“Besser spät als nie”, sagt der Volksmund im Allgemeinen, wenn man zwar ewig auf etwas gewartet hat und sich das Ganze bei Erscheinen dann irgendwie schönreden will. Trotzdem kommt man dieser Tage nicht umhin, die Stirn in krause Falten zu legen, im Fall „Patch 3.1“ – dem exemplarischen Beweis dafür, dass „spät“ manchmal vielleicht sogar „zu spät“ sein kann.

Bonus verspielt?

Vergangenen November stürmten geschätzte 11 Millionen begeisterte Fans weltweit die World of Warcraft-Server, um sich dem „Zorn des Lichkönigs“ auszusetzen. Das neue Maximallevel erreichten viele Spieler binnen weniger Wochen, seither stapeln sich die Spielergruppen in den heroischen Instanzen und Raid-Dungeons förmlich – und langweilen sich gemeinsam zu Tode.

World of Warcraft: Wrath of the Lich King - Patch 3.1: Entschlüsselt die Geheimnisse von Ulduar

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Ulduar ist seit Release des Addons geschlossen - nur die "Hallen des Steins" und die "Hallen der Blitze" waren begehbar.
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Das Problem: Der gesamte Highlevel-Content war zu einfach. Naxxramas z.B., früher der Alptraum jeder Raidgilde, konnte auf einmal selbst mit wahllos zusammen gewürfelten Random-Gruppen bezwungen werden. Top-Gilden wie „Ensidia“ benötigten nicht einmal drei Tage, um alle hochstufigen Inhalten „durchzuspielen“. Seither herrschen Monotonie und Langeweile auf vielen Servern.

Manche Spieler kann man gar bei der Erfüllung abstrusester Achievements beobachten, um die überschüssige Zeit totzuschlagen, selbst uralte Questreihen (Stichwort: Die Tore von Ahn’Quiraj) werden wieder aufgegriffen. Der Frust ist hoch, der Druck auf Blizzard sogar noch höher. „Verbockt es Blizzard nach dieser endlosen Wartezeit wieder, bin ich weg – für immer“, klagt so mancher Spieler in den offiziellen Foren.

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Sechs Monate tat sich beinahe nichts auf den WoW-Servern, Raidbosse wie Malygos werden seither dauer-befarmt.
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Sechs Monate nach Release des Addons schieben de Irviner nun endlich neue Inhalte nach. Patch 3.1 könnte dabei erstmals zum Wendepunkt in der relativ steilen Erfolgsbilanz des MMO-Königs geraten: Schon jetzt kündigen sich hohe Abwanderungsraten an. Sollte Ulduar die Fehler des Addons wiederholen und Patch 3.2 zu lange auf sich warten lassen, steht Azeroth vielleicht bald ohne Bewohner da.

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Stadt der Titanen

Damit es so weit gar nicht erst kommt, kontert Blizzard. „Mit dem größten Patch, den wir je gemacht haben“, wie die Entwickler gerne betonen. Die attraktivste und umfangreichste Neuerung dürfte sogleich sämtliche Sorgenfalten all jener Spieler glätten, die in Malygos-Hort, dem „Auge der Ewigkeit“, schon selbige Zeitspanne zu verbringen fürchteten – die gigantische Titanenfestung „Ulduar“.

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Ignis ist einer der ersten Bosse und quetscht manchen Spielern das Leben aus dem Leib.
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14 Bosse wollen hier bezwungen und nach hochwertiger Beute (Tier 8) durchsucht werden. Wie etwa der gigantische Flammenleviathan, ein mechanischer Panzer, den ihr nur mit fahrbaren Gerätschaften (etwa Motorrädern) bezwingen könnt. Oder der gefürchtete Algalon, der den wenig Vertrauen erweckenden Beinamen „Der Schlachtzugzerstörer“ trägt und laut Blizzard eine absolute Bestie von Raidboss sein soll.

Die Mannen aus Irvine haben sich beim Design des Steintempels gehörig ins Zeug gelegt: Von der Größe sehr wahrscheinlich noch über Naxxramas angesiedelt, erinnert die Optik an eine herrlich verquere Mischung aus Antike und Steam Punk. Schön auch, dass hier endlich lose Fäden der Hintergrundgeschichte zusammengefügt werden. So erfahren wir u.a., wie es mit Bran Bronzebeard und Lokens Bruder Thorim weitergeht.

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Hodir kennen erfahrene Spieler bereits aus den Questreihen der Sturmgipfel.
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Sogar einer der alten Götter gibt sich die Ehre: Nach dem Augenmonster C’Thun reißt nun der fiese Yogg’Saron seine tausend Mäuler auf, um unerfahrene Raidgilden zu verschlingen. Wir hoffen auf einen mindestens so epischen Kampf wie gegen Captain Stielauge in Ahn’Quiraj. Generell soll nicht nur Obermotz Yoggy, sondern die gesamte Steinfeste in Punkto Schwierigkeitsgrad direkt an Naxxramas anknüpfen, setzt also ordentliches Equip voraus.

