Was geschah bei White Wolf wirklich? Wie konnte es passieren, dass man neun Jahre an World of Darkness bastelte und am Ende doch nichts, aber auch gar nichts dabei herauskam? Ein ehemaliger Mitarbeiter packt jetzt aus und beschreibt eine Krankheit, an der nicht nur CCP und sein Tochterstudio leiden, sondern die komplette Branche.

Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit das letzte Mal, dass wir uns mit World of Darkness beschäftigen. Das Spiel wurde kurz vor dem letzten EVE Fanfest eingestellt, die Entwickler entlassen. Der Titel würde eigentlich längst in Frieden ruhen, hätte sich nicht der ehemalige Mitarbeiter Nick Blood noch einmal mit Ian G Williams vom Guardian zusammengesetzt, um die letzten neun Jahre aufzuarbeiten.

Zehn Jahre World of Darkness

Tatsächlich ist es fast eine Dekade, in der man sich in Atlanta vorwiegend mit dem Vampire-MMORPG beschäftigt hatte - bis CCP vor zwei Monaten die Notbremse zog und das komplette Projekt einstampfte. Kein Wunder, dass die Fans von White Wolf und deren Titeln gehörig wütend auf CCP sind, die ihrer Ansicht nach ein vielversprechendes Franchise zugrunde gerichtet haben. Doch ganz so einfach ist die Geschichte nicht.

3 weitere Videos

Als CCP sich White Wolf einverleibte, war das Unternehmen, das sich in den Jahren zuvor nicht ausreichend auf die virtuelle Konkurrenz eingestellt hatte, nämlich de facto pleite. EVE Online zählte damals gerade 100.000 Abonnenten und die Isländer hatten das nötige Kleingeld, um die Vampire-Experten zu retten - in der Hoffnung, damit das eigene Portfolio zu erweitern. Es gab keine Entlassungen und keine Umstrukturierungen - White Wolf operierte weiter so wie zuvor.

Schimpfen, statt arbeiten

Und man operierte lange Zeit recht bequem, denn man hatte keine knappen Budgets mehr. Die Rechnungen wurden brav von Papa Hilmar übernommen. Entsprechend unbesorgt chaotisch liefen laut Nick Blood auch die Arbeiten ab. Jeder bastelte irgendwie vor sich hin. Unzählige kleine Bausteine wurden entwickelt und wieder verworfen, weil sie nirgendwo hineinpassten. Statt eine konkrete Vision, ein Spielkonzept zu entwickeln und zu verfolgen, verloren sich die Chefs in lautstarken Auseinandersetzungen.

3 weitere Videos

Erschwerend kam hinzu, dass CCP immer wieder Mitarbeiter abzog, um bei EVE Online oder Dust 514 auszuhelfen. Denn wenn White Wolf schon nichts produzierte, so mag man sich in Island gedacht haben, wollte man wenigstens hier und da ein etwas von der Arbeitskraft nutzen. Doch auch diese Idee führte nur zu weiteren Problemen. Das Chaos sprang auf EVE Online: Incarna, das Carbone-Engine-Projekt und schließlich auch auf Dust 514 über - World of Darkness stockte quasi komplett.

Schall und Rauch

Drei Alpha-Phasen soll es im Laufe der Jahre gegeben haben - drei komplett neue Ansätze, die im Kern kaum ein nennenswertes Spielkonzept boten. Was die Leute von White Wolf auf dem einen oder anderen EVE Fanfest präsentierten, war nichts weiter als Schall und Rauch - so selbstbewusst vorgetragen, dass selbst erfahrene Fans, Journalisten und vielleicht selbst die Leute von CCP davon überzeugt sein mussten, dass man in Atlanta an etwas Großartigem arbeitet.

Und doch ging es in all den Jahren nicht voran. Intern musste man bei White Wolf wissen, dass man das Spiel nicht vollenden würde. Doch wer ist schon so verrückt und setzt seinen Job aufs Spiel, indem er mit derart gefährlichen Informationen zum Chef rennt oder gar an die Öffentlichkeit geht? Letzteres passiert ohnehin immer erst, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

3 weitere Videos

Nun könnte man darüber spekulieren, wie schrecklich White Wolf oder CCP als Firmen sind, wie verantwortungslos die Chefs, wie dumm die einfachen Entwickler. Doch das, was mit World of Darkness hier geschehen ist, ist kein Einzelfall. Im Gegenteil - nahezu jedes MMOG der letzten Jahre hatte während der Entwicklung mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Je mehr, desto weniger

