Mit der Ankündigung von World of Warcraft: Legion auf der diesjährigen gamescom hat Blizzard gleich mit mehreren Gewohnheiten gebrochen. So wurde die neue Erweiterung nicht nur so früh wie nie zuvor, sondern vor allem erstmals nicht auf der hauseigenen Messe, der Blizzcon in Kalifornien, angekündigt. Aufgrund der Reaktionen auf Warlords of Draenor und des damit verbundenen Abonnentenschwunds war dies wohl auch ein notwendiger Schritt. Nicht zuletzt deshalb ist die Ankündigung auf der gamescom auch eine Würdigung der europäischen Fans von World of Warcraft.

Was wurde da mit World of Warcraft: Legion überhaupt angekündigt?

Nun stellt sich nach der Präsentation von Legion die Frage, ob die Erweiterung neuen Schwung in das mittlerweile zehn Jahre alte Spiel bringen kann und ehemalige Spieler dazu motiviert, nach Azeroth zurückzukehren oder ob der Abwärtstrend des letzten halben Jahres anhalten wird. Um dies zu klären, ist ein Blick auf die bislang angekündigten Inhalte natürlich sehr hilfreich, deshalb:

  • Neue Maximalstufe 110
  • Neue Heldenklasse: Dämonenjäger
  • Neues Feature: Artefakt-Waffen
  • Neuer Kontinent: Verheerten Inseln
  • Fünf neue Gebiete: Der Hochberg, Val’sharah, Azsuna, Suramar, Der Verheerte Strand, Sturmheim
  • Klassenspezifische Ordenshallen und Anhänger (Ordenshallen dienen dazu, dass ihr einen Aufenthaltsort für eure Klasse habt; dort trefft ihr nur auf Spieler eurer Klasse)
  • Neue Dungeons und Raids
  • Neues PvP-System
  • Dalaran als neue neutrale Hauptstadt
  • Direkt-Boost auf Stufe 100

World of Warcraft: Legion - Alles wieder gut?

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Legion führt zahlreiche Neuerungen ein - die Frage ist nur, ob sie letztlich auch überzeugen können.
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Die Geschichte der neuen Erweiterung wird hierbei an die Ereignisse in Warlords of Draenor anschließen und lässt die brennende Legion nach Azeroth zurückkehren. Obwohl noch nicht viel von der Geschichte bekannt ist, wird diese uns wohl von Gul'dan nach Azeroth zurückführen, weshalb wir im Laufe der Zeit auch erneut auf Illidan treffen. Irgendwie klingt dies natürlich vertraut.

Die wichtigsten Neuerungen sind mit Sicherheit die neue Heldenklasse, der Dämonenjäger, und die Ordenshalle, die nach den ersten Ankündigungen ein wenig wie eine Garnison light daherkommt. Die sonstigen Features sind eigentlich alles Dinge, die wir von den bisherigen Erweiterungen gewohnt sind: neuer Kontinent, Erhöhung der Maximalstufe, neue Dungeons und Raids – soweit also keine Überraschung.
Es fällt allerdings auf, dass Blizzard auf einige, teilweise langjährige, Wünsche aus der Community eingegangen ist. Zuvorderst ist hier natürlich die neue Klasse des Dämonenjägers zu nennen, der schon seit Burning-Crusade-Zeiten auf der Wunschliste vieler Spieler ganz oben stehen dürfte. Des Weiteren haben die Entwickler endlich eine grundlegende Überarbeitung des PvP-Systems angekündigt – eine neue PvP-Zone war allerdings noch nicht dabei. Zu guter Letzt geben sie uns mit den Artefakt-Waffen die Chance, eine der legendären Waffen, wie etwa den Aschenbringer oder den Schicksalshammer, zu schwingen.

Packshot zu World of Warcraft: LegionWorld of Warcraft: LegionErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Weitere Änderungen wurden ebenfalls für die Berufe angekündigt. So soll es für alle Berufe eigene Questreihen geben, das Berufssystem generell nochmals überarbeitet werden und das Berufe-Interface eine Anpassungen erhalten. An dieser Stelle hat wohl die umfangreiche Kritik am Design der Berufe in der aktuellen Erweiterung und die übermächtige Rolle der Garnison zu einem Umdenken geführt.

World of Warcraft: Legion - Cinematic Teaser - Gamescom 201511 weitere Videos

Letztlich wird es mit der Rückkehr von Dalaran auch wieder eine neutrale Hauptstadt geben, in der sich alle Spieler sammeln können, nachdem man in der aktuellen Erweiterung einen Großteil seiner Zeit in der eigenen Garnison verbracht hat. Bleibt an dieser Stelle natürlich interessant, wie das Erscheinen von Dalaran über den verheerten Inseln erklärt wird, zumal bislang von der Geschichte noch recht wenig bekannt ist.

