Die PAX East ist in vollem Gange und die Publisher versuchen einmal mehr, im besten Lichte zu erstrahlen und sich auf Teufel komm raus ins Gespräch zu bringen. Nicht ganz einfach, wenn es an wirklich Neuem mangelt. Doch im Generieren von Themen und Nachrichten war die Branche schon immer gut.

World of Warcraft - die Hoffnung stirbt zuletzt

Den Anfang machte auch in diesem Jahr wieder Blizzard Entertainment. Um ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit zu garantieren, ließ man bereits einige Tage vor der großen Messe die Katze aus dem Sack und verkündete: “Spieler werden WoW-Token für Echtgeld im Game-Shop kaufen und über das Auktionshaus zum gegenwärtigen Marktpreis für Gold verkaufen können. Kauft ein Spieler ein WoW-Token für Gold aus dem Auktionshaus, wird das Token seelengebunden und der Spieler kann es gegen 30 Tage Spielzeit eintauschen.”

Mit anderen Worten: Blizzard führt jenes System in World of Warcraft ein, das im Laufe der vergangenen Jahre in beinahe jedem MMOG Einzug gehalten hat. Eine Handelsoption, bei der Spieler mit viel Zeit und wenig Geld und Spieler mit wenig Zeit und viel Geld voneinander profitieren können. In der Theorie ein echt cleveres System, das einst von CCP für EVE Online erdacht wurde und dort recht gut funktioniert. Leider jedoch auch nur dort, da aller Reichtum in EVE vergänglich ist.

Ab in die Tretmühle

Im Laufe der letzten Jahre haben sich nämlich bereits zahlreiche andere Publisher die Zähne an der Sache ausgebissen - von NCSoft über Perfect World Entertainment bis hin zu Trion Worlds. Der Traum vom abofreien Spielvergnügen ist in Welten mit Themepark-Mechaniken schnell ausgeträumt. Die Zahl jener, die sich vom Abo befreien wollen, ist nämlich weitaus höher als die ihrer potentiellen Handelpartner.

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Viele Spieler und Professionelle greifen zu unlauteren Mitteln und beginnen sofort damit, Gold zu farmen. Mit den Gewinnen werden weitere Bots ins Rennen geschickt. Der Preis für die ohnehin schon gefragten, zeitwerten Tokens explodiert. Entsprechend bringt das System den Spielern keinen Nutzen. Den hat allein der Publisher, der endlich wieder steigende Spielerzahlen vermelden kann. Doch ob es sich dabei dann um Bots oder echte Spieler handelt, ist zumindest den Lesern der Quartalsberichte reichlich egal.

Guild Wars 2 - MOBA-Game inklusive

Derweil dreht sich bei ArenaNet gerade alles um die erste Erweiterung zu Guild Wars 2. Mit der könnte NCSoft West den derzeitigen finanziellen Sturzflug zumindest zeitweise aufhalten - wenn sie denn bei der Community ankommt. Dafür fahren die Entwickler die gewohnte zweigleisige Strategie, setzen einmal mehr auf PvE und PvP parallel.

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Mit Heart of Thornes kommen dann auch die Strongholds ins Spiel, die Besucher der PAX East aktuell erstmals testen dürfen. Ziel dieser instanzierten Matches ist es, über verschiedene Hindernisse hinweg zum feindlichen Lord vorzudringen und ihn zu töten, bevor dem gegnerischen Team eben dieser Streich gelingt. Unterstützt werden die beiden Teams dabei von NPCs, deren Spawn man zu seinen Gunsten beeinflussen kann.

MOBA-Game-Elemente also, die wir schon seit Jahren für MMOGs fordern, um den Arenen etwas mehr Tiefe zu verleihen. Ob es ArenaNet damit allerdings gelingen wird, gegen gefühlt ähnliche Spiele wie SMITE oder Orcs must die! Unchained anzukommen, die komplett auf derlei Spielmodi zugeschnitten sind, bleibt abzuwarten.

Star Wars: The Old Republic - wird für Sportsfreunde stiller

Auch bei BioWare hat man seit jeher Schwierigkeiten damit, sinnvolles PvP in dem Themepark-MMOG unterzubringen. Welch sonderbaren Blüten Ignoranz und Unfähigkeit von Entwicklern bisweilen hervorbringen und wie weit PR-Floskeln und Realität voneinander entfernt sind, wurde Spielern auf dem unseligen Planeten Ilum schon wenige Tage nach Release des MMOGs klar. Und seit jeher hat sich wenig daran geändert, dass die alte Republik insbesondere PvP-Fans kaum Balance und Spielspaß bietet.

