Autor: David Hain

Ziemlich genau zwei Jahre ist es nun her, seit sich die Tore zu einem der faszinierendsten und meist besuchten Paralleluniversen der Spielelandschaft geöffnet haben. Täglich treiben sich dort mehrere Millionen Zwerge, Orks und Nachtelfen herum, erledigen Aufgaben zusammen, handeln Waren oder sitzen gemütlich um ein Feuer und sinnieren über bestandene Abenteuer. Die Rede ist natürlich vom derzeit meist gespielten Online-Rollenspiel und dem wohl größten Hype der Zockergemeinde seit es Transistoren gibt: »World of Warcraft«.

Acht Millionen Abonnenten gibt es derzeit weltweit, Tendenz steigend. Für Entwickler Blizzard Grund genug, den Topf weiter anzufeuern und Brennholz in Form eines Addons nachzulegen. Und wer die geschäftige Firma aus Irvine kennt, weiß, dass ihre Erweiterungen in Qualität und Umfang meist sogar das Hauptspiel in den Schatten stellen und auf dem Markt ohnehin konkurrenzlos sind. »World of Warcraft: The Burning Crusade« erschien nun endlich am 16. Januar und wir haben uns für euch in die gefährlichen Weiten der Scherbenwelt gewagt.

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Neue Welt, neue Erfahrung(en)
Seit Erscheinen hat sich viel getan in Azeroth, der Welt von »World of Warcraft«. In mehreren kleinen Content-Patches erweiterte Blizzard die Spielwelt um neue Instanzen und Inhalte, welche die Halbwertzeit des MMORPGs weit über das normale Maß erhöhten. Mit den neuen Gebieten der Scherbenwelt gilt es nun einen völlig neuen Kontinent zu erkunden. Bereits mit Level 58 können sich erfahrene Spieler zum Dunklen Portal in den verwüsteten Landen begeben, um dort in die frischen Zonen vorzustoßen.

World of Warcraft: The Burning Crusade - An diesem Addon kommt keiner vorbei!

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Tor zur neuen Welt: das dunkle Portal.
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Neben der Höllenfeuerhalbinsel, welche quasi als Startgebiet der Scherbenwelt dient, finden sich hier unter anderem die düsteren Wälder Terokkars, die mystisch leuchtenden Sümpfe der Zangarmarschen und die unwirtlichen Gefilde des Nethersturms. Den Leveldesignern ist es dabei erneut mit viel Liebe zum Detail und fantasievoller Gestaltung gelungen, eine stimmige Welt zu erzeugen und mit vielen, liebevoll animierten Gegnertypen und NPCs zu bevölkern. Die Grafik-Engine mag zwar veraltet sein, in Punkto Atmosphäre spielt »The Burning Crusade« jedoch in der absoluten Oberliga.

Um nicht nur den Kundschafter in uns anzusprechen hat Blizzard die Maximalstufe auf 70 angehoben. Über die vieldiskutierte Erhöhung des Level-Caps lässt sich freilich streiten, die Vorteile liegen jedoch klar auf der Hand: Neben neuen Talenten und Fähigkeiten für jede Klasse wurden zahlreiche Quests implementiert, mit denen die Jagd nach Erfahrungspunkten um einiges einfacher von der Hand geht. Diese laufen leider jedoch größtenteils nach dem bewährten Prinzip ab: Immer noch tötet und sammelt man sich durch Horden von Gegnern, um irgendwelche Gegenstände zum jeweiligen Questgeber zu schleppen.

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Shattrath ist die ehemalige Hauptstadt der Draenei.
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Dennoch haben sich die Designer die Wünsche der Community zu Herzen genommen und versucht, neue Impulse zu setzen. Viele der Aufgaben sind bereits in den Anfangszonen weit verzweigt oder weitaus abwechslungsreicher gestaltet als im Hauptspiel. Dank der augenzwinkernden Präsentation und interessanter Geschichten nimmt man so auch eher langwierige Questaufgaben in Kauf.

Maximales Level = maximaler Spaß?
Auf dem Weg zur höchsten Stufe gibt es natürlich auch abseits der Quests neue Aufgaben. So kann man sich beispielsweise an einer der Instanzen in »Burning Crusade« versuchen. Erfreulicherweise reagiert Blizzard auch hier auf Spielerwünsche und hat viele Herausforderungen für bis zu fünf Helden eingebaut. So kommen nicht nur die Hardcore-Gamer auf ihre Kosten. Diese wiederum können sich mit Level 70 an einer der Raid-Instanzen versuchen oder den Schwierigkeitsgrad »heroisch« für eine der 5-Mann-Dungeons wählen.

Wie üblich wurde dabei viel Zeit für das Design der Instanzen und Encounter aufgebracht. Während der Betaphase ließen sich diese bereits antesten und hinterließen bei uns einen sehr positiven Eindruck. Gerade Karazhan und Co. erfordern jedoch viel Disziplin und Zeit und dürften für Gelegenheitsspieler eher unattraktiv sein. Um dort bestehen zu können, bedarf es außerdem der frischen Items, die es entweder als Belohnung oder bei erlegten Gegnern zu finden gilt. Für ehemalige Vielspieler und Raidteilnehmer zunächst ein herber Rückschlag: Die einst so hart erkämpften Waffen und Rüstungen werden schon durch die ersten Questbelohnungen entwertet. Spätestens mit Level 62 dürften selbst epische Teile aus dem Geschmolzenen Kern grünen Ersatz finden.

