Ein völlig neuer Kontinent, Levelanstieg bis Stufe 80, die erste Heldenklasse in Form des Todesritters und jede Menge neuer Talente für die alten Charaktere – die Liste der Neuerungen im nunmehr zweiten World of Warcraft-Addon ist gewohnt lang. Dass Blizzard sich bestens darauf versteht, Unmengen frischer Inhalte in ihre Erweiterungen zu integrieren, ist schließlich bekannt.

Doch allein mit derlei Features lässt sich die - nach beinahe vier Jahren langsam spielmüde gewordene - WoW-Fanbase nicht mehr so einfach abspeisen. Genügend starke Konkurrenz gibt es schließlich spätestens seit dem Warhammer-Release im September. Die Frage ist also, ob Blizzard dieses Mal nicht nur durch Quantität Stärke zeigt und mehr vom Bewährten präsentiert. Die Antwort? Im Test!

Ein Test, noch dazu zu einem MMO, jenem Spielgenre, welches erst im Laufe der Zeit richtig reift. Und dann auch noch zwei Tage vor Release. Ist so etwas überhaupt koscher? Ist es. Wer einmal Hand an ein Blizzard-Werk gelegt hat, weiß, dass diese meist Monate vor der Veröffentlichung schon besser spielbar sind, als manches Vollpreisprodukt zum Release, der finale Build der Betaphase (die vergangene Woche offiziell beendet wurde) entspricht zudem 1:1 der Verkaufsfassung. Wir zücken unsere Wertung also nicht aufgrund von Vermutungen.

World of Warcraft: Wrath of the Lich King - Patch 3.3.0 - Die Reinigung der Schwesterklinge Quel'Delar81 weitere Videos

Aufgaben für Jedermann

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, Blizzard hat aus vergangenen Fehlern gelernt. Levelaufstiege, Kontinentalerweiterungen und Talentzuwächse dienen auf der Packungsrückseite sicherlich als tragendes Verkaufsargument, im Gegensatz zur letzten Erweiterung „Burning Crusade“ verlassen sich die Mannen aus Irvine dieses Mal jedoch nicht einfach nur auf die prall gefüllte Inhaltsliste.

World of Warcraft: Wrath of the Lich King - Zwei Tage vor dem Start: Im Test erfahrt ihr, ob die Reise nach Nordend lohnt

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Dank eines stattlichen Buffs können wir in dieser Quest sogar kleine Berge versetzen.
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Der heimliche Star des Addon-Paketes ist nämlich ein Feature, dass man in keiner Inhaltszusammenfassung lesen wird: die Quests. Also jenes Sorgenkind, das in der Vergangenheit stets durch Einfallslosigkeit und Langeweile aufgefallen ist. Jenes Sorgenkind, von dem wohl selbst hartgesottene WoW-Fans keine Qualitätssteigerung mehr erwartet hätten. Jenes Sorgenkind hat sich endlich zum Muster-Familienmitglied gewandelt.

Dabei beginnt das Ganze noch recht unspektakulär: In den Anfangsgebieten wollen zunächst die gewohnten Fleißaufgaben der Marke „Hole dies, töte jenes“ erledigt werden. Schon hier macht sich jedoch eine großartige Neuerung bemerkbar. Die NPCs einer Stadt geben euch nämlich nicht mehr all ihre Aufträge auf einmal, sondern warten damit, bis euch die Hauptquests in die jeweilige Region führt. Es lohnt sich also, bei manchen Auftraggebern wiederholt vorbeizuschauen.

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Neue Talente für jede Klasse: Die 51er Talente fügen sich schön in das Skill-Gesamtbild ein.
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Auch der reine Questfluss verbessert sich dadurch deutlich: Führt euch eine Aufgabe in ein neues Gebiet, warten dort mit ziemlicher Sicherheit schon wieder zwei neue Nicht-Spieler-Charaktere mit weiteren Missionen auf euch. Blizzard sorgt so für ein deutlich dynamischeres Questverhalten – Leerlauf entsteht zu keiner Zeit, stets werdet ihr behutsam an die Hand genommen und durch die wunderschönen Regionen geführt.

Die neue Lust am Questen

Nach rund einer Stunde ist dann Schluss mit Schema F. Immer häufiger stellt man euch Aufgaben, die sich grundlegend von den verhassten Sammelquests unterscheiden. Dann verwandeln wir uns in exotische Kreaturen, um den Feind zu unterwandern, prügeln Informationen aus gegnerischen Spitzeln oder befreien niedliche Murloc-Babies aus ihren Käfigen. Natürlich halten die Quests dieses Niveau nicht immer, die Abwechslung bleibt aber konstant hoch.