Umso überraschender war die Nachricht, dass BioWare jüngst einen Vorstoß in den E-Sport unternehmen wollte. Und zwar nicht etwa mit dem gescheiterten PvP, sondern mit der aberwitzigen Idee, organisierte Gruppen auf einen Speed-Run durch Instanzen zu schicken und dabei die Zeit zu stoppen, um die Sieger zu ermitteln. Nach einigen Tests hat man aktuell aber selbst eingesehen, dass das auf Dauer ähnlich spannend ist wie ein winterlicher Biathlon-Lauf und das E-Sport-Projekt entsprechend eingestellt.

The Wizarding World Online & Trials of Ascension

Unfreiwillig wurde aktuell auch The Wizarding World Online eingestellt - und zwar nach gerichtlicher Verfügung, erwirkt durch Warner Bros. Das auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorgestellte MMOG hätte ein inoffizielles Harry Potter Online werden sollen - sofern es nicht von Beginn an dazu gedacht war, ahnunglose Fans abzuzocken.

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Etwas bedauerlicher ist da schon die Nachricht, dass es auch Trials of Ascension nicht geschafft hat. Zum bereits zweiten Mal konnten die Entwickler nicht einmal annähernd das einspielen, was man für eine Weiterentwicklung des mutmaßlichen Sandbox-MMOGs mindestens benötigt hätte. Statt 600.000 Dollar kamen lediglich rund 25.000 Dollar zusammen - angesichts der fehlenden Transparenz und des wenig organisiert wirkenden Teams allerdings auch kein Wunder.

Storybricks - der Letzte macht die Tür zu

Eine weitere Hiobsbotschaft erreichte uns in der vergangenen Woche dann von Storybricks. Das Team, das einst angetreten war, um die künstliche Intelligenz in virtuellen Welten so zu optimieren, dass man sie wirklich als Bewohner wahrnehmen und mit ihnen interagieren kann, existiert nicht mehr. Die Schließung habe allerdings nichts mit Daybreak Games oder deren neuem Besitzer Columbus Nova zu tun, so ein Vertreter von Storybricks.

Vielmehr habe man sogar versucht, SOE mit Hilfe von Investoren zu übernehmen, sei jedoch an Sonys nicht annehmbaren Bedingungen gescheitert. Immerhin scheinen die ehemaligen Entwickler von Storybricks mittlerweile anderswo in der Branche untergekommen und so könnte die Saat der KI-Experten doch noch eines Tages aufgehen und neues, authentisches virtuelles Leben mit Erinnerungen, Vorlieben und Abneigungen hervorbringen.

The Elder Scrolls Online & ArcheAge

Zum Beispiel könnten die ZeniMax Online Studios ein paar Storybrick-Mitarbeiter gebrauchen, um The Elder Scrolls Online etwas weiter in Richtung der Bethesda-Vorlage zu treiben oder diese sogar zu übertreffen. In den Patchnotes des aktuell aufgespielten ‘Update 6’ ist von derlei interessanten Maßnahmen allerdings keine Rede - lediglich vom Rechtssystem, vom Championsystem, einiger Überarbeitungen im Handwerk sowie weiterer Kleinigkeiten.

Trion lässt sich bis zum nächsten Update noch einen Monat Zeit, hat jetzt aber schon mal angekündigt, die Obsidianwaffen ins Spiel zu bringen. Viel zu spät, findet die Mehrheit der einstigen Anhänger, von denen nicht mehr allzu viele im Spiel verblieben sind. Trion Worlds, da ist man sich in der Community relativ einig, hat es trotz vorheriger Versprechen nicht geschafft, die Kinderkrankheiten, an denen das eigentlich so vielversprechende Spiel leidet, zu heilen. Im Gegenteil.

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Camelot Unchained & The Repopulation

Da ist es beruhigend, dass die Branche in dieser Richtung noch ein paar Eisen im Feuer hat. Gleich zwei davon, namentlich das PvP-MMOG Camelot Unchained und die Crafting-Sandbox The Repopulation, sind aktuell in die Early-Access-Alpha-Phase eingetreten und stehen damit erstmals einer breiteren Spielerschaft offen. Wie immer gilt jedoch: Die Spiele sind unfertig und fehlerbehaftet. Wer Spielspaß erwartet, sollte warten.

Die Alpha ist für Spieler gedacht, die das jeweilige Projekt unterstützen und sich an der Entwicklung beteiligen wollen. Gleichermaßen werden die beiden Alpha-Phasen auch uns dabei helfen, weitere Informationen rund um die vielversprechenden Titel zu bekommen und in Zukunft etwas öfter darüber zu berichten.

Ausblick:

Anders als versprochen, können wir diesmal leider noch nichts über das Trading-Card-MMO HEX berichten, dessen PvE-Kampagne aller Voraussicht nach noch einige Tage auf sich warten lässt. Angesichts der Fülle an Informationen, die uns in den nächsten Tagen noch von der laufenden PAX East erreichen werden, dürfte das jedoch zu verschmerzen sein.