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Karazhan, einstige Heimat Medivhs.
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Mit dem neuen Handwerksberuf Juwelenschleifen lassen sich einige gesockelte Gegenstände zusätzlich veredeln. Die Juwelen geben z.B. zusätzliche Boni auf Schaden oder Statuswerte. Leider sind die notwendigen Ressourcen im Moment unglaublich teuer - wohl dem, der sich im Vorfeld bereits mit den notwendigen Erzen, Edelsteinen und sonstigen Dingen eingedeckt hat.

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Die Höllenfeuerzitadelle bietet gleich vier Instanzen.
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Mit Stufe 70 erwartet den Spieler ein ganz besonderes »Spielzeug«: Sowohl Allianz als auch Horde haben dann mit Greifen und Flügeldrachen die Möglichkeit, sich ein fliegendes Reittier zuzulegen -oder sie versuchen, an einen der seltenen Netherdrachen zu kommen. Wie im Hauptspiel gibt es jeweils eine normale und epische Variante. Die »Flying Mounts« sind nicht nur schnell, sondern befördern den Spieler später auch in Gebiete, die zu Fuß nicht zu erreichen sind - lassen sich jedoch leider nur in der Scherbenwelt benutzen. Die Steuerung der Flugmounts geht dabei erstaunlich leicht von der Hand. Neugierige können auf diese Weise jede noch so versteckte Ecke erkunden, während Sparfüchse sich das Silber für die normalen Transport-Reiter sparen.

Wie du mir, so ich dir
Einer der großen Schwach- und Kritikpunkte des Ur-»World of Warcraft« war stets das unausgegorene PVP-System. Belohnungen, Ehreberechnung und Rangliste - für den Großteil der Spieler waren diese Spielelemente wenig durchdacht. Blizzard justiert auch hier nach und versucht mit kleinen, aber feinen Änderungen zu kontern. Schon mit dem letzten Patch vor »Burning Crusade« wurde das Ehresystem abgewandelt: Die Ränge, welche die der begehrten PVP-Belohnungen garantierten, gibt es nicht mehr. Stattdessen dient die durch Siege erworbene Ehre nun als direktes Zahlungsmittel und lässt sich auf einem Ehrekonto ansparen. Eine äußerst sinnvolle Änderung, wie wir finden, da das bisherige System sich fast ausschließlich an Dauerzocker richtete und mehr in Arbeit ausartete als Spaß zu bereiten.

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Ein Draenei-Schamane im Startgebiet.
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Verdienen kann man sich diese Ehre zum Beispiel auf dem neuen Schlachtfeld »Das Auge des Sturms«, den PVP-Arenen oder beim Outdoor-PVP. Das Auge des Sturms präsentiert sich dabei als Mischung bekannter Schlachtfelder. Wie in der Kriegshymnenschlucht (früher: Warsongschlucht) begibt man sich auf Flaggenjagd und muss zudem strategische Punkte erobern und halten, bekannt aus dem Arathibecken.

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Die Blutelfen-Damen sind schön und gefährlich.
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Eine wirkliche Neuerung stellt das Arenasystem dar. In kleinen Gruppen kann man hier flotte Kämpfe gegeneinander bestreiten, um so in der geplanten Arena-Ladder aufzusteigen und später besonders dicke Belohnungen einzustreichen. Die Kämpfe sind meist recht kurz, dafür aber knackig und erfordern schon ein gewisses Maß an Können.

Besonders positiv ist uns die Einbindung des Outdoor-PVP aufgefallen. In jeder Zone gibt es umkämpfte Punkte, die von Allianz oder Horde eingenommen werden müssen. In Nagrand findet sich sogar eine neutrale Stadt, die von den beiden Fraktionen eingenommen werden kann. Keine umwerfenden Neuerungen, aber ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Von Blutelfen und Draenei
Wer auf seinen hochstufigen Charakter keine Lust mehr hat, Tauren und Menschen einfach nicht mehr sehen kann oder auch erst mit dem Addon zu »World of Warcraft« stößt, kann jetzt zwischen zwei zusätzlichen Rassen wählen: den magiesüchtigen Blutelfen auf Seiten der Horde oder den anmutigen Draenei bei der Allianz. Beide Rassen bieten neben eigenen Startgebieten und Hauptstädten auch ein einzigartiges Reittier. Blizzard hat sich bei den Neuen besonders viel Mühe gegeben. Die Startgebiete sind extrem farbenprächtig und wunderschön gestaltet, die Animationen und Sprach-Emotes sehr detailverliebt und auch die Startquests beider Seiten sind gut durchdacht.

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Riesige Pilze wachsen in den Zangarmarschen.
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Leider hat man es verpasst, neue Klassen einzuführen. So spielt man als Blutelf die alten Inhalte eigentlich nur in neuem Gewand. Neu ist hingegen, dass man als Blutelf auch die ursprüngliche Allianz-Klasse Paladin, als Draenei den Horden-Schamanen wählen kann. Unserer Meinung nach wird jedoch die Grenze zwischen den Fraktionen unnötig verwässert.