Je mehr Geld einem Studio dabei zur Verfügung stand, desto länger wurde das unvermeidbare Release-Debakel hinausgezögert. Die meisten MMOGs funktionierten anfangs zwar irgendwie, doch wirklich gut konzeptioniert war tatsächlich kein einziges und auch der von Fans so gerne gefeierte Marktführer hat sich in Bezug auf Titan nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Raten kann man all den hoffnungsvollen Studios da draußen eigentlich nur eines: Hört auf mit der Geheimniskrämerei. Öffnet eure Studios. Ladet euch regelmäßig Experten ein, die wirklich etwas von der Materie verstehen, die nicht betriebsblind sind und die euch in aller Deutlichkeit sagen, was ein Spieler heute und in ein paar Jahren von einem guten Titel erwartet und was nicht. Hätten CCP, Funcom, Mythic, BioWare, NCSoft, Blizzard und all die anderen Unternehmen sich rechtzeitig Hilfe geholt - was hätten wir Spieler heute für einen Spaß. Und so mancher Entwickler stünde heute noch in Lohn und Brot.

EVE Online - Wendepunkt mit Kronos

Bleibt nur zu hoffen, dass die 49 Mitarbeiter, von denen sich CCP aktuell verabschiedet, die vorerst letzten sein werden und dass das Unternehmen wieder zu der Teamfähigkeit zurückfindet, der man seine Existenz zu verdanken hat. Der Fokus auf das EVE-Universum ist mit Sicherheit vernünftig, warten mit Valkyrie, Project Legion und EVE Online selbst, das in der vergangenen Woche mit Kronos seine letzte große Erweiterung bekommen hat, doch genügend schwierige Aufgaben vor den CCPlern.

3 weitere Videos

Natürlich wird an EVE Online auch weiterhin gearbeitet - jedoch hat man den Rhythmus von zwei großen Updates im Jahr für zu lang befunden. Fortan soll es alle sechs Wochen ein Update geben, bei dem man sich nicht mehr so sehr auf die großen “Jesus-Features” konzentrieren will, sondern auf die unzähligen kleinen Dinge, die man jahrelang vernachlässigt hatte. Ein Vorwand für Sparmaßnahmen? Hoffentlich nicht.

Star Citizen - ich fliege!

Tatsächlich wird es höchste Zeit, dass CCP alle Energie in den Ausbau von EVE Online steckt, denn die Wettbewerber arbeiten äußerst effizient. Auch wenn sich sowohl Star Citizen als auch Elite: Dangerous konzeptionell stark von EVE Online unterscheiden, wird sich der isländische Weltraum-Dinosaurier doch bald an der aufstrebenden Konkurrenz und deren krassen Möglichkeiten messen lassen müssen.

Ich kann das sagen, denn ich fliege bereits. Ich habe das Dogfighting-Modul auf der Platte und meine ersten Runden im Arena Commander gedreht - jenem Modul, das später mal das Herzstück von Star Citizen werden soll. Chris Roberts hat sich also nicht, wie viele Kritiker vermutet hatten, auf den Bahamas niedergelassen. Er hat vielmehr das getan, was die meisten anderen Studios verweigern und zeigt vor, welches Konzept er mit dem Kern-Gameplay von Star Citizen verfolgt, auf dass die Fans dabei helfen mögen, es zu verfeinern.

3 weitere Videos

Nun ist meine Erfahrung noch nicht besonders umassend und diese Kolumne nicht die richtige Stelle, um den Arena Commander in aller Ausführlichkeit vorzustellen. Eines sei jedoch schon vorab gesagt: In seiner jetzigen, unoptimierten Form läuft das Modul auf meinem i7-Testrechner mit einer 660er-GeForce in wahrhaft atemberaubender Optik und, abgesehen von ein paar Knarzern im Sound, ohne große Aussetzer. Das Spiel bietet exakt das, was man in den Videos zu sehen bekommt - hier spielt Roberts mit offenen Karten.

The Division - Propaganda-Award für Ubisoft

Mit weniger offenen Karten spielte man in den letzten Wochen und Monaten bei Ubisoft. Die Ankündigung, dass wir 2014 in den Genuss des Tom-Clancy-Spiels The Division kommen würden, entpuppte sich als ebenso unrichtig wie das vorgebliche Gameplay-Video, das man eigens gefälscht hatte, um die Fans in einen Hype zu versetzen. Schall und Rauch also, wie man es in der Branche mittlerweile gewohnt ist.

3 weitere Videos

Es scheint, als habe man bei Ubisoft aus dem jüngsten Debakel gar nichts gelernt. Obgleich ein redseliger Entwickler angedeutet hat, dass The Division noch immer am Anfang seiner Entwicklung steht, hat Ubisoft einen neuen Trailer vorbereitet. Man will auf der anstehenden E3 ja etwas vorzeigen können. Und damit wir uns alle schon vorab wahnsinnig auf den neuen Film freuen, der natürlich wieder reine Gameplay-Szenen zeigt, haut man vorab schon mal einen Teaser vom Teaser raus. Krass, nicht wahr?