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Nieder mit dem blauen Drachenschwarm: Auf dem Rücken eines mächtigen Feuerspuckers umfliegen wir den Nexus.
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Auch weil Blizzard von der überarbeiteten Fahrzeugmechanik ausgiebigen Gebrauch macht. Neuerdings dürft ihr nämlich Kanonen, Pferde und sogar Drachen bemannen, deren Fähigkeiten nutzen und die Vehikel in die Schlacht führen. Eine Mission am Wyrmruhtempel in Dragonblight gibt euch etwa die Kontrolle über einen starken Drachen, mit dessen Hilfe ihr die verhassten Azurdrachen vom Himmel holt – toll!

Ein großer Schritt in Richtung Perfektion: Auch wenn Blizzard das MMO-Rad nicht neu erfindet, war es wohl nie zuvor runder, als in den verschneiten Weiten Nordends.Fazit lesen

Was bei all diesen Aufgaben auffällt: Wo das Azeroth aus WoW-Classic noch sehr steril und statisch wirkte, erschafft Blizzard mit Nordend nun eine beinahe lebendige Spielwelt - prall gefüllt mit Geschichten, Emotionen und markigen Charakteren. Überall haben uns NPCs spannende Hintergrunddetails zur Warcraft-Geschichte zu erzählen, oft werden Quests durch lange Dialoge eingeleitet.

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Lässt sich gerne blicken: Der Lichkönig begegnet euch immer wieder in Nordend.
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Wie versprochen, begegnen wir immer wieder auch den ganz großen VIPs aus Azeroth: Arthas zum Beispiel kreuzt unseren Weg zum Maximallevel gleich mehrmals, verhöhnt uns, hebt mahnend die geballte Faust. „Euer Ende ist nah, schwächliche Sterbliche“, faucht er uns spöttisch an und droht: „Wir sehen uns in Eiskrone.“ Selbst Raidmuffel, die sich nicht in den Sitz des Lichkönigs wagen, bekommen so ihre Portion epischen Spielgefühls.

Ey, was isn’n hier Phase?

Wie gut sich Blizzard mittlerweile darauf versteht, ihrer Spielwelt einen Hauch epischer Größe und Leben zu verpassen, beweisen sie spätestens bei der von Beta-Teilnehmern viel gepriesenen Questreihe am Tor des Zorns in Dragonblight. Ohne zuviel zu verraten: Diese Auftragskette dürfte einen neuen Meilenstein in der WoW-Historie markieren, ist sie doch eine der ersten Quests, die die Spielwelt völlig verändert – und zwar im wahrsten Wortsinn.

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Genial: Die epische Questreihe am Tor des Zorns setzt neue Maßstäbe.
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Eingeleitet durch eine tolle Video-Zwischensequenz in Spielgrafik verfolgen wir am Tor zu Arthas Wohnsitz hochdramatische Ereignisse – die sich tatsächlich auf die Umgebung auswirken. Nach Ende der CutScene ist am Tor des Zorns nichts mehr wie zuvor, auch nach zehnminütiger Wartezeit wird sich daran nichts ändern – die Spielwelt hat sich unwiderruflich verändert. Dank unserer Taten.

Blizzard nennt dieses System „Phasing Zones“. Will heißen: Spezielle Quests laufen für jeden Charakter in der eigentlichen Spielwelt instanziert ab – so kann sich binnen einer Mission die Landschaft verändern, wichtige NPCs sterben und sogar Machtwechsel in den Hauptstädten sind möglich. Für diejenigen Spieler, die diese Quests nicht abschließen, bleibt jedoch alles beim Alten.

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Die großen Helden der Warcraft-Historie decken eine finstere Verschwörung auf - und ihr helft ihnen.
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Zum allerersten Mal hat man als Spieler in der Welt von Warcraft wirklich das Gefühl etwas zu bewirken. Quests, die man abschließt, sind nicht mehr nur stupides Massenwerk, sie verändern auch etwas. Quest-Gegner, die man tötet, erscheinen nicht einfach nach zwei Minuten quicklebendig an derselben Stelle. Sie verweilen im Reich der Toten. Ein Sieg, den wohl selbst alte WoW-Hasen nicht so schnell vergessen werden.

Der große Bleiche mit dem Plattenschuh

Das beste Beispiel für Blizzards neu gewonnenen Einfallsreichtum ist die Todesritter-Einführungsquest. Diese begleitet den düsteren Recken auf den ersten Stufen, macht euch mit dem komplexen Charakter vertraut und feuert so ganz nebenbei ein Ideenfeuerwerk ab, welches in der World of Warcraft-Historie seines Gleichen sucht. Sämtliche der zuvor erwähnten Questmechaniken finden hier zu einem großartigen Ganzen zusammen.

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Gigantisch: Die neue Hauptstadt in Nordend ist eine alte bekannte: Dalaran wurde neu erbaut.
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Doch apropos Todesritter. Mit Spannung erwartet, dürfte die erste Heldenklasse wohl für viele Spieler der Hauptgrund für den Addon-Kauf sein. Doch wie spielen sich die bleichen Plattenträger denn nun wirklich? Nun, um es gleich vorweg zu nehmen: So richtig „heldenhaft“ fühlt sich die neue Klasse nicht an. Mit seinen Fähigkeiten ähnelt der Todesritter eher einem Mix bereits bekannter Charaktere, Hexenmeister und Krieger standen am offensichtlichsten Pate.

