötig wie das Bombardement von Bodenzielen, die irgendwo in der Landschaft abgestellt wurden und sich nicht einmal bewegen.

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Die Landschaften wurden sehr zusammengestaucht.
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Und wer es mit einem Flugzeug aufnimmt, das ein oder zwei Level über dem eigenen steht, dem nützen auch alle Flugskills der Welt nichts mehr, denn die gegnerische Kiste teilt nicht nur mehr Schaden aus - sie ist zumeist auch schneller und verfügt auch über mehr Lebenspunkte.

Dies alles und die Tatsache, dass Hügel und Erhebungen am Boden angesichts der extrem verkleinerten Umgebung kaum Möglichkeiten für große Versteck- und Manövrierspiele bieten, lassen World of Warplanes so unglaublich schnell langweilig werden, dass man sich fragen muss, was die erfahrenen Leute von Wargaming geritten hat, ein Fliegerspiel jedweder Simulationsaspekte zu berauben und eine Zweite-Weltkrieg-Simulation zum fröhlichen Moorhuhn-Schießen zu degradieren.