Um den Bogen zwischen Gelegenheitsspielern und Harcore-Raidern zu spannen, bedient sich Blizzard eines genial-einfachen Kniffes: Der von Satharion bekannte Hardmode soll nun bei beinahe jedem Boss zum Einsatz kommen, zum Teil sogar in verschiedenen Abstufungen. Möglicherweise dürften also selbst Content-Killer wie „For the Horde“ oder „Ensidia“ mehr als zwei Wochen für Ulduar benötigen.

Es sind die kleinen Dinge…

Wer sich weiterhin lieber außerhalb der großen Instanzen aufhält, bekommt ebenfalls gleich mehrere Betätigungsfelder. PVP-Spieler erfreuen sich etwa an der mittlerweile sechsten Arena-Season, an deren Ende dieses Mal eine besonders coole Belohnung auf die Spitzenreiter wartet – wer träumt nicht des Nachts heimlich davon, auf seinem eigenen Frostwyrm über die Berge Nordends zu flattern? Fraglich bleibt, ob dies dem Abwärtstrend der Arenen entgegenwirkt – Blizzard muss hier stark am Balancing nachbessern.

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Per DualSpec schaltet ihr zwischen verschiedenen Talentverteilungen umher.
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Den Versuch tritt man zumindest folgerichtig in Patch 3.1 an: Beinahe jede Charakterklasse wurde stark überarbeitet, stark generft werden etwa der Furor-Krieger, Druiden und Priester (aufgrund von Änderungen der Manaregeneration) sowie der Todesritter, den es am härtesten trifft. Andere Heroen, wie die lange vernachlässigten Schurken oder die Hexenmeister erhalten stattdessen einen erheblichen Damage-Boost.

Für wirklich alle Klassen sehr hilfreich dürfte hingegen folgende lang ersehnte Neuerung sein: Endlich implementiert Blizzard die so genannten „Dual Specs“, die den Wechsel zwischen zwei verschiedenen Talent-Spezifikationen erlauben – das lästige Neuverteilen der Talentpunkte fällt somit flach. Einzige Wermutstropfen: Die Fähigkeit zum „dual speccen“ kostet einmalig 1000 Goldstücke, zudem darf man die beiden Talentbäume nur an speziellen Orten wechseln.

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Das Argentum-Turnier soll per Lanzenkampf die fähigsten Helden Azeroths küren.
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Und was bringt Patch 3.1 nun für Solospieler? Tja, diese aussterbende Rasse darf sich ihre Zeit beim so genannten Argentum-Turnier totschlagen. Nördlich von Syragosas Sturz in Eiskrone wartet jetzt eine Baustelle auf besonders gelangweilte Abenteurer und will durch tägliche Quests langsam aber sicher aufgebaut werden. Ziel des Turniers: Die stärksten Recken Azeroths zu finden, um den Sturm auf Arthas Festung vorzubereiten.

Ein Großteil der Quests dreht sich dabei um den Kampf zu Pferd: Ausgestattet mit Schild und Lanze, bekriegt ihr euch innerhalb einer Arena wie zu alten Ritterzeiten, gewinnt dadurch an Ruhm für eure Hauptstadt und Belohnungen. Wie das fertige Kolosseum aussehen wird, zeigt allerdings erst der darauf folgende Patch – frühestens in Version 3.2 ist aus der Agentum-Baustelle ein vollwertiges Gebäude geworden.

Und sonst?

Achievement-Jäger bekommen ebenfalls neuen Input: Natürlich wollen in Ulduar verschiedenste Erfolge abgerast werden, darüber hinaus dürfte allerdings ein neuer Weltevent für schlaflose Nächte sorgen. Das als „Nobelgärten“ benannte Fest ist im Grunde nichts anderes als das WoW-Pendant zu Ostern. Hier dreht sich alles rund ums Ei, mit zahllosen Quests und speziellen Gegenständen, die jedoch eher nutzloser Natur sind.

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Premiere: Endlich können Reittiere auch schwimmen.
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Und abseits dessen? Wartet etwa eine neue legendäre Waffe darauf gefunden bzw. zusammengesetzt zu werden. Val’anyr heißt das schmucke Stück, lässt sich in Ulduar aus vierzig Splittern schmieden und dürfte der Traum aller Heiler darstellen. Auch neu: Eure Land-Reittiere können jetzt auch schwimmen – lästiges abmounten im Wasser gehört damit also der Vergangenheit an.

Nicht ganz so spektakulär aber seit den Anfangstagen Azeroths stets gefordert: Der Cooldown des Ruhesteins wird von einer auf eine halbe Stunde reduziert. Dummerweise verlieren damit jedoch auch Bindungsrollen der Inschriftenkundler an Relevanz. Die können ihr Leid den Schlachtfeld-Kampfmeistern klagen – da man ab sofort von diesen unabhängig den Battleground-Warteschlangen beitreten kann, werden die Damen und Herren wohl arbeitslos.