Von den ursprünglichen Planungen Blizzards ist leider nicht viel geblieben: Es gibt weder eine epische Questreihe, mit der die Todesritter frei gespielt werden müssten, noch ist es möglich, deren Energiequelle nach Wunsch zu konfigurieren. Ursprünglich sollten individuelle Runensets die jeweilige Spielweise der knorrigen Kerlchen vorgeben – dieses Feature hat es jedoch nicht ins fertige Addon geschafft.

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Zeugnis für die Detail- Versessenheit der Blizzard- Designer: Gundrak, eine HighLevel-Instanz, voll wütender Trolle.
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So wirkt die erste Heldenklasse seltsam gewöhnlich, hebt sie sich doch kaum von den bekannten Heroen ab. Spaß macht der untote Schwertschwinger aber allemal: Mit der Blut-Skillung teilen die Todesritter nicht nur unheimlich viel Schaden aus, sie können sich auch noch rasend schnell heilen. Unklar bleibt die künftige Rolle der Todesritter im High-End-Bereich – Off-Krieger werden für Raidinstanzen schließlich auch eher selten gesucht.

Ansichten zum Staunen

Doch im hohen Norden gibt es andere Dinge, die sich schnell in des Spielers Gedächtnis brennen werden. Wer uns nicht glaubt, möge sich bitte sein Reittier schnappen und an eine erhöhte Position in Eiskrone, Dragonblight oder den Kristallklangwald stellen. Wer beim Anblick der wunderschönen Landschaften nicht ins Staunen gerät, tut wahrscheinlich auch goldene Sonnenuntergänge mit einem läppischen Schulterzucken ab.

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Einfach nur schön: Der Kristallklangwald lädt zum Staunen ein - wer meckert da noch über alte Technik?
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Auch wenn die Technik von World of Warcraft nicht jünger wird und merklich an Glanz verliert, übertrifft sich Blizzard in Punkto Design erneut selbst. Es sind die vielen kleinen Details, die atmosphärische Farbgebung und die gigantischen Settings, die zu einer homogen Mischung verschmelzen und so manch grobe Textur oder die unzeitgemäßen Effekte schnell vergessen lassen.

Besonders hübsch sind vor allem auch die Instanzen geraten: Azjol-Nerub, Draktharon Keep der Nexus sehen fantastisch aus und spielen sich gewohnt fordernd. Ohne taktisches Verständnis und Teamwork kommt man auch in den „kleinen“ Dungeons nicht weit. Glücklicherweise lassen sich die 5-Spieler-Instanzen nun allesamt binnen anderthalb Stunden erledigen. Das spart Zeit und Nerven.

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Kämpfe wie hier gegen Anub'arak erfordern auch in den kleinen Instanzen viel Aufmerksamkeit.
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Richtig monumental wird es jedoch erst wieder in den Raidinstanzen, dem leider einzig wirklich ausgefeilten Betätigungsfeld im WoW-Endgame. Wir konnten z.B. schon einen Blick auf den Kampf mit Malygos im Nexus-Raiddungeon werfen – auf gut gerüstete Gilden kommt hier eine Menge Spaß zu. Versprochen! Leider werden Gelegenheitsspieler aber nach wie vor mit Erreichen der Maximalstufe arbeitslos.

Drei Tage Bart

Die könnten optional zwar auf das PvP-System ausweichen, müssen sich aber damit abfinden, dass Blizzard die Liebe und Pflege, die anderen Bereichen zukommen, hier schwer vermissen lässt. Zwar gibt es nun endlich Belagerungswaffen und zerstörbare Gebäude, der direkte Konkurrent Warhammer Online gefällt uns in Sachen Spieler gegen Spieler-Schlachten aber deutlich besser.

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Lahm: Der Friseur bietet nur eine geringe Auswahl schlechter Frisuren.
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Auch die zwei anderen neuen Features ließen uns eher kalt: Der Friseur ist aktuell nicht mehr als eine nette Spielerei ohne jeglichen Mehrwert, der neue Beruf Inschriftenkunde wirft ebenfalls kein revolutionäres Licht auf das Crafting-System. Die Glyphen der Kritzelmeister sind zwar ein nettes Gimmick für all jene, die wirklich das Maximum aus ihren Helden herausholen wollen, aber gerade Verzauberkünstler erleben dabei nicht viel Neues.

Lobend erwähnen möchten wir an dieser Stelle übrigens all die Features, die in den Patchnotes nur eine Randnotiz erhalten: Die UI wurde zum Beispiel noch einmal verbessert, Rufmarken und Reittiere verstopfen ab sofort nicht mehr das Inventar und mit dem neuen Gegenstands-Attribut Zaubermacht optimiert eine sinnvolle Verbesserung das Equipverhalten. Genial: Das Erfolge-System speichert nun erreichte Highlights der WoW-Karriere.