World of Warships - geht keinesfalls unter

In Sachen Propaganda nicht minder talentiert sind die Jungs von Wargaming. Die haben schon mit World of Warplanes gezeigt, dass ihre Filme gemeinhin wenig bis gar nichts mit dem zu tun haben, was die Spieler zum Release zu erwarten haben. Und diesen Kurs setzt man auch mit World of Warships fort, wie der E3-Trailer mit dem stimmungsvollen Titel “The Storm” zeigt.

3 weitere Videos

Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass wir in Wargamings nächstem Titel tatsächlich Flugzeuge und Kriegsschiffe in einem Gefecht erleben werden, wenn die Entwickler schon auf U-Boote verzichten wollen. Richtig gelesen - World of Warships wird keine U-Boote unterstützen. Das liegt natürlich nicht an der miesen Engine, die ein Abtauchen zu einer technischen Herausforderung werden ließe. Vielmehr wollen U-Boote, wie die Entwickler aktuell verrieten, einfach nicht ins Konzept passen. Noch Fragen?

Skyforge - die Allianz

Ein wenig überzeugender, weil näher am Gameplay, ist da schon der Trailer zu Skyforge, den Allods Team und Obsidian für die E3 vorbereitet haben. Das Video zeigt neben ein paar Landschaften und immerhin auch schon mal vage Ansätze von Gameplay. Außerdem lässt sich an dem Film erkennen, dass die alliierten Studios offenbar auch vorhaben, innerhalb der Thematik von Magie und Technik eine interessante Geschichte zu erzählen.

3 weitere Videos

Skyforge gehört aktuell wohl zu den vielversprechendsten Themepark-MMORPGs, die derzeit in der mehr oder weniger westlichen Welt noch in Entwicklung sind. Zumindest haben sowohl Obsidian als auch Allods Team eine durchaus interessante Vergangenheit vorzuweisen und mit My.Com zudem einen Publisher im Rücken, der sich ganz offensichtlich Großes vorgenommen hat.

Archlord 2 - der Katastrophe zweiter Teil

Großes hat aktuell auch Webzen vor. Nachdem der Publisher nun die Fusion mit der ehemaligen Gala-Plattform gPotato abgeschlossen hat, arbeitet man dort nun am Start der Closed-Beta zum Nachfolger von Archlord. Dieses Spiel allerdings war im Original schon so schlecht, dass man sich fragen muss, ob die Welt wirklich einen Nachfolger gebrauchen kann.

3 weitere Videos

Wie schon der erste Teil versucht auch Archlord 2, das altehrwürdige Lineage 2 in einer derart offensichtlichen Art und Weise zu kopieren, ohne dabei jedoch dessen Mechaniken auch nur ansatzweise vernünftig umzusetzen, dass mir als ehemaligem L2-Spieler speiübel dabei wird. Während also einige südkoreanische Teams der ehemaligen B-Liga versuchen, mit Spielen wie Black Desert und Bless zur Spitze aufzuschließen, bleiben andere lieber der Tradition treu und erschaffen weiterhin grottige Plagiate, in der Hoffnung, dass es noch genügend Ahnungslose gibt, die sich damit begnügen.

The Secret World - zurück nach Tokyo

Da empfehle ich all jenen, die wirklich ein paar unterhaltsame Stunden mit einem MMOG verbringen wollen, doch lieber The Secret World. Funcoms Online-Thriller ist mittlerweile abofrei spielbar und nebenbei das wahrscheinlich meistunterschätze MMOG überhaupt - sofern man nicht kopflos grinden, sondern ein paar ebenso spannende wie knackige Abenteuer erleben möchte.

3 weitere Videos

Aktuell wurde The Secret World mit Tokyo um ein neues Gebiet erweitert - zumindest einen Teil davon. Wobei es sich eher um eine Rückkehr nach Tokyo handelt, immerhin verbrachte man schon zum Release als neuer Spieler seine ersten Minuten im Untergrund der japanischen Metropole, die quasi Ausgangspunkt allen Unheils ist, das über die Welt hereingebrochen ist.

Ausblick

Derweil bringe ich im Auftrag des Dominion weiterhin Unheil über den Planeten Nexus und verfasse in den nächsten Tagen meinen ersten Reisebericht. Wenn ich der quietschbunten Comic-Grafik nach einer Weile überdrüssig geworden bin, schwinge ich mich in die Hornet, um meine Runden in Star Citizen zu drehen - auch darüber demnächst mehr. Und dann werden in den nächsten Tagen, anlässlich der E3, noch unzählige Videos zu allen erdenklichen Titeln aufschlagen, die mit Sicherheit Thema am kommenden Samstag werden dürften.