Im Fokus

Besondere Beachtung verdienen wohl vor allem die drei neuen Hauptfeatures von Legion. Die Ordenshallen wirken auf den ersten Blick wie eine abgespeckte Version der Garnison. Allerdings sind diese nicht mehr nur für den eigenen Charakter verfügbar, sondern für alle Spieler derselben Klasse. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass die einzelnen Klassen wieder mehr Bedeutung erlangen und der Spieler sich mit dieser verstärkt identifiziert. Zudem werden die Ordenshallen beim Entwickeln der Artefaktwaffen eine zentrale Rolle spielen und Ausgangspunkt einiger Questreihen sein. Im Zuge dieses Features wird das Anhänger-System aus der Garnison überarbeitet und wir werden wohl bis zu fünf Champions erhalten, die für uns ebenfalls Aufträge erfüllen. Bleibt abzuwarten, wie dieses System funktioniert und welchen Einfluss es auf unser Spielerlebnis haben wird.

Legion bietet mit der Rückkehr der Brennenden Legion und den angekündigten Neuerungen einen interessanten Ansatz für die kommende Erweiterung. Ob es überzeugen kann, werden die kommenden Monate zeigen.Ausblick lesen

Die zweite Neuerung sind die Artefakt-Waffen. Relativ früh in der Erweiterung werden wir ein Artefakt finden, welches zur Herstellung der klassenspezifischen, beliebig anpassbaren Artefakt-Waffe benötigt wird. Die Waffe wird den Spieler über die gesamte Erweiterung begleiten und soll im Verlauf des Spiels immer weiter entwickelt werden. Wie dies genau aussehen wird, ist momentan nur zu erahnen, jedoch wird es mindestens unterschiedliche Erscheinungsbilder der Waffen zur jeweils ausgewählten Skillung geben. Ob dies langzeitig motiviert, lässt sich kaum vorhersagen. Die Idee klingt jedenfalls interessant und erinnert ein wenig an das Aufwerten des legendären Rings in Warlords of Draenor.

Die dritte große Neuerung ist die neue Heldenklasse, der Dämonenjäger. Seit vielen Jahren auf der Wunschliste vieler Spieler ganz oben, wenn es um die Frage nach einer neuen Klasse im Spiel geht, erhört Blizzard nun diese Rufe. Sie halten die Rückkehr der Legion für einen idealen Zeitpunkt, den Dämonenjäger als spielbare Heldenklasse ins Spiel zu bringen. Die Wahlmöglichkeiten sind in Bezug auf das Volk sehr beschränkt, da Lore-technisch nur die Elfenvölker der Nacht- und Blutelfen zur Auswahl stehen. Als Melee- und Tankklasse bleibt abzuwarten, wie sich der Dämonenjäger vom Mönch, Krieger, Todesritter oder auch Paladin unterscheiden wird.

World of Warcraft: Legion - Alles wieder gut?

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Ändert man nichts, meckern die Fans. Ändert man zu viel, meckern sie erst recht. Blizzard hat momentan auch keine einfache Aufgabe.
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Wird Legion WoW wieder in bessere Zeiten führen?

Der Abonnentenschwund im Laufe der aktuellen Erweiterung ist ein mehr als deutliches Warnsignal, dass die Fans mit dem momentanen Weg, wie er in Warlords of Draneor gegangen wurde, nicht zufrieden sind. Nach der Ankündigung von Legion bleiben allerdings ebenfalls viele Fragen offen. Es gibt neue Inhalte, die bei entsprechendem Design durchaus für neue Motivation sorgen können, wie die Ordenshallen oder auch die Artefaktwaffen. Die Rückkehr in die alte Welt und die Aussicht auf eine gemeinsame Hauptstadt sind ebenfalls ein erfreulicher Punkt. Die weiteren Features sind letztlich eher business as usual, wie sie bei jeder Erweiterung angekündigt werden.

Wirkliche Details wurden bislang nicht bekanntgegeben und so bleibt noch unklar, in welche Richtung Legion führen wird. Die Bedrohung der Brennenden Legion zählt zu den Höhepunkten im WoW-Universum und dennoch fühlen anscheinend viele Spieler, dass es doch zu sehr ein Wiederholen von bereits Bekanntem ist. Die gewaltigen Reaktionen auf die Ankündigung offenbaren eine deutliche Spaltung der Spieler. Ein Großteil der Spieler ist mit dem aktuellen Weg der Entwickler nicht zufrieden. Sie kritisieren die zu erwartenden Inhalte, die Geschichte und sehen in den neuen Inhalten eher eine Wiederholung alter Inhalte. Demgegenüber stehen aber eine Gemeinschaft, die den neuen Features gegenüber sehr aufgeschlossen ist und sich freut, dass Blizzard das Blizzard viele Wünsche aufgreift.

Obwohl nur wenige Details bekannt sind, zeigen die aktuellen Diskussionen in den Foren doch, dass sich Blizzard nicht noch einmal so ein Debakel wie in Warlords of Draneor leisten kann, das sich irgendwie nie ganz richtig angefühlt hat und in dem es für eine Vielzahl der Spieler einfach keinen lohnenden Endgame-Content gab.